Vor einem Jahr…

  • ...Im Batzlog:
  • Bastzcast


    Fünf Filmfreunde


    Mein Herz für Kino - moviepilot

     
    Creative Commons License


    Dinge die ich erst später kapiert habe

    unfokussierte gedanken

    Ich bin ja nicht immer ganz vorn dabei, wenns darum geht Zusammenhänge herzustellen. Ich hab zum Beispiel recht lange gebraucht, bis ich wirklich verstanden hatte was Globalisierungskritik meint, welche Gefahren von der Globalisierung ausgehen usw. Liegt vielleicht auch daran, das ich mir Argumente lieber anschaulich und ruhig vermitteln lasse und mich ungern anschreien lasse und die Leute, die vor mir die Wichtigkeit des Themas erkannten nicht immer diejenigen waren, denen Jenes-Höhere-Wesen-Das-Wir-Verehren (oder auch nicht) überragende didaktische Fähigkeiten mitgegeben hat.

    Auch was Strukturelle Gewalt bedeutet, habe ich lange Zeit nicht wirklich verstanden, aber irgendwann hat es mir jemand gut erklärt und es erschien mir einleuchtend.

    Wombatz sind bisweilen etwas langsam, aber dafür auch guter Argumentation zugänglich. Zudem sind sie froh, daß sie Meinungen revidieren, erweitern und beständig dazu lernen können. Daß unterscheidet sie von sehr vielen Leuten, die Meinungen als etwas betrachten, daß einmal erworben um jeden Preis geschützt werden muß. Die nie gelernt haben zu argumentieren und die im wesentlichen in Absoluten denken. Und soviele Sith sollte es doch gar nicht geben.

    Meinungen und Geschmäcker sind nichts heiliges. Wer in seiner Biographie zurückschaut und immer noch in jedem Punkt dieselben Ansichten vertritt wie zu Zeiten in denen er 20 war, macht mir Angst.

    Angst macht mir derzeit sowieso so einiges.

    Wie die Politik es geschafft hat mich in den letzten 20 Jahren, von einem hochinteressierten politisch denkenden Menschen in einen Zyniker zu verwandeln, dessen Haltung mit Politverdrossenheit nicht mal mehr richtig erfasst wird. Verdrossen ist ein zu schwaches Wort.
    Politikverachtung, trifft es da schon eher.

    Irgendwann fand ich das Woody-Allan-Zitat von wegen “Du kennst die Ethik von Politikern, die liegt noch ein Grad unter der von Kinderschändern.” mal wirklich witzig. Und gewagt.

    In Betrachtung der Entwicklungen der letzten Jahre, beschleunigt durch den unseeligen 9/11-Anschlag, kann ich darüber nicht mehr so recht lachen. Kinderschänder haben letztlich nicht soviel Einfluss und Macht – auch wenn sie gerne als Boogeyman der Zivilgesellschaft aus dem Schrank geholt werden um weitere Überwachungsaktionen zu legitimieren.

    Verachtenswert ist, daß es die Politik durch ihr Handeln über die Jahre wirklich geschafft hat, mir jedwedes Zutrauen in die Redlichkeit ihrer Protagonisten zu nehmen. Egal welcher Partei, egal welcher Ausrichtung. Weder mag ich glauben, daß sie die Befähigung und den Willen haben etwas zum Besseren zu wenden, noch glaube ich, daß sie tatsächlich noch irgendwelche Ideale haben oder einen generischen Respekt vor ihrem Volk, der über deren Stimmvieh-Funktion hinausgeht.

    Ich glaube nicht mehr an euch. An keinen Einzigen von euch. Selbst wenn mal einer etwas vernünftiges sagt ab und zu. Ich bin mir nie sicher, ob es seine Meinung ist oder grade strategisch sinnvoll erscheint. Ich würde jedem von euch zutrauen seine “Meinung” am nächsten Tag zu verraten. Ich glaube ihr würdet letztlich alles dem eigenen Vorteil, wirtschaftlichen Zwängen und der Erreichung kurzfristiger Ziele opfern.

