Vor einem Jahr…
Sains Fiktschn
Ganz ganz doll. Es sollte einen ja verwundern, wenn das ZDF eine neu produzierte Science-Fiction Serie schon vorab ins Netz stellt. Es sollte einen überhaupt wundern, wenn das ZDF eine Science-Fiction-Serie produziert.
Aber vielleicht dachte man, nach dem Erfolg des “Doctor Who”-Neustart in England, man solle sich auch mal wieder als keck, witzig, innovativ und wegweisend präsentieren.
Diese Idee hat man dann aber verworfen und statt dessen einer jungen Filmtruppe aus Berlin schätzungsweise 10.000 Euro in die Hand gedrückt, damit sie aus den von Stanislaw Lem inspirierten Kurzfilmen “Aus den Sterntagebüchern von Ijon Tichy” eine sechsteilige Serie für die Lerchenberger Mainzelhasen drehen.
Gut ich gebe zu ich kenne die literarische Vorlage nicht, die ja einen sehr guten Ruf genießt. Die Adaption, die man in der ZDF-Mediathek bestaunen kann, ist jedoch halb so lustig wie ein Schuss ins Knie. Die “unglaublichen” Münchhausiaden die der Astronaut Ijon Tichy präsentiert, werden im halbverstandenen Versuch bewussten Trash zu produzieren auf dem optischen Niveau einer 80er Jahre Kindersendung wie Lemmy und die Schmöker präsentiert. Schäbige Digital- und Modeltricks, müllige Sets, und ganz dolle lustige russische Akzente. Utensilien also, die auch dem angejahrten ZDF-Zuschauer suggerieren sollen: Du das ist lustig gemeint, wir nehmen uns gar nicht so ernst.
Leider ist es so gar nicht lustig. Egal ob Nora Tschirner als Hologram umherstolpert oder ein Second-Hand-Muppet den Astronauten verspeist, alles wirkt krampfig und bewusst auf cheesy getrimmt, das es jeden Reiz verliert. Und von trockenem, absurdem Humor ist das ganze mehrere Lichtjahre entfernt, egal wie man sich bemüht irgendwie komisch zu sein.
Danke liebes ZDF, hätte diese Serie mehr gekostet als zwei Bögen Briefmarken würde ich euch jetzt Gebührenvergasung vorwerfen, aber ich weiß ja das ihr das richtige Geld lieber für Qualitätsanästhetika wie den Freitagskrimi und schmierige Bestesellerverfilmungen rauskackt.
Aber so Alibi-SF bei der die sicher ambitionierten Macher mit nem Taschengeld nachhause geschickt werden, muß ich trotzdem nicht haben.
Ich guck dann doch nochmal die alte Hitchhiker-Serie der BBC oder Adolars Abenteuer im Weltall, die Sachen waren nämlich wirklich witzig.
Von Batz am 21, 3, 2007 um 13:07 in MediaBatzBits, TagesBatz | 2 Kommentare »___________________________________________________________________________
2 Kommentare zu “Sains Fiktschn”
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23. März 2007 at 9:41
wenn ich solche kommentare höre, frage ich mich immer wieder, ob der autor überhaupt einen blassen schimmer von der vorlage hat. aber diese frage hat sich der herr “ich geb zu allem meinen senf ab” ja schon selbst beantwortet. wer lem kennt, versteht auch was.
schade bis dumm finde ich auch diese antihaltung neuem gegenüber. wenn es nicht nur noch sos-style and kack und deutschland sucht den superdeppen geben soll, dann muß man auch mal was zulassen, das nicht aussieht wie jede 0815 hollywoodgrütze, sondern eben eigen und innovativ.
traugig: deutschland, land der motzer, nörgler und schlaumeier. kein wunder dass es nur bergab geht.
23. März 2007 at 10:32
Muss man die Vorlage kennen um die Serie beurteilen zu dürfen? Ich hab bewusst nicht kritisiert, wie genau das ganze die Vorlage umsetzt, sondern nur wie unterhaltsam ich es finde.
Sorry, es gibt sicher genug Leute die den Look mögen, aber ich kann damit nichts anfangen. Und wenns 1000x Lem ist, der Humor ist mir einfach zu krampfig und der lustige Akzent Tichys nimmt dem ganzen jeden Witz. Ich find auch den braven Soldaten Schweijk nicht lustig.
Ich kann mir vorstellen, daß die Macher viel Herzblut in die Serie gesteckt haben und daß das Ganze aus einem Fanprojekt heraus entstanden ist sieht man ihm auch an. Mögen muß ich es deswegen nicht, auch wenn ich weiß wie schwierig es ist sowas umzusetzen und wieviel Überzeugungsarbeit es sicher gekostet hat, die Lerchenberger davon zu überzeugen. Aber in jedem Kurzfilmprojekt stecken viel Schweiß und Tränen der Macher und dennoch find ich nicht alles was aus dem Low-Budget-bereich kommt dann auch gut.
Und hier im Blog schreibe ich meine Meinung, die nicht den Anspruch erhebt allgemeingültig zu sein, ich bin nicht verpflichtet hier alles abzufeiern nur weil es anders ist als der gewöhnliche Schrott.
Und mir vorzuwerfen ich würd euren Kram an Hollywoodscheiß messen ist ziemlich albern, zumal ich eine ungarische und eine britische Serie angegeben habe, die ich lieber mag als die Tichy-Sachen.
Und ganz im Ernst, mit dem kleinen Fernsehspiel wird man wohl kaum deutsche SF wieder etablieren…
Klar ist ein Verriss ätzend, wenn man sich freut ein Projekt in das man viel Zeit und Mühe gesteckt hat endlich zu starten, aber beleidigte Reaktionen und Kritikerbeschimpfungen helfen da auch nicht weiter.
Denn wenn man schon professionell sein möchte und das deutsche Fernsehen revolutionieren, dann sollte man zuallererst lernen mit negativen Reaktionen umzugehen.