Vor einem Jahr…
Distanzierungszwang
Einige Leute, die Wissenschaft nennt sie Dumme Klappgeigen, meinen ja, nur weil man mit dem G8-Protest sympathisiert und gewisse politische Entwicklungen der letzten Zeit mit großer Skepsis, Unverständnis und Abscheu betrachtet, müsse man sich jetzt auch mit den randalierenden Schwachköpfen beschäftigen die auf Demos Sachen anzünden und Steine schmeissen.
Muss ich nicht. Ich hab beizeiten schonmal gesagt, daß ich vielleicht aus einer gewissen Emotionalität heraus verstehen kann, wenn Leuten denen man das Gefühl gibt alleine deswegen kriminell zu sein weil sie protestieren, der Faden reißt und sie mal mechanisch weiterdiskutieren, aber ebenso, daß ich es nicht für ein erfolgversprechendes Mittel halte um zu protestieren. Und die Pappköppe die meinen sie müssten das machen, sind wohl meist die, deren politischer Horizont eh nur von hier bis zum Brett reicht, daß sie vor dem Kopf haben. Oder solchen die ein ganz eigenes Interesse dran haben, daß die Demo als Gewaltakt wahrgenommen wird.
Was ich von solchen Leuten halte, habe ich erst unlängst hier dargelegt. Es besteht keinerlei Grund jetzt rumzuzettern oder sich langwierig darüber auszubreiten, daß man diese Aktionen dämlich und unklug findet, weil sie dem politischen Gegner letztlich nur zuspielen.
Aber für wie schwachsinnig ich solche Aktionen auch halten mag, ich find es müssig, wenn eingefordert wird, man müsse sich damit jetzt beschäftigen. Es ist Pille-Palle, wie 1. Mai Schlägereien und die Chaostage in meiner Heimatstadt Hannover früher.
Die politischen Entscheidungen werden nicht von der Handvoll Randalierer getroffen, also warum sollte man sich groß mit ihnen auseinander setzen. Der Staat bestimmt die politische und gesellschaftliche Richtung und legt in der Art wie er mit einer Situation wie dem G8-Gedöns umgeht, den Tonfall des politischen Diskurses fest. Er ist der Ansprechpartner des Protestes. Es macht also mehr Sinn, sich damit auseinanderzusetzen, als sich eifrig von irgendwelchen Spacken zu distanzieren mit denen ich mich eh nicht gemein mache.
Forderungen von jedem G8-Gegner eine Distanzierung von dieser Gewalt zu fordern sind schwachsinnig. Dieser Sippenhaftansatz ist genau das was die Regierung macht. Jeder Protestler steht in erster Linie für sich und drückt durch sein Verhalten aus wie er protestiert. Alleine das er nicht gewalttätig reagiert, muß Distanzierung genug sein. Wenn ich auf den Rummel gehe, mag ich zwar augenscheinlich das gleiche Ansinnen haben, wie die anderen Besucher, dennoch mache ich mich nicht mit den Arschgeigen gemein, die anfangen sich im Bierzelt zu prügeln und besoffen vom SuperTwister kotzen.
Überhaupt: Blogs MÜSSEN sich mit gar nichts beschäftigen, denn sie sind ungebunden und frei. Auch wenn eine gewisse Art von Lesern (wirklich nicht alle!) zu denken scheint, sie hätten irgendwelche Ansprüche oder ein Mitspracherecht, DEM IST NICHT SO! Wenn ein Blogger Lust hat während des Dritten Weltkriegs lustige Videos und Katzenbilder zu posten ist das sein Recht und nur seine Sache, egal wieviele Kommentare er vorher gepostet haben mag, daß er Krieg generell eher unerfreulich findet. Das einzige Recht das Leser haben, ist ihm in angemessener Form (und was angemessen ist entscheidet letztlich der Blogger selbs) ihre Meinung mitzuteilen und zu entscheiden ob sie das was er schreibt lesen wollen oder nicht. Damit hat sichs dann aber auch.
