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    Heiland – Es kann nur einen geben

    Natürlich, durfte der Sprecher des Vatikan verkünden, Natürlich würde man sich sehr freuen, das der Heiland nun zurückgekehrt sei.
    Es sei nur der Zeitpunkt, etwas ungünstig. So kurz nach Anfang des neuen Jahrtausends und angesichts der Weltlage… das könne zu Missverständnissen führen.
    Schon erreichten Protestschreiben aus Israel, den arabischen Emiraten und Indien die Weltöffentlichkeit. Von einer Geschmacklosigkeit war die Rede, von Anmaßung. Und von Blasphemie.

    Im Vatikan versuchte man zu beschwichtigen. War man ehrlich, musste man zugeben nicht wirklich damit gerechnet zu haben. Sicherlich war man in der Theorie immer davon ausgegangen… aber irgendwie, überrascht hatte es sie alle.

    Besonders jene die immer von einer leisen Wiederkehr geredet hatten. Ja sicher war es eine romantische Vorstellung. Jesus – wiedergeboren irgendwo auf der Welt. Unbemerkt lebend, mildtätig und Gutes bewirkend – doch keiner würde in ihm den Heiland erkennen. Die Ironie! Was das Aussagen würde über die moderne Zeit, die Gedankenlosigkeit der Menschen, die allgemeine Gottlosigkeit! Ja das wärs gewesen. Stell dir vor Jesus kehrt zurück und keiner guckt hin.

    Die Realität hatte leider anders ausgesehen. Mitten zur besten Sendezeit war er gekommen. Live.
    Die versammelten Fans, die sich auf die Abschlussfeier der Fussballweltmeisterschaft freuten, staunten nicht schlecht. Resurrection Prime Time. Mit allen Schikanen.
    Vielleicht war es verständlich, das er diesmal einen großen Bahnhof wollte. Man weiß ja wie schwer die Leute heute zu beeindrucken sind. Und die Handwerkernummer wäre diesmal auch kaum angemessen. DIe haben ja eh keinen so guten Ruf. Am Ende hätte die Schergen von Birgit Schrowange noch einen Extra-Test veranstaltet und rausgefunden, das er für die Anfahrt zuviel berechnet hat und heimlich ins Waschbecken pinkelt. Nein – diesmal sollte nicht tiefgestapelt werden.
    Heiland is back – Und diesmal ist es kein Picknick! Erst kam Britney Spears mit einem Kinderchor und sang die Hymne von Manchester United. Dann kamen die jonglierenden Shaolin-Mönche mit Musik von Angelo Badalamenti. Große Show muß man sagen. Berti Vogts und Thomas Anders hatten Tränen in den Augen, als sie gemeinsam verblüfft von der VIP-Tribüne fielen.
    Wer auch immer die Show gemacht hat – Brancheninsider vermuteten Roland Emmerich habe seine Finger im Spiel gehabt – er wußte was man heutzutage von einer künftigen Wiederkehr erwartete.
    Der Himmel riß auf. Gleißendes Licht flammte auf und glitt in kreisenden Spots über das Spielfeld. Man hatte wirklich an nichts gespart. Triumphwagen zogen durch den Himmel. Engels-Chöre sangen. Es regnete Mana – also wirklich, man hatte sich nicht Lumpen lassen.
    Schließlich kam er dann. Herabschwebend auf einem Lichtbogen zur Musik "…also sprach Zarathustra", Wirklich es war eine gute Show, da war man sich einig.
    Seine ersten Worte waren: "Entschuldigt die Verspätung, aber der Verkehr war die Hölle…"
    Riesenbrüller. Und klasse geplant, das er für jeden Menschen in dessen Sprache redete. Die Simultanübersetzer waren eh verdutzt verstummt und ließen leere Kabinen und einen Geruch nach Menthol zurück.
    Es war schon eine Klasse Show. Gut getimed. Ein bisschen Humor und viel Human Interest. Dann die Heilungen auf der Bühne und per Fernseher, wirklich… Es hieß Uri Geller hätte noch am nächsten Tag seinen Agenten gewechselt.
    Ganz ganz klasse.

