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    Der Untergang des M.S. Schäuble Vista

    “It’s Mac with more Bugs, thats Vista!”
    - Jimmy Ruska

    Es ist unliebsame Tradition: Alle 3-4 Jahre wird ein neuer Rechner fällig und man sieht sich gehalten, sein System neu einzurichten. Wie bei einem Umzug trennt man sich von unnützem Plunder und installiert die wichtigen Programme neu.

    Da ich nicht so viel Kohle habe und zudem eine tiefe Abneigung gegen alles Religiöse (und ab und zu ausserdem doch gerne mal ein Computerspiel zocke) kam ein Apple nicht in frage. Besonders da mir erst jüngst wieder deren Gehype um das IPhone und die allenthalben rausgeschleuderten Fanboy-Artikel extrem auf die Nerven gingen.

    Nee, ich will einen Rechner der ein Arbeitsgerät ist. Meine Weltanschauung und Ideologie möchte ich dann doch lieber nicht im Laden kaufen und ein autoritäres Unternehmen, das sich als Bewahrer der Freiheit und Vertreter der kreativen Underdogs aufspielt ist mir schon bei Disney extrem zuwider.

    Was blieb war demnach wieder mal ein Windowsrechner, nachdem Linux (trotz dem mittlerweile sehr coolen Ubuntu, daß für reine Büroanwendungn wirklich eine Alternative ist) im Multimediabereich nicht wirklich mithalten kann und es weder anständige Video- noch Audiobearbeitung gibt, die wirklich professionelles arbeiten erlaubt.

    Was ich nicht bedacht hatte, war das man in der für mich erschwinglichen Preisklasse mittlerweile nur noch Komplettsysteme bekommt, die mit Windows Vista ausgeliefert werden. Natürlich hatte ich meine Vorbehalte und irgendwie auch gelesen, daß Vista nicht sooo toll ist. Aber dennoch, man ist ja faul und will wenn nicht unbedingt nötig eine komplette Neuinstallation ja gerne vermeiden.

    Ich versuchte also ob ich mich mit Vista nicht doch arrangieren könnte. Wie bei XP habe ich zuerst allen grafischen Nonsense abgeschaltet. Weg mit dem dämlichen Aero, weg mit abgerundeten Schaltflächen, überblendeffekten, Animationen und ähnlichem Scheissdreck. Ich will keine digitale Murmelbahn, kein Fancy-Interface, daß mehr Systemressourcen verschlingt, als jede Anwendung, ich will ein Arbeitssystem. Das höchste der Gefühle an Verspieltheit ist für mich ein eigener Desktop-Hintergrund, alles was darüber hinausgeht ist mir zuwider.

    Nach einer halben Stunde sah Vista zumindest wieder aus, wie XP (oder eher wie W2000, denn auch mein XP hatte ich schon auf den alten Look zurückgeschaltet), doch es benahm sich nicht so.

    Denn Vista ist eine Mischung aus Schäuble und der Supernanny. Man kann keinen Klick machen, keinen Treiber aktualisieren, kein Programm installieren ohne das man 3-4 Sicherheitsabgfragen über sich ergehen lassen muss. Dauernd dunkelt sich der Bildschirm ab und eine dräuende Ermahnung kommt:

    Wollen Sie das wirklich?

    Sind sie sich sicher?

    Das könnte ein Sicherheitsrisiko sein!

    Ich würd das ja nicht empfehlen.

    Bill Gates findet, daß was du da machst ist keine gute Idee!

    Und jedesmal wenn ich mich über diese dämlichen Warnungen hinwegsetzte und fortfuhr ein Programm zu installieren dessen Entwickler keinen Oralverkehr mit der Lizensierungsabteilung von MS hatte, wurde ich vom System mißbilligend angesehen. Vista verströmt eine permanente tadelnde Haltung. Es scheint sich bei jeder Änderung zu fragen, wie man so impertinent sein kann, die vorinstallierten Einstellungen zu ändern. Warum man sich nicht zufrieden gibt, mit der Standardinstallation die sicherlich von 1000 Affen an 1000 Keyboards gründlich getestet und für gut befunden wurde.

