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    Letzte Lichtspiele – Bits and Pieces 6

    Grieselgrauer Januar. Schnee und Kälte allenthalben. Was liegt also näher als sich in warme dunkle Räume zu verkriechen und Lichtspiele zu genießen. Ob die folgenden Zeit und Geld wert sind erfahrt ihr jetzt:

    The Island, Saw2 , Enron – The smartest guys in the room, Oliver Twist , Millions , Dark Water , Waiting

    The Island  – USA 2005

    In einer futuristischen, unterirdischen Wohnanlage lebende Menschen, ohne Kontakt zur Aussenwelt müssen feststellen, das sie keineswegs die Überlebenden eines Atomkrieges sind, sondern lediglich geklonte Ersatzteillager für ihre Besitzer, die sie in Auftrag gaben. Das geht natürlich nicht ohne viel Pengbumm und Sachen die explodieren vonstatten. Nach durchaus hübsch anzusehenden 30 Minuten, macht sich dann aber doch bemerkbar wer als Regisseur verantwortlich zeichnet. Michael "Peral Harbor" Bay flüchtet sich wie stets in hirnlose und schlecht inszenierte Actionszenen die dem Guckvergnügen schnell ein Ende bereiten, falls das derbe Product-Placement, welches selbst "I,Robot " in den Schatten stellt dies nicht schon vorher getan hat.
    Ewan McGregor und Steve Buscemi mühen sich redlich, dem ganzen ein wenig Bodenhaftung zu verleihen. Love-interest Scarlet "Schlüpfertussi" Johannson beweist leider nur das sie es mimisch mit Chuck Norris aufnehmen kann.  Die Handlung, die inklusive jeder Überraschung schon komplett im Trailer verraten wurde, ist wild zusammengeklaut aus allem was der SF-Bereich hergibt. Anfangs wähnt man sich in einem Remake von "Logans Run ", bei dem man sich am heftigsten bedient hat, aber auch bei Michael Crichtons "Coma ", Matrix, THX1138, Blade Runner und nicht zuletzt bei "The Clonus Horror " – bei letzterem so unverblümt, das die Macher des Films vor Gericht zogen.
    Insgesamt ein typisches hohles Actiongewummere, welches nach einem starken Anfang völlig abstürzt und so wirklich gar nichts aus seiner Story macht.
    3 von 10 Batztappsen

    Saw 2 - USA 2005

    Der erste Teil war eine kleine Überraschung. Im Kammerspiel-Horror von 2004 erwachten zwei Männer in einem gekachelten Raum, jeder an eine Wand gekettet und zwischen ihnen eine Leiche. Nach und nach erfuhren sie, wer mit ihnen sein Spiel spielte udn was er beabsichtigte. Der krebskranke Psychopath Jigsaw hatte es sich zur Aufgabe gemacht Menschen die ihr Leben verschwendeten eine Lektion zu erteilen… die sie entweder wachrüttelte oder umbrachte. Ein fieser kleiner Thriller, der das meiste aus seienr Prämisse herausholte und mit einem wirklich goldigen Schlußtwist aufwartete.
    Genau ein Jahr später war die Fortsetzung fertig. Und weil es schnell gehen musste wurde eben ein vorhandenes Drehbuch zurechtgebogen um Jigsaw irgendwie einzubauen.
    Natürlich muß es der alten Sequel-Regel zufolge härter, schneller, größer sein als das Original und deswegen findet sich diesmal gleich eine ganze Gruppe von Leuten in einem Haus wieder, dessen Ausgänge versprrt und mit bösartigen Todesfällen gespickt sind. Jigsaw setzt ihnen ein Zeitlimit innert dessen sie die Rätsel gemeinsam lösen müssen, sonst werden sie mittels Nervengas hingerichtet. Zeitgleich versucht eine Polizeinheit unter Führung von Donnie Wahlberg, die den Psychopathen gefasst hat aus ihm herauszubekommen wo er die Leute – unter ihnen den Sohn des Kommissars – eingesperrt hält.
    So sehr ich den ersten Teil mochte, so wenig konnte ich mit Teil 2 anfangen. Nicht nur das bei Cube geklaute Setting ist wenig originell, auch die Figuren sind allesamt derartig unsympathisch das es einem herzlich egal ist ob irgendeiner von der Bande überlebt. Zumal sie an keinem Punkt der Story halbwegs logisch agieren. Besonders abstoßend ab der Inszenierung ist das genüßliche sadistische Schwelgen im Leid der Opfer.  Minutenlang wird draufgehalten, wenn ein Mensch schreiend verbrennt, eine Frau in einer Senke voller gebrauchter Spritzen nach einem Schlüssel graben muss. Das erzeugt keine Spannung, sondern ist plakativer Leidens-Voyerismus, in seinem Realismus weit ab von aller comicartigen Splatter-Verzerrung.  Die Plottwist sind im Gegensatz zu Teil 1 absehbar, die Suspense hält sich in engen Grenzen, auch wenn Tobin Bell als Jigsaw sichtlich Freude am Psychoduell mit Wahlberg hat.
    Letztlich ein auf shock-value getrimmtes Filmchen, das inhaltliche Schwäche durch anstrengendes Schnittinferno, Sadismus und Industrial-Rock zu kaschieren sucht.
    4 von 10 Batzetatzen

