Vor einem Jahr…

  • ...Im Batzlog:
  • Bastzcast


    Fünf Filmfreunde


    Mein Herz für Kino - moviepilot

     
    Creative Commons License


    Viel Dummschwätzer und ein Todesfall

    Jetzt ist er also eröffnet der neue Hauptbahnhof Berlins. In der Mitte der Stadt soll er liegen und das tut er auch. Mitten im Niemandsland. In öder Brache, weit weg von jedem echtem Leben oder Denken. Einzig das Regierungsviertel mit Reichstag liegt in Gehweite. Also die passende geistige Brache zur No-Go-Zone die den Bahnhof umgibt. Über zehn Jahre hat es gedauert dieses seelenlose, überdimensionierte, überteuerte und überraschend unstylische Gebäude in die Landschaft zu k(l)otzen. Wäre nicht die WM, der Bau würde wohl immer noch vor sich hindümpeln.
    Wäre aber auch nicht schlimm, denn wirklich brauchen tut ihn niemand. Weder die Touristen die dort jetzt abgeladen werden und zusehen können, wie sie mit der S-Bahn in bewohnte Ecken Berlins kommen, weder die Pendler, die dank der Stilllegung des Bahf Zoo für den Fernverkehrs deutliche längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen, nicht die Einzelhändler, Ärzte, Hoteliers die am Bhf Zoo sitzen und jetzt um ihre Zukunft fürchten müssen, noch die Anwohner des Ku'damm die zukünftig erstmal mit der S-Bahn in die falsche Richtung fahren dürfen, ehe sie den ICE besteigen können.
    Doch einer braucht ihn, Herr Mehdorn und seine Gruppe Logistikspezis und Freundlichkeitsspezialisten. Die haben nämlich Angst das niemand in der neuen als Bahnhof getarnten Geisterstadt Geschäfte eröffnen will, wenn die potentielle Kundshcaft vorher am Zoo aussteigt. Also lockt man die Läden mit Kundschaft die gezwungen wird dort zu sein. Und läd sich, nachdem man sichs mit dem Architekten so richtig verschissen hat die üblichen Hackfressen als Eröffnungsredner ein. Kunden will man an dem heutigen Tag dort eher nicht sehen. Der Normalbürger der das ganze letztlich bezahlt hat und die logistischen  Unanehmlichkeiten ausbaden darf, ist eher unerwünscht wenn sich die übliche Meschpoke aus Entscheidungsverweigerern und Selbstbeweihräucherern zusammenfindet um kollektive Verbalmasturbation zu vollziehen. Der Bürger kann sich ja das Feuerwerk von weitem ansehen und darf später das belanglose Rahmenprogramm beklatschen. Merkel drückte persönlich den Knopf, der das Todesurteil des Bhf Zoo vollstreckte (natürlich klappte es wie bei der Bahn übloich nicht so wie geplant). Kirchenvertreter, Wirtschaftsverbrecher und lobhudelnde ARD-Reporterdarsteller standen herum, und guckten wichtig aus der Wäsche, den Leuten einhämmernd das sie selbst und dieses Gebäude tatsächlich wichtig wären. PR-Sperrfeuer aus allen Kanonen. Die öffentlich Rechtlichen wie immer unkritisch vorneweg. Man muß den Leuten nur lange genug einhämmern, das Gebäude wäre gigantisch und schick, sie werden es schon glauben, wie sie alles irgendwann glauben, das ihnen nur lang genug eingeredet wird. Mittlerweile glaubt man ja in diesem Land selbst, Frau Merkel und ihre Regierung würden einen guten Job machen.

    Nur mal angenommen, heut wäre dort zur Eröffnung ein Flugzeug auf Bahnhof und Reichstag gekracht, nur mal so als Gedankenspiel. Wäre das für die Republik wirklich ein Verlust?

    Von Batz am 26, 5, 2006 um 19:44 in MediaBatzBits | 8 Kommentare »

    ___________________________________________________________________________
    ___________________________________________________________________________
    ___________________________________________________________________________

    8 Kommentare zu “Viel Dummschwätzer und ein Todesfall”

    1. Christian Sagt:

      Ich komme jetzt nicht aus Berlin und kann mir nicht vorstellen wie das ganze jetzt so aufgebau ist. Nach deiner Schilderung klinkt diese ganze Projekt nach einem riesen Haufen Scheiße. Und sollte es so sein, dann kann ich es nicht wirklich nachvollziehen was sich die Politiker dabei schon wieder gedacht haben. Die soll mal einer Verstehen.

      Jezt aber mal zum letzten Satz. Findest du das nicht ein bisschen hart? Scheiß Politiker hin oder her, aber sich gleich den 11. September zu wünschen ist doch ein bisschen übertrieben, oder?

      Bis auf das, trozdem sehr nett geschrieben.

      Gruß
      Chris

    2. Reaper-Batz Sagt:

      Es geht nicht darum sich das zu wünschen, sondern den Wert den diese Leute in ihrem Wirken haben haben in Frage zu stellen. Als Privatmenschen sind sie mir eigentlich völlig schnuppe und ich wünsch ihnen nichts böses. Das Gedankenspiel war wirklich: Wenn Deutschlands Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Kirche auf einen Schlag fast komplett ausfielen (wodurch auch immer) – wäre das wirklich ein Verlust für das Land?

