Vor einem Jahr…

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War was?

Es ist CSD-Saison , wie jedes Jahr im Sommer. Heute stand einer der wichtigsten auf dem Programm, nämlich der in Köln. Wie wichtig er ist kann man u.a. auf der Videotextseite 321 des WDR heute nachlesen:

"Wer glaubt, der Kölner Straßenkarneval sei das größte Volksfest im Rheinland, irrt gewaltig. Mit mehr als einer Million Zuschauer und über 40.000 Teilnehmern verweist der "Christopher Street Day" den Rosenmontagzug klar auf Platz 2 in der Beliebtheitsskala der Kölner Feierlichkeiten: Der CSD zieht mehr Touristen, Schaulustige und Besucher an als jedes andere Event in Köln."

Grund genug also um ausführlich darüber zu berichten. Macht der WDR denn auch. Und zwar dreissig Minuten lang, heute am Sonntagabend um 00:00 Uhr. Das ist wirklich angemessen. Nein wirklich.

Immerhin werden zum Karneval vom WDR auch nur eine Woche lang 80 Sendungen und Specials ausgestrahlt.  Und auch die Love-Parade dieses Wochenende, bei der irgendwas um 500.000 Raverentner die morschen Knochen schwangen, musste sich mit acht-neun Stunden Live-Übertragung auf rtl2 und VIVA bescheiden. Und die WM war ja auch kaum zu bemerken, so sparsam wurde im letzten Monat darüber berichtet.

Nee, ist schon in Ordnung, das eine Großveranstaltung mit dreissig Minuten im Nachtprogram abgehandelt wird. Ich bin dem WDR wirklich dankbar. Immerhin gibt er zu, daß es einen CSD gab.

"Spiegel Online" ignoriert den Kölner CSD gleich ganz, denn dort ist seit Jahren genau wie in der Tagesschau offizielle Berichtstrategie, daß man genau über einen CSD bundesweit berichtet. Egal wieviele Leute da waren.  

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Von Batz am 16, 7, 2006 um 23:37 in MediaBatzBits, QueerBatz | 15 Kommentare »

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15 Kommentare zu “War was?”

  1. Stef Sagt:

    Naja, vor einigen Jahren hatte der WDR den CSD live übertragen, u.a. mit der gesamten Kölschen Prominenz in feierseligen Bierzeltatmosphäre. Hatte wohl auch andere nicht so überzeugt… Was allerdings schon verwundert ist die Tatsache, dass die Tagesschau seit Jahren nur einmal über den CSD, nämlich den in Berlin, berichtet. Wenn jedes WE in einer anderen Großstadt Ce-es-diert wird scheint das wohl mehr zu sein, als man dem gewöhnlichen heterosexuell veranlagten Fernsehzuschauer zumuten will. ;) Apropos Berlin… gab es auch dies Jahr wieder den “CSD-Schwanzvergleich”? “Unser Zug ist länger als der Berliner” “Wir haben mehr Wagen als die Berliner” “Wir haben mehr Besucher als die Berliner”… Nun ja, wer’s meint…

  2. Reaper-Batz Sagt:

    Die damaligen WDR-Übertragungen des CSD waren sowohl technisch als auch vom Konzept her eine Katastrophe. Das ganze wirkte die 2x die es stattfand wie vom Offenen Kanal realisiert. Nachdem ich dem WDR in Anbetracht der immensen Karnevalsberichterstattung und der flächendeckenn Rundumbelobhudelung des Kirchentages nicht in der Lage ist, eine Großveranstaltung journalistisch und logistisch entsprechend aufzubereiten, unterstelle ich einfach mal, daß man einfach nicht bereit war den nötigen Aufwand zu betreiben. Warum sonnst sollte ausgerechnet diese Übertragung so dilletantisch gemacht sein? Vielleicht hat man ja auch darauf spekuliert, damit man hinterher guten Gewissens sagen kann: “Wir habens ja probiert, wollte ja keiner sehen…”

  3. somlu Sagt:

    Die Tagesschau hat das tatsächlich erwähnt eben in den Spätnachrichten aber nicht ohne Hinweis darauf, dass es der größte CSD in Europa “sein soll”. Vermutlich sagen sie jetzt nix mehr zu Berlin.

    Heiss wars, und ich schau jetzt mal die Reportag über das Corner, ehm, den CSD.

  4. Somlus Welt » Blog Archive » Colognepride 2006 im WDR Sagt:

    [...] Der WDR hat dem CSD eine ganze halbe Stunde nach Mitternacht gewidmet. Äußerst großzügig (dazu auch das Batzlog). Es fängt damit an, dass ausführlich die Vorbereitungen im Corner beobachtet werden. Dann geht es in die Wohnung der Beispielschwulen, die die Dokumentation tragen sollen und die gehen natürlich auch auf die Gala, kostet ja nur 50 Euro “Spende”. Der betuliche Tonfall mit dem der Sprecher darauf hinweist, dass Marie Luise Nikuta (heißt die so? )dabei ist, welch neue Nachricht, sie macht das ja nur schon seit Jahren mit. Und dann fragen die sie peinlicherweise auch noch, ob sie ein Problem mit den ganzen Tunten hat. Unfassbar. Und überall nur Schwule und Tunten. Lesben sind nicht zu sehen. Sehr nervig. Nix als Schwule weit und breit. Selbst bei Aufnahmen vom Straßenfest schaffen sie es nur Kerle zu zeigen. Ich war da gewesen und hatte nicht den Eindruck, dass die Jungs die Situation dominieren. Auch beim Bühnenprogramm ist mir eigentlich die Ausgewogenheit positiv aufgefallen. [...]

