Vor einem Jahr…

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    Garry Poppers u.d. Möse des Schreckens 24

    Garry in der Zwischenzeit

    Lautes Scheppern ließ Garry aufschrecken. Klirren.
    Eine Flasche kullerte über den Boden, im Halbdunkeln erkannte er eine Gestalt.
    KLICK. Grelles Licht flammte am Schreibtisch in der Ecke auf.
    »Oh… entschuldigung, ich wusste nicht das Sie schlafen« die Stimme klang wacklig. Genaugenommen schwankte die ganze Person.
    Garry blinzelte ins Halogenlicht. Er hielt eine Hand ausgestreckt vor sich. In seinem Kopf war Echozeit. Das Gehirn schwappte bei jeder Bewegung im Alkohol hin und her und sandte pochenden Schmerz in Schläfen und Stirn, wenn es gegen denn Schädel klatschte.
    »Sie sind doch Poppers« Die Gestalt trat näher und hockte sich aufs Bett. Es war der Vierzehnjährige den Garry im Waschraum angeschnauzt hatte.
    »Wie spät isses?« Garry zog sich am Bettpfosten in die Senkrechte. Nur keine hastigen Bewegungen.
    »Gleich halb vier…«, der Junge beäugte ihn unsicher.
    »Was willst du hier`?« Der Sechzehnjährige massierte sich die Augen. Halb vier? Er hatte den Jahreswechsel komplett verpennt.
    »Ähm… das ist.. mein Bett…Sir.«
    Garry sah sich genauer um. Er war nicht in seinem Zimmer. Er war.. irgendwo… in irgendeinem Raum.
    »Hör mit dem blöden Ge-Sir-re auf… «
    »Wie Sie wünschen, S- Herr Poppers.«
    »Garry einfach Garry, kay?« Garry stellte prüfend die Beine auf den Boden und versuchte aufzustehen. Keine gute Idee, der Boden drehte sich. Oder die Decke. Irgendwas. Er fiel zurück aufs Bett und umklammerte den Bettpfosten fester.
    »Ist alles okay, S- Garry?« Der Vierzehnjährige sah zögerlich drein. »Wenn Sie möchten, Garry, dann können Sie hier schlafen. Ich pack mich auf die Isomatte.«
    »Wer bist du überhaupt?«
    »Benjamin. Benjamin Fennloh. «
    »Bist du neu in Spiffy? Hab dich nie gesehen..«
    »Nein Sir. Garry… Garry mein ich. Das hier ist Vaseline.«
    Der Junge schaute ihn an. Ein wenig ehrfürchtig. Garry hatte diese Wirkung auf andere, doch er bemerkte es kaum.
    »Ah. Das erklärts wohl.« Vaseline. Nicht nur im falschen Zimmer, sondern auch im falschen Haus. Garry zweifelte, das in dieser Nacht einer der Lehrer daran Anstoß nehmen würde. Wahrscheinlich wäre man froh, das die Schüler überhaupt in Zimmer schlafen und nicht in Couchecken und auf dem Esstisch.
    Er sah zu Boden. Der andere Junge kramte irgendetwas unter dem Bett hervor.
    »Was machst du da?«
    »Ähm ich wollte die Isomatte… «
    »Vergiss die Isomatte.« Garry ließ sich nach hinten fallen. »Basti…«
    »Bennie.« Der Junge setzte sich wieder neben Garry aufs Bett.
    »Auch gut.« Garry streifte seine Schuhe ab und rutschte beiseite. »Hör zu- Ich hau bald wieder ab. Ich werd dich nicht wecken. Pack dich einfach ins Bett… ich brauch nur noch etwas um ‘nen klaren Kopf zu bekommen. Hast du ne AlkaSelzer? Oder Aspirin?«
    Benjamin zog die Schublade seiner Kommode auf und fischte zwei Tabletten heraus. Garry langte nach einer angebrochenen Proseccoflasche die neben dem Bett stand.
    »Si- Garry…. soll ich jetzt ins Bett kommen?«
    Garry zuckte die Achseln. Die Welt sollte aufhören sich zu drehen und sein Gehirn aufhören zu pulsieren. Er nahm die Tabletten und verzog das Gesicht als er sie mit Alkohol herunterspülte.
    Der andere Junge senkte den Kopf. Er begann sein Hemd aufzuknöpfen und entkleidete sich langsam. Garry musterte ihn beiläufig. Der magere Brustkorb war von roten Striemen gezeichnet, blauschwarze Prellungen verunzierten die Oberarme.
    Benjamin knipste die Schreibtischlampe aus. Ohne ihn anzusehen krabbelte er zu Garry ins Bett.

