Vor einem Jahr…
Lizenz zum Hören
Jeder einigermaßen moderne Musiknutzer (früher sagte man Hörer, aber seit der Rechteverwaltungs-Apocalypse sind wir Musiknutzer) hat sich schon über die Logik von Digital-Rights-Management, kurz-DRM-geschützter Musik gewundert. Irgendwann wurde Musik zu etwas, daß man nicht mehr kauft sondern lizensiert. Wie auch bei Software erklärte uns die Musikindustrie, daß wir mit einer CD ja gar nicht das Lied erwerben, sondern nur das Recht es zu hören.
Wenn dem wirklich so wäre, darf man sich natürlich schon fragen, warum ich dann das Recht ein Lied zu hören immer und immer wieder kaufen soll.
Eigentlich müsste ich mit meinen ganzen alten Langspielplatten zum nächsten Online-Store gehen dürfen und sagen: Schaut mal ich hab das RECHT diese Lieder zu hören schon in den 80ern gekauft, ich will diese Songs jetzt umsonst in digitaler Form haben. Schließlich gehts um das Hörrecht und nicht um das Medium.
Würd natürlich nicht funktionieren, denn solche Regelungen funktionieren immer nur in eine Richtung. Die Industrie will nicht nur das Recht, mir ein Lied zu verkaufen, sie will mir auch jedesmal wenn ich es auf einem anderen Medium höre, wieder Geld aus der Tasche ziehen. Ist ja auch klar, sonst wäre der Backkatalog plötzlich nichts mehr wert, wenn man den Leuten nicht jedes Album auf LP, MC, CD, Klingelton, Midi, UMTS-Stream, Audio-DVD und demnächst wahrscheinlich Blue-Ray-Audio andrehen kann. Hat sich was mit Hörlizenz, die gilt nur für dich.
Irgendwie sollten die Leute vielleicht mal ihre Argumente glatt kriegen.
Entweder ich erwerbe eine virtuelle Idee, nämlich die Lizenz ein Lied zu hören oder ich erwerbe einen Gegenstand der diese Musik abspielen kann, wie eine Platte oder CD oder ein Musik-File.
Wenn ich einen Gegenstand erwerbe, dann ist es klar, daß wenn der Gegenstand kaputt geht, daß ich ihn neu kaufen muß. Aber dann will ich ihn auch nutzen können wo und wie ich will. Auf jedem CD-Spieler, auf jedem Rechner und beliebig oft überspielen. Es ist dann mein Musik-Gegenstand, für den ich gradestehen muß wenn er kaputt geht. Wenn die Platte zerbrochen ist, ersetzt sie mir auch keiner. Aber mir sagt auch niemand auf wessen Plattenspieler ich sie abspiele und wie oft ich sie auf Kassette ziehen kann.
Wenn ich eine Hörberechtigung kaufe, dann will ich, daß diese gefälligst universell ist. Ich will mich registrieren dafür das ich ein Lied hören darf und mir danach keine Sorgen mehr machen, ob ich irgendwelche Lizenzen auf dem Rechner gespeichert habe oder auf welchem Medium ich es denn Hören will. Eine echte Hörlizenz soll mir auf jedem Audiofähigen Gerärt das ich besitze das Lied ohne weitre Kosten zur Verfügung stellen, auch für zukünftige Systeme. Das wäre dann eine echte Hörlizenz.
Im Moment bekommen wir beides nicht. Man verkauft uns eine Hörlizenz in Form eines DRM-Files, daß einen bevormundet und gängelt, aber im Zweifel genauso kaputt gehen kann wie eine alte Schallplatte. Wenn die Festplatte den Geist aufgibt, rauchen auch die Hörlizenzen mit ab (oder wenn man MD-Nutzer ist, sogar die Berechtigungen eigene Audioaufnahmen abzuspielen – Danke auch, Sony!).
Zudem werden im Moment immer noch Preise aufegrufen, die Jenseits von gut und Böse sind. Miteinem bemerkenswerten Starrsinn, besteht die Musikindustrie weiterhin drauf selbst für Uralte Archivware noch 15-20 Euro aufzurufen, ohne das man einen entsprechenden Mehrwert bekäme. Hat die Filmindustrie insgesamt kapiert, daß man die Kunden mit Mehrwert und vernünftigen Preisen ködern kann, sind 10 Euro heute selbst für semi-aktuelle Blockbuster mit ordentlich Bonusmaterial eher die Regel denn die Ausnahme, verlangt die Musikindustrie für aktuelle Alben absolute Mondpreise und selbst für den Backkatolog noch abenteuerliche Summen, ohne das sie einem wirklich irgendetwas dafür böten.
