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Zappat! – Kapitel 1

Vorbereitungen

Es hätte Gewittern sollen.
Oder wenigstens regnen, aber nichts, nicht mal Vollmond; die Luft war lauwarm und richtig dunkel konnte man es auch nicht nennen, denn in so einer blöden Stadt wird es eben einfach nicht dunkel. Also zumindest nicht so das es gepaßt hätte. Überall Straßenlaternen, Lichter in den Fenstern und flackernder Schein von TV-Geräten, die beständig über die Vorgärten stroboskopierten. Ab und zu jaulte der Hund von unserem Nachbarn, aber auch nicht besonders gut. Das Tier hat Asthma und bei jedem Einatmen pfeift es wie ungeputztes Silberbesteck.

Die Voraussetzungen waren also denkbar ungünstig, es stimmte nichts, nicht mal wir und das wäre ja nun eigentlich das Mindeste gewesen.
Aber Benjamin nahm das ganze sowieso nicht ernst und Karen schien sich mehr auf Daniel zu konzentrieren, als auf unser Vorhaben. Bella hatte sich schon vorher vollaufen lassen und würde wohl alles mitmachen. das keine hastigen Bewegungen erforderte. Sie hockte sich neben Bennie und fand scheinbar alles zum totlachen, angefangen bei ihren Füßen die sie grade anstarrte als wären es singende Frikadellen.

Es stimmte schon, eigentlich war ich der Einzige, der das ganze so richtig ernst nahm, aber das lag daran, das es meine Idee gewesen war. Ich hatte auch die ganzen Vorbereitungen getroffen, genau wie es in dem alten Buch stand, das ich in über Ebay aufgetrieben habe.
Also fast genauso; das Tierblut haben wir weggelassen, weil uns letztes Mal allen schlecht geworden war und Bennie uns erzählt hat, das Blut würde von einem jungen Kätzchen stammen, dem er bei Vollmond den Hals umgedreht habe (obwohl er es in Wirklichkeit aus dem Biologieraum in der Schule geklaut hat) – und wir alle hätten fast gekotzt . Außerdem war etwas von dem stinkendem Zeug auf den Teppich getropft, wodurch ich ‘ne Menge Ärger mit meinen Eltern bekam. Wir hatten noch versucht das Blut rauszureiben, aber nur zwei kleine dunkelrote Tropfen zu einer großen rosafarbenen Fläche verteilt. Mann, hat meine Mutter vielleicht getobt; ob-wohl ich ihr erzählte, das ich plötzlich Nasenbluten bekommen hatte.
Ich las im Buch nach und entschied, daß das Zeremoniell künftig ohne diese Zutat auskommen würde.

Es war nicht einfach unsere Truppe in die korrekte okkulte Stimmung zu bringen – fast noch schwieriger als einen von ihnen zum Mithelfen beim Abwasch zu bewegen.
Man sagt, es wäre leicht sich den Mächten der Finsternis hinzugeben, doch das stimmt nicht ganz. Es ist ein hartes Stück Arbeit überhaupt erst einmal die Aufmerksamkeit eines Dämonen oder Geistes zu erlangen. Besonders mit Leuten die glauben 666 wäre die Vorwahl von Frankfurt und die mit den Händen Furzgeräusche machen, wenn man versucht einen magischen Kreis zu bilden.
Ich wollte das wir Kontakt mit den dunklen Mächten Aufnahmen, doch zu dem Zeitpunkt hatte ich genug zu tun, mich meinen Freunden verständlich zu machen. Denn mir war die Sache bitter ernst, auch wenn das niemand wußte.

