Vor einem Jahr…
Letztes Lichtspiel: Shark Tale
Kleine Haie
Originaltitel: Shark Tale
Herstellungsland: USA 2004
Regie: Bibo Bergeron, Vicky Jenson, Rob Letterman
Darsteller: Will Smith, Martin Scorcese, Robert deNiro, Renee Zellweger
Es beginnt mit Jaws. Das klassische Leitthema ist erstes Parodie-Opfer eines Films, der fast zur Gänze aus Handlungsversatzstücken, Klischees und In-Jokes besteht. Diejenigen die reflexartig Nachplappern, das hier bei Finding Nemo geklaut wurde, verkennen nicht nur das beide FIlme zur selben Zeit in Produktion gingen sondern auch, das außer der Spezies der Hauptdarsteller wenig Gemeinsamkeiten zwischen den Filmen bestehen. In der Tat ist Nemo einer der wenigen Filme die in Shark Tales nicht eindeutig zitiert werden. Wo Nemo auf knuddelige Herzigkeit, Kulleraugenappeal und simple Moral setzt – und das ganze unnötig auf 100 Minuten dehnt – erzählt Shark Tale seine Geschichte mit viel Zynismus, Tempo, Flappsigkeit und Selbstironie.
Wie immer ist es PDI gelungen eine “A-Klasse”-Stimmbesetzung zusammenzutrommeln, die wieder einmal viel zum Flair der Story beiträgt. Rober deNiro gibt souverän seine Paraderolle als Mafia-Pate – nur diesmal als Hai – Will Smith spielt wie immer Will Smith, nur als Fisch. Und Star-Regisseur Martin Scorcese hat sichtlich Spaß daran einem nervösen, zwilichtigen Kugelfisch Leben einzuhauchen. Selbst das von Renee Zellweger gesprochene “Love Interest” ist seiner Stimmgeberin aus dem mopsigen Gesicht geschnitten. Auch Fischfrauen scheinen gern mal ein Kilo Schokolade zum Frühstück zu vertilgen.
Die Animation steht hinter den erstklassigen Stimmen leider etwas zurück. Zwar ist der Film immer noch witziger anzuschauen als Nemo, aber mit der Grandezza von PDIs eigenem Shrek 2 kann Shark Tale nicht konkurrieren. Die Animationen sind bunt, schräg und hübsch anzusehen – wirken aber cartooniger und weniger plastisch als der grüne Oger und seine Freunde.

Dem Spaß tut dieses kleine Manko aber keinen Abbruch, es erwartet einen immer noch solides Handwerk und keine Sparanimation a la Ice Age. Und alleine das Tempo des Film lässt wenig Zeit für Langeweile. Das zwischen allen FIlmzitaten und Zynismen tatsächlich auch noch eine Story erzählt wird, stört dabei nicht. Es gibt sogar eine klassische Moral, wenn der sanftmütige, leicht effiminierte, vegetarische Hai Lenny am Ende von seinem Macho-Vater so akzeptiert wird wie er ist. Ein Schelm war dabei an eine Parabel auf Homosexualität und Coming-Out denkt. Ein Hai der keinen “Fisch” fressen mag und statdessen lieber mit Fischen befreundet ist, da wird dir Meta- fast zur Alpha-Ebene. Allmählich scheint es zum guten Ton größerer Animationsfilme zu gehören, schwule Figuren in die Handlung zu integrieren. Ob Timon & Pumba, den Rhinos in Ice Age, Kuzco in Emperors New Groove oder jetzt Lenny in Shark Tale. Jack Black spricht den “etwas anderen Hai” mit ungewohnter Zurückhaltung, weit ab vom lauten Habitus seiner bekannten Filmrollen.
Doch trotz dieser nicht wirklich subtil getarnten Message, bleibt wenig Zeit für rührseeligkeiten oder Pathos. Der Film sinkt nie in Tiefen disneyscher Tränendrüsung, woran nicht zuletzt das Fehlen schnulziger Songs seinen Anteil hat. Dreamsworks typisch besteht der Soundtrack aus bekannten Songs, diesmal vorwiegend aus den 70ths, die auch in Ausstattung und Typisierung der Figuren ausgiebig zitiert werden. Die vorherrschende Ironie verhindert zwar, das man sich den Figuren je wirklich Nahe fühlt, aber emotionaler Tiefgang war erkennbar nicht das Ziel der Regisseure. Der Film ist eine verspielte Travestie cooler Mafia- und Blaxploitationfilme.
Und wie kann man einen Film nicht mögen, in dem ein Fisch in der Innenstadt ein Sushi-Restaurant eröffnet – und sich wundert, das die Kunden ausbleiben.
Kleine Haie. Kein großer Film, aber ein großer Spaß.
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Von Batz am 15, 10, 2004 um 11:03 in CineBatz | Kommentieren »___________________________________________________________________________
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- achja der nächste der im Zusammenhang mit Inception vom "Film des Jahres" spricht bekommt einen Schuh an den Kopf. War 2010 echt so mies?
- lange kann es nicht mehr dauern bis die sparkasse verlangt, dass ich IHNEN Zinsen zahle für das Geld auf meinem Kapital-Plus-Sparkonto
- Holt euch den Riesenlotso: http://is.gd/dSGDa
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