Vor einem Jahr…
Letztes Lichtspiel: Pirates of the Caribbean 3
“The only way for a pirate to make a living these days is by betraying other pirates. “
Originaltitel: Pirates of the Caribbean: At World’s End
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Geoffrey Rush, Jonathan Pryce, Bill Nighy

Ein letztes Yoho auf das Piratenleben. Nachdem sich Captain Jack (Johnny Depp) am Ende der letzten Folge geopfert hat, gilt es ihn nun aus dem Totenreich zurückzuholen. Denn wenn alle Pirate-Lords sich zusammentun, kann man gemeinsam gegen die britische Armee antreten, die Davey Jones auf ihre Seite zwingen konnte, der nun mit dem Flying Dutchman den Piraten den Kampf angesagt hat.
Aus aller Herren Länder werden die Pirate-Lords zusammengetrommelt und auch die Stammbesetzung hat genug zu tun, denn diesmal darf man einander noch weniger über den Weg trauen als in den Vorgängerfilmen. Selbst das Liebespaar Will (orlando Bloom) und Elisabeth (keira Knightly) nimmt es mit der Wahrheit nicht mehr so genau. Ständig wechseln die Fronten, da jeder nur seine eigenen Interessen verfolgt. Auch der wiederbelebte Barbossa (Geoffrey Rush) nimmt nicht ganz uneigennützig an der Rettung Jack Sparrows teil. Er weiß, daß man nur mit dessen Hilfe die Meeresgöttin Calypso befreien kann, von der er sich Hilfe erhofft…
Leichte Spoiler vorraus, Captain!
Der dritte Teil wird Fans des ersten und auch solche des Zweiten wohl spalten, denn er schlägt einen deutlich anderen Ton an als seine Vorgänger. War der erste ein mehr oder minder klassischer Piratenfilm, mit viel Humor und einem Geistertwist, bot der Zweite überdrehten, visuell inspirierten Slapstick mit grandiosen Tricks und einer überbordenden Story, die zum Teil etwas unfokussiert wirkte, aber letztlich trotz einiger Längen sehr gut unterhielt, bewegt sich der dritte in dunklen unruhigem Gewässer, das ebenso irritiert wie faszinieren kann, wenn man sich auf die neu hinzugegangene Tragik und Düsternis einlassen mag, die ihn so sehr von seinen Vorgängern abhebt.
Der Tonfall wird schon mit der Anfangsszene gesetzt, die eine Massenhinrichtung ohne Erlösung zeigt. Die Briten lassen Gefangene hängen. Männer, Frauen, Kindern. Das ganze geschieht mechanisch, hart. Ein verurteilte Junge stimmt ein Lied an, die anderen Gefangenen fallen ein, die Soldaten sind deutlich irritiert. Doch es erscheint niemand die Unglücklichen zu befreien.
Wieder und wieder kehren Verbinski und seine Drehbuchautoren zu solchen Momenten des Verlustes, der Finsternis zurück. Die Schicksale einiger Figuren werden in diesem Film zuende erzählt und nur wenige Enden hoffnungsvoll. Auch wenn die Auftritte Jack Sparrows wie immer kleine Kabinettstückchen sind und diesmal von Wahrhaft surrealen Momenten begleitet werden, die auf den ersten Blick so gar nicht zum Piratenfilm passen, wird niemand völlig verschont. Selbst Jack, der diesmal endlich seinen Vater (Keith Richards) treffen darf, bekommt einige eher schwermütige Szenen verpasst.
Überhaupt überrascht es, wieviel Charaktermomente, wieviel Dialoge es in diesem Film gibt, wie selbst im größten Kampfesgetümmel oft noch Zeit ist für kleine inspirierte Einschübe. Jede der liebgewonnenen Figuren aus den Vorgängern hat ihre Momente, mal mehr mal weniger lang, oft episodenhaft und doch mit der halbkomplex / halbkonfusen Story um Betrug, Vertrauen, Schuld und Liebe verwoben. Durch seine Länge von 165min fühlt man sich bisweilen wie in einer extrem aufwendigen Abenteuerfernsehserie, deren Folgen hintereinander weg gezeigt werden.