    Ich halte euch für zutiefst antidemokratisch. Ich glaube ihr verachtet eure Wähler und die Menschen über die ihr zu entscheiden habt.

    Ich verallgemeinere ganz bewusst, weil die die vielleicht einen Unterschied machen könnten nicht erkennbar werden im austauschbaren Schwarm. Weil ich seit Jahren niemanden mehr auf der politischen Bühne erlebt habe, der mir real erschien, der nicht parteipolitische Interessen vor alles andere gestellt hat. Jemand dem ich glauben konnte. Aber an Vertrauen in euch, ist nichts mehr über. Nichtmal mehr die strategische Wahl des kleineren Übels ist wirklich noch eine Lösung.
    Ihr habt es geschafft, daß nicht nur die LINKEN, die Zecken, die Radikalen den Glauben in euch verloren haben, sondern Leute die über 60 Jahre in diesem Land gelebt haben und durchaus zu denen zählen, die immer nach den Regeln gespielt haben. Die nicht zu den Armen gehören und denen ihr dennoch jeden Glauben an eure Integriät massiv ausgetrieben habt. Dafür verachte ich euch.

    Ich glaube der einzige Grund warum man nicht jeden einzelnen von euch wegsprengen sollte, ist der daß es nichts ändern würde. Das es keine wirkliche Veränderung bringen würde. Das es verschwendete Energie wäre. Gewalt darf kein Selbstzweck sein und dazu verkommt Terrorismus immer, egal welche nachvollziehbaren Ziele ihn einst begründeten.

    Ihr seit nichtmal den Schuss Pulver wert, den man vergeuden müsste um euch los zu werden. Denn für jeden von euch, stehen dutzende in Reserve. Wenn ich von eurer Unersetzbarkeit nur halb so überzeugt wäre wie ihr, die ihr euch eure Sicherheit Millionen kosten lasst, wäre Wegsprengen ja vielleicht eine Option. Wie ein reinigendes Gewitter. Aber ihr seit nicht unersetzlich, ihr seit nur zu leicht ersetzbar, denn skrupelloses, karrieregeiles Gesindel ohne erkennbare Moral gibt es viel zu viele. Wie im Maul eines Hais, würde für jeden gezogenen Zahn ein neuer und schärferer nachklappen. Terror ist keine Lösung.

    Egal wie sehr ihr euch eure Terroristen zurechtbastelt und als selbsterfüllende Prophezeiung die Leute in die Radikalität treibt, die eigentlich nur wütend waren und Veränderung wollten.

    Ich habe gelernt, daß mir auch der Glaube fehlt, um ein Terrorist zu werden.

    Und das man heiser wird, wenn man seiner Regierung seit Wochen nur noch “Fickt euch!” entgegenrufen möchte.

    Von Batz am 26, 5, 2007 um 2:41 in MediaBatzBits, NetMondo | 8 Kommentare »

    ___________________________________________________________________________
    ___________________________________________________________________________
    ___________________________________________________________________________

    8 Kommentare zu “Dinge die ich erst später kapiert habe”

    1. malte Sagt:

      dr. murkes gesammeltes schweigen, wie schön. dass das noch jemand kennt, seufz.

    2. Carsten Dobschat Sagt:

      Kann man sich freuen, dass man nicht alleine so denkt oder muss man deswegen erst recht Angst haben?

    3. Julie Paradise Sagt:

      … und wem das zu blöd wird, so daß er abhauen möchte: Grenzkontrollen für die Dauer (?) des G8-Gipfels …

    4. felix Sagt:

      Auch wenn das natürlich erstmal nicht weiterhilft, aber ich finds beruhigend, daß es Menschen gibt, die die politische Entwicklung genauso skeptisch sehen und beängstigend finden wie ich.

      Was ich allerdings immer als “Problem” bei solchen Aussagen empfinde:
      Mein Betrachtungs- und Interessezeitraum für Politik ist (einfach altersmäßig) auf die letzten 6-8 Jahre begrenzt…
      Aber was war davor?

