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    Letztes Lichtspiel: The Producers

    "May I take your hats, your coats, your swastikas? "

    Originaltitel: Producers, The
    Herstellungsland: USA 2005
    Regie: Susan Stroman
    Darsteller: Nathan Lane Matthew Broderick Uma Thurman Will Ferrel

    producers

    Max Bialystock (Nathan Lane) ist ein abghalfterter, erfolgloser Broadway-Produzent. Grad ist sein letztes Stück "Hamlet – The Musical" gefloppt, da läuft ihm der neurotische Buchhalter Leo Bloom (Mathew Broderick) über den Weg. Der stellt beiläufig bei der Durchsicht der Bücher fest, das man wohl mehr Geld mit einem gezielten FLop machen können, als mit den kläglichen Versuchen echte Erfolge zu produzieren. Max wird sofort hellhörig. Er überredet Leo mit ihm zusammen einen gewaltigen FLop zu produzieren um dann mit den unterschlagenen Produktionsgeldern abzuhauen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem schlechtesten Stück aller Zeiten und werden in dem Werk eines durchgeknallten Exildeutschen (Will Ferell) fündig: Springtime for Hitler, einer absurden Hommage an den von allen mißverstandenen Gröfaz. Schnell wird noch ein miserabler, unglaublich tuntiger Regisseur und eien ebenso talentfreie Besetzung engagiert und schon sollte der lukrative Flop perfekt sein. Leider entpuppt sich die Produktion als Riesenerfolg….

    Manchen Filmen bringt man einfach ein sehr großes wohlwollen entgegen. Ich mag Mel Brooks Frühwerke, inklusive der Filmvorlage für dieses Musical. Ich mag Mathew Broderick und Nathan Lane, Uma Thurman und Will Ferell und ich liebe schrille Musicals wie Little Shop of Horror, Moulin Rouge oder auch die bekannten Klassiker aus den goldenen 50ern.

    Ich wollte mich wirklich mitreißen lassen von diesem Film, dessen Broadway-Version seit Jahren immer neue Rekorde bricht und mit Lane und Broderick auch in London sehr erfolgreich lief. Nur leider passierte nichts. Die Musik ist eingängig und nett, die Story ist hinreichend albern und überdreht, aber dennoch zog mich dieses Musical nie wirklich in seine Welt.

    Das liegt vor allem daran, das es einen ständig auf Abstand hält. Die Regisseurin Susan Stroman, die das erfolgreiche Stück am Broadway inszeniert und choreographiert hat, verdonnert ihre Filmzuschauer leider dazu den Großteil des Films wie im Zuschauerraum festgenagelt eine routiniert ablaufende Theatervorstellung zu begaffen.

    Selten wurde die optische Unerfahrenheit eines Regisseurs so schmerzhaft deutlich wie in diesem Film.  Stroman inszeniert alles, als würde sie ihre Broadway-Show abfilmen. Starr und meist unbewegt in hässlicher Frontalansicht filmt sie ihre Akteure, ohne je die Möglichkeiten des filmischen Erzählens zu nutzen oder ein Gespür für Atmosphäre und Raum zu geben. Was hätte man aus den Songs machen können, wie dynamisch haben andere Musicalverfilmungen ihre Lieder in Bilder umgezaubert, wie mitreißend sind die Singszenen z.B. im ebenfalls auf einem Theatermusical basierenden Little Shop of Horror umgesetzt, wie treffsicher inszenieren Kamera und Schnitt dortdie  artifizielle und doch gleichzeitg glaubhafte Umgebung.
    Bei den Producers gibt es eigentlich nur zwei Szenen die überhaupt Kinoluft atmen, der Vorspann und ein Zoom auf eine Postkarte die sich ein Realbild verwandelt. Alles andere bleibt starr und steif. Die Kamera die angenagelt von vorne guckt, weder kreist noch durch Schnitt auflockert. Sämtliche Sets werden die überwiegende Zeit aus der Seitensicht in  einen Puppenhaus-Perspektive gezeigt, es findet keine Bewegung im Raum statt, man fühlt sich penetrant an Aufzeichnungen vom Ohnesorg-Theater erinnert. Nichteinmal die o.g. Klassiker des Filmmusicals boten derart starre Bilder, derart schaumgebremste Tanzeinlagen.

