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    Letztes Lichtspiel: Borat

    “What weapon you would say is best to defend against a jew?”
    “That would be a .44mm then…”

    Originaltitel: Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan
    Herstellungsland:USA 2006
    Regie: Larry Charles
    Darsteller: Sacha Baron Cohen, Rakefet Abergel, Ken Davitian, Pamela Anderson

    Borat

    Der kasachische Reporter Borat Sagdiyev (Sacha Baron Cohen), ein naiver, Rassist und Macho, reist zusammen mit seinem Produzenten (Ken Davitian) und einem TV-Team in die USA. Er soll dort über die kulturellen Errungenschaften des Landes berichten, damit diese der kasachischen Nation als Vorbild dienen können. Leider verläuft die Reise nicht ganz wie geplant, als Borat sich in Pamela Anderson verguckt und seinen Produzenten überredet statt in New York alle Interviews zu machen, durchs ganze Land nach Kalifornien zu reisen, um Anderson zu treffen und zu heiraten.

    Auf seinem Weg durch die vereinigten Staaten lernt Borat viel über Ansichten und Gebräuche seines Gastlandes: Rassistische Rodeo-Veranstalter, fröhliche Strassenfest (die sich im Nachinein als Gay-Pride entpuppen), tumbe frauenfeindliche Macho-Studenten, ignorante Benimmexperten und durchgeknallte Christen – Die US of A sind wesentlich bizarrer als es sich Borat erträumt hatte.

    “This film is offensive… NOT!”

    Diese Docu-Mockumentary dürfte einer der witzigsten Filme sein, die ich dieses Jahr gesehen habe. Die schiere Chuzpe mit der Cohen seine Figur in den improvisierten Passagen des Films spielt agieren lässt und mit der er seinen Interviewpartnern entlarvendes entlockt, ist bemerkenswert. Denn ein Großteil des Films besteht aus mit offener und versteckter Kamera gedrehtem Material, in dem Cohen als Borat auftritt und seine Spielpartner im Glauben lässt, sie hätten es tatsächlich mit einem kasachischen Reporter zu tun.

    Zuviel zu erzählen hieße in diesem Fall wirklich zuviel vom Film vorwegzunehmen, also belasse ich es dabei, das es einige Szenen gibt, die einen aus verschiedenen Gründen nur ungläubig auf die Leinwand starren lassen. Wie selbstverständlich viele seiner Interviewpartner mit seinen extrem frauenfeindlichen und antisemtischen Äusserungen umgehen, wie selbstverständlich seine Ignoranz und seine absurden, angeblich kasachischen Gebräuche unwidersprochen für bare Münze genommen werden, das alles lässt tief blicken.

    Wenn Cohen bei einem Rodeo annonciert: “I support your war of terror” und ihm die Menge zujubelt, nur um Minuten später hasserfüllt zu buhen, weil Borat es wagt die US-Nationalhymne mit dem Text der kasachischen zu singen, sagt das viel über die Zuschauer aus und die Mentalität der Rodeobesucher.

    Selbst wenn er nur unglaublich Aktionen hinlegt, wie nackt in einen Wirtschaftskongress zu platzen, hat seine Art der Subversion immer eine satirische Lesart, die ihn über den reinen Shockvalue von “Jackass” und ähnlichen Filmen hinaushebt, denn der Film ist trotz seiner episodenhaftigkeit keine reine Nummernrevue. Er verfolgt seine Themen und fügt sie letztlich zu einem dramaturgischen Ganzen.

    Technisch ist das ganze wie zu erwarten eher durchwachsen. Vieles wurde mit versteckter Kamera gedreht und ist dementsprechen griselig und verwackelt und auch der Rest hat eben jenen Dokulook. Hochglanzkino sollte man also nicht erwarten, zumal das Material auch bewusst im Aussehen an die eher rustikale Qualität ostdeutscher TV-Produktionen angepasst wurde, was die sehr ungewohnte aber schwungvolle Musikauswahl perfekt unterstützt.

    Ein Problem mag für einige Zuschauer wohl die Mischform aus inszenierten Momenten und In-Character-Interviews sein, wenn man sich dabei ertappt sich zu fragen, ob die aktelle Szene wohl inszeniert oder improvisiert ist, ob die Mitspieler eingeweiht waren oder nichts wussten. Um den Film zu genießen, muß man sich allerdings davon freimachen und ihn einfach als Gesamtwerk akzeptieren, dessen Aussagen stimmig sind, egal ob die Szenen nun “echt” oder “fake” sind.

