Vor einem Jahr…
Combots vergleicht
Schwanzvergleich ist ja immer eine schwierige Sache. Das merkt man nicht nur in den deutschen Blogcharts, sondern auch immer wieder bei Promo-Aussagen.
Combots, der Messenger, der kein Messenger sein wollte, ist ja nun aus der Beta-Phase heraus und hat immerhin aus ein paar Fehlern gelernt, die man in der Planungsphase gemacht hat. Vom viralen Einladungs-Marketing hat man sich verabschiedet. Man ist sich nicht mehr ganz so sicher, daß Rad neu erfunden zu haben und hat z.B. eingesehen, daß kein Schwein das Konzept von Friendlyware kapiert hat.
Friendlyware – man nutzt etwas solange wie man will, aber wenn man es regelmässig nutzt, sollte man monatlich etwas zahlen. Oder so ähnlich. Friendlyware war damit das Web 1.0-Pendant zu den Länderpunkten bei “Tutti Frutti”, nur das im Zweifel die Hupenluder bei Balder spannender aussahen, als Combots Heidi.
Jetzt bekennt man sich eher zum Jamba-Prinzip, daß von vornherein erkennbar war. Die Grundausstattung vom gepimptem Messenger gibts umsonst, wenn man neue Avatare will, die den Chatpartnern auf dem Desktop herumhüpfen, winken, kotzen und lärmen, muß man zwischen 1,49€ und 14,99€ ausgeben, je nachdem wieviele “Emotionen” man seinem Avatar gönnen möchte. Da kann man dann wählen zwischen mal mehr (Garfield), mal weniger (Peanuts) gelungenen 3D-Animationen bekannter Franchisefiguren, die mal mehr, mal weniger lustige Sachen machen.
Alles streng Web1.0, denn der User bleibt Konsument, dessen Interaktivität sich darin erschöpft, wann er seinem Chatpartner welche Animation aufdrängt – Das Kreieren eigener Figuren oder Animationen ist nicht vorgesehen, wobei grade das vielleicht ein entscheidender Spaßfaktor gewesen wäre. Aber dazu brauchte man dann wohl eher Avatare die auf Polygonbasis funktionieren und live gerendert werden, anstatt der kleinen Filmclips, die Combots abspielt.
Wie auch immer, die Zielgruppe die Combots ins Visier nimmt, die Klingeltonkäufer freuen sich vielelicht grade darüber ihre Lieblingsfigur besitzen zu können, daß will ich nicht ausschließen und abgesehen von Happy Slapping und Lip-Syncing ist es mit der Kreativität vieler 12jr ja auch nicht soweit her, wenn man YouTube und Gesprächsfragmente im ÖPNV als empirische Grundlage gelten lässt.
Viel schwieriger erscheint mir jedoch der Versuch Combots in einen im Grunde übersättigten Markt eindringen zu wollen. Nachdem man mittlerweile ja zugibt, im Endeffekt nur einen aufgebohrten Messenger mit Mailfunktion zu vertreiben, befindet man sich im direkten Wettstreit mit etablierten Programmen, die seit Urzeiten kostenlos vertrieben wurden und die, wie im Fall von ICQ nicht nur über eine gewaltige Nutzerbasis verfügen, weil sie seit über 10 Jahren dabei sind, sondern die auch in den vergangenen Jahren eine gewaltige Werbekampagne hinter sich haben die ihnen in Zusammenarbeit mit Pro7 und Sat.1 noch einige neue Nutzer, grade im Jugendbereich eingebracht haben dürfte.
Mag manch altegediente ICQ-User damals aufgestöhnt haben, als die Light-Version mit Flash-Tinnef und Zusatzmodulen herauskam, mittlerweile hat man sich dran gewöhnt und es akzeptiert oder wechselte auf Multimessenger wie Trillian und Co. die die Chatpartner mehrerer Systeme unter einen Hut bringen können.
Wenn man sich fragt, womit Combots punkten möchte, landet man auf der Homepage dann unter dem Punkt Übersicht auf dem schon erwähnten Vergleich, wobei einige der Behauptungen doch etwas seltsam anmuten oder vielleicht nur undeutlich formuliert sind:

Ich habe nicht wirklich auf dem Schirm, wie es sich bei allen anderen Messengern verhält, aber ich wäre mal interessiert wie Combots eine Multimedia-Chat-Nachricht definiert, denn soweit ich weiß ist der Austausch von Ordnern und Files bei ICQ und dem MSN-Messenger seit Ewigkeiten möglich. Und Chat-Nachrichten synchron auf mehreren PCs? Sollte damit Mulitmessaging gemeint sein, so ist auch das bei ICQ seit Jahren möglich und heisst seit einer Weile Buzz-it, wenn man eine Message an mehre Personen schicken will.
