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    Letzte Lichtspiele – Bits and Pieces 10

    Filme im Schnelldurchlauf  

    Hard Pill – [Der Nachtschwärmer ->Nachtschwärmer] – [The Hills have eyes->The hills have eyes] – [HellBent ->] – [Wal-Mart, the high cost...->Wal]

    Hard Pill – USA 2005

    Das die Probleme eines Schwulen mit dem geglückten Coming Out nicht enden, sondern erst anfangen, wissen wir nicht erst seit Queer as Folk. Das hat auch Tim festgestellt, ein Büroangetsellter der in seinem Umfeld akzeptiert lebt, umgeben von toleranten Kollegen, seiner besten Freundin, einer Szeneschwuppe und seinem besten Heterokumpel. Glücklich ist er dennoch nicht. Er passt wie so viele nicht wirklich in die schwule Szene, sieht weder besonders gut aus, noch ist er besonders schlagfertig oder witzig, Mode interessiert ihn nicht und in der Disco fühlt er sich ungelenk und deplaziert, der einzige Sex den er hat ist wenn er seinen Heterofreund überreden kann, sich einen blasen zu lassen. In einer akuten Downphase stolpert Tim über die Suchanzeige eines Arzneikonzerns der gerade ein neues Medikament testet. Gesucht werden Schwule die lieber Hetero wären – was ihnen durch eine neue Pille ermöglicht werden soll.
    Hard Pill begleitet in dokumentarischer Nüchternheit dieses Experiment, beobachtet die Wirkung des Medikamentes auf Tim, auf sein Verhalten, auf sein soziales Umfeld das zum Teil verständnisvoll, zum Teil entsetzt reagiert. Ein sehr gut gespielter, provokanter Film der sich mit einem spannenden, aktuellen Thema auseinandersetzt und keine einfachen Antworten gibt.
    8 von 10 Batztapsen

    Mehr zu Hard Pill (offizielle Auswahl des Verzaubert-Festivals 2005)


     
    Der Nachtschwärmer – Ronda Nocturna – Argentinien 2005

    Victor, Anfang 20 und Gelegenheitsstricher und Dealer irrt eine Nacht durch Buenos Aires. Er begegnet Bekannten, Freunden, Freiern, Polizisten, Nutten und mörderischen Frauen. Mehr passiert in Edgardo Cozarinskys Film leider nicht. Abgesehen von einigen Wahnmomenten die einen im unklaren lassen, ob sie Victors Phantasie entsrpingen oder real sind.
    Der Film ist ein schwüler Streifzug durch die Stadt. Eine Liebeserklärung an Buenos Aires, daß schmeichlerisch ins Bild gerückt wird. Wenn man die Stadt nicht kennt und auch kein so besonderes Interesse an ihr hat und statt dessen lieber eine Geschichte oder Dramaturgie erwartet, wird man unweigerlich enttäuscht, denn Ronda Nocturna meändert relativ ziellos dahin. Die Episoden aus denen Victors Streifzug besteht folgen keinem Muster, bilden keinerlei Einheit. Eine gewisse Beliebigkeit wird spürbar, wenn man nach einer Weile merkt, daß diese keine besondere Nacht für den Hauptdarsteller ist sondern eine beliebige von vielen. Weder hat man das Gefühl, daß er sich sonderlich verändert, irgendwelche Entscheidungen trifft, noch passiert in seinem Leben etwas bedeutendes. Das Ende ist ebenso unspektakulär wie überraschend, ohne Klimax, ohne das tatsächlich etwas passiert wäre läuft Viktor aus dem Bild.
    Das ist schön fotographiertes Kunstkino, aber eigentlich nicht sehr interessant.
    4 von 10 Batztapsen

    The Hills have eyes – USA 2006

    Irgendwo in der Wüste von Nevada. Weil Papa etwas von der Landschaft sehen will, kurvt eine Familie durch die Pampa. Genregemäß fragen sie bei der fiesesten Tankstelle weit und breit nach dem Weg und werden prompt in die Irre geschickt. Es kommt wie es immer kommt, das Wohnmobil bricht zusammen und binnen kurzer Zeit kommen die durch Atomtests verseuchten Mutanten von den Hügeln herunter und fangen an zu morden, schänden und brandschatzen, wie es so die Art der Atommutanten ist.
    Ein weiteres Remake eines 70er Horrorklassikers. Ausnahmsweise aber mal ein leidlich spannender, der streckenweise spannender ist als das Original von Wes Craven. Nach dem vergurkten und völlig unlogischen "Haute Tension" schafft es Regisseur Alex Aja in seinem ersten Hollywoodfilm tatsächlich einen soliden Backwood-Slasher mit einigen ironischen Momenten zu basteln. Die Besetzung wird als sympathisch und glaubwürdig genug eingeführt, daß man ihnen nicht sofort die Schwindsucht an den Hals wünscht und man hinreichende Empathie empfindet, daß es einen unangenehm berührt wenn sie von den Mutanten zerlegt werden.  Zudem verhalten sie sich nicht all zu blöde und die Zahl der Fake-Buh-Effekte bleibt überschaubar.  Kameraarbeit und Schnitt sind ordentlich und nutzen effektiv das Wüstensetting. Insgesamt ein schöner klassischer Horrorfilm der sich nicht in unnötigen Sadismen weidet, was in Zeiten von Saw2 und Hostel schon eine ganze Menge ist.
    6 von 10 Batztapsen

