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    Play it safe… and pimp my Oscars

    Auch wenn Spiegel-Online platte Pöbeleien gegen die Bush-Administration vermisste, ich mochte die diesjährige Oscar-Präsentation von Jon Stewart. Vom gelungenen Eröffnungsfilm, zu kleinen Spitzen gegen die Selbstbeweihräucherung der Acadamy führte er durch einen angenehm unterhaltsamen Abend, der im Vergleich zur nüchternen Preisvergabe der Vorjahre wieder mehr wert auf Albernheiten und Comedy legte.

    Dem Overkill an "Wir erinnern uns an…"-Clips begegnete Steward mit trockenen Kommentaren: "Great. I can’t wait until later when it’s time for The Oscars tribute to montages." oder nach einem Zusammenschnitt von "wichtigen, politischen Filmen" – "Great films. great films. And after them… none of these issues where ever a problem again…"

    Schön auch seine Anmod nach dem ersten Werbebreak: "… and that is why its so important to believe in scientology not just in the USA, but in the whole world- Oh Sorry, we’re  back on."

    Bitter waren lediglich viele Gewinnerfilme, bei denen die Jury deutlich dem unspektakulären und unprovokanten den Vorzug vor angriffslustigen und politischen Filmen gab.

    Die dämliche Passion der Pinguine gewann vor den wirtschaftsdokumentationen "Enron – The smartest guys in the room " und "Darwins Nightmare", Katja Burkhards Alptraumname "Reese Witherspoon" gewann mit ihrem "Walk the line" -Countrygeknödel vor der brilliante Felicity Huffmann in "Transamerica", die brave, familientaugliche Knetgummie-Groteske "Wallace and Gromit" gewann vor der schwarzhumorig-skurrilen Gothic-Mär "The Corpse Bride" und als bester Film ging man ebenfalls auf Nummer sicher mit dem Common-Consense-Film "Crash", anstatt sich mit Good Night and good luck aufs politische Glatteise zu wagen.

    Verdiente Oscars für George Clooney in Syriana und P.S. Hoffman als Capote und einen Ehrenoscar für Robert Altman, der von Lily Tomlin und Merryl Streep wunderbar passend angekündigt wurde. Ang Lee nahm erwartungsgemäß den Regiepreis für die Cowboyschmonzette "Brokeback Mountain" mit nach Hause, nicht ohne das alle Beteiligten nochmal dezent erwähnt hatten das sie heterosexuell sind und das der Film im wesentlichen ja eine universelle Liebesgeschichte erzählen würde. Bloß nicht zu kontrovers werden.

    Schön das immerhin Spielbergs Terror-Schinken Munich verdient leer ausging, Kommentar von Jon Steward: "Wow, first Schindlers List, now Munich… as a Jew I really want to know what happens next to us. huh, Spielberg? Trilogy Trilogy…."

    Von den drei nominierten Best-Songs gewann der scheusslichste, irgendeine prollige Gangster-Rap-Kacke namens "Its hard to be a pimp". Yo. Pimp my Oscars.

    Apropos Pimp: Bin ich eigentlich der Einzige dem das "Welche Tussi hat welches häßliche Kleid an"-Gesabbel völlig am Arsch vorbeigeht? Die ganze nervige rote Teppich-Kacke mit Plastikmoderatoren die insgesamt 5 implementierte Standardfaregn abspulen und grinsen wie George W. wenn er eine Sandburg baut, wer braucht das? Zwar blieb einem dieses Jahr das kumpelige Geschuckel von Anke Engelke als Kommentatorin erspart, aber auch die US-Versionen waren hinreichend scheußlich. Fashion-Krampf und blöde Brillianten, geht wech!

    Achja: Verdiente Razzies , also goldene Himbeeren für die schlechtesten filmischen Leistungen ging an Tom Cruise und Katie Holmes, als grauenhaftestes Liebespaar des Jahres sowie an Hayden Christensen für seinen mimischen Totalausfall in "Episode III – Die Jedi gehen in Rente"

     

    Von Batz am 6, 3, 2006 um 13:31 in CineBatz, MediaBatzBits | 4 Kommentare »

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    4 Kommentare zu “Play it safe… and pimp my Oscars”

    1. uwe Sagt:

      jon stewart war mir ein bisschen zu sehr zahm, aber nachdem er sein skript einreichen musste und sich die anwälte darauf stürzten, blieb nur etwas übrig, das billy crystal, steve martin, chris rock oder jeder beliebige andere moderator auch hätte bringen können.

      ich fand die red-carpet-reportagen viel unterhaltsamer, der unerträgliche isaac mizrahi war immer für ein paar lacher gut…

    2. edelramsch Sagt:

      live-blogging: die nacht der oscars

      mal schauen, ob ich durchhalte, aber hier beginnt mein erstes live-blogging:
      (17:59) noch ist nicht so viel los, die zeremonie beginnt in zwei stunden, jetzt laufen gerade die red-carpet-shows. eine moderatorin hat gerade mit sehr einfühlsamen worte…

    3. Der Deutschling - Verständnis für Deutschland Sagt:

      Gar nicht »frech wie Oscar«

      Der Spiegel Online ist sehr enttäuscht von der „harmlosen“ Oscar-Gala:
      Die diesjährigen Oscars – ein Reigen verpasster Chancen.
      (…) Schwule Cowboys und Schriftsteller, Medien- und realer Terror, Rassismus in amerikanischen Großstädten …

    4. Reaper-Batz Sagt:

      Ja ho hum, das die Oscars jetzt keine Plattform für Anarchocomedy sind, welch überraschende Erkenntnis. Im Gegensatz zu Steve Martin und Chris Rock, war die Präsentation von Stewart aber durchweg unterhaltsam und mit Ironie gespickt. Wenn der Spiegel sich das Gegröhle eines Michael Moore zurückwünscht, zeigt er damit zum einen eine Vorliebe für laute Agitation die wenig bringt und vergisst überdies, das Moore nur gast war und nicht OScar-Host. Mit den Moderationen von Billy Chrystal konnte Stward in jedem Fall mithalten…
      Das die prämierten Filme so unpolitisch blieben und die restlichen Präsentatoren ihr Maul kaum aufbekamen, kann kaum dem Moderator geschuldet werden.

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