    »Sir?« flüsterte er nach einer Weile in die Dunkelheit.
    Garry war schon halb weggedöst.
    »Was?«
    »Wollen Sie anfangen, Sir?«
    »Ich hab gesagt ich heisse Garry«. Der Sechzehnjährige drehte sich herum, so das er Ben zugewandt lag. Für eine Sekunde glaubte er, das der andere zusammenzuckte, ob der unerwarteten Bewegung.
    »…und womit anfangen?«
    Ben schwieg. Im Halbdunkeln erkannte Garry, das der Vierzehnjährige mit offenen Augen gegen die Decke starrte.
    »Hey… was meinst du…?« Garry berührte den Jungen an der Schulter und konnte spüren wie sich dieser verspannte. Er zitterte.
    »Bitte Sir…« Benjamin drehte sich auf die Seite, wandte Garry den Rücken zu. Er war unbekleidet. Es dauerte bis Garry begriff.
    Die Striemen. Die blauen Flecke. Das ganze dämliche Sir-Gerede.
    Willkommen in Vaseline, dachte Garry. Benjamin schien sich seinem Schicksal zu ergeben. Vielleicht hatte er keine Kraft, etwas anderes zu tun.
    Garry nahm das Bettdeck und legte es um den Leib des Jungen. Er schwang die Beine aus dem Bett, suchte seine Schuhe und zog sie an.
    »Dreh dich um.« sagte er.
    Der Junge gehorchte.
    Mittlerweile waren Garrys Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Er konnte das bleiche Gesicht ausmachen, das ihn aus glitzernden schwarzen Löchern anstarrte.
    »Wer?« fragte Garry.
    Benjamin antwortete nicht.
    Garrys Hand schoß nach vorne und umfasste einen Oberarm des Jungen, das dieser leise aufjaulte.
    »Wer war das?« wiederholte Garry. Der Junge schüttelte nur den Kopf.
    »Bitte. Ich kann nicht…«, seine Stimme klang noch piepsiger als zuvor. Er zitterte am ganzen Leib. »Bitte Sir… ich darf… ich darf nicht.«
    Garry ließ ihn los. Ihm war schlecht. Die Benommenheit war verschwunden, statt dessen spürte er Zorn. Er stand vom Bett auf.
    »Nenn mich nicht Sir. Hast du verstanden?«
    Er ging vorsichtig zur Tür. Ab und zu stieß er gegen leere Flaschen und Plastikkorken.
    Eh er den Raum verließ, drehte er sich noch einmal um. Der Umriss des anderen Jungen sah sehr klein und verloren aus in dem ausladenden Bett, das für zwei Personen gedacht war.
    »Du wirst ihm sagen, das er damit aufhört.«, flüsterte Garry. »Und glaub nicht, das ich es nicht kontrolliere.«
    Damit flüchtete er aus dem Zimmer.