    Diese Art des Inszenierens beeinträchtigt alle weiteren Momente des Films, schädigt die solide Story und die eigentlich guten Darsteller. So verliebt in ihre Choreographien vom theater scheint Frau Stroman zu sein, das sie keinerlei veranlassung sah, sie fürs Kino entsprechen umzuarbeiten und durch Schnitte zu gliedern. Zudem filmt sie bevorzugt in Halbtotalen und Nahaufnahmen, was selten ein Gefühl von Größe und Scope zulässt.
    Es mag ja berechtigt sein, anzunehmen das das was über Jahre auf der Bühne Erfolg hat auch im Kino funktioniert, aber leider verkennt sie völlig, daß Kino anders funktioniert und anders erzählt.  Viele auf der Bühne  erprobten Gesten und Mimiken mögen  dort wunderbar funktionieren, einfach weil das Publikum einen entsprechenden Abstand zu den Schauspielern hat – im Kino wirken die Grimassen von Nathan und Broderick zum Teil zu übertrieben. Die Regieanweisung alles ein paar Nuancen runteruschrauben, weil man nicht noch in Reihe 30 erkennen muß wie der Gesichtsausdruck aussieht, wäre oft wünschenswert gewesen.
    Zudem macht sich für mein Empfinden die jahrelange Routine der Darsteller in diesem Film eher störend bemerkbar. Da wirklich fast alles, jedes Set und jeder Ort genau aussieht wie auf einer Bühne, spulen die Hauptdarsteller ihre Performance in perfekter aber auch recht seelenlosen Routine herunter. Jede Slapstickszene wurde schon so oft gebracht, das man einfach spürt das hier wie bei einer artistischen Darbiertung jeder Handgriff eingeübt ist und es keinen Platz gab für Improvisation. Man kann Staunen über die Akuratesse mit der Lane, Nathan und die anderen ihre Rollen abrufen, aber wirklich mitreißend ist es nicht, weil es eben ausgeleiert wirkt. Der Film stellte sichtlich keinerlei Herausforderung an die Akteuere und das macht sich in uninspirierten, geschäftsmässigen Darstellungen bemerkbar. Erfrischende Ausnahme ist wie in sovielen Filmen Will Ferrel, der als Neuzugang zur Besetzung sichtlich Freude an der Rolle des abgedrehten Deutschexilanten hat. Seine Szenen sind die wahren Höhepunkte in einem ansonsten im gepflegten Mittelmaß dahindümpelnden Nicht-Films. Eher enttäuschend, die als Wow-Blondchen fehlbesetzte Uma Thurman, der man die kiecksige Naivität nie wirklich abnimmt und deren laszive Tanzeinlagen alles andere als elegant oder erotisch daherkommen. Schwertchoreographien hat sie da schon überzeugender dargeboten. Auch hier überlegt  ich spontan, was wohl Ellen Green aus schon erwähntem "Little Shop of Horrors" aus dieser Rolle gemacht hätte.

    Sicher die Story ist okay, die Musik auch nett, die Dialoge oft platt aber grade im Bereich des Deutsch-Kauderwelsch und der Hitler-Satire schon amüsant anzusehen. Auf der Bühne live betrachtet ist das alles sicherlich auch ein Riesenspaß, aber als Kinofilm funktioniert der Film für mich überhaupt nicht.  Wenn eine Theaterregisseurin sowenig filmisches Verständnis hat, dann wäre es Aufgabe des Produzenten gewesen ihr entsprechend talentierte Leute zur Seite zu stellen, die es schaffen aus dieser Hit-Show mehr als abgefilmtes Theater zu machen. So blieb ich als Zuschauer im statischen Einheitsbrei aus Nahaufnahmen, Grimassen und unbewegter Kamera stecken. Ich hab mich nicht gelangweilt, war aber auch nicht traurig als der Film irgendwann endete.

    Achja dennoch lohnt es bis zum Ende des Abspanns im Kino zu bleiben. Am Ende erwartet einen noch ein wunderbarer Song von Will Ferrel ("When you leave the theater.. go and buy a copy of Mein Kampf…") und ein kurzes Cameo von Produzent Mel Brooks.

    Schade, aber aus dem Stoff hätte man mehr machen können.

    Von Batz am 17, 3, 2006 um 3:38 in CineBatz | 1 Kommentar »

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    Ein Kommentar zu “Letztes Lichtspiel: The Producers”

    1. Jens Sagt:

      …ich gebe zu ich lese nicht immer alles…
      aber Sätze wie diese:
      “Ich wollte mich wirklich mitreißen lassen von diesem Film, dessen Broadway-Version seit Jahren immer neue Rekorde bricht und mit Lane und Broderick auch in London sehr erfolgreich lief. Nur leider passierte nichts.”

      bringen mich zum Lachen und ich weiß das ich mir diesen film sparen kann… Danke Olli

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