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    Letztes Lichtspiel: Open Season – Jagdfieber

    “How many other animals are in on the conspiracy? God bless America! I hope the bald eagle hasn’t turned! “

    Originaltitel: Open Season
    Herstellungsland: USA 2006
    Regie: Roger Allers, Jill Culton, Anthony Stacchi
    Darsteller: Ashton Kutcher, Martin Lawrence, Garry Sinise, Bill Connoly, Jane Krakowsky

    open season poster

    Der Bär Boog (Martin Lawrence) ist bei der Rangerin Beth aufgewachsen. Er lebt in der Garage, braucht sein Kuscheltier zum Einschlafen und tritt zur Erheiterung von Schulklassen auf. Von seinem wahren Lebensraum, der Wildness hat er so gar keine Ahnung. Das ändert sich, als wieder einmal die Jagdsaison vor der Tür steht und der vorlaute Maultierhirsch Elliot (Ashton Kutcher) seinen Weg kreuzt.

    Er ist auf der Flucht vor dem sadistischen Jäger Shaw (Gary Sinise) und überredet Boog zu Dummheiten, die prompt dazu führen, daß Boog ausgewildert wird. Urplötzlich sieht er sich dem wahren Leben gegenüber, von dem er so gar keine Ahnung hat. Keine Snacks, kein Kuschelbettchen und keine Toiletten! In der Not muß er sich mit Elliot zusammenraufen und macht sich auf den langen Weg zurück zu seinem Zuhause. Inzwischen rückt die Eröffnung der Jagdsaison näher und mehr und mehr Jäger bereiten sich aufs große Abknallen vor….

    Der erste Animationsfilm aus dem Hause Sony ist ein durchwachsenes Vergnügen, vor allem für erwachsene Zuschauer. Zunächst mal die positive Seite: Er sieht schick aus und der Comiclook der Figuren hebt sich wohltuend von denen der Konkurrenz ab. Keine obskurer Retro-Optik wie bei Madagascar, noch die überniedliche Kuscheligkeit von Disneys “The Wild“.

    Die kantigen, gummiartigen Comiccharaktere von Open Season machen Spaß anzusehen, sind liebevoll animiert ohne überladen zu wirken und auch die Landschaften machen was her. Die Stimmcast ist, zumindest im Original sehr gut gewählt und gibt die Charaktere gut wieder, im deutschen muß man leider einige Abstriche machen.

    Wer in Open Season geht, in der Hoffnung einen Film zu erwischen in dem Jürgen Vogel nicht mitspielt, hat leider die Rechnung ohne Sony gemacht, denn der vielbeschäftigte Star (dessen “Ein Freund von mir” und “Wo ist Fred?” auch grade anlaufen) leiht in der deutschen Fassung Elliot seine Stimme.

    Vogel gibt sich genau wie Thomas Heinze als Boog hörbar Mühe die Figur mit Leben zu füllen, kommt aber dennoch zu keiner Zeit an die Originalstimmen heran, er verschmilzt nie vollständig mit Elliot und nimmt dem ganzen dadurch viel vom Wortwitz.

    Wobei wir auch zum nächsten Problem kommen: Dem Wortwitz. Der ist leider sehr ungleichmässig über den Film verstreut, wie der ganze Film etwas unausgewogen wirkt. Die Story ist ein typisches Buddy-Movie, von zwei ungleichen Typen die sich zusammenraufen müssen, gekreuzt mit ein wenig klassischem Disney-Tierfilm.