  5. Reaper-Batz Sagt:

    Diese Doku ist doch in jedem Jahr gleich banal und ärgerlich. Irgendein schwuler Redakteur erbarmt sich, ehe denn gar nix gemacht wird und bekommt übers Wochenende ne DV-Cam mit. Damit dokumentiert er weniger den CSD als seinen Bekanntenkreis, deswegen darf man dann auch dreimal mit der ganzen Sippe in dieselbe Pinte gehen. Schön wird den Wirt freuen, auch wenn man wenig von dem mitbekommt was ansonsten in der Stadt noch abgeht.
    Das der WDR auch überregional empfangbar ist, ist bis zu den Redakteuren da auch noch nicht durchgedrungen, sonst hätte man sich vielleicht auf jemand anderen als Star kapriziert als auf die ausserhalb Köln völlig unbekannte Frau Nikutai. Und ob man den vollkommen humorfreien Auftritt dieses “Hööööölle”-Komiker-Imitatoren nun in jedem Jahr als Glanzstück der Gala herausstellen muß, halte ich auch für zweifelhaft. Irgendwie dürfen bei CSD-Veranstaltungen doch sowieso immer die Leute auf die Bühne, die man zurecht den Rest des Jahres wegen völliger Geschmacks- und Talentfreiheit im Keller einsperrt. Ich hoffe Marla Glen hat wirklich viele Song beigetragen, sonst waren die 50 Euro Eintrittsgeld völlig vorn Arsch. Was bleibt übrig? Kaum Informationen, viel Partygehopse und die eigentliche CSD-Parde wird in 6 Minuten abgehandelt. Danke schön. Und fürs nächste Jahr: Es interessiert mich eigentlich auch nen feuchten Dreck, ob der Redakteur und seine Freunde dies Jahr auf dem CSD ws zum ficken gefunden haben….

  6. Urusai Sagt:

    Naja, falls es euch ein wenig tröstet:
    Zumindest im Ausland ist der CSD bekannter als die Love Parade, Karneval oder sonstige Veranstaltungen in Deutschland :)

    Zumindest wussten weder die Schweden noch die Dänemarker etwas von der LoveParade, dafür fragten aber alle nach dem Event wo die Schwulen und Lesben rumlaufen würden ^^

  7. tschill Sagt:

    Reaper,
    natürlich ist das ärgerlich. Und der Verweis auf den anderen Umgang mit der ausgelutschten Love-Parade ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Zumindest gleichberechtigten Umgang mit dem CSD als ein Straßenfest unter anderen sollte drin sein.

    Aber ist es andererseits nicht auch Ausdruck der eklatanten Schwäche, die die CSD-Organisatoren zu verantworten haben, denen die Sponsoren wichtiger als Inhalte sind? Die Zeiten, in denen man zumindest per Motto Verfolgung wegen sexueller Orientierung als Bleiberecht einforderte sind doch auch schon ein paar Jahre her. Statt dessen jedes Jahr eine andere Devise, die ins Deutsche übersetzt doch immer nur “Friede, Freude, Eierkuchen” heißt. Sonst fühlt sich am Ende Papi aus der Provinz gar nicht wohl und mag gar nicht, hahaha, seine Perücke aufsetzen. Denn darum geht es doch beim CSD, oder?!

  8. Reaper-Batz Sagt:

    Die ewige Diskussion ob der CSD zu unpolitisch geworden ist, kann man immer führen. Darum ging es mir in dem Posting zunächst einmal aber nicht. Selbst wenn es ein einziger Partyumzug WÄRE, sehe ich keinen Grund darüber weniger zu berichten als über die Love Parade oder den Karneval. Zudem wirde es auf absehbare Zeit nie zu einer unpoloitischen Veranstalung werden, denn selbst ohne jede konkrete FOrderung und ohne politische Parolen: Es ist immer noch ein Politikum, daß sich Schwule und Lesben offen zeigen. Da mag man sich nochsoviel einreden, von wegen “ist doch ganz normal geworden” – es ist es nicht. Vielleicht haben auch einige Schwuppen in den Ballungsräumen, daß Gefühl es wäre ja mittlerweile nichts mehr dabei. Aber das gilt nach wie vore nur, wenn man sein sicheres kleines Homo-Umfeld nicht verlässt. Auch in Berlin kann es locker reichen in einen anderen Stadtteil zu gehen, um festzustellen das man sich doch besser wieder GANZ Hetero gibt, möchte man keins aufs Brett bekommen. Vom Leben in Kleinstädten und Dörfern ganz zu schweigen. Insofern: CSD-Paraden sind immer noch politische Aussagen, alleine dadurch, daß sie Sichtbarkeit erzeugen, die im wesentlichen grade im Medienalltag nicht statfindet. Und als solche, sollte angemssen über sie berichtet werden.
    Ob man an den einzelnen CSDs etwas verbessern kann, ob man kämpferischere Aussagen als Motto nimmt, den gesellschaftspolitischen Diskurs auch den Partyschwuppen näher bringen möchte und insgesamt mehr auf Forderungen setzt, ist eine sicher wichtige, aber andere Diskussion.
    Und nachdem die Love Parade fast ihre gesamte Laufzeit als politische Demonstration anerkannt wurde und letztlich nie mehr als Party, Saufen und Ficken war – und das der Berichterstattung nie Abbruch tat, würde ich die Inhaltsdiskussion einfach nicht als Grund gelten lassen, warum die Medien die Veranstaltung weiträumig ignorieren.

