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    Droste, Biermann, Bhumipol

    Wiglaf Droste las am Mittwoch Abend im BE. Am Abend zuvor hatte sein ehemaliger Titanic-Kollege Max Goldt dort einen Auftritt.

    Im Gegensatz zum ebenfalls geschätzten Goldt, der seine Gastspiele meist etwas geschäftsmässig abwickelt und trotz drolliger Vortragsweise oft etwas scheu daherkommt, schien sich der gefürchtete und stets polarisierende Droste aufrichtig zu freuen im prunkvollen Saal des Berliner Ensembles lesen, singen und radschlagen zu dürfen.

    Droste, der auf den ersten Blick ein wenig wie ein Schwippschwager von Peter Lorre wirken mag, versteht sich auf die kleine Form, die kurze Glosse, die bösartige Betrachtung. Seine Texte sind emotionale, impulsive und harsche Abrechnungen mit Medienwelt und Alltagskrempel, die stets unschwurbelig und direkt zur Sache kommen.

    Ein wenig wie gute Blogtexte treffen Drostes-Texte ein Gefühl, eine spontane Idee und das Gefühl einfach sagen zu wollen was ihn nervt. Und das in möglichst amüsante Betrachtungen und Worte zu packen. Dazu passt es, das Droste direkt aus einem Mini-Notebook liest und auchmal spontan variert, wenn er meint, dem hustenden Publikum mit einem Loblied auf die heilende Kraft der Hühnersuppe zusprechen zu müssen.

    Spaß macht ihm das und das merkt man während der Lesung in der er leichtfüssig vom Kalauernden-Gedicht, zur Liebeserklärung an alberne Königsnamen, zur Hasstirade auf Elstern und Abrechnung mit Religiöser Befindlichkeit, Grass, Biermann und dem unsäglichen Reinhold Messner ausholt, der selbst auf langen Wüstenmärschen nichts sieht als sich und seine Füsse.

    Er erklärte auch, warum er zu einer Lesung nach Bayreuth wohl mit einer schusssicheren Weste anreisen sollte, wie ihm ein dortiger Redakteur anriet. Mitnehmen wird er jedoch wohl nur ein Messer, das ihm aus dem Publikum freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

    Einige der vorgetragenen Glossen finden sich im Archiv der TAZ, für die er trotz einiger Zwistigkeiten immer noch schreibt. Gesammelt gibts das ganze in seinen Büchern, von denen “Kafkas Affe stampft den Blues” das neueste ist.

    So kann also eine Blog-Lesung aussehen, von jemandem der nicht bloggt.

    Gefällt mir gut.

    Droste auf CD: Die Schweren Jahre Ab Dreiunddreißig

    Hol dir: Kafkas Affe stampft den Blues

    Von Batz am 25, 1, 2007 um 1:25 in LiteraBatz, TagesBatz | 3 Kommentare »

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    3 Kommentare zu “Droste, Biermann, Bhumipol”

    1. maloXP Sagt:

      Ich war am Abend zuvor bei Max Goldt und kann Dir versichern, dass es toll war.

      Eine Stück zum Hören von Goldt, in dem auch Droste eine Rolle spielt, hier:
      home.snafu.de/think/...

    2. Ulli Sagt:

      ooops, da hab ich ja was verpasst, schade…

      goldt hab ich in den 90ern viel und gerne gelesen und auf lesungen gehört – bis ich irgendwann das gefühl hatte, die radiotrinkerin könne ich denn nun doch nicht mehr hören …

      der senatsrock – nu, der is ja schon was älter, den hat er schon vor vielen vielen jahren gelesen… aber schön, das wiederzuhören. was mich daran erinnert, meine alten foyer des arts platten mal wieder rauszukramen …

      lg ulli

    3. martha dear Sagt:

      ich war ebenfalls am abend zuvor beim geschätzten kollegen. die neue textsammlung schien mir zwar auch nicht mehr so treffend bissig wie sonst zu sein, machte aber trotzdem viel spaß. zierbommeln.

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