Vor einem Jahr…
Eat me…
Pro7 hat ja nichts gegen ihre Serie "Queer as Folk". In Pressererklärungen wird ja immer wieder versichert, daß alle beim Sender viel Spaß an der Serie haben. Ob sich der darauf bezieht, die Serie zu schauen, möglichst unpassende Synchronstimmen von sichtlich unerfahrenen Sprechern zu besetzen oder sich immer abwegigere Sendeplätze auszudenken, hat sich mir bis jetzt noch nicht erschlossen.
Startete die erste Staffel schon ohne jede Bewerbung zwischen halb 12, viertel vor 12 abends, hat man "Queer as Folk" für die zweite Staffel nochmal eine Stunde nach hinten gepackt. Ab halb eins nachts, darf man nun die unterhaltsamen, geistreichen und politisch sehr angriffslustigen Geschichten unserer "Schmulen Clique" (O-Ton Pro7) erleben, bzw kann man, wenn man um diese Zeit noch wach ist.
Liebe Programmplaner, wenn ihr wirklich so viel Spaß an der Serie habt, dann bemührt euch doch endlich sie eurem Publikum etwas selbstbewusster und offensiver zu verkaufen. Das was ihr als "geschütztes Quotenreservat" verkauft ist in Wirklichkeit ein mediales Ghetto, in das man die unbequemen Schwuppen sperrt, damit bloß keiner merkt, daß ihr "sowas" im Programm habt.
Vielleicht findet ihr zwischen der Produktion von Militärpropaganda und Papstlobhudeleien für "Welt der Wunder" und "Galileo" ja doch mal eine freie Minute um euch darüber Gedanken zu machen.
Danke.
PS: Die echte Kerle stehen auf dicke Tüten und benehmen sich wie das Missing Link-Werbung von Burger King, ist auch nicht grade ideal auf die Zielgruppe abgestimmt.
Queer as Folk – Hol dir die erste Staffel und guck wann du willst!
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Von Batz am 26, 9, 2006 um 0:49 in MediaBatzBits | 21 Kommentare »___________________________________________________________________________
21 Kommentare zu “Eat me…”
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- @IamNoSuperman Stimmt nicht. Ich wurd nur vorgemerkt für eine evtl. Einladung nach L.A. - is noch nix fix
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26. September 2006 at 2:35
Na ja, die Serie ist doch aber auch der hinterletzte Murks. Platter und vorhersehbarer kann man eine Dramaturgie kaum stricken, Klischees werden ja auch keine ausgelassen. Und vor allem ist das alles soooo oberflächlich. Also ab damit ins Nachtprogramm!
26. September 2006 at 2:45
Pardon aber das halte ich für Gedöns. Ich weiß nicht wieviel du von der Serie gesehen hast oder ob du sie je im Original geschaut hast, aber ich kenne kaum eine Serie die sich politisch so weit vorgewagt hat und derart viele wichtige Themen in unterhaltsamer Weise behandelt hat.
Queer as Folk Oberflächlichkeit vorzuwerfen ist argumentativ kaum belegbar, besonders wenn man sie mit entsprechenden Heten-Serien vergleicht.
26. September 2006 at 16:02
was bedeutet schon “politisch weit vorgewagt”? ist da ein schwuler vorgekommen oder was? immerhin ist in den USA doch “sodomie” teilweise noch verboten, oder?
26. September 2006 at 17:42
Hehe, ich wusste, dass ich mit derartiger Polemik gleich punkten kann. Ich kenne die komplette erste Staffel (im O-Ton, wobei das ja nun keinerlei Einfluss darauf hat, dass die Serie schlecht geschrieben ist), die 2. Season gucke ich derzeit bei Pro7.