Und was ist der Unterschied zwischen einer Multimedia-Nachricht und einer Multimedia-Chat-Nachricht? Und wieso kann ich in anderen Messengern nur teilweise unbgrenzt große Dateien verschicken? Zumindest solange beide Partner online sind, kann ich theoretisch doch Gigabyteweise Daten von einem zum anderen Rechner schicken.
Und die Funktionen die unter FUN aufgelistet sind, kann man zumindest auch diskutieren. Es ist wohl eher eine Geschmachssache ob man die käuflichen Combots-Avatare charmanter findet, als die kostenlosen Flash-Animationen die ICQ anbietet. Ob man es als Vorteil ansieht, wenn man Hollywood-Charaktere die eh schon auf jeder Kaffeetasse prangen als Avatare einstellten kann. Ob man tatsächlich Emotionsvorschläge während des Tippens einer Message haben möchte oder ob man schon bei Word genervt war, wenn die elende Büroklammer einem auf den Sack ging und man eigentlich nur seine Ruhe möchte beim schreiben.
Wollte man sich ernsthaft mit der Konkurrenz vergleichen, würde ich mal schauen, was ICQ ansonsten kostenlos anbietet um seine User bei der Stange zu halten (die Diskussion von wegen ICQ ist böse, weil AOL spare ich mir hier mal ganz bewusst): Unter FUN fielen mir da zunächst eine Reihe sehr drollig animierter und ndurchaus kurzweiliger Flashspiele ein, sowie eine Partnersuche, Kinoprogramme und weitere Informationen die je nach Gusto tatsächlich einen Zusatznutzen über winkende Avatare hinaus bieten.
Wenn ich mir die Vergleichsliste so anschaue bleibt letztlich wenig, was mich erkennen lässt, womit Combots die Nutzer jetziger Messenger umstimmen und zum Umstieg bewegen will. Offline-Sprach-Messages und Offline-File-Versand okay, wenn man seine Files denn unbedingt einer Firma anvertrauen mag und die üblichen File-Hoster nicht nutzen will, aber viel mehr bleibt für mich unter dem Strich nicht über.
Selbst eine Handy-Version von ICQ und anderen Messengern existiert bereits, also auch das ist nicht unbedingt wirklich neu. Vielleicht können Nutzer anderer Messenger ja ergänzen, inwiefern dort auch Dinge angeboten werden, die Combots ebenfalls hat, ich nutze halt seit Mirabillis-Zeiten ICQ und kenne mich damit am ehsten aus und vergleiche deswegen auch eher damit.
Oder vielleicht erklärt mir einfach mal jemand, welche Killer-App-Aspekt des Ganzen ich bisher übersehen habe? Mal im Ernst, irgendwas muß da doch sein, sonst würden die doch nicht über Jahre so unglaublich viel Geld in ein Produkt stecken, daß es im Grunde schon gibt…
Für mich persönlich hab ich mal den Vergleich mit einem anderen erfolgreichen Chatsystem aufgemacht, um zu schauen wie Combots da abschneidet:

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8 Kommentare zu “Combots vergleicht”
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18. April 2007 at 22:44
Obwohl ich ICQ seit Jahren nicht mehr benutze und von Combots noch nie was gehört habe, habe ich den Artikel bis zum Schluss gelesen, und siehe da: es hat sich gelohnt.
19. April 2007 at 10:33
batz, hast du es denn schon getestet?
ich schon. war auch mirablis-abhängiger.
hat zwar ein wenig gedauert, bis ich den mehrwert erkannt habe (denn avatare auf desktop können schon nerven – doch dank der ordner-struktur hat man sie vom hals), aber mittlerweile muss ich sagen: combots macht spass und ist bei weitem besser als das alt eingessene. und das leidige “do you wanna have sex?” aus dem icq-welt-all gibts nicht.
19. April 2007 at 14:02
Da ich seit Jahren nur als invisible online bin werde ich nie von irgendwelchem ICQ-Spam belästigt…
Und ich kenne Combots, aber ich kann mich mit dem User-Interface und dem ganzen Look & Feel nicht anfreunden. Zuviel Animation, zuwenig intuitiv und mal im Ernst, was soll ich mit einem Messenger den keine Sau benutzt?
