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Menschenhandel 2.0

Sklaverei gibts hierzulande ja Gott sei Dank nicht.  Na gut, außer vielleicht im Fußball.

Was es allerdings gibt ist nur eine kleine Randnotiz, über den alltäglichen Menschenhandel, der bezeichnend für das Verhältnis von Arbeitgebern zu Arbeitnehmer ist. Das hat nach jahrelangen Rektalbesuchen und Poperzenbepuderung durch Politikern aller Parteien, bei den Geschäftsleuten inzwischen nämlich den Status den man zwischen Bettlern und Spendern gewohnt ist.  Meint: Sei Dankbar und nimm was man dir gibt. Sei Dankbar und demütig.

Mein bester Freund ist freier Grafiker und Programmierer. Er arbeitet seit Jahren für verschiedene Firmen, die mal mehr mal weniger Arbeit für ihn haben. Das er wenn es mal keine Arbeit gibt,  keine klaren Ansagen erhält, weil Chefs oftmals feige Schweine sind, die ungern schlechte Nachrichten mitteilen, weil sie ja vor sich selbst gut aussehen wollen und ihn deswegen über Wochen und Monate immer wieder hinhalten, daran hat er sich mittlerweile gewöhnt.  Eine Aussage wie "Wir melden uns bald wieder, Ende des Monats kommt wieder was rein." kann somit als "Wir brauchen dich nicht mehr, sieh zu das du Land gewinnst, wir werden uns nicht mehr bei dir melden." verstanden werden.

Eine der Firmen, nennen wir sie X,  für die er seit Jahren immer mal wieder arbeitet, hat sich jetzt etwas ganz pfiffiges einfallen lassen. Nicht genug, daß sie ihn schon ein ums anderes Mal Animationen fertigstellen ließen, die sie dann durch eigene Tranigkeit nicht an die Kunden weiterverkauften und ihm dadurch einen finanziellen Verlust berscherten, sie haben es stets verstanden ihm grade soviel Aufträge zu geben, das er mindestens einen Tag in der Woche dort arbeiten mußte, auch wenn er dort dann unnütz herumsaß und bei anderen Firmen mehr verdient hätte. Man hält sich seine Freien eben warm.

Das mein Freund Firma X auch Aufgrund der langen Zusammenarbeit beim Stundensatz entgegenkam und weniger aufrief als bei anderen Auftraggebern, sollte zumindest erwähnt werden.
Nachdem besagte Firma X,  die mittlerweile unabhängige Abspaltung eines großen deutschen Webportals, in letzter Zeit wieder kaum Aufträge für ihn hatte, kam sie auf die angekündigte pfiffige Idee. Durch die Verbindung über jenes große Webportal, erfuhr sie von einer anderen umtriebigen New- Economy-Firma, nennen wir sie Firma Y,  die grade mal wieder die Internetrevolution vorbereitet und dafür noch dringend fähige Grafiker suchte. 
Wer jetzt denkt,  daß die Firma X meinen Freund darauf aufmerksam machte und ihm auf diese Weise zu einem neuen Kunden verhülfe, ist genauso naiv wie ich es war. Warum sollte eine Firma einem treuen, loyalen langjährigen freien Mitarbeiter auch einen Gefallen tun?

Was sie machte war viel lukrativer. Für Sie. Sie boten der Firma Y an, ihnen meinen Freund leihweise zur Verfügung zu stellen. Es war keineswegs so, daß er tatsächlich in der alten Firma gebraucht wurde und nur schwer loszueisen gewesen wäre, nein. Aber dennoch wurde ein Verleihvertrag gemacht. Das war sehr praktisch für die Firma X, denn so zahlte sie meinem Freund nur seinen bisherigen, im branchenvergleich nicht gerade üppigen Stundenlohn und verlangten für den Leiharbeiter von der Firma Y glatt mal mehr als das Doppelte. 