Die Serie funktioniert nach dem gängigen Soap-Schema. Alles hat Ursache und Wirkung, es gibt keine, aber auch wirklich keine Ambivalenzen (und jetzt komm’ mir nicht mit Brian und seiner plötzlichen Lust auf Beziehung *g*). Die Botschaften kommen mit dem Holzhammer daher und alles ist so furchtbar trivial und überzogen (Bsp: Die Episoden, bei denen Justin mit den Folgen der Prügelei zu kämpfen hat). Ganz schlimm finde ich auch diese heuchlerische “we are one community, we stay together”-Mentalität, und dann die Mutter von Michael *schüttel*. Unrealistisch finde ich das alles auch, offenbar ist ganz Pittsburgh gay. Aber ein Hauptproblem habe ich noch nicht benannt, nämlich, dass die Serie genau jene “we are so special”-Einstellung propagiert, die ich für reaktionär erachte (vgl. Filme wie “F.a.q.”).
Aber ich gukce es weiter, allein schon, um mich darüber aufzuregen.
26. September 2006 at 18:54
Der O-Ton hat aber ganz sicher Einluß auf die Rezeption des ganzen, das die Synchronisation aber nicht die beste und mitunter nicht gerade förderlich ist, darüber besteht warscheinlich Einigkeit.
Schlecht geschrieben empfinde ich die Serie im Vergleich zu anderen aber keinesfalls. Unter einer Soap verstehe ich auch noch was anderes, aber natürlich wird in einer Serie aus dramaturgischen Zwecken auch mal überzeichnet und zugespitzt. Ich sehe darin weniger ein Problem. Das man aufgrund seiner sexuellen Orientierung durchaus mal von einem Baseballschläger am Kopf getroffen wird und dabei gravierende Folgen erleidet, finde ich nun nicht sehr abwegig. Queer as Folk thematisiert und reflektiert eben schwule Themen. Das “heuchlerische” Gemeinschaftsgefühl wird wohl merh als einmal in der Serie hinterfragt. Das es ein solches Gefühl aber in Teilen der Community durchaus gibt, kann man regelmäßig beobachten. Übrigens ist denn ganz Köln schwul? Und ist es nicht so, das Schöneberg hier in Berlin ein traditionell schwuler Kiez ist, wo man eben tendenziell sorgloser mit seiner Sexualität umgehen kann?
Und was ist falsch an der “we are so special”-Einstellung? Sie ist doch berechtigt *g*
26. September 2006 at 22:18
Vincent… wenn du einen Film wie Brokeback Mountain als einen deiner Lieblingsfilme (unter denen ich sehr viele auch sehr gut finde und unterschreiben würde) angibst, der eine verklemmte, repressive Sexualmoral unterstützt, Anpassung udn Duckmäusertum propagiert und sich dazu ständig auf die Schulter klopft, daß man es seinen Schwulen ja "nicht ansieht", dann frage ich mich, was dich an der vermeintlich schlechten Schreibe bei "Queer as Folk" stört. Die Serie setzt sich in allen Fünf Staffeln mit den wichtigsten Themen auseinander und teilt ganz gewaltig aus, sowohl gegen Homophobie, als auch gegen die Partyszene, Bewegungsschwestern, diverse den Heteros entlehnte Beziehungsentwürfe, die nicht funktionieren, Doppelmoral, Straight Actorn, Duckmäusertum und falschem Aktionismus. Natürlich wird für wie in jeder Dramaserie zugespitzt, aber den Vorwurd kannst du jeder Serie, jedem Film machen, es geht letztlich doch aber darum welche Aussagen getroffen werden und da hat sich "QaF" eine Menge getraut und nicht immer den bequemsten Weg gewählt, den Zuschauern nach dem Munde zu reden.
27. September 2006 at 3:49
Ich bin geschockt und somit beinahe sprachlos. BBM und QaF in einen Zusammenhang zu bringen ist das eine, aber dem Film vorzuwerfen, er propagiere “Duckmäusertum”, nur weil Homosexualität hier einmal so dargestellt wird, wie es manchen QaF-Partyhengsten oder extrovertierten Scream-it-out-loud-Buben wohl nicht passen mag, nämlich als innerer Kampf gegen die eigene Natur, als schmerzvoller Konflikt – und dabei genau jene Subtilität an den Tag legt, die dem plakativ-obszönem Getue von QaF fehlt.
Aber nun gut, offenbar haben wir da völlig verschiedene Sichtweisen. Die alte Diskussion unter – um im QaF-Sprachgebrauch zu bleiben – “Schwestern”…
27. September 2006 at 8:49
Ich finde die Serie nur super. Natürlich werden Dinge verkürzt und vereinfacht – schließlich muß nach 45 Minuten Schluß sein – so ist Fernsehen.
