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    Letztes Lichtspiel: Brick

    "Maybe I'll just sit here and bleed at you."

    Brick

    Originaltitel: Brick
    Herstellungsland: USA 2005
    Regie: Rian Johnson
    Darsteller: Joseph Gordon-Levitt Lukas Haas Nora Zehetner Noah Segan

    Der 19jr Brendan (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Aussenseiter an seiner Schule. Soziale Kontakte hat er wenige, sein nerdiger Freund Brain (Matt O'Leary) dient ihm als Gesprächspartner und Informationsquelle, ab und zu wird er zum Rektor zitiert, der ihn als eine Art V-Mann benutzt um Störenfrieden auf die Schliche zu kommen. Brendan hatte mal eine Freundin Emily, die ihn zu Beginn des Films anruft und wirres Zeug erzählt. Sie fühlt sich bedroht, als er sie daraufhin ausfindig macht, stellt sich ihm ihr neuer Freund Dode (Noah Zegan) in den Weg, ein zugedröhnter Kiffer. Emily selbst bittet Brendan die Sache auf sich beruhen zu lassen, sie käme mit ihren Problemen alleine klar.

    Kurz darauf ist Emily tot. Brendan findet ihre Leiche am Eingang zu einem Abwasserkanal. Er versteckt die Leiche und beschließt auf eigene Faust herauszubekommen, was passiert ist. Schon bald erregt er die Aufmerksamkeit der örtlichen Drogen-Szene, deren mysteriöser Boss The Pin (Lucas Haas) zusammen mit seinem Schläger Tug alle Fäden in der Hand hält. Und dann ist da noch die undurchschaubare Laura (Nora Zehetner) die ein Auge auf Brendon geworfen hat und die mehr weiß, als sie zugeben will.
    Wer hat Emily umgebracht und warum? Um das Rätsel zu lösen, erkämpft sich Brendan das Vertrauen von The Pin… Um was geht es bei der Sache? Und was bedeutet eigentlich Brick?

    Rian Johnson, der zuvor mit der kleinen verstörenden Horrorkomödie May überzeugen konnte, liefert hier einen hochgradig seltsamen und originellen Film ab. Brick ist nichts zum nebenbei gucken, der Film entfaltet seine lakonische Kraft nur bei voller Konzentration. Schon das musikalische Hauptthema klingt befremdlich, wird es doch von Kuhglocken gespielt.

    Rechnet man zu Beginn noch mit einem Schuldrama, realistisch gezeichneten Jugendlichen und spürt eine gewisse Befremdung wenn man den stets zusammengesunken herumschlurfenden Gordon-Levitt die ersten Male agieren sieht und reden hört, ändert sich dieses Gefühl ziemlich schnell, wenn man merkt, das es sich bei "Brick" keineswegs um ein Jugenddrama handelt. Die Tagline des Films "A Detective Story" könnte treffender kaum sein, denn Brick ist im Grunde seines Herzens ein kleiner, dreckiger Serie-Noir-Film.
    Trotz seiner fahlen-grau-grünen Optik, dem Setting in einem mittelgroßen Südkalifornischen Kaff, erwartet einen im Endeffekt eine bizarre Hardboiled-Melange, die mit trockener Ironie aber ohne offensichtliches Augenzwinkern serviert wird.

    Brandon ist eine Teenage-Bogart, ein harter Knochen, im Herzen Romantiker und mit einer Leidensfähigkeit ausgestattet die bemerkenswert ist. Ohne großartige Regungen macht er was eben zu machen ist. Was solls wenn es dafür regelmässig eins auf die Fresse gibt. Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß. Auch wenn er nur mit viel gutem Willen als Mann durchgeht.
    Das komplette Ensemble aus den Klassikern der Schwarzen Serie ist versammelt. Der einsame Dektektiv, sein treuer aber blasser Informant, das Mädchen, das in schlechte Gesellschaft geraten ist und dafür bezahlen musste, die undurchsichtige Femme-Fatale, der archeytpische Gangster-Boss, komplett mit Klumpfuss, extrovertierter Kleidung und einem auf Fingerschnipsen zugreifenden Schläger, sowie die heruntergekommenen Nebenfiguren von Drogensüchtigen und Kleinkriminellen.