    3. Jens Sagt:

      Hallo Batz, Deinem Kommentar folgend, würde ich sagen, ja das wäre ein riesiger Verlust, denn für die Masse der Menschen muß entschieden werden, da sie selbst nicht für sich entscheiden, entscheiden können/ oder wollen. Sie sind wie eine Herde, was ich aus den Erfahrungen der letzten Nacht sagen kann. Fußwege werden missachtet und das breite “Volk” lief auf den Strassen, verwandelte die Strassen in riesige Parkplätze und es war für die Rettungskräfte nicht leicht zu dem Gebiet des Amoklaufs vorzudringen!! Es würde Anarchie und Chaos herrschen, in einem Ausmaß, in dem diese meine Stadt nicht mehr lebenswert wäre, wohl dieses Land auch nicht! 50 meter vom Geschehen entfernt hatte ich nicht die leiseste Ahnung was vorging und war eingekeilt in der Menschenmenge der nachhauseströmenden Menschen, es war beängstigend. Und den Rettungskräften muss wohl Dank gesagt werden, das sie den Überblick behalten haben.
      Der Bahnhof hin oder her, vom Potsdamer Platz hat man vor einigen Jahren auch noch von einer Wüste geredet und er ist ein beliebter Ort für viele Berliner und Gäste geworden! Alles braucht seine Zeit und das Gebiet um den Bahnhof wird sich entwickeln, ich denke er wird Motor für diesen Teil der Stadt.
      Jens

    4. Reaper-Batz Sagt:

      Ich vermute aber mal, das es nicht Frau Merkel und Herr Mehdorn waren, die geholfen haben oder versucht haben etwas zu machen. Ich glaube nicht das man die Frage nach der Fähigkeit der Polit-, Kirchen und Wirtschaftsvertreter und deren eventueller Austausch und Entbehrlichkeit mit dem fehlen jeglicher Ordnung gleichsetzen sollte. Das hieße ja das sich nie etwas ändern dürfe, weil die Leute die für die Gesellschaft in der jetzigen Form verantwortlich zeichnen für sie absolut unentbehrlich sind. Ein ziemlich depremierender Gedanke.

      Der Amoklauf von diesem Vollidioten da gestern hat mit meiner Überlegung aber auch so gar nichts zu tun (der Eintrag entstand mehrere Stunden vorher). Und das Menschen wenn sie in Panik geraten ein unsteuerbarer irrationaler Mob ist, daran wird keine Gesellschaft etwas ändern können.

      Zum Beispiel des Potsdamer Platzes: Wenn man ehrlich ist: Das ist doch bis heute ein Retortenbereich der von echtem Leben soweit entfernt ist wie Edmund Stoiber von gesundem Menschenverstand. Das einzige was dort Menschen hinzieht ist die EInkaufspassage und die Kinos, wenn die Läden dicht sind ist der Ort tot, weil dort eben fast niemand wohnt. DIe Häuser dort haben imme rnoch gewaltige Leerstände, es gibt einfach keine echtes Leben. Und es sind immerhin schon fast zehn Jahre seit der Scheiß fertig ist…
      Mit dem neuen Hauptbahnhof wird es ähnlich sein. Berlin braucht derzeit weder neue Büroflächen noch Wohnraum, weil die Stadt eher Einwohner verliert als hinzugewinnt, es ist kaum damit zur rechnen das sich die Gegend im den neuen Bahnhof innerhalb der nächsten 10-15 Jahr zu einem pulsierenden Hort des Lebens entwickeln wird. Dafür kann man absehen, wie schnell es mit dem Bhf Zoo bergab gehen wird.
      Wenn in zwei Jahren hier überall die Läden pleite machen, Hotels schließen, die Kriminalität zunimmt wird man wieder sagen: “Huch damit hat ja niemand gerechnet”.
      Klasse Idee einen funktionierenden Bereich der Stadt massiv zu beschädigen um irgendwo in der Pampa die Infrastruktur zu verbessern. Und die Politik guckt zu und beklatscht das neue Verkehrskonzept.

    5. Jens Sagt:

      Mit Sicherheit hatten Frau Merkel und Herr Mehdorn nichts mit den Hilfsmassnahmen zu tun, dennoch kann man das Eine vom Anderen nicht einfach so trennen, es zeigt das Strukturen dieser Gesellschaft unter anderem durch das Mitwirken der Politiker, Wirtschaftsvertreter und Anderer intakt sind.
      Von Panik indes kann keine Rede sein, da die meisten Menschen überhaupt nicht realisiert haben was vor sich ging, sie wollten einfach nach Hause und es hat fies geregnet. Vermutlich wäre es eher zu einer Schaulustorgie gekommen, statt zu einer Panik.
      Und es ist jedoch richtig und wichtig ein solches Bauwerk gebührend zu eröffnen. Ob es einen wirklichen Einfluß auf die Einkaufsmöglichkeiten und das urbane Leben einen Einfluß haben wird, das die Fernzüge nicht mehr am Zoo halten, wage ich zu bezweifeln. Gibt es wirklich Leute die mit der FERN- Bahn anreisen um am Ku’damm einkaufen zu gehen oder ins Kino?? Ich freue mich darauf meinen Besuch demnächst vom Hauptbahnhof abzuholen!
      Das der Potsdamer Platz nicht ganz so lebendig ist wie der Kiez nebenan liegt an der Struktur der Bauten, das ist denke ich, auch so gewollt. Unterdessen sind die Docklands in London ähnlich urban, tagsüber belebt weil dort viele Büros sind und Abends eine Geisterstadt. Es ist halt schwierig die Gratwanderung zwischen Wohnen, Arbeiten und Leben in Einklang zu bringen. Ich für meinen Teil lebe lieber in dieser Stadt gerade weil sie sich verändert!