Aber ich finde es sehr mutig, was da gezeigt wird. Es sind eine Menge liebenswerter Charaktere vorhanden. Und auch wenn man mit teils sehr geilen Bildern lockt, so kann die Serie nie als Vorlage dienen – es ist zu viel Tiefe und Inhalt vorhanden, die schließlich die Durchblutung wieder auf den Kopf oder das Herz konzentriert.
Ich werde die Serie ansehen so lange sie gezeigt wird – der VR wird sie mir aufzeichnen, egal wann sie gezeigt wird.
27. September 2006 at 11:22
Was an QaF obsön ist weiß ich nicht, klingt als wenn du mit dir selbst vielleicht nicht ganz im reinen bist, wenn du Leute die ihr schwulsein nicht versteckt und in ständiger Angst leben als öbszön empfindest.
Mag ja auch gut sein, daß du dich in der Serie nicht wiederfindest, soll es auch geben und man muß keine Serie mögen, alles okay. Ich find nur der Vorwurf mangelnden Anspruchs nicht haltbar.
Brokeback Mountain ist eine Story wie sie Heteros gefällt, der arme schwule der sich im inneren Kampf windet. Die Mär von der lebenslangen unerfüllten Liebe, so ganz dem Hollywoodklischee entsprechend. Und das Beste ist, das die Typen echte harte Kerle sind, denen man es so gar nicht zugetraut hätte. Creutz.
Was soll uns diese Leidensgeschichte sagen? Steh nicht zu dir selbst? Wenn du in einem homophoben Umfeld lebst, bleib da? Versteck dich dein Leben lang und geh Scheinehen ein? Wenn die Figuren des Films einfach in eine Großstadt gezogen wären statt in ihrem Schafdorf zu bleiben, hätten sie da als Pärchen leben können.
Und zwar WEIL es damals dort die böse böse Community auch schon gab.
Warum sollte Homosexualität als Kampf gegen die eigene Natur ablaufen? Was für eine Botschaft soll sowas einem Jungen im Coming-Out geben? Ich kenne einige die erst dank QaF den Sprung geschafft haben, weil sie endlich gemerkt haben das ihre Gefühle eben nicht so selten sind, daß sie keine abstrusen Sonderlinge sind Und die mittlerweile selbstbewusst zu sich stehen können und keinen “inneren Kampf” mehr ausfechten und sich viel mehr dem realen Leben stellen, bei dem es natürlich auch die Konfrontation mit Homophobie gibt – aber der sollte man sich selbstbewusst und mit sich im Reinen stellen, nicht mit eingezogenem Kopf als Straight Actor der ständig in Angst lebt, die anderen könnten ja etwas merken.
Und wenn die QaF auf die Partyszene reduzierst und denkst sie würde glorifiziert, hast du glaube ich zuwenig gesehen und bei den gesehenen Folgen nicht genug hingeguckt…
27. September 2006 at 11:25
Wow, da scheint es dann tatsächlich eine grobe Meinungsspaltung zu geben.
Ich sitze nach fast jeder Folge QaF (selbst bei der Synchro, die ich schon schlecht finde, ohne das Original zu kennen) vor dem Fernseher und bin platt. Meist wegen der Härte und Aggressivität, mit der brisante Themen (oder auch schon mal Themen, die ansonsten wirklich nur unter “Schwestern” überhaupt welche sind) in einer Unterhaltungsserie(!) eingebracht werden. Natürlich gibt es zugespitzte Dramaturgie. Natürlich werden Klischees ausgespielt.
Zu Beginn der ersten Folge habe ich noch gedacht: “Ne, das tust Du dir nicht mehr an, das ist ja nur Klischee und Oberfläche”. Und wurde noch in derselben Folge darauf gestoßen, dass das nunmal häufig (sogar meistens) bei Menschen (hier Schwulen und Lesben) auch in der Realität so abläuft. Dass ich in den Charakteren und Handlungen immer häufiger Punkte entdecke, die mir bekannt vorkommen – und mich freue, bei den Geschichten mitfiebern zu können.