      Gab es davor Politiker denen man trauen konnte?
      Gab es davor Politiker die mit Herzblut versucht haben, etwas zu verbessern, denen ihre Wähler nicht am Arsch vorbeigingen (also, zwischen zwei Wahlen natürlich) und die weniger machtgeil waren?

      Oder war der Politiker an sich schon immer so, nur hat das in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs nicht interessiert?
      Und hätte die Politik nicht auch früher ihre Bürger so zu überwachen versucht, wäre es technisch so einfach möglich gewesen?

      Gibt es eigentlich Forschung in Richtung Politik und Demokratie?
      Also ob man das System, daß wir haben (Bundestag, Bundesrat, Wahl auf 4 Jahre, Wiederwahl möglich, Berufspolitiker, etc) nicht so umgestalten könnte, damit z.B. die Macht einzelner reduziert wird?

    5. sv Sagt:

      Was die Merkel da in dem Video schwafelt ist ja ungeheuerlich (so langsam gehen mir die Superlative rund um die herrschende Poit-Clique aus)

      Was die Frage nach (ver-)trauen angeht. Ich hab mich noch nie so sehr als Feind gefühlt, wie in den letzten Jahren. Spätestens seit HartzIV und das ganze drumherum. Mir ist niemals staatlicher/behördlicherseits ein solches Ausmaß an Misstrauen, Schikanen und schrittweise Entrechtung passiert. Vom Prinzip ist das jetzige Geschehen vielleicht nur eine Ausweitung auf die ganze Bevölkerung.

    6. MaxB Sagt:

      @Felix: Nein, das war schon immer so.. (ok, klingt doof, vielleicht wars irgendwann anders, ich kann auch nur so ca. 25 Jahre überblicken, da war ich 15).

      Die Feinde des Staates waren Anfang der 80er die Atomkraftgegner, die Gegner der Startbahn West in Frankfurt und die Leute, die gegen den NATO-Doppelbeschluss waren, also die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland.

      Das Vorgehen des Staates gegen diese Leute war ähnlich wie heute. Der Staatsschutz wühlte in den Mülltonnen linker Wohngegenden, las Briefe und hörte Telefone ab. Bei der Anreise zur Demo wurde das Bordwerkzeug zur Waffe erklärt und wer durch rumsitzen einen Bundeswehrlaster an der Ausfahrt hinderte machte sich der “Nötigung” schuldig.

      Verraten fühlten wir uns von “den Politikern” genauso. Die Atomraketen wurden mit Zustimmung der ganz neuen CDU/CSU/FDP-Regierung aufgestellt, aber vorbereitet hat das ganze noch die SPD/FDP-Regierung, da blieb also kaum einer übrig, der glaubhaft die Sorgen der Bürger geteilt hätte.

      Diese Glaubwürdigkeitslücke füllten dann die Grünen aus, und so hatte man eine Zeit lang wieder ein paar Politiker im Bundestag, die “mit Herzblut versucht haben, etwas zu verbessern, denen ihre Wähler nicht am Arsch vorbeigingen”. Aber die mussten ja auch erst ein paar Jahre später regieren …

    7. Helga Müller Sagt:

      Vielleicht warten Lobbyisten im Regierungslager nur darauf, daß die Mehrheit der Menschen im Lande die Politik verachtet und ignoriert.
      Da haben sie freies Spiel.

      Ich jedenfalls meide wie viele meiner Mitmenschen die üblichen Medien.
      Seitdem die mutigen jungen Menschen im Mai das Band DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT in Berlin aufgehängt haben und keine Zeitung diese Feststellung gewürdigt hat und die Brisanz hinterfragte- es gab keine öffentliche Diskussion-können wir auf Fernseh- und Zeitungsnachrichten verzichten.
      Ich bin sehr froh, daß es das Internet gibt.Es macht mich mündiger als wenn ich einen Abend lang fernsehe.

    8. Es gibt so Tage… | Kamikaze-Demokratie Sagt:

      [...] Batzlog: Dinge die ich erst später kapiert habe [...]

    Sag was zum Thema!

    Kategorien

    Neueste Kommentare

    Archiv

     
    40 queries. 1,419 seconds.