    6. Reaper-Batz Sagt:

      *ähm* und weil die strukturen so intakt sind laufen 16jr Hauptschüler auch Amok :) Das der Fernverkehr den Zoo vom Touristenstrom abschneidet ist unbestritten. Wer sich früher rund um den Zoo eingemietet hat, wird dies jetzt woanders tun, wahrscheinlich eher in Ostberlin. War der Zoo früher das erste was Leute die nach Berlin kamen gesehen haben, der Ort wo sie zuerst spazieren gegangen sind und ihr Geld gelassen haben, so werden sie jetzt eher in den Osten weitergleitet. Denn wenn man ehrlich ist, touristisch hat der Zoobereich abgesehen von der Gedächniskirche nicht soviel umwerfendes zu bieten, das mehrmaliges Kommen für einen Touri rechtfertigt. Und der Großteil der Läden die rund um den Zoo sind, von Cafes über Hotels bis zu Schnickschnackläden sind eben auf Touristen eingestellt. Wenn der Lehrter Bhf genauso eine Geisterstadt wird wie der Potsdamer Platz dann Prost Mahlzeit. Ich hab auch nichts dagegen in einer Stadt zu wohnen die sich weiterentwickelt, die Frage ist nur warum Städteplanung immer von Leuten gemacht wird, die finanzielle Eigeninteressen vor Stadtinteressen stellen? Der Potzdamer Platz gilt heute oft als Musterbeispiel dafür wie man es NICHT machen sollte…

    7. Jens Sagt:

      nun zum Schluß: wir werden sehen wie sich die Stadt weiterentwickelt und der 16 jähriger hauptschüler hat wohl kaum was mit den Strukturen zu tun… Du sagtes selbst “Vollidiot”, mgl. das er auch nur gestört ist, soll ja vorkommen…

    8. Der_Nuff Sagt:

      Ich bin sehr gespannt, wielange die Boykottierung des Bahnhofs Zoo seitens der Bahn andauern wird. Daß einige Verbindungen wie z.B. von Hamburg nach Leipzig über den neuen “Hauptbahnhof” wesentlich schneller sind, ist ob des eignesparten Umwegen nachzuvollziehen. Auch wenn man als Kunde letztlich nichts spart, weil man erstmal in die Pampa zum “Hauptbahnhof” fahren muß. Nicht einzusehen ist aber, wieso Züge (z.B. auf der Strecke Köln – Berlin), die über den Bahnhof Zoo fahren, nicht auch dort anhalten. Mit einer fünfminütigen Fahrzeitersparnis kann dies wohl kaum begründet werden. Für mich hat dieses Trauerspiel jedenfalls zur Folge, daß ich nunmehr am Bahnhof Spandau den ICE verlasse und die eignesparte Fahrzeit zum Bahnhof Zoo im unbequemen Bus zusätzlich verbringe. Früher konnte ich beobachten, daß annähernd niemand in Spandau in den ICE ein- oder ausstieg. Inzwischen ist dort wesentlich mehr Betrieb. Ob die Boykottierung des Bahnhofs Zoo also aufgeht, wage ich stark zu bezweifeln… In einem Kommentar ist die Rede davon, daß am Potsdamer Platz inzwischen richtig leben sei. Nun ja, man macht sich dorthin auf die Reise, um in einem vernünftigen Kino Filme in Originalsprache zu sehen. Ansonsten wimmelt dieser Platz aber nur vor Touristen. Wer käme schon auf die Idee für eine handvoll Geschäfte extra dorthin zu fahren, wenn er diese auch vor der eigenen Tür hat. Und in diesen künstlichen Cafés kann man sich wohl auch kaum wohlfühlen. Und mit denjenigen Menschen, denen es dort gefällt, möchte ich meine Anwesenheit auch gar nicht teilen. Ich fahre ja auch nicht ins Centro nach Oberhausen, um mich an einem künstlichen Bach in ein Eiscafé oder einen Irish Pub zu setzen. Man gehe einmal gegen Mitternacht zum Potsdamer Platz und beobachte das wuselige Treiben. Es wirkt, als habe man den Vergnügungspark vor Stunden geschlossen…

    Sag was zum Thema!

    Kategorien

    Neueste Kommentare

    Archiv

     
    40 queries. 0,356 seconds.