Und, mit Verlaub, da gehöre ich vielleicht zu einer Minderheit – “Brokeback Mountain” fand ich aufgesetzt, langweilig, bewusst über-politisch und -vertieft – oder um es kurz zu machen: echt doof.
27. September 2006 at 12:02
Ist ja offensichtlich fast schon wieder ein eigenes Klischee, Brokeback Mountain als Homo nicht gut zu finden. Aber mir war schon damals klar, dass vielen der Film nicht passen würde. Ich schreibe lieber nicht warum, der würde wahrscheinlich zu endlosen Diskussionen führen.
“Was an QaF obsön ist weiß ich nicht, klingt als wenn du mit dir selbst vielleicht nicht ganz im reinen bist, wenn du Leute die ihr Schwulsein nicht versteckt und in ständiger Angst leben als öbszön empfindest.”
Nun, für voreilige Analysen ist das wohl eine ungeeignete Plattform hier. Aber dein Blickfeld klingt mir etwas sehr begrenzt. Nicht alle Schwulen leben in Großstädten, haben den Mut, zu ihrer Sexualität zu stehen. Vor allem, da Ennis und Jack wohl in einer Situation sind, die denkbar unvergleichbar zu den Verhältnissen hier ist, nicht zuletzt weil sie bereits eine Familie haben. Und natürlich plädiert der Film nicht dafür, ewig versteckt zu leben, das ist doch totaler Quatsch. Er zeigt, wie sehr eine gleichgeschaltete Gesellschaft den Individualismus zerstört, und ferner, dass nicht jeder – schon gar nicht, wenn er eine derartige Vergangenheit hat – so offensiv mit seiner Sexualität umgehen kann. Ich kenne viele, die sich genau in diesem Film wieder gefunden haben, während man sich bei QaF eher fragt, ob das jetzt ernst gemeint oder nur ein schlechter Witz sein kann…
Wie dem auch sei. Ich halte QaF für albern und billig. Die wahren Probleme finden sich dort für mich nicht wieder. Sie zeigt genau das, was mich an vielen Schwulen so stört, dieses in der eigenen Gruppe bleiben, sich bewusst isolieren, und sich somit abheben. Das Überbetonen einer so einfachen Sache: eben einfach gay sein. Aber da fangen unsere Differenzen schon an – ich mag bereits die Bezeichnung “Heten” nicht.
In dem Film “f.a.q.” sagt der eine, irgendwann würde es ein Land nur für Schwule geben, das totale Paradies auf Erden. Bei der Einstellung kann ich dann nur sagen: Viel Spaß dort. Und tschüss…
27. September 2006 at 12:28
ich bin noch zu müde, aber wer bleibt denn hier wo in welcher gruppe und warum denn auch überhaupt? sind es nicht die “heten” die einen oftmals isolieren? gerade auf dem land? und ist das kein thema in der serie? ich wüßte bisher nicht, wo dort diese einstellung propagiert worden sein soll…
geschmack hin oder her, aber qaf macht mut, was man von diesem western wohl nicht gerade sagen kann…
27. September 2006 at 13:11
Nun, da haben wir vielleicht das Problem: BBM macht vielleicht keinen Mut, aber wie könnte er das auch bei der Thematik. Nein, er bleibt glaubwürdig. Nur weil QaF eine Welt zeichnet, in der es offenbar keine Wahrheiten wie in BBM gibt (in QaF stehen ja alle putzmunter zu ihrer Sexualität, was auch sonst), sondern nahezu ausschließlich penetrant offensives, tuntiges Getue vorherrscht (nehmen wir doch bloß mal die Figur Emmett – soll die eigentlich eine Parodie sein?). Es soll auch Schwule geben, die damit nicht ständig kokettieren müssen.
Ich verstehe auch nicht, inwiefern QaF Mut machen soll. Im Gegenteil. Ich habe oftmals ein richtiges Fremdschämen bei der Serie, weil jedes Klischee bedient wird. Ich kritisiere das in einer “Heten”-Serie wie SatC genauso wie bei QaF, die für mich sowieso beide das gleiche sind.
