Vor einem Jahr…
What ever happend to the Zwischenzeit
Wintersonne schnitt Lichstreifen in den Asphalt, gefächert durch Wohnblöcke, wo vor kurzem noch Baustellen waren. Einiges harrte noch immer seiner Fertigstellung. Eisenträgern fingerten an Wind und Eröffnungswimpeln. Bald würden die Arkaden eröffnet. Überall wurden jetzt Arkaden eröffnet. Das hielt die Leute davon ab, in die Innenstadt zu kommen.
»Mir ist kalt«, sagte Derek.
»Mir itz kwalt«, sagte Dereks Klon. Er machte ein klebriges Geräusch.
Sie standen unter der Markise eines Computerfachhandels, starrten in Regentropfen die in der Sonne irisierten.
»Ich wünschte du würdest wieder rauchen«, sagte Kress. Er stach mit dem Finger in Dereks Klon, der mit einem seufzenden Plop zerplatzte und eine grünrosa-Pfütze hinterließ. Kress tupfte sich die Hand mit einem Taschentuch ab, bis kleine Papierfetzen daran hafteten.
»Dieses Klon-Kaugummie geht mir auf die Nerven.«
»Es hilft mir mich zu konzentrieren.« Derek spuckte einen Klumpen auf den Gehsteig. Aus der Masse wuchs dank der DNA in Dereks Speichel kurz darauf ein weiterer Klon aus dem Boden. Er lächelte sie an und es klang wieder, als wenn jemand den Handrücken über einen Luftballon rieb.
»Hallo, ich freu äh mich eutsch kennten zu lärmen.« Der Klon streckte ihnen eine Hand entgegen, die beide ignorierten.
In der Scheibe des Computerladens reflektierten eine Gruppe junger Arbeitsloser in Vigilantenuniform. Sie sammelten Kopfsteinpflaster in ihre Rucksäcke. Es war Montag und Nachmittags wurde immer diskutiert.
»Hallo ich freunde mich euch kämmen-«
»Halts Maul«, knurrte Kress. Die Kaugummiereste an seinem Finger begannen kleine Imitationen seiner selbst zu formen. Er wischte sie am Trenchcoat ab. Das Trappeln der Regenfüsse auf der Markise mischte sich mit der pulsierenden Musik, die aus einem tiefergelegten Ford Pinto drang, der an der Kreuzung schaukelnd die Grünphase erwartete. Eine Frau verteilte Flugblätter in denen für einen Jugendtanztee, elektronische Muzak und Drogenkonsum geworben wurde.
Im Computerzubehörladen umstanden junge Männer eine Vitrine. Einer studierte das Ausklappbild des neuen Apple-Katalogs, seine linke Hand war tief in der Hosentasche vergraben und ließ Bewegung erahnen.
Kress seufzte und drehte sich weg.
»Komm. Wir brauchen noch Blumenerde.«
»Schon wieder? Du hast gestern erst 20 Liter Blumenerde geholt? Im Wintergarten steht nicht eine einzige Pflanze! Wieso brauchst du-«
»Ein Stück von Dr. Robert schaut noch heraus.« Kress trat unter der Markise hervor in den Regen. »Wir sind es ihm schuldig.«
»Buhmenerde«, sagte der Klon lächelnd.
»Halts Maul. Kommt jetzt, ich will am Großmarktsein sein ehe wieder alles abgesperrt wird.«
»Da will ich nicht hin, da ist immer die dicke Frau drin, die Häuser umbaut.« Er klappte den Kragen seines Trenchcoats hoch und spritze Wassertropfen umher.
»Du warst derjenige der Hydrokultursteine geholt hat, statt Erde. Robert hat Hydrokultur gehasst. Das ist so Seventies. Komm endlich.« Kress wich einem Bus aus, aus dessen Rückfenster ein dickes Kind starrte.
Derek folgte ihm. Sein Klon tat einen zaghaften Schritt in den Regen, nur zäh löste sich sein Fuß vom Bürgersteig. Er schaute verwirrt.
»Etz regnet drautzen«, sagte der Klon.
»Es regnet immer draußen,« sagte Derek und beschleunigte seine Schritte.
Der Regen perlte vom Klon ab und ließ ihn durchschimmernd grün erscheinen.
Zwei Appleuser, die den Computerladen mit ihren IPets an der Leine verließen, übersahen ihn und standen kurz darauf fluchend hinter Derek und Kress. Vorausgeganegen war ein überraschtes Plop.
»Verdammte Sauerei! Sowas ist rücksichtslos!« zetterte der Appleuser, dessen IPet hilflos in einer klebrigen Lache zappelte, die noch vage Ähnlichkeit mit Dereks Gesicht hatte.
»negnet imma«, sagte das Gesicht ehe es zerfloß. Das IPet bekam einen Kurzschluß und spielte etwas von Maria und Jim Carrey.
Über ihnen donnerte ein Hubschrauber vorbei, Richtung Reichstag.
Kress zupfte Derek am Arm, der stehengeblieben war um den Apple-Usern zu antworten.
»Komm, es bringt doch nix. Denk an Robert.«
Sie gingen durch den Regen auf den Eingang der U-Bahnstation zu. Wimpel und Fahnen flatterten über ihnen. Bald würden die neuen Arkaden eröffnet. So hieß es.
Derek steckte ein neues Klonkaugummie in den Mund. Es prickelte mintfrisch. Er hielt Kress die Packung hin.
»Willst du wirklich nicht?«
Kress nahm ein Kaugummie. Er behielt es in der Hand.
»Ich wünschte du würdest wieder rauchen…«
Von Batz am 29, 1, 2006 um 10:30 in Derek und Kress | 1 Kommentar »___________________________________________________________________________
Ein Kommentar zu “What ever happend to the Zwischenzeit”
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11. März 2009 at 20:49
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