    ***

    Benommen, wütend und unruhig streifte Garry durch das nächtliche Internat. Die meisten Schüler hatten sich auf ihre Zimmer zurückgezogen. Einige schliefen in den Gemeinschaftsräumen, in Sesseln, auf den Sofas. Entfernt waren noch vereinzelt Musik zu hören oder ein lautes Lachen.
    Die Luft roch nach Alkoholresten, kalter Asche, Schweiß und Möbelpolitur.
    Langsam durschritt Garry den Gemeinschaftsraum Vaselines, darauf bedacht niemanden aufzuwecken. Einziges Geräusch war das leise Surren eines Ölbildprojekters, der irisierende Muster an die Decke des Raumes warf. Ein Kaleidoskop aus Farben und Formen, die visuelle Antwort auf "Sophie Sorglos Stimmungschwanker"-Pillen. Wenn Garry stehenblieb und zu lange nach oben sah, wurde ihm schwindelig.
    Die drückende Luft bereitete ihm Kopfschmerzen.
    Vorsichtig zog er die Balkontür zur großen Aussenterrasse des Vaselinetraktes auf. Sie war nur angelehnt, frostige Nachtluft wehte herein und ließ seine Wangen prickeln. Er atmete durch, trat hinaus und stützte sich auf dem steinernen Geländer ab. Schnee schmolz unter seinen Fingern. Der Mond hing grell leuchtend im schwarzen, wolkenlosen Himmel. Unten im verschneiten Innenhof saß noch ein kleines Grüppchen um ein Feuer herum, das sie in einem portablen Grill entfacht hatten. Sie sprachen flüsternd. Lachten. Tranken. Ihre Stimmen trieben unverständlich zum Balkom herauf, akustische Kulisse eines ausklingenden Silvesterabends.
    In Garrys kopfen kreisten die Eindrücke dieses Abends sinnlos um die eigene Achse. wie Karusselpferdchen auf dem gleichen Pfad. Wäre es nicht so spät, hätte er jetzt Hermoaning angerufen um mit ihr zu reden. Doch sie war entweder schon mit Dani im Bett verschwunden oder noch dabei die Kölner Tanzflächen unsicher zu machen. Auf jeden Fall wäre sie kaum in der Verfassung, Garry einen Rat zu geben oder ihm auch nur zuzuhören.
    Hinter ihm knirschte Schnee.
    Garry drehte sich herum und sah einen Jungen im Halbschatten der Balkontür stehen.
    »Kannst du auch nich pennen?« Der Junge hielt eine Smirnoff-Flasche am Arm pendelnd, die mit irgendeiner Wodka-Brause-Mischung gefüllt schien. Er nippte daran und verzog das Gesicht. Als er aus dem Schatten trat und sich einige Meter von ihm entfernt auf die Brüstung hockte, erkannte Garry ihn.
    »Malejoy«
    »…gut erkannt.« Zlatko zog ein Bein an den Körper und stütze seine Hände aufs Knie. »Der berüchtigte Garry Poppers. So ganz allein. Keine starke Freundin, die sich vor ihn stellt. Kein kleiner Tommie, der ihm am Rockzipfel hängt… Kein Paul der sich ihm anbietet… Niemand.«
    »Halts Maul…«
    Zlatko nahm noch einen Schluck und grimmasierte neuerlich. Er hielt Garry die Flasche hin.
    »Trink. Ist gut gegen die Kälte.«
    Für einen Moment war Garry versucht, dem anderen die Flasche aus der Hand zu schlagen. Aber ein Teil von ihm widersprach. Zögernd umfasste er den Flaschenhals und nahm einen Schluck. Die Mischung enthielt wohl nur eine homöopathische Dosierung Cola. Der Alkoholgeschmack brannte auf seiner Zunge und zog ihm hoch bis in die Nase und Nebenhöhlen. Garry schluckte und schüttelte sich.
    In der Tat breitete sich ein warmes Gefühl in seiner Kehle aus, das bis in Brust und Bauch hinunterzog.
    »Frohes Neues, Poppers.« Zlatko nahm die Flasche zurück und trank nochmal. Er glitt von der Brüstung und stand jetzt direkt vor Garry. Sein Atmen bestäubte in kleinen Kondenswolken Garrys Gesicht.
    »Warum?« Der Sechzehnjährige sah den Jungen direkt an. Zlatkos Frisur hatte im Laufe der Nacht etwas gelitten. Leichte Schatten unter den Augen zeugten von Schlafmangel.
    »Warum?« Malejoy hob amüsiert die Augenbrauen. »Entschuldige. Es muß am Alkohol liegen. Warum sollte ich dir ein frohes neues Jahr wünschen…?«