Nochmal zum Mitschreiben: Eine Firma X gibt einen freien Mitarbeiter,  den sie selbst nicht braucht weiter und erhält dafür das doppelte dessen, was sie ihm zahlt. Für nichts. Außer dem Verleihabkommen, hat die alte Firma keine Leistungen vollbracht. Alle sozialen Absicherungen muß mein Freund als Selbständiger weiterhin selbst treffen. Und dennoch arbeitet er für Firma X mit, die ihm natürlich auch keinerlei Garantien auf zukünftige Aufträge oder sonst irgendeine Sicherheit gibt.
Das ging eine ganze Weile so, mein Freund machte seine Sache gut, man äußerte sich allenthalben zufrieden über seine Arbeit. So zufrieden, daß der Chef der Firma X auf die Idee kam, man könne ja eigentlich etwas mehr Leihgebühr für ihn verlangen, weil er ja so gut und effizient arbeite und auch Sachen erledigen sollte, die über reine Grafikbearbeitung hinausgingen und in den Programmierbereich fielen.  Begeistert war man bei Firma Y zwar nicht, aber man einigte sich, das er sich dann eben auf den Grafikbereich beschränken solle.
Dumm nur, daß mein Freund an dieser Stelle den ungehörigen Gedanken hatte, daß er gerne  generell gern etwas mehr  von seinem Stundenlohn abbekommen würde, da der Stundensatz den er mit Firma X vereinbart hatte, ja als Entgegenkommen an diese Firma gedacht war, der Verleih seiner Arbeitskraft Firma X jedoch nicht nur entgegenkam, sondern ihr auch einen Gewinn bescherte der genau genommen jeder logischen Nachvollziehbarkeit gebrach. Als er dies dem Chef von Firma X mitteilte, zeigte sich dieser ob solcher Dreistigkeit erstaunt und sehr unverständig. Die Stundensatzerhöhung hätte bedeutet, das die Firma nicht mehr 50% sondern nur noch 25% an ihm verdienen würde.  Das war nicht hinnehmbar. Nein. No way.
Nur noch 25% Gewinn aus der Arbeit eines Menschen zu ziehen, 25% für die man nichts tun muß, die einem einfach so in den Schoß fallen, das ist in der Tat ein wirklich lausiger Deal.
Stellt sich die Frage, warum mein Freund nicht direkt  für Firma Y arbeitet und den parasitären Mittelsmann einfach ausschaltet. Guter Gedanke, den Firma X natürlich auch hatte. Deswegen hat sie Firma Y bei Abschluß dazu verpflichtet, zu versichern das sie meinen Freund keinesfalls direkt beschäftigen würden.
Und jetzt? Mein Freund steht nun zwischen zwei Seiten, die ihn beide Anzettern. Der Chef von Firma X verlangt von ihm weiterhin zum bisherigen Freundschaftspreis als Leiharbeiter zu arbeiten. Der Big-Macher der Firma  Y wirft ihm , sollte er das nicht wollen, Unzuverlässigkeit vor und droht damit ihm seinen Ruf in der Branche zu ruinieren, wenn er nicht die anspruchsvolleren Programmieraufgaben (die vorher nicht abgesprochen waren und nicht Bestandteil des eigentlichen Auftrages sind) zu den selben Konditionen zu machen, die er mit der Firma X ausgehandelt habe.  "Sie können am Ende von dieser Sache gut aussehen oder schlecht…" wird da gewanrt.
Fehlt nur noch der Pferdekopf im Bett oder ein abgtrennter Finger in einer email.
Wenn mein Freund hart bleibt, droht ihm womöglich, das ihm keine Firma weitere Aufträge geben wird. Wenn er sich drauf einläßt, akzeptiert er Leiharbeiter zu sein, der sich dem Druck beugt und die Konditionen durch Drohungen diktieren lässt.

Jetzt mögen erfahrene Mitmenschen lächeln und sagen, das sowas alltäglich sei und völlig normal. Das mag sein. Ich behaupte nicht, daß diese Vorgehensweisen eine Ausnahme ist oder besonders spektakulär. Vielmehr empfinde ich sie als typisch für die völlige Erosion, den fehlenden Anstand und Respekt der von Arbeitgeberseite den zu Beschäftigenden entgegengebracht wird. Friß oder stirb. Vielleicht ist er Verklärung aber irgendwann gab es mal eine Loyalität, die nicht völlig einseitig war. Die neben dem Business auch die Menschen anerkannte. 
Welche Loyalität, welches Engagement und welche Identifikation erwartet sich eine Wirtschaft die viel zu oft nur noch ihre Verachtung für die Arbeiter ausdrückt.
Hmmmm. Irgendwie kommt mir das bekannt vor .  Arbeitgeber und Rechteverwalter scheinen eine ähnliche Denkrichtung zu verfolgen.  "…für euch sind Menschen nur noch Dornen im Profit… "

Ich erkenne eine Muster.

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Von Batz am 28, 3, 2006 um 5:27 in TagesBatz | 2 Kommentare »

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2 Kommentare zu “Menschenhandel 2.0”

  1. spango Sagt:

    ich befürchte, das ist in der tat inzwischen fast normal. interessant ist auch, mit welcher ignoranz gewisse chefes diesen zustand immer mehr wirklichkeit werden lassen und sich wundern werden, dass sie sich mit ihrem ignoranten und fast menschenverachtenden verhalten letztlich das eigene wasser abgraben. denn neben dem menschlichen faktor leidet dabei auch die qualität. da werden saläre halbiert und gleichzeitig eine verdopplung der arbeitsgeschwindigkeit gefordert. dabei natürlich – gerade weil man wie ein stück dreck behandelt wird – die totale loyalität eingefordert. traurig…

  2. Alpha-Hasi Sagt:

    Ob es rechtlich möglich ist, dass Firma X Firma Y eine Direktbeschäftigung von *fiiep* verbietet, wage ich anzuzweifeln, zumal bei “Selbständigkeit”. Bei solchen Chefs müsste es doch möglich sein, für Y zu arbeiten und somit selbst mehr zu verdienen. Was hat denn Chef Y für ein Interesse, da mit X gemeinsam zu drohen? Der müsste sich doch freuen, die Konkurrenz loszuwerden und dabei auch selbst Geld zu sparen?

    Dieses Speiel mit den Selbständigen ist mir neu, ich kenn das bislang nur von Praktikanten, die für quasi kein Geld Leistungen erbringen, welche für horrende Preise anb Dritte weitergereicht werden…

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