Denn bei QaF gibt es ja ohnehin eine recht monothematische Richtung, es geht ja fast nur um Sex, um nicht zu sagen: ich finde QaF in seiner plumpen Reduktion sexistisch (jede Figur wird ausschließlich durch ihr Sexleben charakterisiert: Brian der Oberficker, Ted der nie einen ins Bett kriegt, Michael der eigentlich nur Brian flachlegen will, Justin der sowieso immer nur mit Brian vögeln will, Emmett – kein Kommentar usw.). Da kann BBM natürlich nicht mithalten…
27. September 2006 at 13:30
Worauf ich immer noch warte ist der Satz “Schwulsein findet im Schlafzimmer statt und damit sollte man keinen Fremden belästigen…”
Ein Satz dessen Ignoranz immer dann deutlich wird, wenn man ihn umkehrt.
Und einfach “gay” sein, deutet doch auch auf einen gestörten Umgang mit dem Wort schwul hin. “Gay” das klingt als müsse man sich ins englische flüchten, weil einem schwul oder Schwuppe nicht genehm ist. Etwas mehr Unverkrampftheit im Umgang damit würd sicher helfen. Ob und wie sehr sich jemand isoliert ist doch ihm überlassen, das viele Schwule oftmals mehr Schwuppen als Heten im Freundeskreis haben, liegt meist dran, daß sie es leid sind sich verbiegen zu müssen. Heteros haben oftmals leider immer noch die Angewohnheit es als “überbetonen” und “heraushängen lassen des Schwulseins” zu mißverstehen, wenn man sich genauso gibt wie sie es machen. Wenn Heteros über Ex-freundinnen reden, sagen welche Schauspielerinnen sie gutaussehnd finden, generell Hinweise geben die ihre “sexuelle Orientierung” erkennen lassen, wird das als normal und okay hingenommen – was es ja auch ist.
Wenn ein Schwuler das genauso handhabt, wird es von Heten oftmals als “na der muß aber dauernd betonen das er schwul ist” empfunden.
In jeder Kindersendung werden Neujährige nach ihrer sexuellen Orientierung befragt: “Na hast du denn schon eine kleine Freundin!” – Keiner der sich daran stört.
Solange Heten damit Probleme haben und ungelenk reagieren, verdenke ich es keinem der irgendwann keinen Bock mehr darauf hat und sich doch lieber mit Schwuppen umgibt.
Für mich spielt es aber eher eine Rolle ob ich mit Leuten auf einer Wellenlänge liege. Bei den Fünf Filmfreunden spielt es keine Rolle, daß ich schwul bin, das sind einfach Leute mit denen ich gut klarkomme, man frotzelt gemeinsam herum und diskutiert gerne zusammen. Ich hab nur keine Lust mich im Privatleben mit Heteros rumzuärgern, die damit eben nicht unverkampft umgehen können, aber das hat nichts mit Ghettoisierung zu tun.
Dazu auch: nochetwassalz.de/bat...
27. September 2006 at 14:12
“Und einfach “gay” sein, deutet doch auch auf einen gestörten Umgang mit dem Wort schwul hin. “Gay” das klingt als müsse man sich ins englische flüchten, weil einem schwul oder Schwuppe nicht genehm ist. Etwas mehr Unverkrampftheit im Umgang damit würd sicher helfen.”
Danke für die Vormittagsanalyse. Mich wundert es, dass ich erst jetzt als “verkrampft” tituliert werde.
Na ja, ich fühle mich missverstanden, aber das geht bei non-verbaler Kommunikation manchmal wahrscheinlich schneller als man sich wünscht. Ich denke nur Homophobie kann nicht mit Intoleranz entgegnet werden. Und viele Schwule machen ja auch gar keinen Hehl mehr daraus, dass sie auf Gleichberechtigung pfeifen, weil dann ja deren Besonderheit schwinden würde. Ich finde genau diese Mentalität vertritt QaF. Und das empfinde ich als reaktionär.
