Vor einem Jahr…
Glauben!
Fast hätte ich den Glauben an unsere Sudelpresse ja schon verloren! Aber pünktlich zur Verkündung, das Springer nun doch nicht Miteigentümer von Pro7 wird und wohl "nur" Sat.1 übernimmt, entdeckt das bundesdeutsche Bildungsmagazin, der Spiegel des kleinen Mannes, endlich das im deutschen Fernsehen seit Montag schwul gefickt wird !

Jaaaa danke! Das gibt mir den Glauben an die Dreckspresse wieder, denn eine bessere Werbung, als das sich die Schmierenjournaille in Text und lüsternden Fotostrecken ereifert kann es für "Queer as Folk" kaum geben.
"In den USA sorgte die Serie für Schlagzeilen, wurde trotzdem zum Quoten-Hit. Oralsex, Analsex, Po-Küssen, Züngeln, zu zweit, zu dritt, im Rudel – und die Kamera ist hautnah dabei"
Kenntnisfrei wie stets, heizt BILD-"Redakteure" (jetzt kommts) DETLEF Wos (sic!) seinen Lesern ordentlich ein. Für alle die es verpasst haben, gibts auch die Rimming- (oder Po-Küssen wie es Herr Wos nennt)-Szene als wirklich lausige Videocaptures zu sehen, versehen mit deftigen Beschreibungen: "Schwulensex im TV: Brian (Gale Harold, r.) verführt den jungen Justin (Randy Harrison) …"
Bleibt zu hoffen das die schmierige Entrüstungsoffensive auch die gewünschte Wirkung hat, denn in einem irrt Herr Wos leider: Pro7 wird keineswegs zum Homo-Sender, sonst hätten sie die Serie kaum so versteckt. Und der Sender muss die Serie auch keinesfalls ins Nachtprogramm schieben weil sie "so heiß" ist, sondern weil die Programmverantwortlichen feige Klemmbembel sind. Als FSK16-Serie dürfte das ganze problemlos ab 22:00 Uhr gesendet werden.
Aber egal, man soll sich ja nicht beschweren, wenn die Springer-Presse mal etwas gutes bewirkt. Hoffen wir also für die kommende Woche auf viele neue Zuschauer, die sich sensationslüstern die "bizarren Geschichten einer Homo-Clique" angucken.
Wo bleiben die ersten besorgten Eltern, die ein Verbot fordern? Kirchengemeinden? Irgendwer? Die Serie braucht Promo!
Von Batz am 12, 1, 2006 um 1:20 in MediaBatzBits, QueerBatz | 18 Kommentare »___________________________________________________________________________
18 Kommentare zu “Glauben!”
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12. Januar 2006 at 11:12
ja ja die bild ist schon ein tolles blatt….
12. Januar 2006 at 17:14
Wenn demnächst endlich “the L-Word” anläuft, drehen sie dann vermutlich entgültig durch. “Lesben und Schwule verdrängen Normale”, “Die Homoinvasion”, “Angriff vom anderen Ufer”, “Gibt es keine Normalen mehr” oder so.
12. Januar 2006 at 17:30
Das haben sie ja jetzt schon fast:
“Im Herbst legt der Sender noch nach. Da soll zusätzlich die Lesben-Serie „The L-Word“ anlaufen. Zwischen Dildos, Dominas und Puderdöschen gibt’s alles über Frauenliebe.”
Dildos, Dominas und Puderdöschen – ja genauso läufts doch bei den Lesben, oder?
Aber eigentlich egal. “Any publicity is good publicity”, solaneg die Serien dadurch mehr Zuschauer finden und damit die weitere Ausstrahlung gesichert ist, solls mir recht sein, wenn der Boulvard vor sich hinsudelt.
12. Januar 2006 at 19:05
“Zwischen Dildos, Dominas und Puderdöschen”
ehm, irgendwie hat der Schreiberling da irgendwas verwechselt, vermutlich grad die monatliche Abrechnung seiner Stammdomina in den Händen gehalten oder so ähnlich
12. Januar 2006 at 20:02
Ist ja mal wieder auffäliig, bei Männern ist die Rede von Sex und bei Frauen von Liebe, ja klar, Lesben ficken nicht, sie halten Händchen und die Dilos sind hellblaue Delphine, die zur Dekoration neben der Puderdose stehen, wie schon gesagt, dass mit der Domina muss irgendewie ein Versehen sein.
