Vor einem Jahr…
Garry Poppers u.d. Möse des Schreckens 8
Die Kunst zu Kochen
»Ihhgitt.« Garry klappte den Deckel des Kartons wieder zu. Der Geruch nahm ihm den Atem.
Er stand mit Tom in seinem Zimmer vor dem Kleiderschrank, in den er beim Einzug den Inhalt seiner Koffer achtlos hineingeschüttet hatte.
»Wie soll ich das nur Fagrid erklären?«
»Sag ihm doch Debille hat sich draufgesetzt.« Tom grinste bösartig.
»Mhm.. ich sag einfach er ist weggelaufen.«
»Debille? Wieso sollte er weg-«
»Der Pudel! Ich sag einfach… ich hab ihn mit einem Telegramm nach Oer-Erkenschwiek geschickt.«
»Die Pudel bringen die Briefe aber nur bis zur Poststelle…«
»Tom auf wessen Seite stehst du eigentlich? Himmel nochmal!«
»Schimpf doch ned gleich wieder.« Tom sah Garry kleinlaut an. »Was machst du mit dem…. Rest?« Er beäugte den halb zerdrückten Karton.
»Ich kümmer mich drum.« Garry schulterte seinen Rucksack mit Schulbüchern. »Ich muß los. Sonst komm ich zu spät zum Kochen und Schminken.«
»Viel Spaß mit Professor Rape…«
»Kommst du nicht mit?«
»Ich muß zum Direx. Er lässt jeden Schüler zu einem Kennenlerngespräch kommen…« Tom sah unwohl drein.
»Tja dann.« Garry klopfte ihm auf die Schulter. »Bis nachher… und mach nichts, das du nicht auch mit mir machen würdest…«
Garry war schon durch die Tür, als ein Buch über »Voguing-Techniken» dort einschlug, wo Sekunden vorher sein Kopf gewesen war.
Süßliche Dämpfe durchzogen die Versuchsküche. An vier raumlangen Mitteltischen und zwei Seitenkoven, standen insgesamt 32 Schüler und versuchten mit unterschiedlichem Erfolg, die ersten Schritte auf dem Weg zur Haute Cuisine zu gehen. Messer lösten Filets aus, Mixgeräte surrten, Schaumlöffel fizzten in Marenaden-Cremes. Begleitet vom Surren der Dunstabzugshauben und leisem Geblubbere aus einem dutzend Kochtöpfen. Irgendwo am anderen Ende des Raumes, bei den Fleischvorspeisen hobelte Moany gefrorenes RInderfilet in fingerdicke Scheiben. Sie ignorierte den Mißliebigen Blick den der Professor ihr im Vorbeigehen zuwarf.
Am Vorsuppen-Herd starrte Garry unglücklich in seinen Topf mit Lauchcreme-Suppe.
»Mr. Poppers«, eine Hand legt sich auf Garrys Schulter. »Das riecht ja ganz und gar abscheulich. Wieviel von dem Weißwein haben sie denn zugegeben?« Professor Rape begann die Schultern des Jungen zu kneten.
»Ähm Ähm …naja ich habe wie es im Buch steht zwei Esslöffel von dem-«
Rape tunkte einen Finger in Garrys Topf und kostete.
»Weinessig, Mr Poppers. Das ist Weinessig! Nur jemand mit den Geschmacksknospen eines bronchenkranken Buschleguans würde dieses Gebräu noch essen…«
Rape wischte seinen Finger an Garrys Ärmel ab. »Es sieht aus, als wäre der berühmte Garry Poppers in der Küche genauso eine Niete wie sein Vater.«
»Welcher! Ich habe Zwei!« fauchte Garry. Er blicke finster zu Rape auf.
»Du hast? Ich bewundere deinen Optimismus Junge. Soviel ich weiß sind sie-«
»Sie… sie sind verschwunden! Niemand weiß wo sie sind.«
Rape schüttelte den Kopf.
»Dann haben sie ja etwas mit den Zutaten dieser Suppe gemeinsam, Poppers. Los mach deinen Topf sauber. Ich bin schon sehr gespannt wie uns deine leichte Vanillecreme zum Nachtisch munden wird.«
Der Professor schwebte davon um sich anderen Schülern zu widmen. Garry stellte die Suppe zum Eindicken auf die Herdplatte zurück, öffnete den Kühlschrank und entnahm seine Sturzform mit der Vanillecreme. Er klopfte prüfend mit einem Löffel auf die steinharte Masse. Er drehte die Form. Die leichte Creme machte keinerlei Anstalten auf das Dekortellerchen zu gleiten.
»Verdammtes…«, Garry klopfte die Form nocheinmal umgekehrt auf das Tellerchen. Es zerbrach.Ein Blick über die Schulter, aber bisher hatte niemand etwas von diesem Dessertdesaster mitbekommen. Der Junge nahm eine Gabel zu Hilfe und legte sie wenig später mit verbogenen Zinken wieder beiseite. Vielleicht würde ein Messer…?
»Kommt da jetzt raus du dämliches-«
Kurz darauf wurde ein schwarzhaariger Junge, der drei Bänke weiter an seinem Bisquitteig gearbeitet hatte, von einem durch die Luft sausenden Vanillecremebrocken an der Schläfe getroffen. Er ging zu Boden wie ein Stein, Blut sickerte von einer Kopfwunde auf die Fliesen.
Garrys leichte Vanillecreme war in tausend Teile zersplittert.
»Ist er tot?« Hermoaning hatte sich zu den Schaulustigen neben Garry gesellt.
»Sie bringen ihn in die Krankenstation», murmelte Garry leise. Die Internatskrankenschwester Bernd und einer der älteren Jungen hatten den Verletzten auf eine Bahre gelegt und trugen ihn hinaus.