27. September 2006 at 15:53
Sorry, ohne Dir auf den Schlips treten zu wollen, aber allein Sätze wie:
“in QaF stehen ja alle putzmunter zu ihrer Sexualität, was auch sonst”
verleiten mich zu der Überlegung, dass Du ein paar Folgen mehr sehen solltest. Justin’s Familie zerbricht, weil er anfängt, zunächst zaghaft zu sich zu stehen, Michael kommt damit definitiv häufig nicht klar und versteckt und flüchtet sich (zunächst im Beruf), Emmett will zwischendurch nicht mehr schwul sein und versucht, sich zu therapieren… die Liste ginge noch weiter, mit lauter Erfahrungen die viele Schwule (ob Stadt- oder Land-) aus dem eigenen Umfeld oder gar von sich selber kennen.
(Und wenn es ein Klischee ist, als Homo “Brokeback” nicht zu mögen: bitte sehr. Da pass ich dann rein. Ich fand ihn langweilig. Das Thema und die Charaktere hätten vielleicht wundervoll sein können, aber ich fand ihn als Film: schlecht.)
28. September 2006 at 2:23
okee— ich bin eine heterofrau und will mich auch nicht snderlich in euren schwuppenkrieg einmischen.
Aber:
qaf-staffel 1 war recht klischeehaft auch wenn man sehen konnte, was in ihre steckt (homophobe schulen, verarschung der super politisch korrekten schuwlen-serie + der seltsamenn sekte/selbsthilfegruppe, in die emmett gerät und die es ja TATSÄCHLICH gibt.)
qaf-staffel 2: etwas mehr mut was emmett und george betraf hätte ich mir gewünscht. Thema jugendwahn (schlankheitswahn haben sie vergessen… )
nur ein junger abgemagerter schwuler ist ein guter schwuler?
aber die staffel gut, vor allem wegen ted.
qaf-staffel 3: die beste, weil sie ein durchgängioes thema hat: die geister, die brian rief, wird er nur schwer wieder los. Und das ist nicht auf irgendwelche sexualpartner bezogen.
qaf-staffel 4: sollen schwule heiraten dürfen? dürfen dünne, gut aussehende, durchtrainierte schwule krank werden?
qaf.staffel 5: neter kitsch, politisch durchsetzt ein bißchen neben der spur.
Btw: warum dürfen schwule themen nicht auch soap-mäßig umgesetzt werden? qaf ist wirklich nicht halb so klischeemäßig wie diverse heteroserien und wenn doch, dann mit einem gehörigen augenzwinkern.
Filme und serien, deren finale konsequenz ist: “nur ein toter schwuler ist ein guter schwuler” hatten wir (ihr) doch zur genüge…
28. September 2006 at 2:37
Inga: wie gesagt, ich verfolge die Serie hier, so wie sie läuft – nur in der Synchro – und stelle eine ziemliche Übereinstimmung bei uns beiden fest. Und bin erst recht gespannt auf die folgenden Folgen/Staffeln, Danke dafür!
(Ich hab ja schon angemerkt, dass ich kein Problem damit habe, dass eine Soap-ähnliche-Serie auch Soap-ähnlich umgesetzt wird. That’s entertainment. What the…!)
Und: wenn hier jemand behaupten würde, dass Du als Hetero(!)-Frau(!) zu QaF keine Meinung haben und äußern dürftest, würde ich mich offen gestanden gerne und schnell aus der Debatte verabschieden…
28. September 2006 at 3:22
@Vincent Hey. wir diskutieren, auch wenn man engagiert diskutiert, geht es nicht darum dich zu beleidigen oder fertig zu machen, wie es vielleicht bei dir ankam. Jeder hat eine andere Biographie, auf Grund derer er andere Dinge als nachvollziehbar empfindet. Falls der Ton zu rüde war, sorry, es ist nicht persönlich gemeint, sondern geht um inhaltliche Aussagen, nicht darum dich als "verkrampft" hinzustellen oder zu analysieren.