    Schwierig war nur die Woche danach.
    Das Medienecho hatte sich gelegt. Alle Boulevardmagazine stellten fest das die Leute nach relativ kurzer Zeit doch gelangweilt waren von Homestories von Gottes Sohn. Es gab keine Skandale, alles war einfach zu gut. Niemand wollte Berichte über einen perfekten Menschen sehen, der den ganzen Tag nur milde lächelte.

    Und überhaupt seine Ideen. Weltfrieden. Das mochte ja auf dem Papier ganz gut klingen, aber so von jetzt auf gleich, befand man ginge das doch etwas schnell. Sowas müsse schrittweise kommen. Da hingen ja auch Arbeitsplätze dran. Die Gewerkschaften bestanden auf einer Übergangslösung und die Geheimdienste waren sich einig, das man so etwas nicht übers Knie brechen sollte.

    Bei den christlichen Kirchen herrschte Unstimmigkeit, wie man mit der Lage umgehen solle. Die Einreise des Heilands nach Rom gestaltete sich schwierig, da er keine gültigen Papiere besaß. Die Aussage wofür das H in Jesus H. Christ stünde, beantwortete der Heiland nur widersprüchlich. Manche sagten, er habe gegrinst als er "Horst" angab. Ein anderes Mal sagte er "Hermes", dann wieder "Hosiannah".
    Überhaupt die Sache mit dem Humor. Leserbriefschreiber an die Super-Illu und Coupe waren sich einig mit den Mitgliedern des katholischen Kirchentages: Dieser Humor war unangemessen. Und das er Interviews gab und sich für die Maxx in einer Fotoserie ablichten ließ. Neckisch grinsend mit blanken Brustkorb an einem Neonkreuz.
    Und das er Wahrheiten verkündete, ständig, überall und jedem der ihn fragte. Illoyal wäre das.
    So dürfe sich der Sohn Gottes nicht verhalten. Volksnah schön und gut, aber ein Foto mit dem Heiland vorm Kölner Dom, Arm in Arm mit einer Gruppe praktizierender Sodomiten – die Public Relations Abteilung des Vatikan legte Nachtschichten ein.

    Es war vielleicht einfach nicht die richtige Zeit gewesen, sagten Kirchenvertreter später.
    Und man habe ihn nicht vertrieben. Er hätte nur geschäftlich zu tun, es gäbe konkrete Pläne für einer neuerliche Wiederkehr.

    Nur nicht so bald.

    In seinem letzten Interview zeigte er sich enttäuscht. Er wirkte angespannt. Der Streit mit den Rechteverwaltern der Heiligen Schrift, der Prozess um die Tantiemen die er in eine Stiftung investieren wollte, hatten an seinen Nerven gezerrt. Auch sein Vorschlag eine korrigierte Auflage der Bibel herauszubringen, mit einem neuen Vorwort von Gott, stieß auf wenig Gegenliebe. Selbst Leute die "Star Wars: Episode 1" mochten, wetterten es sei ein Sakrileg in der Bibel herumzupfuschen. Das die alte Ausgabe einfach etwas schluderig lektoriert gewesen sei, wie Jesus in seiner ungewohnt flapsigen Art sagte, davon wolle man nichts hören.

    Schließlich formierten sich die "Real-Christen". Eine Bewegung die eine Internetpetition an Gott ins Leben rief, in der sie um die Ablösung des Heilandes bat – weil er offenkundig den Kontakt zu den wahren Gläubigen verloren habe.

    Das er gegangen war, merkte man erst, als er nicht zu einem Benefiz-Konzert erschien. Phil Collins und Bono mussten eine Stunde überbrücken.

    Es war vielleicht nicht die richtige Zeit gewesen. Darauf einigte man sich.
    Aber Hoffnung habe er gegeben. Und jetzt mache es wieder Spaß auf eine erneute Wiederkehr zu warten.

    Vorfreude sei ja bekanntlich die schönste.
    Und wir hätten ja Zeit.

    Die DVD seines Auftrittes ist mittlerweile im Nice Price-Segment gelandet.

    Von Batz am 25, 2, 2005 um 9:57 in LiteraBatz | Kommentieren »

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