An diesem Abend, meine Eltern waren schon mittags weggefahren um Tante Vera zu besuchen, an diesem Abend nun, sollte der “dritte Versuch” stattfinden. Wir hatten die Möbel im Wohnzimmer zur Seite gerückt, die Reste der Pizza und Kartons in der Küche gestapelt und rollten gerade die beiden zusammengeklebten Tapeten-bahnen aus, auf die Bennie die magischen Symbole und unseren Beschwörungskreis gezeichnet hatte.
»Sieht doch gut aus. oder?« Er stellte gerade einen Stuhl auf die sich wieder einrollende Ecke der Tapete. »Hab mir echt Mühe gegeben, Timmi.«
»Ja, ziemlich gut«, erwiderte ich beiläufig. Innerhalb des Kreises war ein Pentagramm – soweit stimmte alles, allerdings irgendwie… ich konnte es nicht genau sagen aber irgend etwas schien falsch. Nun, vielleicht bildete ich mir das auch nur ein.
»Gut, habt ihr die Kerzen? Karen? Daniel- sag mal, müßt ihr euch jetzt die Zungen abkauen? Hallo! Die Kerzen, die verdammten Kerzen!?«
»Jaaaa«. Karen und Daniel teilten sich wieder in zwei Personen, die nun eifrig in ihren Rucksäcken zu kramen begannen. »Hier… ich hoffe es sind-«
»Rosa?! Rosa mit blauen Sternchen???« stieß ich hervor.
Bennie bekam einen Lachanfall und wurde halb in die Tapete eingerollt.
»Naja«, Daniel zuckte unsicher die Schultern, »wir haben keine schwarzen bekommen und Karen meinte die hier wären auch ganz hübsch und äh-«
»Rosa Kerzen?! Was sollen wir mir Rosa Kerzen?!?«
»Mit.. mit blauen Sch-Sternchen…«, japste Bennie und prustete erneut los. »Damit können wir den Geist von Siegfried & Roy oder den lauwarmen Dämon Detlev-den-kleinen-Teufel beschwören. Juhu Jungs, tanderadei, ich komme grad” aus einer todschicken kleinen Hölle, die ist zauberhaft, uhhhh…!«Bennie schlug lachend mit den Fäusten auf den Boden. »Rosa Kerzen, das ist gut. Das ist Klasse!«
»Halt die Klappe!« fuhr ich ihn an. »Und was ist mit Räucherstäbchen, habt ihr die wenigstens-«
»Sie äh- du hast doch gesagt, wir sollen welche mit Opiumgeruch oder Eberesche kaufen…?«
Ich sah Daniel leicht verzweifelt an.
»Ja..?«
»Na, sie hatten nur Süßholz, Moschus und Rosenduft und …äh …wie hieß das andere noch-?«
»Zeder«, half Karen ihm weiter.
»Und habt ihr das wenigstens genommen?«
»Näh- nein Timmi, das roch so komisch, da dachte ich, das wäre bestimmt nicht das Richtige, weil du doch das mit dem Holzgeruch gesagt hattest.«
»Aber Zeder ist doch auch ein Baum, sogar einer der gepaßt hätte.« Ich atmete tief durch.
»Ich hab doch gesagt, das ist kein Vogel«, murmelte Daniel zu Karen. »Na wir haben dann nur das mitgeb-racht«, er griff in seinen Rucksack und hielt mir etwas entgegen, das überhaupt nicht nach Räucherstäbchen aus-sah.
»Tannenduftspray?!« Ich stieß einen hohen kieksenden Laut aus, der irgendwo zwischen Lachen und Schreien lag. »Tannenduftspray!!!«
»Wegen den Bäumen und ähh… das kannst du hinterher noch gebrauch-«
»Tannenduftspray!«
»Wir haben auch noch einen Duftstein mit Fichten-«
»Tannenduftspray!«
»Du brauchst dich nicht aufregen-«
»Ich fasse es nicht. Ihr nehmt das ganze einfach nicht ernst! Tannenduftspray und Rosa Kerzen!!! Und… und ihr habt nicht mal schwarze Klamotten an, Scheiße! Am besten lassen wir’s gleich, ihr könnt euch’en Video rein-schieben und Freddy Krueger glotzen…«
»Hey, reg’ dich ab«, Bella meldete sich zurück. »Wir machen doch mit Timmi, sei doch nicht immer so… so spießig. Wird schon klappen mit den Kerzen, mach dir nicht ins Hemd, Kleiner. Immerhin hat Dani sich schwarze Socken angezo-«
»Hey, die sind nicht-«
»Fast schwarz. Fast.« korrigierte sich Bella und setzte zu einem weiteren Schluck aus der ‘Southern-Comfort’-Flasche an, doch Bennie nahm sie ihr weg.
»Hey, was soll das?«
»Laß uns auch noch ‘was übrig, ja?«
»Mhmmmm«, brummte Bella und robbte leicht unsicher in den Kreis. »Also Los, fangen wir endlich an.«
»Ja! Stellt schon die Kerzen auf«, sagte ich. »Wenn es nicht klappt, wissen wir woran es liegt.«
»Wenn wir doch keine schwarzen Kerzen bekommen haben?« Daniel ist nicht gerade ein Superleuchte, wenn ihr mich fragt. Aber die Mädchen stehen auf ihn, weil er gut im Sport ist und aussieht wie diese Kids aus der Kellogs-Reklame. Immerhin ist er kein Schlägertype. Nur etwas…. ähm, mein Vater sagt immer “einfach gestrickt”. Daniel sah mich an als müßte ich ihm jetzt Hausarrest geben oder sowas. »Wir… vielleicht können wir die Kerzen noch anmalen, hm?« Er spielte nervös mit der Spraydose und nebelte uns aus Versehen mit Fichtenduft ein. »Hoppla… -’tschuldigung. aber denkst du nicht wir könnten die Kerzen-«
»Anmalen, ja klar.« Ich schüttelte genervt den Kopf.
»Ja, mit Edding«, setzte Daniel hoffnungsvoll hinzu.
»Oder mit Schuhcreme«, warf Karen ein.
»Wir versuchen es so«, sagte ich nur. »Stellt sie auf und macht das Licht aus, dann laßt uns endlich anfangen.«
»Jaaaa«, stimmte Bella grinsend zu, »die Dämonen haben nur bis halb neun Sprechstunde.«

Updated: 18, 1, 2008 — 4:44

2 Comments

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  1. Nach Garry Poppers war ich nun neugierig auf weitere Geschichten. Diese hier finde ich wunderbar komisch, wenn das so weitergeht, Donnerwetter, Kompliment :)
    Foxi

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