Vor einem Jahr…
Konzept Bummeln
Deutschland ist ja bisweilen etwas träge, wenn es darum geht neues zu akzeptieren und auszuprobieren. Nicht umsonst kam das Netz bei uns eher träge ins Rollen, wurde der Informatikunterricht an Schulen bis Mitte der 90er oft auf Rechnern vollzogen, die irgendwo zwischen Abacus und Konrad Zuse lagen und auch das Bloggen setzt sich hierzulande ja eher schleppend durch, vergleicht man es mit anderen Ländern.
Ein Konzept, von dem ich mir wirklich wünschen würde, daß es breitere Akzeptanz fände ist die Idee: “Gehen als Mittel der Fortbewegung”.
In anderen Ländern soll es tatsächlich Leute geben, die zu Fuß unterwegs sind um von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Deutsche sind da noch zagend, nutzen sie doch bislang eher das dem Gehen zwar ähnelnde aber philosophisch ganz anders gelagerte Bummeln.
Bummel verfolgt auch wenn es wie eine Bewegung aussieht, eher die auch aus dem Verwaltungsbereich bekannte Philosophie der “Geschäftigen Ruhe”, die Bewegung antäuscht ohne sie tatsächlich umzusetzen. Bummeln wird gerne von Ehepaaren jeden Alters, Großfamilien und Jungmädchenhorden mit dem Gesäß von der Größe eines 70er-Jahre-Sitzsacks praktiziert und dient in erster Linie dazu, denjenigen die sich tatsächlich in akzeptabler Geschwindigkeit von Punkt A nach Punkt B bewegen wollen, an der Erreichung ihres Ziels zu hindern.
Bummeln kennt verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten, die wie bei einem Freestyletanz beliebig kombiniert werden können. Dazu gehören:
-Abruptes Stehenbleiben und blöd in die Gegend stieren.
-In Sechserreihe nebeneinander in einer Geschwindigkeit über die man höflich nur sagen kann: “Zumindest ist es nicht rückwärts”.
-Vor Rolltreppen und in Eingängen diskutieren wie die weitere Wegplanung aussehen soll.
-Ausfallschritte machen und geschickte Neuformationen, die es ausweichenwollenden “echten Gehern” unmöglich macht vorbei zukommen
-panisch hinter sich gucken und jedem der einfach nur vorbeimöchte vermitteln, daß man ihn für einen potentiellen Vergewaltiger und Massenmördertaschendieb hält
und letztlich: Gemeinsam anhalten und auf Steffi warten, die grade bei Pimp My Ki ins Schaufenster glotzt, weil da so süsse Schuhe mit Goldmuster zu sehen sind.
Zumindest weiß man nach so einem Ausflug dann auch wie die Idee, des rabiaten American Football entstanden ist, bei dem alles was im Weg rumsteht gern auch mal übern Haufen gerannt wurd. Und ich beginne den Fetisch meines Ex zu verstehen, der gerne auch mal in so einem Outfit auf die Strasse geht.
Von Batz am 7, 7, 2007 um 16:01 in NetMondo | 4 Kommentare »___________________________________________________________________________
4 Kommentare zu “Konzept Bummeln”
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07. Juli 2007 at 19:22
Ich persönlich hetze auch nicht, bin aber doch schneller als die meisten. In einer Fußgängerzone überholte ich gerade mal wieder solche, die wenigstens nicht rückwärts gegangen sind, und da dieser gerade eine Art “Ausfallschritt zur Seite ” machte, berührten wir uns. Ich entschuldigte mich noch (obwohl eigentlich er ja … aber ich bin ja höflich) und ging weiter. Dann rief er noch hinterher “Wer so durch die Innenstadt rast muß sich nicht wundern, wenn er andere rücksichtslos anrempelt.”
Ah ja. Hatte aber keine Zeit mehr im noch was zu erzählen…
07. Juli 2007 at 20:22
Bummeln? Ich denke, es gibt ein eigenes Menschengeschlecht: die Mäandertaler.
07. Juli 2007 at 23:07
Ich lebe nach dem Motto „Mich zieht nichts, warum sollte ich rennen“.
10. September 2008 at 16:15
Tocotronic machten mal ein Lied zu dem Thema mit dem Titel: “Gehen die Leute” mit dem Text (zusammengefasst):
——————
Gehen die Leute auf der Straße
eigentlich absichtlich so langsam
Wollen sie verhindern
das wir vorwärts kommen?
Manchmal könnte man meinen
ihr blödes Schlendern wäre Absicht
Ständig halten sie an
und müssen Luft holen!
—————-
Gut geeignet für mobile Musikbeschallung beim Weg von A nach B.