    »Vielleicht aus demselben Grund, aus dem du mich von der Straße geschubst hast, als das Auto kam?«
    Für eine Sekunde unterbrach Zlatko ihren Blickkontakt. Dann schaute er wieder auf.
    »Ich hab keine Ahnung wovon du redest, Poppers. Hast du dir von Paul ‘ne falsche Pille andrehen lassen..?«
    Garry trat auf Zlatko zu, das der andere im Ausweichen rückwärte gegen die Brüstung gedrückt wurde.
    »Hör auf mit den Spielchen. Ich weiß das du es warst. « Er näherte sich Malejoys Gesicht so dicht, das er die Wärme spüren konnte die von dem anderen Jungen ausging. »Du hast den Teddy verloren, als du dich neulich mir Francis gekloppt hast. Du warst es. Und es waren deine Klamotten neulich in der Umkleide…«
    Zlatko lachte.
    »Aber ansonsten gehts dir gut ja?« er schob Garry von sich weg.
    »Ich will wissen warum.«
    »Warum was? Poppers-Schatzi, ich weiß nicht was du inhaliert hast, aber bitte laß mich da raus, okay? Ich weiß nicht wo dein lieber Francis irgendwelche Kuscheltiere her hat…«
    Zlatko schob sich an Garry vorbei und wollte gehen. Garry hielt ihn fest.
    »Warum? Ich will es wissen!«
    »Hör auf zu spinnen. Es ist spät und ich hab keinen Bock auf deine Machonummer heute…« Zlatko entzog sich Garrys Griff. »Spar dir das für deinen süßen Tom auf. Der steht doch sicher drauf.«
    Die Erwähnung Toms war zuviel. Garry packte Malejoy am Arm und versetzte ihm einen heftigen Stoß, das dieser auf den Steinboden stürzte. Innert einer Sekunde kniete Garry neben dem Fünfzehnjährigen im Schneematsch und hielt ihn mit einer Hand fest am Hals umfasst.
    »Warum? «
    Zlatko wandt sich in seinem Griff. Er schluckte und rang nach Atem. In einer perversen Sekunde dachte Garry, das es ihm gefiel den Jungen so zu sehen. Er stützte ein Knie auf Malejoys Brust ab. Betrachtete den anderen.
    Das nächste was er wahrnahm war ein prickelnder, pulsierenden Schmerz seiner linken Gesichtshälfte und des Ohrs. Er lag rücklinks auf dem Terrassenboden und Zlatko saß japsend neben ihm. Seine Wangen waren von Tränen gezeichnet. Er wischte sich wütend über die Augen, rieb seinen Hals an dem rot die Abdrücke von Garrys Fingern leuchteten.
    »Warum?« Zlatko schlug ihm mit beiden Händen hart ins Gesicht. »Du willst wissen warum?«
    Die Wangen brannten heiß. Garry stoppte Malejoys Hand, ehe er erneut zuschlagen konnte.
    »Was willst du von mir, Malejoy? Was zur Hölle…?«
    Die Hand des Jungen versuchte sich zu befreien. Sie rangen miteinander. Zlatko schlug Garry mit dessen eigenen Hand gegen die Stirn, das sein Kopf hart gegen den Stein klatschte. Für eine Sekunde sah Garry nur Funken auf schwarzem Grund. Ein kleines privates Silvesterfeuerwerk.
    »Wieso hast du mich nicht abgeworfen als ich einen Meter von dir entfernt stand, wie wärs mit der Frage?« Zlatko drückte Garrys Arm so weit herunter, das er gegen dessen Kehle gepresst wurde.
    »Na wie fühlt es sich an, wenn man keine Luft mehr bekommt?« Der Junge beugte sich tief zu Garry herunter. »Bekommste davon auch nen Harten oder geilts dich nur an, wenn du anderen wehtust?«
    »Von dir bekomme ich ganz sicher keinen Stän-« krächzte Garry, als Zlatko den Druck verstärkte und ihn zum Schweigen brachte..
    »Wir wissen beide, das du lügst…«
    »…ich… luft…« Garry wurde schwindelig. Er umklammerte mit seiner freien Hand Malejoys Arm und versuchte ihn wegzudrücken. Es gelang ihm nicht. Mit einem Mal fiel sein Kopf zur Seite und er beendete jede Gegenwehr. Seine Hand glitt kraftlos am Shirt des anderen herab und blieb neben ihm liegen. Zuckte noch einmal und zerdrückte nur Schnee zwischen tauben Fingern.

