Vor einem Jahr…
Letztes Lichtspiel: Hot Fuzz
“Well, I wouldn’t argue that it wasn’t a no holds barred, adrenaline fueled thrill ride. But, there is no way you can perpetrate that amount of carnage and mayhem and not incur a considerable amount of paperwork. “
Originaltitel: Hot Fuzz
Herstellungsland: England 2007
Regie: Edgar Wright
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Martin Freeman, Bill Nighy, Robert Popper

Nicholas Angel (Simon Pegg) ist der Londoner Superbulle. Er ist hochdekoriert, superfit, superscharfsinnig und zeichnet für die mit Abstand höchste Verhaftungsanzahl der Londoner Polizei verantwortlich, was die Kollegen natürlich etwas alt aussehen lässt. Also wird er befördert und versetzt, vom Polizeipräsidenten persönlich – und zwar in ein Kaff am Arsch der Welt, Sandford, in dem sich Igel und Ziegen gute Nacht sagen.
Beliebt macht er sich dort nicht grade. Noch vor dem offiziellen Dienstantritt verhaftet er dem örtlichen Pub erstmal alle Kunden weg, weil sie unter 18 sind und sperrt seinen Kollegen Butterman (Nick Frost) wegen Trunkenheit am Steuer ein.
Von seinen neuen Kollegen als Streber, Paragraphenhengst verspottet, eckt Nicholas natürlich an allen Enden an und benimmt sich wie Bruce Willis in Eckernförde. Nach einigen Plänkeleien entspinnt sich eine brutale Mordserie im friedlichen Kaff, als ein Schauspielerpärchen plötzlich kopflos aufgefunden wird. Dummerweise glaubt jeder von Angels Kollegen, daß es ein Unfall war. Es dauert nicht lange und der nächste Tote ist zu beklagen…
Um es kurz zu machen: Hot Fuzz übertrifft meine Erwartungen bei weitem. Er dürfte dieses bisher eher mittelmässige Kinojahr um einen gewaltigen Sprung nach oben ziehen. Was Edgar Wright und Simon Pegg hier auffahren ist das witzigste, wendigste und actionreichste was ich seit vielen Monaten im Kino gesehen habe und garantiert der beste Buddy-Movie seit zehn Jahren.
Wie schon in der genialen und leider hierzulande immer noch unbekannten Serie “Spaced” und dem immerhin zum Achtungserfolg gewordenen “Shaun of the Dead”, schaffen sie es brilliant einen Cop-Film zu kreieren, der gleichzeitig ein Amalgam des Genres ist, seine eigene Satire, zutiefst britisch und der trotz einer schwindelerregenden Ansammlung von Zitaten und Anspielungen niemals zu einem Spoof-Movie a la “Nackte Kanone” wird.
Dazu bedienen sich die beiden erneut des Kniffs, der schon in “Spaced” so wunderbar funktionierte. Sie erschaffen lebendige, liebenswerte, verschrobene Figuren, die nicht unbewusst irgendwelche Filmszenen parodieren, sondern ganz bewusst aus dem reichhaltigen Fundus an Popkulturwissen schöpfen, daß sie wie jeder von uns, heutzutage besitzen. Wenn Simon Peggs “Nicholas Angel” am Ende wie Clint Eastwood in die Kleinstadt einreitet, dann weiß die Figur, daß sie ein Action- und Westernklischee nachstellt und sie zelebriert diesen Moment.
Der trockene, tiefschwarze bis absurde Witz entsteht oft auch gerade daraus, daß die Anwendung der gelernten Filmposen und Verhaltensweisen in der Realität eben mit dem Alltag kollidiert und dadurch entkräftet wird. Ein paar unter dem Radar-Gags gibt es ebenfalls, wenn zum Beispiel die Begnungen Angels mit dem Mordverdächtigen Dalton nach jedem Mord mit passender Musik aus seinem Autoradio untermalt wird. Mal quäkt der Song “Romeo & Juliet” aus den Boxen, nachdem zwei Schauspieler ermordert wurden, ein andermal kommentiert der Song “Fire” das explosive Ableben eines Anwalts.