    Enron – The smartest guys in the room – USA 2005

    Enron? Das war doch dieser Energiemulti aus Amiland, der irgendwie spektakulär gecrasht ist? Irgendwie. Ja.
    Wie spektakulär das Ganze wirklich war und in welchem Ausmaß bei Enron Korruption, Bestechung und gezielter Betrug an der Tagesordnung waren erzählt die auf dem gleichnamigen Buch basierende Dokumentation von Brian Gibney. Plastisch erzählen er und seine Autoren, das es sich bei Enron, zeitweise eine der mächtigsten Firmen Amerikas, keineswegs um eine "gute Firma die böse wurde" handelte, sondern das der ganze Laden fast vom Beginn an auf Lügen und Betrug aufgebaut war. Ob man nun seine Bilanzen mit erfundenen Einnahmen schönte oder die Regierung durch die gezielte Erzeugung von Stromausfällen in Florida dazu brachte den Strommarkt von staatlicher Überwachung zu befreien oder am Ende die Renten der eigenen Belegschaft verheizt wurden, um den Schwindel noch einige Monate länger  am Leben zu halten  -  hier war eine kriminelle Energie am Werk, die weit über das hinausging, was man von Konzernen eh schon gewohnt ist.
    Wenn man die Manager in veröffentlichten Telefonmitschnitten scherzen hört, das "Oma Klapper" in Florida durch die künstlich erzeugte Energiekrise bald im Dunkeln umherwackeln wird, wenn man erfährt das ENRON der größte Sponsor für Bushs Wahlkampf war und Mr. President seinen Kumpels umgekehrt auch gerne mal aus der Klemme half, fehlen einem tatsächlich die Worte – zumal man erahnen kann, wie es in anderen Konzernen zugehen mag. Einige der Dokumente sind auf der offiziellen Website des Films abzurufen.
    Ein sehr sehenswerter Film, eine  schöne Ergänzung zu The Corporation , der hoffentlich auch seinen Weg ins deutsche Fernsehen schaffen wird.
    8 von 10 Batztapsen