Wenn ich eine Film-DVD kaufe, bekomme ich oft Audiokommentare, Dokumentationen, Musikvideos, Spiele und Deleted Scenes umsonst dazu, bzw sie sind natürlicher Bestandteil des Mediums DVD. Wenn ich eine CD kaufe, soll ich 17 Euro zahlen und bekomme im Höchstfall 75min Musik, wenn die Macher nen guten Tag hatten noch ein Booklet mit Texten (oft aber nur eine Werbebeilage) und mal ein Musikvideo. Alle alten CDs bieten meist gar nichts, viele sind nichtmal oirdentlich remastered. Wenn ich ein Musikfile kaufe, wird von mir verlangt mich in DRM-Fesseln legen zu lassen, schwerfällige Audioplayer zu installieren und die Musik so zu hören, wie die Industrie das von mir verlangt. Bonusmaterial gibts gleich gar nicht, Booklets natürlich auch nicht, nein im Zweifel zahlen nicht Flatratekunden sogar noch die Downloadzeit oder Datenmenge bei ihrem Provider. Dennoch kostet die Musik unwesentlich weniger, als wenn man sich die CD anschafft.
Wundert sich jemand, daß ich zwar gerne neue DVDs kaufe, soweit es der Geldbeutel zulässt, aber schon seit Monaten keien CD mehr kaufen mochte?
Wie funktionieren Leute, die denken, daß dieses Konzept in irgendeiner Art dem Kunden entgegenkäme, oder bei diesem das Gefühl auslösen würde vom Verkäufer fair behandelt zu werden oder gar umworben zu werden. Wenn mich die Tante im Bäckerladen erstmal anschnauzt und mir nen Vortrag hält, was ich alles auf mein Brötchen schmieren darf und das ich es nicht wagen soll nen Freudn davon abbeissen zu lassen, riskiert sie nicht nur mich als Kunden zu verlieren, sondern durchaus eine mechanische Diskussion. Wenn die Musikindustrie dasselbe macht, wundert sie sich, das der Kunde ihr gegenüber keinerlei Skrupel mehr hat, wenn es darum geht ihre Produkte zu stehlen. Wer hat schon Mitleid, wenn ein Mafiaboss erschossen wird, der seinen "Kunden" regelmässig die Beine brechen ließ?
Wozu bringt uns das Ganze? Wußten wir ja alle schon. Also?
Das bringt uns hierher: Gulli startet eine neue Aktion, die sich Wir haben bezahlt nennt und für fairere DRM-Freie Musik-Verkäufe einsetzt. Kann man unterschreiben. Hab ich auch.
WiR HABEN BEZAHLT-Petition
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Von Batz am 26, 7, 2006 um 15:35 in MediaBatzBits | 1 Kommentar »___________________________________________________________________________
Ein Kommentar zu “Lizenz zum Hören”
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28. Juli 2006 at 9:33
Ein einziges mal habe ich diesen DRM-blödsinn mitgemacht und ein lied gekauft. Dieses stück in meiner sendung, bei einem kleinen internetradio-sender zu spielen, der selbstverständlich GVL-abgaben zahlt, war nicht möglich. Nach mehrsekündigem “durchatmen” des rechners bei der überprüfung der DRM-lizenz, hörte ich das lied – meine zuhörer jedoch nichts. Das “rechte”-”management” hatte die digitale signalkette zum streaming-plugin abgewürgt.
Die unterwegsnutzung des stückes war auch nicht möglich, obwohl der lizenzvertrag das überspielen auf andere geräte erlaubte. Ein erfolgloser versuch über eine GPRS-verbindung die lizenz auf meiner faselfunke mittels internet zu validieren, kostete mehr, als ich für das “werk” bezahlt hatte.
Aber die zukunft ist sicher. Nebenher erfuhr ich dadurch, dass das DRM von M$ bereits lizenzen für die n-malige nutzung einer mediendatei unterstützt. Dann werden wir endlich keine musik-nutzer mehr sein, sondern musik-verbraucher.
Bei mir sieht es übrigens ähnlich aus: ich kaufe in letzter zeit wesentlich mehr DVDs als CDs. Vermutlich liegt dies aber auch daran, dass ich musik mittlerweile oft direkt als mp3 erwerbe – ohne drm-geraffel – oder eben verzichte.
Stichwort sony: Mein alter DAT-recorder hat SCMS – wohl die mutter aller digitalen ärgernisse. Im handbuch liest es sich fast, als handele es sich um ein nützliches feature.