    Das wohl mehr echt ist als man glauben möchte, geht aus einem Artikel der NEWSWEEK hervor, in dem einige der übertölpelten “Opfer” Cohens erzählen wie es zu den Drehs kam, wie abenteuerlich und einfallsreich die Planung der Interviews ablief. Mit falschen Namen (”“Lawrence Wenngrodd”), Handynummern und Emails wurde geschickt dafür gesorgt, das die Interviewten tatsächlich glaubten einer Ko-Produktion eines weißrussischen TV-Senders zu helfen.

    Spätestens wenn die DVD rauskommt, wird man wohl auch mehr über die sicher spannenden Vorbereitungen und Dreharbeiten des Films erfahren. Und es bleibt abzuwarten, wie lange es im klagefreudigen Amerika dauert, bis Borat das erste mal vor Gericht gezerrt wird.

    Respekt ringen einem in jedem Fall die völlig uneitle und angenehm schamlose Darstellung Sacha Baron Cohens und seines “Produzenten” Ken Davitianl, eines US-Armeniers, der die zweifelhafte Ehre hat Borat bei seinem Film zu unterstützen und das mit vollem Körpereinsatz.

    Erstaunlich, das beide Figuren dabei trotz aller Derbheiten nicht zu Karikaturen verkommen und über den Film hinaus als lebendige Figuren funktionieren, die auch die wenigen emotionalen Schlenker letztlich wirkungsvoll machen. Borats unglaubliche Aussagen entspriungen im Gegensatz zu vielem was seine Interviewpartner sagen, einer fast kindlichen Naivität, mit der er selbst die bösartigesten Dinge aussprechen kann, ohne das man ihm unterstellen würde, tatsächlich ein schlechter Mensch zu sein. Und letztlich zeigt Borat sich lernfähiger, als es wohl viele der Leute sind, die er interviewed.

    Laut Informationen des Verleihs, hat man die immense Wichtigkeit des Sprachwitzes bei Borat erkannt und wird den Film bundesweit in drei Fassungen verleihen: Original, Original mit Untertiteln und Synchronisiert. Wobei laut Fox in den neuen Bundesländern nur die Synchronfassung laufen wird. Go Figure.

    Die Originalfassung ist ohne Abstriche zu empfehlen, die Untertitel sind mittelprächtig gelungen (so wird z.B. retarded mit geistesverzögert übersetzt) und die wenigen Szenen die ich synchronisiert gesehen hab, vermittelten auch wenn man sich Mühe gegeben hat einfach nicht mehr den Witz des Originals. Der beste Kompromiss bleibt wohl die OmU-Fassung, auch wenn die Zuschauer dadurch bisweilen zwei Untertitelspuren im Bild haben. Die englischen, wenn Borat und sein Produzent “kasachisch” reden (In Wirklichkeit hebräisch und armenisch) und die Deutschen die die Englischen übersetzen.

    Die Kontroverse um den Film, die sogar George Bush veranlasste sich mit dem Thema zu beschäftigen und die kasachische Regierung auf den Plan trten ließ, um klarzustellen, das Kasachstan ganz ander ist als Borat es schildert, blieb von diesem natürlich nicht lange unkommentiert. Die Vorwürfe verarbeitete Sacha Baron Cohen auf seine Art:

    Abgesehen davon, das der Film sehr viel mehr über die Denkweise der Amerikaner enthüllt, als das er versucht ein tatsächliches Bild von Kasachstan zu entwerfen, sollte man auch nicht zu empfindlich sein, als Land das von einer Demokratie weit entfernt ist und auch gerne mal Oppositionsführer verschwinden lässt.

    Yagamesh!

    Offizielle Filmseite (sehr ulkig)

    Deleted Scenes aus dem Film auf der inoffiziellen Borat Fanpage

    Offizielle Seite Kasachstan

    Von Batz am 24, 10, 2006 um 2:15 in CineBatz | 1 Kommentar »

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    Ein Kommentar zu “Letztes Lichtspiel: Borat”

    1. maloXP Sagt:

      Der Artikel in der Süddeutschen war ganz aufschlussreich. Muss mir den Film auch unbedingt anschauen.

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