    Windows Vista ist Betriebssystem gewordenen Paranoia. Es ist die Bundesrepublik wenn Schäuble Kanzler wird. Es teilt mit der groben Kelle aus und verstümmelt Bürger/User-Rechte zu Liebe fadenscheiniger Sicherheitsversprechen.

    Jeder Klick, jede Einstellung wird kritisch hinterfragt. Viele Dinge die unter XP selbstverständlich waren, verbietet Vista oder macht sie unnötig schwer. Man möchte seine Soundkarte anständig nutzen? Man möchte wie man es gewohnt war gleichzeitig über die analogen PC-Boxen und über den Digitalausgang zur Stereoanlage Musik abspielen?

    Tz Tz Tz. Vista mag das nicht. Vista erlaubt daß nicht. Ich soll mich gefälligst entscheiden was ich will. Entweder Analog oder Digital. Beides geht nicht.

    Ich will ein Programm installieren mit dem ich Audio-Direktmitschnitte machen kann, von allem was das System abspielt?

    Tz Tz Tz. Vista mag das nicht. Ich soll mich ins Knie ficken. Vista bewacht die Kontrolle über alle Audioquellen wie ein Luchs und erlaubt es keiner Anwendung selbst auf die Hardware zuzugreifen. Jeder Sound wird rechenintensiv auf eine voreingestellte Samplerate umgerendert, eine einheitliche und schnelle Regelung von Lautstärke ist fast unmöglich.

    Gleiches gilt für die Möglichkeiten der tollen Gforce-Grafikkarte. Ihre Möglichkeiten werden von Vista ausgebremst und bewusst beschnitten. Nichtmal der simple Schnellzugriff auf die Einstellungen aus der Taskbar heraus klappt problemlos.

    Warum? Weil Sicherheit bei diesem System groß geschrieben wird. Nicht die Sicherheit des Users. Sondern die Sicherheit der Leute die einem erlauben am eigenen Rechner mit ihrem System zu arbeiten.

    Wie sagte mir der Verkäufer von Saturn (dessen Kollege sich vorher schon durch extreme Unfähigkeit ausgezeichnet hatte in dem er mir eine Shared Memory-Grafikkarte mit 256 MB explizit als Karte mit 512MB-Speicher verkauft hatte): Wenn Sie da ein anderes Betriebssystem draufpacken verfällt die Garantie.

    Auf meine Nachfrage ob das sein ernst sei, bestätigte er es mir. Ja, wenn ich auf meinen Acer-Rechner statt des für mich völlig unbrauchbaren und indiskutablen Vista das wesentlich stabilere und dank Jahren des Bugfixing mittlerweile recht ausgereifte XP installiere (welches ich mir im Vorfeld in weiser Vorraussicht schon gekauft hatte) ist meine Garantie null und nichtig.

    Vor ein paar Jahren wurde man bestraft, wenn man eine neue PCI-Karte einsteckte, weil das Öffnen des Gehäuses zum Garantieverlust führte. Heute reicht es, wenn man ein anderes Betriebssystem installiert, damit sich der Hersteller für den von ihm zusammengebauten Klump nicht mehr verantwortlich fühlt. Vielleicht sagt BMW in Zukunft auch, daß die Garantie erlischt, wenn man mal seine hässliche dicke Schwägerin mitnimmt, statt die rösche Maid mit der man den Wagen zusammen erstanden hat.

    Ein Rechner wird heute im wahrsten Sinne des Wortes als Komplettpaket verkauft, das einem lediglich gewisse Nutzungsvarianten gewährt. Jeder Eingriff, wie die Installation eines neuen Treibers oder Programms wird als subversiver Akt mißtrauisch beäugt und geächtet. Vista will nichts im System, daß es nicht kennt, das sich nicht explizit vorgestellt und eine Erlaubnis geholt hat. Es bremst das System nach meinem Gefühl extrem aus und ist zudem genauso anfällig dafür einzufrieren und abzuschmieren wie XP.

    Vista ist MS Schäuble.