Sowenig wie heute auf den MSN oder Yahoo-Messenger umsteige nur weil den irgendjemand den ich neu kennenlerne nutzt, so wenig werden meine ICQ-Kontakte aus zehn Jahren alle auf Combots umsteigen und ein Messenger ist immer nur so gut wie seine Userbasis. Ich werd jedenfalls nicht zu meinen Freunden hingehen und sie zu überreden suchen doch zu wechseln.
22. April 2007 at 14:57
zitat: und mal im Ernst, was soll ich mit einem Messenger den keine Sau benutzt?
dann hast du den ansatz, den combots mit seinem messenger gehen möchte, schon im ansatz nicht verstanden. combots soll dir keine neuen freunde vermitteln, sondern die kommunikation zwischen deinen freunden spam-, werbe-frei und ohne lästiges “angebaggere” vermiesen.
22. April 2007 at 15:00
korrektur des letzten satzes:
ersetze “vermiesen” durch “entspannter gestaltet”
22. April 2007 at 15:43
Ob angebagger nun immer lästig ist, lasse ich mal dahingestellt sein, aber Spam und Werbefrei bin ich auch mit ICQ nachdem ich den Banner-Remover eingesetzt hab. Und der Satz mit “Keine Sau benutzt” bezog sich darauf, das man die Leute mit denen man bisher Kontakt hat eben überreden müsste auf Combots umzusteigen. Ich sehe zumindest für mich keinen Vorteil darin und denke das es bei dem hohen Verbreitunsgrad den die anderen Messenger haben, Combots sehr schwer haben dürfte.
Dieses ganze Prinzip von wegen “Ein Messenger nur für den engsten Freundeskreis” hat mir schon bei der Präsentation im Sommer nicht eingeleuchtet… aber ich denke eh, daß man sich bei der Konzeption des Produktes zuwenig Gedanken gemacht hat, für wen es eigentlich sein soll, gegen welche Konkurrenz man antritt und wie man es bewerben soll.
An deren Stelle hätte ich knallhart gesagt, okay wir machen einen Gimmikc-Messenger für 14jr, die Klingeltöne kaufen und sich eh alles andrehen lassen. Und dann hätte ich das Combots-Ding auf jeder Bravo-Screen-Fun und Yam zum Start beiglegt und geguckt das man es bei den Kindern bekannnter macht. Das halbherzige Marketing und der eher ungelenke Auftritt des Combots-Pressesprechers bei Giga waren aber alles andere als gelungene Werbung.
13. Mai 2007 at 6:38
“sowie eine Partnersuche, Kinoprogramme und weitere Informationen die je nach Gusto tatsächlich einen Zusatznutzen über winkende Avatare hinaus bieten.”
lol! Sorry Batz, ich brauche keinen Messenger zu Partnersuche! Auch will ich kein Kino-Programm über einen Messenger abrufen!
Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht, was dich zu diesem Satz verleidet hat… der ist der totale Schwachsinn!
Auch ist aus deinem Blog zu erkennen, dass du dich nicht wirklich mit Combots befasst hast.
13. Mai 2007 at 10:41
Hallo Batz,
interessanter Beitrag, soviel vorab. Du triffst einige Schwachstellen von Combots, allerdings benutzt Du die, um die positiven Seiten stark zu relativieren. Wirklich ausgewogen ist Dein Beitrag nicht, man hat von Anfang an das Gefühl, dass Deine Haltung “contra” ist. Schade auch, dass Du Combots nie getestet hast, denn es mutet etwas merkwürdig an, sich über ein Tool auszulassen, welches man nur vom “hören-sagen” kennt. Das geht eindeutig noch besser. Übrigens: “Viel schwieriger erscheint mir jedoch der Versuch Combots in einen im Grunde übersättigten Markt eindringen zu wollen.”, das frage ich mich auch.
Ansonsten kann man aber durchaus sagen, dass Combots ein Messenger ist, der mehr Spass macht als ICQ – und auch ich bin mit ICQ aufgewachsen. Mich überzeugt insbesondere die – von Dir nicht verstandene – Synchronisationsfunktion. Egal von welchem Rechner Du eine Message/Bilder etc. verschickst, alle diese Daten werden mit allen anderen Clients Deines COmbots-Account synchronisiert. Schickst Du also unterwegs eine Message über den USB-Combots-Client, wirst Du all diese Daten auch auf Deinem PC-Client wiederfinden. Genau das kann ICQ nicht. Nimmt man dann noch den bald auf den Markt kommenden Mobile-Client hinzu, macht ein solches Feature sehr viel Sinn – Du hast immer die gesamte History zur Verfügung.
Biertrinker