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    Ab ins Archiv…

    Ohne das es von der größeren Öffentlichkeit bemerkt wurde, hat man ein Gesetz auf den Weg gebracht, daß die Archivierung aller in Deutschland erscheinenden Websites vorsieht.

    Nun gut mag man anmerken, sowas ähnliches gibt es schon mit dem Google-Cache und  Archive.org, neu an der ganzen Sache ist jedoch, daß es sich hier um eine von Staatswegen angeordnete Archivierung handelt, die zudem eine gewisse Verpflichtung an alle Webseitenbetreiber stellt.

    Die Süddeutsche berichtet darüber:

    Denn ab sofort – und auch dafür gibt es einen Passus im Gesetz – haben Autoren und Betreiber deutschsprachiger Internetseiten die Pflicht, ihre Werke „in einfacher Ausfertigung abzuliefern“, und das auch noch „vollständig, in einwandfreiem, nicht befristet benutzbaren Zustand“. Um die Forderung zu unterstreichen, droht das Gesetz unter dem Paragrafen 19 gleich ein Bußgeld von bis zu 10000 Euro an. Allerdings steht da kein Wort darüber, wie man das macht: so eine Internetseite bei der Deutschen Nationalbibliothek abliefern.

    Wie das ganze Aussehen soll, wissen die Vernatwortlichen selbst noch nicht und teilen den besorgt nachfragenden Bloggern zum Beispiel mit:

    "Derzeit sind noch viele Fragen hinsichtlich Sammelumfang und Sammeltechnik unbeantwortet. In solchen Faellen werden die betreffenden Publikationen von der Deutschen Nationalbibliothek vorgemerkt und erst dann angefordert, wenn der Stand der Technik dies zulaesst. In der Zwischenzeit wird die Deutsche Nationalbibliothek keine Ordnungswidrigkeitsverfahren anstrengen."

    Wie beruhigend, daß man nicht vorhat sofort die komplette deutsche Netzgemeinde zu verklagen. Vorerst. Das mag zwar nett klingen, bedeutet defacto aber nur, daß man die Totalarchivierung nur deswegen nicht sofort einläutet, weil man mal wieder nicht genau weiß, wie das technisch zu realisieren ist. Wenn man dieses Problem im griff hat, wird jeder der irgendetwas ins Net schreibt künftig gehalten sein, dies der Deutschen Nationalbibliothek in einem ihnen genehmen Format zur Verfügung zu stellen. Zutrauen würde man ihnen sogar Ausdrucke oder generierte PDF-Files, man kennt ja die realitätsnähe von Beamten.

    Noch wird auch im Printbereich kaum eine solche konsequenz eingefordert, noch können Schülerzeitungen und andere Indie-Publikationen unbehelligt vom Zwang einer staatlichen Archivierung veröffentlich werden, noch muß nicht jeder fürchten, der in einer Schülerzeitng mal einen "dummen" artikel veröffentlicht hat, daß dies ihm Jahre später mal zum Verhängnis gereichen wird, wenn irgendeine investigative Drecksnase darüber stolpert.
    Wenn erstmal jeder virtuelle Rülpser im Staatsarchiv steht, wird es wesentlich leichter sein, dies zu tun.

    Natürlich muß man schon heute vorsichtig sein, was man im Netz veröffentlicht, natürlich gibt es auch jetzt schon die Möglichkeit in foren, alten Websites zu suchen und eventuell kompromitierende Äusserungen zu finden, aber dennoch gibt es noch Grenzen. Geschlossene Userbereiche werden auch von archiv-Bots nicht so einfach indiziert.

    Für die Staatsarchivare der Nationalbibliothek sollen solche Einschränkungen nicht gelten. Schon bald wird man von jeder Chatcommunity, jedem Forum, jeder Privatseite alle Einträge, Profile einsehen können und das ohne Möglichkeit eine Löschung zu beantragen.

    Creutz. Aber wer braucht schon Datenschutz.

    Und wer redet da was von Überwachungsstaat. Das dient doch auch dem Kampf gegen den Terror. Oder sowas.

    Der Thomas hat sich da ein paar sehr treffende Gedanken zu gemacht.

    Beruhigend sollte sein, daß die Behörden ja jetzt schon mit der Auswertung aller gesammelten Daten hoffnungslos überfordert sind. Genau wie in jedem anderen Land in dem man meint, jeden Furz seiner Bürger für die Ewigkeit festhalten zu müssen, im falle das diese jemals kriminelle Energien entwickeln werden.Wobei man vergisst, daß die Kriminalität in dem Maße steigt, in dem man einschränkende unsinnige gesetze einführt. Aber das Ganze hat ja auch sein Gutes. Hab ich da grade ein glückliches Stoßseufzen der versammelten Boulevardpresse gehört?