Jeder hat seine Reizworte und "gay" steht da nunmal recht weit oben, weil ich es oft von Leuten höre die schwul sind, aber es eigentlich nicht sein wollen und deswegen eine ziemlich schizophrene Abwehrhaltung annehmen, die meist in die Richtung geht: "Die bunten Fummeltrinen und Partyhopser auf dem CSD versauen uns ganzen normal aussehenden Schwulen das Image." Was immer ein wenig Ursache und Wirkung verkehrt. Nur weil Heteros nicht in der Lage sind Schwule im Alltag wahrzunehmen und Homos in der Medienberichterstattung weitgehend ignoriert werden, sollen sich Leute auf einem CSD nicht in Fummel werfen dürfen.
Aber zurück zu QaF: Ich find nur Pauschalisierungen wie "Queer as Folk" ist oberflächlich, sind nicht haltbar, denn du mußt die Serie an dem messen was sie ist. Sie hat ein bestimmtes Format: TV-Drama-Series. Diesem Format folgt sie, ähnlich wie viele andere Serien auch. Es gibt eine bestimmte Art der Dramaturgie, es gibt bestimmte Überspitzungen und natürlich kondensiert so eine Serie viel Ereignisse auf sehr wenige Personen. Das ist in jeder Serie so, so funktioniert das eben. Keine Sau will ein wirklich realistisches Leben sehen, in dem alle paar Monate mal etwas erwähnenswertes passiert. Wenn du das ablehnst, musst du prinzipiell jede Drama-Serie ablehnen, ob nun Picket Fences, SATC, Lost, Desperate Housewives usw. usf.
Das ist dann aber persönliche Vorliebe, die eben ein Sendeformat nicht mag, so wie ich Telenovellas zum Kotzen finde, okay. Wenn man aber QaF an eben jenem Format misst und damit vergleicht wie andere Serien dieses Format bedienen, muß man einfach sehen, daß die Serie sehr viel politischer, aktivistischer und differenzierter als viele andere Erfolgsserien. Natürlich spiegelt die Serie nicht jedes schwule Leben wieder, aber sie verarbeitet sehr viele Ereignisse die sehr viele Schwule aus ihrem Erleben und Alltag kennen dürften. Die Serie schreckt nicht davor zurück sehr unbequeme Fragen zu stellen und pranger Bigoterie nicht nur bei den "bösen Heten" an, sondern tritt oft auch ganz massiv der lieben Community vors Schienbein. Und die Grundbotschaft der Serie ist eine positive, die Menschen ermutigt zu sich zu stehen, für ihr eigenes Leben die verantwortung zu übernehmen und zu kämpfen.
Sowohl hier als auch damals in Amerika udn Kanada hat die Serie sehr vielen jungen und auch schon etwas älteren Schwulen Mut gemacht und ihnen gezeigt, daß sie mit ihrem Denken und Fühlen nicht alleine sind. Sie predigt keineswegs einen einzigen Lebensentwurf als Partyschwuppe, sondern zeigt viele Facetten. Und da im Mainstream echte Schwule Figuren nach wie vor fast nicht vorkommen (die asexuellen Quotenhomos in Daily-Soaps und Sitcoms sind eher kontraproduktiv) bleibt QaF der einzige Bolide in einer weitgehend heterosexuellen Fernsehlandschaft, die keinerlei echte Vorbilder und Alternativen aufzeigt.
Man soll sich nichts vormachem, Schwulsein findet weder im TV-Alltag noch in den anderen Medien wirklich statt, abseits des Spektakulären. Heterosexualität wird jedoch von morgens bis abends auf jedem Sender, jedem Magazin, in jedem Film thematisiert. Woher sollen junge Schwule da ein vernünftiges Selbstbild bekommen, wenn sie sich in ihrem Umfeld so gar nicht wiederfinden und dank "erkan und Stefan" und ähnlichen Spacken "schwul" ja als Schimpfwort wieder positiv besetzt wurde.