    Anfänglich wähnte ich mich in einer tristen Hardcore-Version von Bugsy Malone, bis ich merkte das der Film seine Prämisse kaltschnäuzig ernst nimmt. Klar, sind wir in einer Kleinstadt, klar sind alle Darsteller noch Schüler und junge Erwachsene, aber sie reden und agieren wie Mittvierziger im San Francisco eines Dashiell Hammet. Seinen Reiz zieht Brick grade aus diesem Kontrast, daraus, daß er seien Figuren ernst nimmt, so überzogen sie auch agieren. Wie in Sin City sind auch hier alle Figuren fleischgewordene Klischees, Scherenschnitte aus Dime-Novels. Pulp Fiction, aber ohne die offene Ironie.
    Die Dialoge sind kalt, knapp und tough. Die Gewalt kommt schnell und hart zur Sache. Die spartanische Musik, Orgelfetzen und Kuhglocken die sich über weite Strecken zurücknimmt unterstreicht genau wie die desaturierten Farben und die Kamera die gerne zwischen extremen Nahaufnahmen und Totalen wechselt die Gesamtstimmung.
    Es ist eine harte, lieblose Welt in der die Figuren aus Brick leben, jeder für sich dahinvegetiert, im Kontakt zu anderen und doch letztlich einsam. Wie eine Moment aus einem David Lynch Film geschrieben von Monty Python wirkt es, wenn Brendan sich das Vertrauen des Gansterbosses Pin erarbeitet, indem er einfach keine Ruhe gibt und von dessen Handlanger solange Schläge kassiert, bis dieser einfach genug hat und ihn seinem Chef vorführt. Schließlich sitzen alle im Wohnzimmer von Pin, der wie die meisten anderen Figuren noch zuhause wohnt und dessen Mutter kommt rein und fragt ob sie was essen möchten. Sowas ist Bogart nicht passiert.
    Aber selbst diese Momente sind unterkühlt, die Komik wird nie ausgekostet sondern läuft sehr subtil ab. Die Schauspieler sind allesamt überzeugend, allen vorran Joseph Gordon-Levitt, der sich schon lange von seiner Serien-Vergangenheit in "3rd Rock form the sun" freigespielt hat und zuletzt in Mißbrauchs-Drama "Mysterious Skin" überzeugte und Lucas "Der einzige Zeuge" Haas, der hier endlich mal wieder ein Rolle bekommt in der er sein Können zeigen darf. Doch auch Nebenrollen wissen zu gefallen, ob nun Noah Fleiss als unkontrollierbarer Schläger Tug oder Nora Zehetner als mysteriöse Laura, die versucht jeden zu ihrem Vorteil zu manipulieren.

    Brick ist ganz sicher keine Leichte Kost, aber wenn weiß worauf man sich einlässt ein echtes Ereignis, für Fans von Serie-Noir-Filmen.
    In den USA ist der Film schon auf DVD erschienen, hier startet er am 07.09. 2006 im Kino.

    Trailer zu BRICK:

    Von Batz am 6, 8, 2006 um 19:16 in CineBatz | 3 Kommentare »

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    3 Kommentare zu “Letztes Lichtspiel: Brick”

    1. Marcus Sagt:

      freue mich auch schon auf BRICK. werde ihn am mittwoch sehen können. hab beim lesen Deiner kritik angesichts der gewollten dissonanzen zwischen inszenierung und sprache auch an baz luhrmans ROMEO & JULIA denken müssen. vielleicht eine weit hergeholte assoziation.

      ach ja: rian johnson war nur cutter bei MAY, oder irrt da die imdb? regie führt doch lucky mckee.

    2. Reaper-Batz Sagt:

      Du hast vöölig recht :) Ich hab mich in der IMDB verguckt und die Editor-Credits als Directore gelesen…

      Silly me!

    3. Kenix Sagt:

      Danke für den Tip. Ich weiß nicht ob ich mir den Film sonst angesehen hätte, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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