Trotz dramaturgischer Schlenker und einer nicht immer gradlinigen und konsequenten Spannungsführung, trotz einiger eher mässig choreographierten Kampfszenen, die weniger konzentriert wirken als in den Vorgängern, schaffte es der Film mich über die volle Länge gefangenzunehmen.
Jene “Fin de siècle”-Stimmung, die wehmütig und oft melancholisch den Abschied von der Piratenzeit, der Zeit der Abenteuer zelebriert, schafft es diesem dritten Teil eine ganz eigene Faszination zu geben. Captain Jack, Barbossa und auch Davey Jones – sie alle wirken plötzlich wie eine vom Aussterben bedrohte Rasse, die trotz allen Verrats, letztlich nachsichtig miteinander umgeht, weil sie um ihre Verletzlichkeit weiß. Der Film ist durchzogen von Abschieden, von einer gewissen Traurigkeit, in der selbst beim finalen Sieg noch das Wissen mitschwingt, daß es vielleicht der letzte große Sieg gewesen sein mag.
Optisch zeigt sich der Film etwas durchwachsen. Die Kampfchoreographien, wirken wie schon erwähnt er zweitklassig, ein paar Aufnahmen vom Auftauchen des Flying Dutchman, lassen zu deutlich ihre Herkunft aus dem Rechner erkennen. Andererseits gibt es wirklich viele sehr schöne, phantasievolle und neue Bilder. Der Anblick der Black Pearl, die auf dem Rücken bizarrer Steinkrebse durch die Wüste treibt, Jacks kuriose Selbstgespräche, der schon im letzten Teil beeindruckende Davey Jones (Bill Nighy, der hier auch kur mal sein wahres Geischt zeigen darf), die Fahrt in die Totenwelt oder der gewaltige Malstrom in dem sich die Schiffe das letzte Duell liefern sind ebenso starke, wie originelle Bilder, die es schaffen dem optischen Overkill immer wieder Momente des Unerwarteten entgegenzusetzen. Die finale Zerstörung des britischen Kanonenbootes ist eine eindrucksvoller und völlig untypischer Actionmoment, der in seiner surrealen Schönheit durchaus zu berühren weiß.
Natürlich gibt es auch etwas zu lachen, viele kleine, geschliffene Dialoge, Slapstick, vieldeutige Blicke, anzüglichkeiten, hier und da etwas viel Pathos und für eine Sekunde erwartete ich, die erfreulich toughe Keira würde als Piratenchefin im finalen Kampf am Ende einer Motivationsrede gleich “This is Caribbean!” brüllen, aber bevor es dann zu arg wurde, gab es wieder augenzwinkernde Momente, die deutlich machten, daß die Schreiber ihre Figuren zwar lieben, aber doch nie so ernst nehmen, daß sie sich nicht einen Spaß mit ihnen gönnen.
Jedermans Geschmack wird dieses vorläufige Finale also sicher nicht sein. Zu deutlich ist die Verschiebung des Tonfalls, zu lang und verschlungen der Plot, zu oft werden die Fronten gewechselt und zu oft nehmen Nebenfiguren einen Spielraum ein, der ihnen eigentlich nicht zusteht. Dazu kommt eine Grausamkeit und Härte, die nochmal über die makaberen Schlachtereien der Vorgänger hinausgeht. Diesmal fliesst Blut und die Soldaten die bisweilen im Rudel umgebracht werden sind wirklich tot. Zimperlich ist der Film nie und hinter jedem Spaß steht dennoch eine durchaus grausige Realität.
Was mich mit dem Film, wie auch mit der Serie insgesamt versöhnt, ist seine Erzählfreude, der sichtliche Spaß und die echte Zuneigung die man in jeder Sekunde spüren kann, sowohl bei der Regie als auch den Darstellern, ja selbst der Musik. Jede Figur ist lebendig und in gewisser Weise liebenswert oder zumindest interessant. Bei aller Unkonzentriertheit, die man dem Film sicher vorwerfen mag, bei all seinen ausufernden Schlenker, hatte ich immer das Gefühl, daß hinter den Bildern Menschen stehen, die ihre Stories nicht am Reißbrett konstruieren, die einfach gerne erzählen und wild fabulieren und dabei manchmal über das Ziel hinausschiessen.
