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Letzte Lichtspiele – Bits and Pieces 8

Filmreviews im Kurzdurchlauf

Good Night and Goot Luck, RentThe Squid and the Whale, Mirror Mask

Good Night and good luck – USA 2005

George Clooney zweite Regiearbeit nach "Confessions of a dangerous mind" erzählt die Story des Fernsehjournalisten Edward R. Murrow, der in den 50er Jahren den Kampf gegen Senator McCarthy und dessen fanatische Jagd auf vermeintliche Kommunisten aufnimmt und letztlich unterliegt, nachdem die Sponsoren seiner Sendung aus Angst anzuecken nach udn nach abspringen.
Im Gegensatz zum verspielten Erstling, setzt Clooney hier auf Minimalismus. Die strengen, stylishen schwarz/weiß-Bilder lassen keinen Platz für Experimente und Effekhaschrei. Fast dokumentarisch und in langen, sehr ruhigen Einstellungen erzählt er seine Geschichte. In sorgfältig ausgewählten Original-Aufnahmen spielt sich Joesph McCarthy quasi selber und gibt tiefe Einblicke in das Demkoratieverständnis dieses Mannes, der in vielen heutigen Politikern seinen geistigen Nachfolger fand. Als politisches Zeitdokument und Mahnung ist der Film gut gelungen, verschafft er doch einen Einblick in Vorgänge die heute unter anderen Vorzeichen wieder drohen oder schon Realität sind.
Was Clooney Werk, im Gegensatz zum ebenfalls hochpolitischen Syrianna, etwas anstrengend macht ist die reine Fokussierung auf die Fakten. Emotional lassen einen die Figuren alle seltsam kalt, da sie sich im wesentlichen über ihre Funktion definieren. Das Clooney auf reißerische Momente und dramatische Zuspitzungen verzichtet, macht den Film einerseits angenehm realistisch, verhindert aber auch, daß man wirklich mitfiebert. Eine zwingender Strudel, der einen in die Story zieht, entwickelt sich nicht, man schaut ihn sich eben aus Interesse an, nicht weil er einen wirklich packt.
Dennoch sehenswert, wenn man die nötige Konzentration mitbringt.
6 von 10 Batztapsen.

Rent – USA 2005

Rund zehn Jahre nach seiner Broadway-Premiere liegt nun auch die Film-Version des Erfolgsmusicals vor. Christoph Columbus inszenierte die "La Boheme"-Variante um eine Gruppe junger, z.T. HIV-positiver (Lebens)Künstler im Alphabet-Viertel New Yorks, die sich um die Meiet drücken, Performances kreieren und alle paar Minuten in Songs ausbrechen, in denen sie darüber Singen wie schlimm es doch ist, als mittelloser HIV-positiver Lebenskünstler in New York.

Viele Kritiker die die Verfilmungen eher kritisch besprachen, machten dafür die lange Zeit verantwortlich, die seit der Premiere vergangen ist. Das Musical würde nicht mehr frisch wirken, die Anfang der 90er Jahre angesiedelte Handlung wirke eher nostalgisch und hätte ihre grimmige Realität verloren. Ich habe RENT bei seiner deutschen Premiere 1999 auf der Bühne erlebt und ziehe diese Aussagen deswegen etwas in Zweifel. Schon damals hat mich die Story und vor allem die Musik einfach nicht wirklich gepackt. Untalentierte Slacker, Junkies und Jammerlappen, die einem mit ihrer Attitüde schon bald auf den Keks gehen. Auf eine Handvoll eingängiger, erinnernswerter Nummern wie Tango Maureen, One Song Glory, La vies boheme und Seasons of Love, kommen Unmengen an belanglosem Füllmaterial, die genausogut auch als knappe Dialoge gebracht werden könnten.
Der Film hat schon einige Songs in Dialoge umgewandelt, klebt aber ansonsten sklavisch an der Bühnenversion. Wie auch beim statischen "The Producers " stellt sich selten ein Gefühl von Realismus und Tempo ein, es fehlt (bis auf die Tango Maureen-Szene) an optischen Ideen, die den Film von der Bühnenversion abheben. Dazu gehört auch, das Columbus die Hauptrollen zum Großteil mit den Original-Schauspielern der Broadway-Fassung besetzte, um bloß kein Risiko einzugehen. Mag es auf der Bühne noch funktionieren, wenn die Darsteller die mittlerweile alle Mitte Dreissig sind, die "jungen, unangepassten" Urban-Bohemians Anfang zwanzig spielen, so ist der Film in seinen Nahaufnahmen weniger gnädig. Die Figuren, die sich schon von jeher nicht grade durch hohes Identifikationspotential auszeichneten und mir nie wirklich supersympathisch waren, wirken mittlerweile so nervig wie alternde Hippies, die noch immer "Peace, man!" murmeln. Ein US-Kritiker schrieb nicht ganz unberechtigt: "Get a a job goddamit, and while you’re out, bring back some good songs."
Dem ist nicht soviel hinzuzugfügen, außer vielleicht das die Essenz des Films wesentlich kürzer in einer kurzen Szene in  "Team America" zusammengefasst wird, in der der Hauptdarsteller im Musical "LEASE" den Song "Everyone has AIDS" zum Besten gibt.
5 von 10 Batztapsen