12. Januar 2006 at 20:16
*gacker* Das weiß man doch aus den ganzen Männer/Frauen-Sendungen: Frauen denken nie an Sex! Die wollen immer nur reden
Ich mußte grad an die eine Dildo-Szene aus Queer as Folk denken, als Melanie das DIng schnell unterm Sofa versteckt, als die Bewegungs-Schwestern vom Komiteee vorbeikommen…
“Was brummt denn da? Da brummt doch was..? Oh.. ihh….!”
“Das… äh… das ist um die Erde von unseren Zimmerpflanzen aufzulockern…”
13. Januar 2006 at 1:30
Hellblaue Delphine… sehr gut
Ach ja, und: ich fordere ein Verbot! Nein, besser: eine Wertediskussion!
Vielleicht hilft’s ja.
13. Januar 2006 at 10:34
Dildos brummen nicht, das sind Vibratoren, btw.
Diese Delphine gibt es natürlich auch in gelb und rot und auch marmoriert. Alternativ sind dann noch die “Madonnen” zu erwähnen, die stilisierte Frauenkörper darstellen. Auch sehr dekorativ neben der Puderdose.
Wertediskussion, worüber? Das Frauen ficken oder besser Händchenhalten? Hab ich was verpasst?
13. Januar 2006 at 13:11
tjaja, da greift wohl halt die alte weisheit *hust*, dass lesben in wirklichkeit nur mal richtig “rangenommen” werden müssen, dann lassen sie den quatsch auch sein…
homosexualität zwischen männern war strafbar, zwischen frauen nicht (dürfte wohl daher rühren, dass die entsprechenden gesetzgeber männer waren und reichlich homophob, aber lesben… sind ja “irgendwie geil”).
“Dildos, Dominas und Puderdöschen” kann auch so was von hetero sein… wozu braucht frau eigentlich einen dildo… vibratoren sind reichlich effektiver…
…
…
*äh*
*finja weg*
13. Januar 2006 at 20:56
Somlu: Das war nicht auf dich bezogen, sondern auf des Batzes Ruf nach Promo – also statt eines Verbots der Serie eine Wertediskussion über im TV fickende Frauen (und Männer). Was denn da aus unserer christlichen Wertegemeinschaft wird und so. Solche Rufe nach Wertediskussionen haben auch dazu beigetragen (und tun es gelegentlich immer noch), z.B. Counterstrike einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.
15. Januar 2006 at 19:53
Tja, BILD mal wieder! Is ja nun nicht das erste Mal, daß die sich über Schwule im TV mokieren. (Wie war das damals bei Lindenstraße, Anno 92 ?)
Übrigens: Andere schwule TV-Serien sind wegen Beschwerden von “heterosexuellen besorgten Eltern” schon abgesetzt worden: 1996 flog die Serie MONTAGSKINDER (www.montagskinder.de) wg. angeblicher Jugendgefährdung aus zwei regionalen Sendern.
15. Januar 2006 at 20:01
Die Montags-Serien waren aber soweit ich mich entsinne weniger jugendgefährdend als vielmehr eine technische und schauspielerische Katastrophe. Montagskinder und Montagsgeschichten lief damals auch im OK-Hannover und ich würd es sowohl von der technischen Umsetzung, als auch von den Büchern eher als ambitioniertes Laienspiel bezeichnen. Gab auch immer viele Klöppelszenen aber die Dialoge haben mir ein ums andere mal die Schuhe ausgezogen. Von den pointierten Dialogen, gut verpackten politischen Inhalten und Drive der UK und US-QaF waren die Serien doch einige Meilen entfernt.
Klar war das alles im wesentlichen Low-Budget, aber auch in dem Bereich gibts Besseres…
17. Januar 2006 at 0:47
War ich doch über das Wochenende weg und da hat meine Frau doch tatsächlich die erste Staffel L-Word eingekauft. Und eine Erkenntnis über Männerphantasien habe ich schon gewonnen *fg*
“Lesben (paare), die mit Männern ficken, wollen nur ihr Sperma rauben.”