    Oliver Twist – GB 2005

    Roman Polanski hat sich an eine aufwendige und optisch opulente Neuverfilmung (weit über 20 gibt es schon) des bekannten Dickens-Romans um den Waisenjungen Oliver gemacht. Sie ist wunderbar ausgestattet und exzellent gefilmt. Sie hält sich recht genau an die Vorlage. Sie ist… eigentlich überflüssig. So schön der Film anzusehen ist, so sehr sich Ben Kingsley als Fagin auch abmüht – und er macht seine Sache gut – irgendwie stellt sich die Frage, was Polanski den früheren Versionen hinzuzufügen hat. Gibt es neue Aspekte die er besonders betont, hat die Story eine neue Aktualität bekommen die man herausarbeiten möchte?
    Eigentlich nicht. Zumindest zeigt sich in der wergetreuen und altmodischen Neuverfilmung nichts davon. London sieht aus, wie man es sich in einer Dickensverfilmung vorstellt. Alle Erwachsenen sind fragwürdige Gestalten. Die Kinder stehen auf der sozialen Stufe weit unten und werden ausgebeutet und mißbraucht.  Been there, seen that. Die Kinderdarsteller sind leider auch nicht grade umwerfend. Kulleräugig dreinblicken alleine reicht leider nicht. Barney Clark als Oliver ist nicht wirklich schlecht, genausowenig wie Harry Eden als Artfull Dodger – aber sie sind leider auch nicht wirklich gut. Es fehlt das gewisse Etwas, das ihnen wirkliche Präsenz verleiht und uns dazu bringt sich für sie zu interessieren. 
    Wenn man noch nie eine Verfilmung des Buches gesehen hat, kann man sich den Film getrost anschauen, aber mehr als routiniertes Historienkino gibt es leider nicht zu sehen.
    6 von 10 Batztapsen

    Millions – GB 2004

    Nach dem Infizierten-Grusel-Cheapie "28 days later " wnadte sich Danny Boyle einer warmherzigeren Thematik zu: Geld.
    England, zumindest das im Film, wechselt seine Währung von Pfund in Euros. Gangster bekommen Wind davon, das alte Pfundnoten zwecks Zerstörung mit einem Zug transportiert werden und kaperen eben jenen. Durch einen Zufall gelangt einer der vom Zug geworfenen Geldsäcke in die Hände des fünfjährigen Damien. Der glaubt an ein göttliches Zeichen und sieht sich fortan in der Pflicht seinen Mitmenschen mit den Millionen Gutes zu tun. Er und seine Freunde verteilen das Geld mit vollen Händen, bis schließlich die Ganster auf sie aufmerksam werden, die verständlicherweise ihre Kohle wiederhaben wollen.
    Ein wenig erinnert die Story an den kürzlich angelaufenen St.Ralph , ging es auch dort um einen Jungen und seinen Glauben an Gottes Kraft. Es mag Geschmackssache sein, aber Millions schneidet für mich bei dem Vergleich schlechter ab. Zusehr ergeht sich der Film in Niedlichkeiten, zusehr erinnert der letzte Akt an, wenn die Gangster hinter Damien und seinen Freunden her sind, an "Kevin allein zuhaus". Es gibt charmante Momente und schöne Ideen, aber so richtig Drive entwickelt die Geschichte nicht. Harmloser Sonntagnachmittagfilm, aber nichts aufregendes und nicht ganz unverdient hier nur als Videopremiere erschienen.
    6 von 10 Batztapsen