    ***

    Es dauerte einige Sekunden ehe sich Zlatkos Griff lockerte. Als er sprach, klang die Stimme dünn. Erschrocken.
    »Hey…? Hör auf damit…« Er berührte Garrys Schulter. Poppers rührte sich nicht. »Fuck. Lass das. Das ist nich witzig…« Er rüttelte ihn heftiger. Garrys Kopf rollte von einer Seite zur anderen. In seinen Augen war nur das Weiße zu sehen.
    Zlatko versetzte ihm in Panik noch eine Ohrfeige.
    »Hey komm schon…. wach auf du Arschloch…. Ich weiß das du nur so tust…«
    Keine Reaktion. Aus Garrys Mundwinkel rann schaumiger weißer Speichel. Zlatko sah sich hilfesuchend um. Schließlich fasste er den Sechzehnjährigen unter den Armen und zog ihn zu sich heran. Garrys Kehle entrang sich ein langgezogenes, pfeifendes Atemgeräusch.
    »Hör auf… « flüsterte Malejoy. Schweiß rann ihm aus dem Haaransatz und den Schläfen herab. Stoßweise trieben Atemwolken aus seinem Mund. Er stützte Garry Kopf gegen seine Brust und versuchte aufzustehen.
    »Komm schon… Ich hab jetzt echt kein Nerv…« Er verlor rücklinks das Gleichgewicht und schlug hin, biß sich aus Versehen auf die Zunge. Er schrie auf, mehr aus Überraschung denn aus Schmerz. Garry Kopf rollte seitlich von seinem Bauch. Er fing ihn und bewahrte ihn davor auf den Steinboden zu knallen. Als er herabschaute, blickte ihn Poppers lächelnd an.
    »Du machst dir ja richtig Sorgen, Zlad.« Garry wischte sich über den Mund.
    »Du… Ich wusste es du Arsch!« Malejoy spuckte aus und schubste Garry von sich weg. Für den Moment fing sich das graue Mondlicht im feuchten Glanz seiner Augen. Er blinzelte und zog wieder die Beine an den Körper. »Arschloch blödes.«
    Garry tat es ihm gleich. Er massierte seinen schmerzenden Hals mit einer Hand und betrachtete Zlatko von der Seite.
    »Du hast-«
    »Halts Maul!« Zlatko sah ihn wütend an. »Halts Maul oder…«
    Garry zögerte, ehe er eine Hand ausstreckte und Malejoys Kopf zu sich herumdrehte.
    »Oder… was?«
    Der Junge hielt seinem Blick eine ganze Weile stand. Er zog sich an der Brüstung hoch, wollte gehen.
    »Vergiß es.«
    Mit einem ausgestreckten Bein brachte Garry ihn aus dem Gleichgewicht und sprang ebenfalls auf die Füsse. Er fing Zlatko, ehe dieser hinfallen konnte und stieß ihn rückwärts gegen die massive Hauswand.
    »Was..?« brachte Malejoy noch heraus, ehe Garry seinen Kopf mit beiden Händen umfasste und ihn auf den Mund küsste. Er drängte den schmächtigeren Jungen mit seinem vollen Körpergewicht gegen die Wand und ignorierte dessen Protest.