Ansonsten sind die Mädels da attraktive Frauen, mit Kleidergröße 36 (außer einer, die kommt aber als sexuelles Person bisher nicht vor), die als Lesben in der Regel nicht erkennbar sind und somit (bis auf die recht häufigen Sexszenen, weswegen die Serie garantiert zwischen 2 und 3 Uhr morgens ausgestrahlt werden wird) nicht weiter bedrohlich für das Empfinden des durchschnittlichen Heterosexuellen. Ihr kennt ja den seltsamen Spruch “Mich stören die Homos ja nicht, solange sie nicht zu maskulin (Lesbe) oder zu tuntig (Schwule) sind *gähn*.
Ein paar Szenen sind witzig und auch das lesbische Cluster (eine Abwandlung der Theorie, dass jeder jeden über sehs Ecken kennt) hat doch nicht unerheblichen Wiedererkennungswert.
Ich schreib die Tage mal ausführlicher in meinem Blog darüber.
17. Januar 2006 at 0:49
@Sebastian, alles klar.
btw. Wertediskussion, bei dem von Herrn Daniel gerne als PIPI bezeichneten Blog gabs die Tage auch was zum Thema aber alles was ich dazu hätte kommentieren können, wäre eh gelöscht worden.
17. Januar 2006 at 2:23
L-Word wird vermute ich, wenn es im Herbst denn kommt, wesentlich früher laufen als QaF… immerhin gucken Hetero-Kerle attraktikven Frauen doch gerne beim “Liebe machen” zu.
Wieso gibts eigentlich in der Serie kein schwules Quotenpärchen? QaF hatte doch auch Mel und Lindsey! Proootest!!! *gg*
17. Januar 2006 at 12:16
Also, nach Pilotfilm und den ersten zwei Folgen finden sich ein heterosexuelles Quotenpäärchen, allerdings wird die Dame des Hauses vom Anblick der Lesben in der Nachbarschaft in tiefe Verwirrung und dann in eine Identitätskrise gestürzt, weil sie in dämonischer Art und Weise der eleganten und gebildeten (und von allen Heteromännern und Frauen ind der Serie angeschmachteten) Cafe-Besitzerinn verfällt, wo doch ihr Noch-Nicht-Eheman der beste der Welt ist. Und ein als Lesbe identifizierter Mann taucht auf, gendertroubel ich hör dir trapsen. Ansonsten sind sie alle weiterhin schlank, sportlich und sehr amerikanisch.
Eines noch, Männer wollen sogenannten Lesbensex sehen, wie sie ihn sich vorstellen, also immer ein bischen seltsam und unbeholfen, ergo da fehlt was. Vor allem nie die ultralangen Fingernägel vergessen, die für die durchschnittliche Lesbe eher Assoziation von blutigem Gemetzel hervorrufen, was dem Umstand geschuldet ist, dass diese Männer sich tatsächlich nicht vorstellen, dass Frauen miteinander ficken. Was sie sicherlich nicht sehen wollen, ist ein glückliches Lesbepaar, dass in hocherotischer Umarmung sich das Spendersperma eines Bekannten einführt und vorher das freundliche Anerbieten eine Mannes mit ihnen ins Bett zu gehen, ablehnte. Um es kurz zu machen, Männer in Aktion werden nicht gebraucht. Das kann nicht vor 2 Uhr Nachts gezeigt werden.
So, und nun nehm ich dich endlich in mein Blogroll
19. Februar 2006 at 15:45
Bin auch sehr gespannt, ob the L-Word deutlich früher startet als QAF. Ich vermute fast ja.
Hauptsache Queer as Folk läuft überheupt weiterhin und die restlichen Staffeln werden auch gezeigt…
22. Mai 2006 at 18:10
[...] …dann ist es anscheinend etwa, vom dem Pro7 glaubt das es die breite Masse wirklich interessiert. Seit rund einer Woche betrailert der Münchner Sender mit schicken Zusammenschnitten und provokativen Fragen die SHOWTIME-Serie "The L-Word", die ab 30. Mai jeweils zur Erwachsenen-Primetime 22:15 ausgestrahlt wird. Was ich ja mit meinen präkognitiven Fähigkeiten schon im Jänner vorhergesagt hatte. Es war also abzusehen, dennoch entbehrt es nicht eines gewissen Frustpotentials, wenn man miterlebt hat wie verschämt derselbe Sender den schwulen Vorläufer von "The L-Word", die großartige Drama-Serie "Queer as Folk " behandelt. [...]