The Squid and the Whale – USA 2005

New York 1986, die beiden Brüder Frank und Walt sind in priviligerten Verhältnissen aufgewachsen. Der Vater Literatur-Professor und Buchautor, die Mutter ebenfalls eine Intellektuelle die sich schriftstellerisch langsam emanzipiert. Familienoberhaupt Bernard Berkmann hat zu allem eine Meinung und kategorisiert Kunst oder Menschen rigeros. DIe organisierte Welt bekommt jedoch Risse, als sich das Paar, nach Jahren unbewältigter Spannungen für die Kinder überraschend trennt. Gegen ihren Willen werden der junge Frank und sein älterer Bruder Walt gezwungen sich auf eine Seiten zu stellen, versuchen beide Elternteile sie für sich einzunehmen und merken nicht, daß ihre "unkomplizierte Offenheit" mit der sie über alle Probleme mit den Kindern reden, diese hoffnungslos Überfordert. Jeder der beiden Jungen geht auf unterschiedliche Weise mit der Situation um, Frank beginnt zu trinken, irritiert in der Schule durch sexuellen Vandalismus, Walt versucht dem idealisierten  Vater nachzueifern und  scheitert,  als  dessen  Heiligenschein  zu verblassen beginnt.
Noah Baumbachs autobiographischer Film ist eine wunderbare, unspektakuläre und fein beobachtete Geschichter einer Mittelstandskatastrophe. Weniger laut als "Kramer gegen Kramer", weniger rührseelig als der typische TV-Movie der Woche, werden hier hochintelligente Menschen vorgeführt, die trotz aller Bildung, trotz allem Einfühlungsvermögen nicht in der Lage sind mit den Widrigkeiten des Alltags und der Familie umzugehen. Das angekratzte Ego Bernhards (überraschend diffenreziert und glaubwrüdig verkörpert von Jeff Daniels), der mit dem Verlust seiner Authoriät nicht klar kommt, der so an seine Überlegnheit gewöhnt ist, das er nichtmal gegen seinen jüngsten Sohn beim Tischtennis verlieren kann ohne zu diskutieren, wird ebenso fein herausgearbeitet, wie die Verwirrung der beiden Söhne, die sich plötzlich mit einer Situation auseinadersetzen müssen, die sie nur aus dem Freundeskreis kannten, aber bei ihren perfekten, lockeren, gebildeten Eltern nicht erwartet hätten. Vater Bernhards Standardsatz mit der er versucht alle Probleme wegzuschieben ist "Don’t be difficult" Sei jetzt nicht schwierig. Aber das Leben ist nun einmal schwierig, auch wenn man zur Bildungselite gehört, einige Dinge lassen sich eben nicht rein intellektuell erfassen.
In ruhigen Szene, nur sporadisch mit Musik unterlegt (u.a. einer wunderbaren Coverversion von Pink Floyds "Hey you" entfaltet sich eine unaufgeregt anrührende, bisweilen tragikkomische Geschichte, mit hohem Unterhaltungswert.  Jesse Eisenberg (zuletzt in Wes Cravens Werwolf-Heuler "Cursed" zu sehen) und Owen Kline, Sohn des Schauspielers Kevin Kline, als Walt und Frank überzeugen ebenso, wie Laura Linney als Mutter und William Baldwin als ihr neuer Freund.
8 von 10 Batztapsen

Mirror Mask – UK 2005

Helenas Leben ist alles andere als gewöhnlich. Als Tochter von armen Zirkusartistem die sich in ihrem Winterquartier mehr schlecht als Recht über Wasser halten, vermisst sie oft genug ein normales Leben, streitet sich mit den Eltern. Als ihre Mutter einen Zusammenbruch erleidet und eine riskante Operation überstehen muß, gerät Helenas Welt endgültig aus dem Fugen. Konfrontiert mit dem möglichen Tod der Mutter, ungeklärten Vorwürfen die sie ihr im Streit gemacht hat, wandert sie in der Nacht ruhelos durch die Flure ihres heruntergekommenen Wohnblocks – und stolpert unversehens in ein absurdes Paralleluniversum. Um in ihre Realität zurückzukehren, muß sie diese Welt erkunden und ein Geheimnis entschlüsseln, das nicht nur die Welt sondern auch ihre Mutter retten könnte.. und letztlich sie selbst.

Die Verfilmung von Neil Gaiman-Story, bietet eine spannende Variation klassischer Stories von Alice in Wonderland, Paperhouse, bis The Wizard of Oz. Wirklich beeindruckend ist deswegen auch nicht die Story selber, sondern wie sie erzählt ist. Voll skurriler Ideen, bevölkert von absurden, unheimlichen und wunderlichen Figuren erscheint die Spiegelwelt als optisch verblüffendes Zauberland, das alleine das Ansehen wert ist. In einer Mischung aus Jim-Henson-Creatures und Computeranimationen haben die Macher phantasievolle, wunderbar anzusehende Welten geschaffen, die der vertrauten Geschichte neue Aspekte abgewinnt und sie zu keinem Zeitpunkt langweilig werden lässt. Stepanie Leonidas als Helena (und deren bösem Spiegelwelt-Zwilling) ist eine sympathische Hauptfigur, die grade im Zusammenspiel mit dem fast unkenntlichen Jason Berry als ihrem zwilichtigem Begleiter Valentine, viele unterhaltsame Momente produziert.
Ein schöner Fantasy-Film in ungewöhnlichem Look, der einmal mehr zeigt, das Computeranimation in kreativen Händen ebenso effektiv genutzt werden kann um Staunen zu machen, wie sie in den Händen der Renderbeamten Hollywoods allzuoft mißbraucht wird um phantasielose Playstation-Bilder erzeugen.
7 von 10 Batztapsen

MirrorMask-Homepage

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Von Batz am 7, 4, 2006 um 17:16 in CineBatz | Kommentieren »

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