    Also eine ähnliche Handlung wie die o.g. Pixar und Dreamworks-Produktionen. Während diese sich jedoch ganz klar an Kinder wenden und kaum erwachsenen Humor bereithalten, versucht sich “Open Season” an einem Spagat, der nur bedingt hinhaut. Es gibt urkomische Szene und nette Civilization-Clash-Momente, ein paar witzige Nebenfiguren, wie den wild fluchenden Chef der Eichhörnchen-Armee (im Original der wie immer furiose Bill Conolly) oder den von Gary Sinise mit liebevollem Wahnsinn gesprochenen Jäger, aber für mich fand der Film nie eine homogene Ballance zwischen den rührseeligen, in Niedlichkeit und Dramatik badenden Momenten, in denen Boogs schwierige Freundschaft zu Elliot thematisiert wird, seine Sehnsucht nach seinem Zuhause und den überdrehten scharzhumorigen und absurden Momenten in denen u.a. Texas Chainsaw Massacre zitiert und vorzugsweise mit Hasen geworfen wird.

    Die Hasen. Oder Kaninchen. Oder was das sind. Selten hat sich ein eigentlich guter Gag so schnell angenutzt wie bei “Open Season”. Die ersten Male wenn Elliot die Hasen statt Steinchen ans Fenster wirft, lacht man noch ob der Chuzpe dieses Gags. Wenn Boog sich das Gesicht mit ein paar Hasen abtrocknet, lacht man immer noch, aber etwas leiser. Beim dreissigsten Häschenwitz denkt man dann: Eigentlich war schon der Zehnte nicht mehr so komisch.

    Der Film hat witzige Dialoge und einige auch visuell sehr starke Szenen, zweifelsohne. Aber ich hatte trotzdem das Gefühl, daß man entweder vorhatte einen Kinderfilm mit Erwachsenengags aufzupeppen oder einen Comicstrip (auf dem das Ganze auch basiert) mit genug Niedlichkeiten für den Familienmarkt runterzusüssen. Grade weil der Film eine Story erzählt, die man tausendfach gesehen hat und die jüngst in Madagaskar und The Wild schon wieder ausgewalzt wurde, laufen einige Gags leider ins Leere. Mag ungerecht sein, aber wilde Tiere die nicht an die Wildness gewöhnt sind, jenes Fisch-aus-dem-Wasser-Genre ist wirklich etwas überstrapaziert worden. Und für seine Laufzeit von rund 100 Minuten passiert einfach zuwenig, etwas mir auch schon bei Nemo und Madagaskar aufstieß. Die Handlung wird abgespult und erst wenn der Showdown vorbei ist, merkt man, daß man eben das Finale gesehen hat.

    Anstatt mal wirklich Gas zu gebenn, die unendlichen Möglichkeiten des Animationsfilms auszuschöpfen oder wie jüngst bei “Over the hedge” mal wirklich ein paar Wendungen einzubauen, ein paar originelle Schlenker in der Handlung, verlässt man sich auf eine Story die von Anfang an bis ins Detail absehbar ist. Da mögen die beiden Hauptfiguren noch so sympathisch sein, die Stimmen und Animationen durchweg gelungen und einige One-Liner sehr trocken serviert – als Gesamtwerk hat der Film einige Längen und dramaturgischen Leerlauf.

    Insgesamt beweist der Film wieder mal, wie sehr sich der Novitätseffekt von Computeranimation angebutzt hat und wie wichtig es wieder wird sich gute Stories auszudenken, damit man wirklich überzeugen kann. Open Season ist beileibe kein schlechter Film, der Kinder sicherlich zu unterhalten weiß, aber er ist weit von wirklich origineller Unterhaltung entfernt.

    Das schlimmste ist: Der Trailer enthält, wie bei Madagascar auch, alle wirklich witzigen Szenen und verspricht einen wesentlich turbulenteren und inhaltsreicheren Film, als man dann tatsächlich zu sehen bekommt.

    Ich freu mich auf den Dezember, wenn der billig animierte, aber ausgesprochen witzige Film “Hoodwinked” hier auch endlich anläuft, der beweist sehr gut, daß die Story wichtiger ist, als eine technisch aufwendige Animationstechnik.

    Und bitte keine Häschenwitze mehr.

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    Von Batz am 7, 11, 2006 um 22:10 in CineBatz | Kommentieren »

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