Das Ende von “At Worlds End” versucht eine optimistische Note, ebenso wie das Zucker nach den Credits, aber es bleibt doch eine gewisse Wehmut, eine angenehme Melancholie, wenn man von Jack, Will, Elizabeth, Barbossa und all den anderen kleinen und großen Rollen Abschied nimmt. Mit seiner opulenten Ausstattung und seinen zurückhaltenden Digitaleffekten, die zumeist bemüht waren das Gefühl eines klassischen Abenteuerfilms vergangener Jahre zu erzeugen, könnte der Film selbst zu einer Aussterbenden Art gehören: Blockbuster, und man mag mir angesichts der Handlung den Kalauer verzeihen, mit Herz, die von Menschen gemacht wurden die Filme mögen und ihr Publikum nicht verachten.
Das ist sicher nicht jedermanns Sache in Zeiten von Renderwahn, Computerspiel-Look und Superhelden-Kacke, gibt mir aber dennoch Hoffnung, daß es Popcornkino geben kann, daß ich wirklich mag. Trotz und zum Teil auch wegen seiner Schwächen.
Verwandte Artikel
Von Batz am 25, 5, 2007 um 3:55 in CineBatz | 1 Kommentar »___________________________________________________________________________
Ein Kommentar zu “Letztes Lichtspiel: Pirates of the Caribbean 3”
Sag was zum Thema!
Batz Getwitter
- achja der nächste der im Zusammenhang mit Inception vom "Film des Jahres" spricht bekommt einen Schuh an den Kopf. War 2010 echt so mies?
- lange kann es nicht mehr dauern bis die sparkasse verlangt, dass ich IHNEN Zinsen zahle für das Geld auf meinem Kapital-Plus-Sparkonto
- Holt euch den Riesenlotso: http://is.gd/dSGDa
- inception war ja jetzt mehr so okay als wow
- @agitpopblog to fucking boring, might be closer to the truth
- spanische tortillas mit schinken können ganz schön scheisse schmecken... zumindest so fertige..
Kategorien
- BatzCAST
- BatzToons
- CineBatz
- Derek und Kress
- Garry Poppers
- Karla im Koma
- LiteraBatz
- MediaBatzBits
- NetMondo
- QueerBatz
- SuchBatz
- TagesBatz
- Zappat
Neueste Kommentare
- SebastianS93 bei Fuck yourself and Bloggoff
- dauni bei Batzlog-Minicast: Der Neger und die Tröte
- blondsecret bei Garry Poppers: Kapitel 42
- lars bei Mitternachtssnack
- lars bei Balla Balla Ballon…
Archiv
del.icio.us
- ACTA: Haftstrafen für Filesharer? - Golem.de
- Menschenrechtsinitiative: Scientologen narren Uno und Politiker - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama
- heise online - 13.01.09 - Bundesregierung treibt Netzblockaden gegen Kinderpornografie voran
- Heiliger Zorn: Evangelikale führen Kreuzzug gegen Schüler-Autoren - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
- Bloomberg.com: Opinion
- Heilmann und die deutschen Gesetze down « FUNK_FEUER
- Sicherheitsmaßnahme an Flughäfen - Der entblößte Bürger - Politik - sueddeutsche.de
- The Complete Walrus Bucket Saga - Mah associates has informed me
- heise online - 11.09.08 - EU-Innenpolitiker wollen sämtliche digitalen Nutzerspuren überwachen
- gulli: ACTA:Geheime Urheberrechtkommission berät beim Abkommen?
- Landtag: Neue Hürden für Demos | Aktuell | BR
- Medienwächter fordert internationales Porno-Verbot im Internet - heise online
- sciencevsreligion.jpg (JPEG-Grafik, 800x600 Pixel)
- Archive > Real Men Love
- Sex pictures shock! « Curly’s Corner Shop, the blog!





27. Mai 2007 at 9:58
Ich bin sehr gespannt auf den Film und werde heute dann endlich sehen ob er das hält was er, was ich mir verspreche, nämlich fast 3 Std Unterhaltung