Vor einem Jahr…
Letztes Lichtspiel: The Hills have eyes II
“Every president lies, thats his job.”
Originaltitel: Hills Have Eyes II, The
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Martin Weisz
Darsteller: Daniella Alonso, Michael McMillian, Jessica Stroup, Jacob Vargas

Everybody wants to make splatter. And my stupid brother too. Um es mal frei nach Orson Welles zu sagen. Etwas über ein Jahr, nachdem Alexandre Aja mit dem Remake des Wes Craven Cheapies “The Hills have Eyes” einen überraschend guten, harten und packenden Terrorfilm ablieferte, der es schaffte bösem unironischen Horror mit effektiver Dramaturgue, Charakterzeichnung und Kameraarbeit zu kombinieren, legt man nun nach und versucht nochmals mit den Mutanten aus den Wüstenbergen Kasse zu machen.
Diesmal ist es keine Familie die es durch Zufall in die Region verschlägt, sondern ein Gruppe mitteltalentierter Soldaten der Nationalgarde, die eigentlich nur ein paar Wissenschaftlern Nachschub liefern sollen und dann feststellen, daß diese Wissenschaftler von den bösen Höhlenmutanten totgemacht wurden. Und dann werden sie selber totgemacht und vergewaltigt, wenn auch nicht zwingend in dieser Reihenfolge.
Das man aus einer unoriginellen Prämisse mit einem guten Skript und handwerklicher Finesse doch noch etwas Blut pressen kann, hatte der Vorgänger sehr effektiv bewiesen. Obwohl ich kein Fan des Terror-Backwood-Genres bin und TCM, Wrong Turn und Konsorten eher öde finde, konnte mich der erste Film begeistern. Das lag hauptsächlich an der straffen Inszenierung, den lebendigen und durchaus sympathischen Charakteren, die selten wirklich dämlich agierten, und einer gnadenlosen Chuzpe mit der Alexandre Ajos die Story vorrantrieb, ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Fortsetzung vertraute man nun dem Deutschen Martin Weisz an, der bislang nur durch den faden Kannibalen-Exploitation-Film “Rotheburg” auffiel, der in Deutschland nicht gezeigt werden durfte, weil sich der echte Kannibale düpiert fühlte. Leider hatte er nichts gegen “Hills have eyes II” in der Hand, so daß man bei diesem schnarchlangweiligen Slashen-Nach-Zahlen wohl mit einem Kinostart rechnen muß. Weisz fehlt es leider völlig am Gespüt für Figuren, Spannungsmomente und lebendige Dialoge. Alles bei ihm wirkt wie vom Reißbrett und aus der Mottenkiste des Terrorkinos gekramt, alleine die Idee statt normaler Menschen eine Gruppe Soldaten zu nehmen, die als Identifikationsfiguren nicht grade die stärkste Projektionsfläche bieten , ist ein bedauerndwerter Schachzug gewesen.
In einer vom ersten Moment vorhersehbaren Story, die irgendwo zwischen Aliens-Rip-Off und Goonies angesiedelt ist, ist nichts von dem geblieben, was den ersten Teil spannend machte. Die Schauspieler sind durch die Bank TV-Gesichter und versprühen soviel Charisma wie die Statisten eines Chuck Norris-Films, die Kamera kann bis auf ein zwei nette Bergaufnahmen auch nicht begeistern, der rauhe und dennoch stylishe Look des ersten Films wich einer kalkulierten TV-Optik, die sich in Actionmomente immer ins hibbelige flüchtet und der Soundtrack plärrt unmotiviert seine Schreckensmomente in die Boxen, als wohle er im Alleingang für die völlig spannungsfreie Inszenierung entschädigen, die außer den typischen Buh-Momenten so gar nicht erschrecken mag.
Wer aus der blassen Soldaten-Truppe nun lebt oder stirbt ist letztlich sowieso ziemlich egal. Ob der halbintellektuelle mit dem Darmgrippegesicht, oder der Zwergenwüchsige Puertoricaner mit Rambokomplex, sie alle tapern stundenlang durch Höhlen, fallen schreien, fluchen und sind einem doch so herzlich egal wie nur was. Warum dann ein Mutant plötzlich nett ist, bleibt genauso im Dunkeln wie das ganze unsinnige Setup der wissenschaftlichen Forschungseinrichtung.