Blogs sind, wie alle im weitestens Sinne kreativen und künstlerischen Ausdrucksformen, keine Plattformen basisdemokratischer Kommunikation. Es gibt kein Ausdiskutieren, es gibt bestenfalls Anregungen und ein kluger Blogger wird diejenigen die als Vorschlag oder Hinweis kommen auch annehmen. Dazu verpflichtet ist er nicht und jeder Leser dem das nicht passt, der soll sich gehackt legen.
Klingt komisch. Ist aber so.
Ansonsten: Wer was dazu lesen will. Bei Spreeblick hats Malte mal wieder schön auf den Punkt gebracht.
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Von Batz am 3, 6, 2007 um 18:33 in MediaBatzBits, NetMondo | 7 Kommentare »___________________________________________________________________________
7 Kommentare zu “Distanzierungszwang”
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03. Juni 2007 at 19:29
Gerade während des dritten Weltkrieges wäre ich sehr froh über Katzenbilder.
03. Juni 2007 at 22:00
Hört sich alles vernünftig an, aber warum schreibste das überhaupt. Ist doch klar. Oder wollte Dir jemand diesbezüglich vor den Koffer scheißen?
03. Juni 2007 at 22:09
Zum einen gibts allgemein, auch in der Medienberichterstattung, diesen Ruf nach Distanzierung der guten von den Bösen, nachdem man sie erstmal alle in einen Pott geworfen hat, zum anderen bezieht sich das ganze auch konkret, auf die verlinkte Diskussion bei Nerdcore.
Die allgemeinen Anmerkungen zur Anspruchshaltung einiger Leser, resultiert aus Erfahrungen bei den Filmfreunden, aber auch wenn ich bei Spreeblick mitlese stellen sich mir mir ein ums andere Mal die Haare auf, ob der Dreistigkeit mit der einige Leute meinen, ein Blog das sie lesen für sich vereinnahmen zu können und Forderungen aufstellen.
03. Juni 2007 at 22:16
Edit: Okay, habe eben bei René den Diskurs gelesen, der von der beknackten Eierfeile losgetreten wurde *KoppSchüttel*.
04. Juni 2007 at 11:49
“Der Staat bestimmt die … gesellschaftliche Richtung.”
Aha. Der Staat bestimmt die gesellschaftliche Richtung. Und ich dachte das sei Jamba, MTV, die Bildzeitung etc.
Nun gut aber im Ernst: Dass “der Staat” (wie ich sowas liebe) den Tonfall des politschen Diskurses festlegt ist doch wohl in Anbetracht von Rostock schlicht eine dreiste Aussage.
Der Protest gegen G8 ist vielfaeltig und dementsprechent vielfaeltig muss auch die Reaktion des Staates sein. Von “Ok, macht doch ein Konzert wenn ihr wollt mir doch egal” bis “ja ne, Autos anzuenden ist jetzt mehr so nich die geeignete Form von Protest”.
Wenn da so ein Haufen Idioten daherkommt und meint die Weltrevolution in Rostock zu beginen, da kann man doch nicht im Ernst behaupten dass sei ja nu ohnehin mehr der Staat schuld, man werde ja kriminalisiert (Also bitte, weil ich kriminaisiert werde kannst du aus einer gewissen Emotionalitaet heraus verstehen dass ich kriminel werde?)
Ja ja bla bla ich brauch nich lesen, was du schreibst, du nicht dass was ich schreib, wir werden alle von den boesen Medien (ausgenommen der Blogs, denen ja alles egal sein kann und die ja keinerlei Relvanz fuer sich in Anspruch nehmen) und ueberhaupt von denen in einen Topf geworfen.
Ach ja die Welt ist schon unkuschlig.
04. Juni 2007 at 14:06
@Theo
In einem Aufsatz würd ich neben deinen Text zwei rote Striche neben machen und “Sinnzusammenhang?” hinter schreiben.
04. Juni 2007 at 14:20
Wer redet denn hier von Sinn?