Dafür das QaF und das UK-Vorbild die einzigen ernstzunehmenden Serien sind, die schwule Figuren in den Vordergrund stellen (und ich will nichts von sowas wie Montagsgeschichten und ähnlichem hören) , machen sie einen verdammt guten Job. Das Pro7 die serie ins Nachtprogramm verbannt hat also eher was mit dem Erhalt des Status Quo zu tun und mangelndem Mut, als mit der mangelnden Qualität der Serie. @diät & ina Konsens
03. Oktober 2006 at 1:38
Mangels Fernsehr kann ich mir QaF ja leider praktisch nie ansehen. Aber allein die Tatsache, daß es zunehmend Filme und Serien gibt, in denen auch schwule Charaktere existieren (und zwar nicht nur als Quote) und Problematiken angesprochen werden, die sonst selten thematisiert werden, ist schon mal positiv, WEIL da etwas thematisiert wird, was sonst aus der Öffentlichkeit gerne verdrängt oder nur klischeehaft dargestellt wird. Nur so kann Selbstverständlichkeit erst entstehen. Hoffen wir mal alle, daß bald kein Hahn mehr danach kräht und auch im Fernsehen jeder denjenigen lieben kann, den er will – und das nicht nur zu nachtschlafender Zeit.
Noch ein kleiner Kommentar zu Batz’ Satz:
“In jeder Kindersendung werden Neunjährige nach ihrer sexuellen Orientierung befragt: “Na hast du denn schon eine kleine Freundin!” – Keiner der sich daran stört.”
Bei solchen Sch…-Fragen (die es von der eigenen Verwandtschaft oft nur so hagelt) passiert übrigens noch viel mehr. Egal ob männlich oder weiblich, homo oder hetero, Kinder und Jugendliche werden dabei generell schon früh in heteronormative, patriarchale Rollen gedrängt, die sie verinnerlichen. Sich da später wieder herauszuarbeiten kann ganz schön mühselig sein, da sie plötzlich, wenn sie merken, dass sie nicht in diese vorgefertigten Schemata passen, innere Konflikte lösen müssen, weil gesellschaftliche Norm und eigene Bedürfnisse/Empfinden nicht in Einklang miteinander gebracht werden können. (Wenn Queer as Folk nur durch seine Existenz da auch nur einer Handvoll heraushilft, ist das prima. )
Das ist kein reines Problem für Nicht-Heteros. Das haste generell bei Geschlechterrollen. Nur stoßen sich die lieben Leute so selten daran, weil sie, wenn sie konform mit den Erwartungen gehen, nicht anecken und folglich diese Rollen nicht in Frage stellen.
QaF tut dies indem Homosexualität sichtbar wird übrigens offenbar FÜR sie *grins*, zwingt dazu bzw. ermöglicht anzuerkennen, daß es Alternativkonzepte zur geschlossenen-Mann-Frau-Zweierbeziehung gibt. Den einen freut’s, die von Pro7 offenbar (wenn ich Batz’ Kommentare so lese) wohl nicht so wirklich. Die scheinen eher das Problem zu haben einerseits politisch korrekt sein und tolerant scheinen zu wollen (weshalb QaF wohl überhaupt im Programm ist). Andererseits aber stört sich da wohl wer an Männern, die Männer lieben. (Mit Frauen scheint die heterosexuelle Männerwelt da seltsamerweise nicht wirklich ein Problem zu haben. (Wo ist denn da der Unterschied?)) Hupsassa, was für ein Dilemmachen aber auch!
Zieht euch nur mal von der DVD vom Film “Männer wie wir” (egal was ihr von ihm haltet) den rausgeschnittenen Teil der Liftszene (=Kuß- oder Sexszene, an der rund 40x herumgeschnippelt wurde) aus dem Zusatzmaterial rein, aber MIT REGIEKOMMENTAR der Regisseurin und des Drehbuchautors. Das ist ja sooooo bezeichnend genau hierfür.
04. Juni 2008 at 14:57
Oh mann, habe sehr gelacht, als ich das hier eben wieder las. Grund dafür ist, nebenbei bemerkt, dass ich grad was über die Serie tippe, und noch mal meine alten Argumente nachschlagen wollte. Ich denke übrigens immer noch, dass du BBM so komplett falsch und ignorant rezipiert hast, wie man ihn nur rezipieren kann, aber zu QaF habe ich derweil eine wesentlich dezidiertere Meinung und mag die Serie mittlerweile als Homo-Trash ganz gern. Kann das SIX FEET UNDER-Loch zwar nicht im Ansatz füllen, ist aber zwischen vielen Filmen besser als nix. *g*