  9. diaet Sagt:

    Erstmal: es gibt keinen Grund, die Veranstaltung zu ignorieren. Ausser, dass es halt Schwule und Lesben sind. Und man höchstwahrscheinlich Schwierigkeiten hat, den Großteil der “normalaussehenden” in tolle TV-Bilder zu verpacken. Und die paar Drag-Queens und Lederkerle reichen halt dem Vergleich zum Kölner Karneval nicht stand… [Zynismus off]

    Und zumPunkt “unpolitisch oder nicht”: das hängt meiner Erfahrung nach schwer damit zusammen, wie man selbst auf die Veranstaltungen geht. Letztes Jahr “Lebenslang liebenswürdig” mit dem großen Thema “Altern” (was ja speziell bei Schwulen und Lesben noch einen ganz anderen Generationenkonflikt aufreisst), dieses Jahr “100% NRW nur mit uns” (angesichts der massiven Mittelkürzungen und trotzdem ewiger Präsenz), alles unterstützt von vielen Paradeteilnehmern, etliche Veranstaltungen im Umfeld, etc pp. — Sorry, aber wenn man das alles natürlich nicht wahrnehmen möchte, sondern nur die Party sieht…

  10. Jaaa, Blog. :: Und wo wir gerade dabei sind :: July :: 2006 Sagt:

    [...] …stellt der Batz die interessante Frage, warum eine solche Massenveranstaltung wie der Kölner CSD selbst in den regionalen Medien weitgehend ignoriert wird. 16:07 Uhr – Kategorien: Eher tragisch, Mein Stammtisch [...]

  11. Urusai Sagt:

    “Aber das gilt nach wie vore nur, wenn man sein sicheres kleines Homo-Umfeld nicht verlässt.”

    Gilt das nicht irgendwie für alle Gruppen und Scenen, zu der ja auch jeder Mensch irgendwo gehört?

  12. Reaper-Batz Sagt:

    @urusai

    Was will uns das sagen?

    Und: spricht man jetzt offiziell von der Hetero-Szene? Ist ja schlimm, das Hetenpärchen nicht mehr einfach so überall hingehen können, ohne das sie Angst haben müssen eins auf Brett zu kriegen, wenn man sie als Hetero erkennt…

  13. Urusai Sagt:

    Auch wenn du es noch nicht wußtest, es gibt auch bei den Heteros verschiedene Scenen…

    Und wenn du zu einer Scene gehörst, und das in falschen Gegenden offen zeigst, bekommst du genauso eins aufs Brett.

  14. Reaper-Batz Sagt:

    Damit setzt du aber Schwulsein auf eine Ebene mit einem Modestyle oder anderen frei gewählten Peergroups. Klar sollte man als Punk nicht unbedingt in einen Rechten Stadtteil gehen, klar sollte man als Bayern-Fan nicht in eine HSV-Kneipe gehen, aber ich würde doch unterstellten, das es da noch kleine Unterschiede gibt.

    Irgendwie klingt mir bei dir halt eine typische Art von genervt sein durch, das man öfter hört, wenn Leute sich mit dem angesprochenen Thema eigentlich nicht befassen wollen. Das ist als wenn man sich im Restaurant darüber beschwert, daß das Essen verbrannt ist und nicht schmeckt und der Kellner kommt an und sagt dir: \”Na und, was wollen Sie? In Afrika verhungern die Kinder.\” Mit anderen Worten: Halts Maul, andere Leute haben auch ihre Probleme.
    Mag ja sein, da können sie auch gern drüber schreiben, aber das ändert nichts an dem was ich hier angeführt habe. Wenn ein Deutscher ausländischer Abstammung irgendwo zusammengeschlagen wird, werd ich ihm auch nicht entgegenhalten: Was solls, woanders ist Krieg sei froh daß du nicht da bist.
    Deswegen meine vorige Frage: Was will uns dein Statement sagen?

  15. somlu Sagt:

    Hast du eigentlich auch, relativ gesehen, ungewöhnlich viele Zugriffe über Suchmaschine auf diesen Beitrag? Möglicherweise mit IPs der Sendeanstalt?

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