    HellBent – USA 2004

    Ein weiterer Slasherfilm, diesmal mit einem besonderen Gimmick: Hellbent ist der erste schwule Horrorfilm (Yentl mal ausgenommen. Alle Hauptfiguren des Films sind Schwuppen. Abgesehen davon ist der Film allerdings weniger innovativ und verlässt sich auf die bewährte "Irrer Killer jagt Leute durch die Gegend"-Dramaturgie, die wir alle so lieben. Halloween in West-Hollywood, dem Gay-District. Eine Gruppe von Freunden macht sich verkleidet auf zu einer Megaparty. Der Thrill des Geisterabends wird dadurch erhöht, daß am tag zuvor ein junges Schwuppenpärchen brutal abgeschlachtet wurde. Schon bald sieht sich die die Truppe von einem durchtrainierten Kerl mit Teufelsmaske verfolgt. "Hast du ein Messer in der Hose, oder freust du dich nur mich zu sehen?" – In dem Fall ist es das Messer.
    Paul Etheredge-Ouzts hat sich die Vorbilder von Halloween bis Scream gut angesehen und liefert hier einen soliden Slasher ab, der dank des Settings ein paar ungewohnte Momente für sich verbuchen kann. Die Charaktere sind sympathisch und bekommen ein paar Szenen zugestanden, die sie als echte Menschen erscheinen lässt, ehe der Killer loslegt und sie auf phantasievolle Weise abschlachtet.  Für einen Low-Budget-Film sieht das Ganze auch ziemlich nett aus, gut gewählte Locations, ansprechende Beleuchtung und viele hübsche Kerle in den Partyszenen. Dazu ein zwei romantische Momente, wenn der Hauptdarsteller in all dem Tumult seinen Traumtypen kennenlernt und ein paar eklige Splattereinlagen.
    6 von 10 Batztapsen

    Wal-Mart – The high cost of low price – USA 2005

    Der Regisseur von Outfoxed meldet sich zurück. Diesmal seziert er nicht Fox News, sondern Amerikas größten Einzelhändler Wal-Mart. Robert Greenwald schafft es auch dieses Mal geschickt aus vielen Puzzleteilen ein Gesamtbild zusammenzusetzen, das durchaus erschreckend ist. Man kennt die Fakten zum Teil aus der South Park-Folge "Something Wall-Mart this way comes" oder aus den Simpsons, aber es ist dennoch erschreckender, die Methoden von Wal-Mart im nichtfiktionalen Kontext geschildert zu bekommen. Von systhematischer Ausbeutung der Mitarbeiter, die zu Überstunden gezwungen werden, über die Bedingungen unter denen Wal-Mart im Ausland produzieren lässt, bis zu Umweltskandalen oder der wissentlichen Gefährdung der Kunden durch unbewachte Großraumparkplätze: Wal-Mart vereinigt fast alles was assozialen Turbokapitalismus auszeichnet, auch wenn sie damit sicher nicht alleine sind. In einem sehr geschickten Schachzug eröffnet Greenwald den Film mit Bildern von Kleinstädten deren gesamter Einzelhandel, Läden die seit mehreren Jahrzehnten dort ansässig waren, nach der Eröffnung eines Wal-Mart binnen weniger Monate in den Ruin getrieben wurden. Er lässt konservative, erzpatriotische, republikaner-wählende Amerikaner zu Wort kommen, die von Wal-Mart um ihre Existenz gebracht wurden. Damit nimmt er gleich zu Beginn all jenen den Wind aus den Segeln, die Dokumentationen dieser Art von vornherein in die linksliberale Ecke stecken wollen. Es sind keine "bleeding heart liberals" die hier getroffen werden, sondern der konservative Durchschnittsami, dem Wal-Mart das Wasser abgräbt.
    Nach diesem Einstieg kann er dann getrost von Gewerkschaften und Umweltschützern erzählen, von Menschenrechten, Rassismus und Kapitalismuskritik.  Eine insgesamt glaubwürdige und spannende Dokumentation, die vielleicht einen Vorgeschmack darauf gibt, was uns in Deutschland erwartet, wenn die derzeitige Diskussion um "Arbeit um jeden Preis" und "Geiz ist geil" so weitergeht.
    9 von 10 Batztapsen.

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    Von Batz am 27, 6, 2006 um 17:08 in TagesBatz | Kommentieren »

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