Der Kontrast der rasanten hyperkinetsichen Montage, die Großstadt-Cop-Thriller zitiert, prallt auf das geballte Kleinstadtleben und gibt dem Film seine unverwechselbare Dynamik, die auch von der hervorragenden Cast getragen wird. Peggs Buddy wird wie in “Shaun” von seinem Real-Life-Kumpel Nick Frost gespielt, seine Vorgesetzten sind Bill “Davey Jones” Nighy in London und der immer überzeugende Bill Broadbent (der in Baz Luhrmanns “Moulin Rouge” den Harold Zidler spielte und in einem der genialen Nebengags gezwungen ist, sich eine schreckliche Theaterfassung von Baz Luhrmanns “Romeo & Juliet” anzusehen), ein herrlich schmieriger Timothy Dalton und nicht zuletzt die schon in “Spaced” urkomische Julie Deacon, die hier in einer Nebenrolle als renitente Barbesitzerin zu sehen ist. Diese englischen Charaktergesichter geben dem Film eine Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit, hinter der sich viele US-Produktionen nur verstecken können. Mini-Cameos-Auftritte von Cate Blanchett und Peter Jackson, geben dem ganzen zusätzliche Würze.
Obendrein fasziniert der Ideenreichtum mit dem das Kleinstadt-Setting konsequent allen Plotwendungen ihren Ausgang diktiert. Natürlich hat auch diese “Peculiar Little Town” ihr Geheimnis, aber es ist kein Mafiaring, kein Drogen- oder Kinderhandel oder eines der üblichen Klischees die in solchen Filmen oft aufgefahren werden. Die Lösung ist erschreckend banal, das verbrechen dadurch noch monströser und grauenhafter.
Die verdammte Chuzpe mit der Pegg und Wright vorgehen lässt einen mehr als einmal nach Luft japsen und ungläubig auflachen. Wenn Tough-Cop Angel Großmütter per Air-Kick bewusstlos schlägt und Pressefuzzis von Steinspitzen durchbohrt werden, wird einem klar, das hier alles möglich ist und man sich nie sicher sein kann, welche Wendung als nächstes erfolgt, welches Klischeende wirklich den Abschluss des Films bringt.
Hot Fuzz ist der lang ersehnte Gnadenstoss und gleichzeitig eine Liebeserklärung an die schal gewordene Formel des Buddy-Movies und sie zeigt wie man ihr gleichzeitig Respekt erweisen und sie veralbern kann. Man muss sie nur konsequent auf britische Verhältnisse anwenden, der Humor kommt von ganz alleine.
Zum Schluss möchte ich jedem raten sich den Film in einem Kino auf großer Leinwand anzusehen, auch wenn er in UK schon auf DVD erhältlich ist. Optisch bietet der Streifen eine Ganze Menge Spektakel und vor allem der dynamische Soundmix und die rasanten Montagen sind es wert im Kino gesehen zu werden. Und ja: Simon Pegg hat das lustigste ernsthafte Gesicht das ich kenne.
Nuff said. Jetzt geht da gefälligst rein. Und ich will keine Gemotze hören.
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Von Batz am 15, 6, 2007 um 9:39 in CineBatz | 1 Kommentar »___________________________________________________________________________
Ein Kommentar zu “Letztes Lichtspiel: Hot Fuzz”
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- achja der nächste der im Zusammenhang mit Inception vom "Film des Jahres" spricht bekommt einen Schuh an den Kopf. War 2010 echt so mies?
- lange kann es nicht mehr dauern bis die sparkasse verlangt, dass ich IHNEN Zinsen zahle für das Geld auf meinem Kapital-Plus-Sparkonto
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27. Juni 2007 at 0:24
Heute wegen dieses Tipps gesehen und ich muss sagen, der Tipp war absolut goldrichtig! Hab mich lange nicht mehr so gut unterhalten und amüsiert gefühlt bei einem Film wie bei diesem.
Vielen Dank für diesen Review, ohne den ich den Film wahrscheinlich nie gesehen hätte!