Und nichtmal die Splattereffekte, wie beim ersten Teil von KNBFX gezaubert, können wirklich überzeugen. Die Mutanten sind zu oft und zu lange zusehen um wirklich unheimlich zu wirken, die Morde sind absehbar und passieren zusehr im Off, die Masken erinnern viel zu oft an Latexanzüge.
Das tragische Moment der Mutanten, im ersten Teil durchaus noch enthalten, verschwindet völlig und lässt sie zu beliebigen Monstern werden, ein paar breit ausgespielte Vergewaltigungs- und Frauenschändungsszenen wirken billig und des reinen Schockeffekts wegen gesetzt, genau wie die Entdeckung einer Leichenkammer, die keinen Zweck erfüllt und eher wie ein Spaziergang durch die KNBFX-Lagerhhalle wirkt. Ekel und Schrecken soll so gewaltsam und unsubtil erzeugt werden, daß die Wirkung völlig verpufft und ich letztlich nach jedem halbherzigen, schlecht getimten Schock- und Actionmoment eher genervt und gelangweilt im Kinosessel hockte.
Bleibt zu hoffen, daß Wes Craven, der zusammen mit seinem Sohn auch für die Story, das völlig vergurkte Buch und die vor Platitüden und peinlichkeitsstrotzenden Dialoge verantwortlich zeichnet (das streckenweise klingt wie aus einem alten Michael Dudikoff-Söldnerfilm abgekupfert), wenigsten ordnetlich Geld für den Scheiß bekommen hat. Denn seinem Ruf wird dieser langweilige Stinkekäse garantiert nicht nutzen.
Oder wollte er nur ein Remake abliefern, daß genauso schlecht ist wie seine eigene “Hills have eyes”-Fortsetzung aus den 80ern?
Mein Tipp: Guckt euch lieber das Original, das erste Remake oder Bambi an, da gruselt ihr euch sicher mehr.
Von Batz am 20, 3, 2007 um 12:44 in CineBatz, TagesBatz | 4 Kommentare »___________________________________________________________________________
4 Kommentare zu “Letztes Lichtspiel: The Hills have eyes II”
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20. März 2007 at 19:31
Och warum denn so hart? Ich meine nach “Rohtenburg” hätte es doch noch viel schlimmer kommen können, das war ja einer der mindestens 3 schlechtesten Filme des letzten Jahres. Gegen Ajas Remake hat “Hills 2″ natürlich keine Chance. Aber als vergnügliche Kannibalen-aus-dem-Irak-kämpfen-gegen-US-Army-Invasoren-Nummer fand ich den ausgesprochen kurzweilig. Doof, aber nett.
Und: Immerhin sogar etwas besser als Cravens eigenes Sequel von anno 1985.
20. März 2007 at 19:56
Hm warum so hart? Weil im ganzen Film kein einziger unterhaltsamer oder spannender Moment war?
Die Dialoge waren grauenhaft, die Bilder auf TV-Niveau, und die Splattereffekte schlechter als bei Masters of Horror…
Ich hab mich wirklich extrem gelangweilt bei dem Scheiss…
Hast du dir das Ding auch gestern in diesem Zwergenkino angetan?
20. März 2007 at 20:20
Die Effekte waren wirklich nur solide, obwohl sowohl bei “Masters of Horror” (wenn du die Showtime-Serie meinst) als auch “Hills 2″ vom selben Team. Eigentlich gelten die K.N.B.-Jungs diesbezüglich als wegweisend.
Ansonsten will ich dir garnicht groß widersprechen, den Film zu verteidigen lohnt sich nicht. Da gibt es andere Beispiele, wo ich bei dir ins Grübeln komme (ich denke da an “The Descent”).
Ich versuche ja eigentlich jede Vorführung im FK66 zu vermeiden, aber da ich das Dingens sehen musste und es nur eine PV dazu gibt, ging es nicht anders. Zumindest hatte ich mal keine Köpfe vor mir, das passiert mir ja sonst für gewöhnlich. Ich habe dich auch übrigens gesichtet, war aber gerade in ein Gespräch verwickelt. Und dann warst du auch schon wieder aus den Augen.
20. März 2007 at 20:27
Ja Nicotero und seine und seine Truppe ist normalerweise sehr gut, aber hier scheinen sie eher Dienst nach Vorschrift gemacht zu haben, ich vermute es gab einfach nicht sehr viel Kohle. Der ganze Look des Films erinnerte mich an eine DirectToVideo-Produktion…
Vermutlich war dem Verleih eine anständige Previewstelle wie der Filmpalast wohl zu teuer. Verständlich.
Nächstes Mal wirf nen Stein