    Dark Water – USA 2005

    Entenwasser die zweite. Der brasilianische Regisseur Walter Salles nimmt sich den Japan-Grusler Dark Water vor und dreht ein stylisches Remake. Jennifer Connelly überzeugt als  frisch geschiedene Mutter die mit ihrer Tochter in ein leicht heruntergekommenes Mietshaus in der nähe Manhattens zieht. Pete Postlewaite gibt einen schroffen Hausmeister und Tim Roth ihren Anwalt. Irgendetwas ungutes geht von Beginn an von dem Haus aus. Egal wie das Wetter woanders ist, es scheint dort immer zu regnen. Auch in den Zimmer, denn schon bald tropft brackiges Wasser durch die Decke von Jennifers Schlafraum und ihre Tochter schafft sich eine imaginäre Spielkameradin namens Natascha an.
    Zunächst muß man feststellen, das der Film unglaub gut aussieht. Kamera, Licht und Setdesign sind vom Feinsten und geben allem einen extrem edlen Look. Selten sahen schimmlige Wände so stylish aus. Auf der Gegenseite muß man leider feststellen, das der Film nicht sehr spannend ist. Salles hat offensichtlich wenig Interesse an der Geisterstory der Vorlage und behandelt die Gruselmomente des Films eher stiefmütterlich.
    Sein Interesse liegt auf der Charakterzeichnung und in der Tat verleiht er Connelys Figur einige Tiefe. Leider ist die Geschichte an sich nicht grade die ausgetüftelste und nicht sonderlich spektakulär. Das Original rettete sich damit, die Schock- und Spannungsmomente so intensiv wie möglich zu gestalten um das zu überspielen. Salles mag Grusel und Schock jedoch nicht und deswegen fließt der Film ein wenig zäh dahin, bis er nach einem eher spannungs- und überraschungsfreien Showdown irgendwie versickert.
    Schön anzusehen, aber letztlich doch etwas enttäuschend.
    5 von 10 Batztapsen

    Waiting – USA 2005

    Waiting, das Regiedebut von Rob McKittrick, polarisiert. Die weitgehend ohne dramatische Storyline auskommende Vignette aus dem Leben einiger Angestellten einer Steakhaouse-Kette, ist sehr eindeutig von Kevin Smiths Debut "Clerks" beeinflusst. Hier wie dort, wird das Leben von Angestellten in prestigelosen, anstrengenden und schlecht bezahlten Jobs erzählt. Hier wie dort wird ein Tag von Öffnung bis Ladenschluß portraitiert, der aus episodenhaften Momentaufnahmen besteht. Doch die geborgte Form, macht aus dem Film keineswegs ein Rip-Off, denn die mangelnde Originalität macht er durch genaue Beobachtung wett.
    McKittrick, selbst ehemaliger Angestellter eines Schnellfress-Restaurants, weiß wovon er erzählt. Seine Protagonisten, ansprechend verkörpert von Purzel Justin Long (Jeepers Creepers), Anne Faris (Scary Movie) und Ryan Reynolds (Blade: Trinity) u.a. durchleben jede Standardsituation die der undankbare Kellnerjob zu bieten hat. Von zickigen, alles bemängelnden Kunden bis zu Kindergeburtstagen und Trinkgeld-Knausern, die Angestellten der "Shenanigan’s"-Filiale wissen, das sie in einer Sackgasse stecken und versuchen sich den stumpfen Alltag so gut es geht aufzulockern. Bizzarste Ablenkung der männlichen Mitarbeiter ist ein Spiel, in dem es darum geht anderen ohne das sie ahnen sein Genital zu präsentieren und sie, wenn sie dann hinschauen als "Schwuchtel" zu bezeichnen und ihnen einen Tritt zu verpassen.
    Neuling Mitch der von Supermacho Monty den Crash-Kurs  bekommt,  stolpert ungläubig durch den Tag und von einer absurden Situation zur nächsten. Derweil muß sich der ruhigere Dean, nachdem ihm der Boss seine Nachfolge als Filialmanager offeriert, ernsthafte Gedanken machen, was er mit seinem Leben anfangen will.
    Waiting ist überdrehte, bittere und stellenweise pubertär eklige Unterhaltung und mit Sicherheit nicht jedermans Sache (in der derbsten Szene des Films wird sehr deutlich gemacht, warum man NIE unhöflich und unverschämt zu den Leuten sein sollte, die einem das Essen servieren) aber gleichzeitig eine melancholische Auseinandersetzung mit Menschen die in McJobs gefangen sind.  Sehenswert, wenn man nicht zu zimperlich ist.
    7 von 10 Batztapsen

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    Von Batz am 21, 1, 2006 um 17:17 in CineBatz | Kommentieren »

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