    [Links via Privatnachricht von: www.us-car-blog.de)

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    Von Batz am 25, 9, 2006 um 16:35 in MediaBatzBits, TagesBatz | 7 Kommentare »

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    7 Kommentare zu “Ab ins Archiv…”

    1. pascal Sagt:

      aach,ihr blogger übertreibt mal wieder maßlos. für jeden furz werden 10000 web2.0-services angepingt, aber wenn es mal sinn machen würde, gleich auf die barrikaden….
      gut, das mit der strafe ist ziemlicher schwachsinn, aber das bekommt eh keiner durch… also, sofern es nicht von irgendwelchen abmahnanwälten entdeckt wird.
      wär aber schon toll, wenn denen mal ein new economy-relikt das mit der “dynamik des web” erklären würde und sie drüben bei den vorratsdatenspeicherern nachfragen, wie viel da täglich durchs netz geistert.
      ausserdem: man kann schon heute eine ISSN für weblogs beantragen und denen dann (iirc) per RSS-Feed sein geschreibsel abliefern.

    2. Reaper-Batz Sagt:

      Um spasseshalber mal alte Websites anzugucken, gibt es wie gesagt schon das web-archive. Das Kritikwürdige bei dem neuen Projekt ist das es a) Pflicht ist, b) auch abgesicherte Bereiche umfassen soll (Was wird aus der Privatsphäre? Wie begenet man der Wirtschaftsspionage?) und c) das Archiv wird nur denen zugänglich sein, die sich es leisten können dafür zu bezahlen. Also nix mit “mal eben gucken”. Im Endeffekt wird da anderer Leute Content verkauft…

    3. Thomas Sagt:

      Ich will ja niemanden zu Unsinn verleiten, aber wenn sich 1000 Leute zusammen tun und jeder baut eine hübsche Spamseite, die 50 zufällig generierte interne Links enthält von denen jede wieder 50 zufällig generierte Links enthält und so weiter, und jede aufgerufene Seite wird dann bei Aufruf zufällig zusammengewürfelt… Die werden dann brav zur Abholung bereit gestellt, was ja ausdrücklich auch genügt, dann sollte das Thema erst mal vom Tisch sein und die ca 20 Mitarbeiter haben auch eine nette Beschäftigung :-)

    4. icewind Sagt:

      Wenn ds wirklich so kommen wird, werde ich einen Cronjob auf meinem Server einrichten. Dieser wird alle zwei, drei Minuten eine Datei ändern, und diese Datei als PDF ungepackt mit reichlich Overhead an die zuständige Stelle schicken. Zwecks Archivierung.

    5. diaet Sagt:

      Ähm, Tschuldigung. April war doch eigentlich schon, oder?

      Sorry, klare Gedanken dazu vielleicht später. Bis jetzt nur die Bild-Schlagzeile: “Deutschland macht Internet kaputt”.

    6. problematik.net Sagt:

      das „gesetz über die deutsche nationalbibliothek”…

      Einen Tag vor Heiligabend 2005 ist der Entwurf der Bundesregierung dazu veröffentlicht worden, zu einem Zeitpunkt also, als viele Politiker und Journalisten schon in Feiertagslaune gewesen sein dürften. Beschlossen wurde dieses Gesetz am 22….

    7. Alpha-Hasi Sagt:

      Wenn eine Firma einen geschützten Bereich im Netz hat, dann nennt sich das “Intranet”, was, wenn ich es richtig verstehe, wurscht ist, weil bei obigem Gesetz allein der Zugang über das Web ausschlaggebend ist.

      Somit geht es bei der Preisgabe von geschützten Bereichen nicht “nur” um Betriebsgeheimnisse und zuschauerbeschränkte Liebesbriefchen, sondern auch um z.B. die Zeiterfassung der Mitarbeiter, die übers Intranet verwaltet wird (das hab ich mal mitgebaut) oder sämtliche Kundendaten großer Firmen, die national oder international arbeiten. Ebay, AOL oder Amazon werden zwar sicher Allerweltsleitungen nutzen, aber zumindest einen geschlossenen Kreislauf (zur Verwalung) haben, im Gegensatz zu unzähligen kleinen und mittelständischen “Shops”, die über einen Internetzugang verwaltet werden, von den ganzen Contentsystemen der Nachrichtenagenturen etc. mal abgesehen…

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