    Nach einigen Sekunden erstarb Zlatkos Gegenwehr.
    Er erwiederte den Kuss und schob ein Bein zwischen Garrys Oberschenkel. Der Junge umfasste ihn.
    »Nein…«, flüsterte Garry. Er drehte Malejoy die Arme auf den Rücken und hielt sie mit einer Hand fest, drückte sie nach oben, bis dieser leicht aufstöhnte. Er küsste ihn neuerlich auf den offenen Mund. Zlatko ließ sich führen. Er zitterte und schmiegte sich an Garrys Leib.
    »Und jetzt die Wahrheit…« Garry löste seine Lippen von Hals des Anderen. Er erkannte das Zlatko Trännen wegblinzelte. Für eine Sekunde war er versucht Malejoy dafür zu schlagen. Er unterdrückte den wütenden Impuls.
    »Lass es Poppers. Du weißt doch schon was du wissen willst.« Der Junge sah ihn trotzig an. Noch immer hielt ihm Garry die Arme auf den Rücken. »Vergiß diesen Abend. Vergiß den dämlichen Teddy und die Sache mit dem Auto. Laß einfach gut sein.«
    Garry nahm Malejoys Gesicht in seine Hand, umfasste ihn am Kinn, drückte die Arme des Jungen mit der anderen weiter nach oben. Zlatko gab ein unterdrücktes Geräusch von sich. Garry küsste ihn sanft auf die Stirn.
    »…Warum?«
    Malejoys Gesicht verzog sich zu einem verletzten Lächeln. Seine Augen waren dunkel.
    »Wir machen alle mal ‘nen Fehler, oder?« Er senkte den Blick, versuchte den Kopf aus Garrys Hand zu lösen. »Es hat nichts zu bedeuten.« Zlatko spannte seinen Arm an und befreite sich überraschend mühelos aus der Umklammerung. Er strich sehr zärtlich über Garrys Gesicht und dessen Haare, näherte sich ihm zu einem Kuss. Diesmal sehr sanft. Als sich ihre Lippen trennten, hielt er noch für eine Sekunden den Blick des Sechzehnjährigen.
    »Wir machen alle Fehler. Und wir sind beide betrunken.« Er schob sich an Garry vorbei und bückte sich nach seiner Wodkaflasche.
    »Wenn du mich nicht zur Seite geschubst hättest-« setzte Garry an, doch ein Finger des Anderen legte sich auf seine Lippen.
    »Schschhhh….« Zlatko lächelte ihn wieder an und strich mit einer Hand über seinen Hals, an dem nur langsam die roten Handabdrücke verschwanden.
    »Vergiß es einfach, okay? Wir sind betrunken.« »Hör auf mit der Scheisse. Du bist nicht betrunken.«
    »Gib mir zehn Minuten, Poppers.« Malejoy nahm einen langen Schluck aus der Flasche. »Ich sag ja. Nichts zu bedeuten.«
    Dann drehte er sich herum und ging zurück in den Gemeinschaftsraum.

    Als Garry ihm kurz darauf folgte, war Zlatko verschwunden. Der Ölprojektor surrte beständig vor sich hin und zeichnete schillernde Muster an Wände und Decke.

    Das Piepen und Vibrieren seines Handys riß den Jungen aus seinen Gedanken. Nacheinander erreichten ihn sechs SMS. Fünf davon waren von Tom.
    Die erste stammte von heute Nachmittag ("Freu mich auf dich!"), die anderen beiden waren Antworten auf Garrys besorgte Fragen wo er bliebe. Er hatte seinen Zug verpasst und einer seiner Brüder fuhr ihn mit dem Auto nach Cockwarts. Dann hatten sie eine Panne auf der Autobahn.
    Von kurz nach zwölf stammte die vorletzte: "Scheißsilvester auf nem Rastplatz. Wäre jetzt gern bei dir. In einer Stunde gehts weiter. Kuss. Tom." Die neuste SMS war knapp eine halbe Stunde alt. Sie lautete nur: "Wieso antwortest du nicht? Wo bist du?"

    Garry starrte eingefroren auf das grünleuchtende Display. Er zögerte eine Sekunde, dann wählte er Toms Nummer. Er wartete auf das Rufzeichen.

    Hinter ihm klingelte ein Handy.
    Eine Stimme aus der Dunkelheit.
    »Hattest du einen schönen Abend. Hase?«

    Von Batz am 31, 1, 2005 um 22:28 in Garry Poppers | 1 Kommentar »

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    Ein Kommentar zu “Garry Poppers u.d. Möse des Schreckens 24”

    1. Pink Spider Sagt:

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