»Ich fürchte Poppers», sagte Professor Rape, der sich die Kochschürze abband und sie sorgfältig zusammenfaltete. »Das ich für diese Nachspeise keinerlei Sternchen vergeben werde. Auch wenn sie zweifellos ein schlagender Beweis deiner Unfähigkeit ist. Ich hoffe für dich, mein Sohn, das Patrice nicht ernsthaft verletzt ist.«
»Ich bin nicht ihr Sohn! Und es war ein Versehen… ich habe nur ein Messer genommen um die Creme aus der-«
»CREME?« Rape funkelte Garry giftig an. Er warf ihm ein Stück der gipsartigen Masse vor die Füsse. »Du nennst das CREME? Ich habe in Teerkochereien genießbarere Nachspeisen gefunden, Poppers! Und ich werde nicht zulassen, das die hohe Kochkunst in meiner Küche von einem pubertären Rotzbengel derart verhöhnt wird!«
»Aber- aber- aber ich hab doch noch nie- ich meine ich hab mich direkt an das Rezept…« Garry wich vor dem nahenden Rape zurück, der seine Schürze wütend in den Händen wrang.
»Diese Vanilleschaumcreme ist eine Beleidigung all dessen woran ich glaube! Willst du ernsthaft behaupten du hättest nur MEIN Rezept befolgt?«
»Nunja.. ich hab vielleicht etwas viel Geliermittel-«
»ETWAS? Patrice hat eine Gehirnerschütterung!« Rape sah Garry an, wie etwas das unter eine Stein hervorgekrochen war. »Du wirst lmeine Küche nicht zu einem Irrenhaus machen Poppers! Du nicht!«
Just diesen Moment wählte Garrys Lauchcremesuppe um zu explodieren.
Hellgrüner Schleim spritze auf Rape, Schüler und den gesamten Raum. Die irisierend leuchtende Masse zischte leise, als sie die Oberflächen verätzte.
»POPPERS!« Rape wischte hektisch mit der Schürze die zähe Masse von Händen und Gesicht. »Schnell Kinder wascht euch das Zeug ab!«
Die betroffenen Schüler rannten schreiend zu den Waschbecken. Töpfe fielen zu Boden. Öl spritzte aus einer Pfanne und fing Feuer. Die Sprinkleranlage aktivierte sich Sekunden später und löschte das Feuer und durchnässte alles und jeden.
»Raus hier! Alle!« brüllte Snape.
Garry drehte sich zu Hermoaning um und wollte rausrennen.
»Poooopppersss!« Rape hastete Garry hinterher. Ein herumrollendes Glas Kichererbsen brachte diesen zu Fall. Der Junge glitt aus und knallte unsanft zu Boden.
Wasserdämpfe und Rauschwaden durchzogen die Luft. Hustende Jugendliche hasteten zu den Türen hinaus. Wer noch gehen konnte, half denen, die von der Lauchsuppe erwischt worden waren. Die Sprinkleranlage sprotze noch ein zweimal ehe sie abschaltete. Wasserdampf und Qualm zog durch den Raum. Öl tropfte zischend in Wasserlachen. Es roch nach Fett, Ruß und Kohlsuppe.
Der Kopf von Professor Rape schob sich, über ihn gebeugt in Garrys Blickfeld. Er hielt ein seine Schürze in der zur Faust geballten Hand.
»Du… du…!« Seine Augen hatten einen glasigen Glanz angenommen. Er zitterte.
Hermoaning stellte sich zwischen Garry und Rape.
»Es war ein Unfall! Garry wollte das nicht.. Lassen Sie ihn…«
»Geh mir aus dem Weg, Mary Poppins!«
»Lassen Sie ihn in Ruhe! Garry steh auf!« Hermoaning zerrte den Jungen hoch.
»Die Küche ist ruiniert! Alles! Die Marinade… den Sauerbraten.. die kostbaren Gewürzöle!« Rape war außer sich. Er umklammerte die Schürze fester und trat einen Schritt näher auf Garry und das Mädchen zu.
»Ich hab doch alles genau nach Rezept gemacht«, jammerte Garry und duckte sich hinter Hermoaning.
»Du hättest dich verletzen können! Dich und alle hier im Raum! Denkst du eigentlich nach ehe du-«
In diesem Moment wurde die Tür aufgestoßen und Tom stolperte herein. Er schaute verwirrt auf das Inferno, und rieb sich unbewusst über den verlängerten Rücken.
»Ähm. Ist die Kochstunde schon um?«
Er wurde von Garry und Hermoaning fast umgerannt, die den Moment Ablenkung nutzten um an Rape vorbei hinaus zu flüchten.
»POPPERS! Du hast eine Woche Nachsitzen! Und die nächsten drei Monate wirst du Salat waschen und Zwiebeln putzen!!!«
Ein Flasche edlen Rotweins kippte vornüber und entleerte ihren Inhalt zu Rapes Füßen. Ohne hinzusehen schnappte er sich die Flasche, setze sie an den Mund und trank sie leer.
Von Batz am 3, 8, 2004 um 12:52 in Garry Poppers, TagesBatz | 2 Kommentare »___________________________________________________________________________
2 Kommentare zu “Garry Poppers u.d. Möse des Schreckens 8”
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14. März 2007 at 12:52
Jaja, schon witzig dieser Rape der dann plötzlich zu Snape wird… Der arme Halbblutprinz!
16. August 2007 at 3:30
Wer hätte gedacht, dass sich aus einer Küchenszene derart viel herausholen lässt. Gerry scheint ja ein ähnliches Talent in der Küche zu sein wie ich…