    Und wurde deswegen auch gnadenlos platt gemacht und durch XP ersetzt (was wiederum eine ganz eigene Geschichte ist – versucht mal in einem Rechner ohne Diskettenlaufwerk XP mit RAID-Unterstützung zu installieren und es dann über die Registrierungshotline an der nur indische Hotline-Mitarbeiterinnen sitzen, die ihre Texte lautmalerisch gelernt haben freizuschalten). Vista hat sich gewehrt, Vista wollte das System nicht hergeben. Es widerstand einigen Formatierunsgversuchen und legte XP soviele Steine in den Weg wie es konnte.

    Geholfen hat es nichts. Jetzt läuft der neue Rechner mit XP. Dreimal so schnell wie unter Vista. Und ohne daß mir das System ständig Vorschriften macht, mich tadelt, knebelt, maßregelt oder sonstwie einschränkt.

    Vista ist ein Betriebssystem entwickelt von Anwälten und Bürokraten, daß mehr Wert legt auf seine eigenen Interessen als auf die Bedürfnisse seiner Nutzer. Es ist x-mal schlimmer als ich es mir nach den bisherigen Vorberichten vorgestellt hatte. Vista ist kein aufgebohrtes XP mit Fancy-Oberfläche, Vista ist ein Kontrollfreak, der jeden erfahrenen User, der mehr machen will als SIMS-spielen, OFFICE nutzen und mit dem IE surfen, entmündigt und zudem die Leistungen der Hardware mutwillig kastriert, damit die verquasten DRM-Phantasien der Industrie in vorauseilendem Gehorsam erfüllt werden können. Ein Betriebssystem das mir als zahlendem Nutzer derart in die Fresse spuckt muß sich nicht wundern wenn es runterfliegt.

    Aber eine positive Sache hat das Ganze:

    Ich bin Microsoft-User. Ich muß die ganzen Unzulänglichkeiten und Scheiss-Ideen meines Betriebssystemherstellers nicht versuchen schön zu reden.

    Ich bin ja Atheist.

    +++


    Vistas Performance im Test


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    Von Batz am 16, 7, 2007 um 14:55 in NetMondo | 14 Kommentare »

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    14 Kommentare zu “Der Untergang des M.S. Schäuble Vista”

    1. Jens Sagt:

      das pre-sp1 xp war genau derselbe müll. davor das windows98a, davor das windows95a, davor das NT5.0 davor das windows 3.0.
      ich warte daher wie üblich einfach noch, bis man auch für vista eine saubere .1 bzw. b-version rausbringt.

    2. Joaquin Sagt:

      Bei mir war die Installation und viele deiner geschilderten Probleme mit Vista der Grund auf Ubuntu umzusteigen und nun ein glücklicher Linuxbenutzer zu sein.

      Wenn es um Mediale Anwendungen geht, solltest Du evtl. einen Blick auf Ubuntustudio werfen.

    3. Maltefan Sagt:

      “Ich hab muß die ganzen Unzulänglichkeiten und Scheiss-Ideen meines Betriebssystemherstellers schön zu reden.” –> Dieser Satz ist kaputt.

      Aber danke für den Artikel, ich sag schon lange dass ich auf Linux umsteige wenn es kein XP mehr gibt …

    4. Marcel Sagt:

      man kann einen mac besitzen und trotzdem agnostiker bleiben ;)

    5. Eldersign Sagt:

      Zwanghafter Atheismus hat auch etwas Religiöses.

    6. Batz Sagt:

      @maltefan

      Satz geht wieder. Batterien waren alle.

      @Marcel

      Glaub ich ja. Alle unsere Cutter früher waren Mac-Nutzer und Agnostiker. Die mussten eben beruflich mit den Kisten arbeiten und wußten, das die genauso ihre Macken haben wie der MS-Scheiss.

      Leider dominieren in der Berichterstattung immer die religiösen Fanboys…

      @Eldersign

      Was heißt zwanghafter Atheismus? Nur weil man nicht an paranormale Entitäten und andere Heilsbringer glaubt, hat das noch nicht wirklich was zwanghaftes.

      Das würde ja unterstellen, daß der religiöse Glaube der “Normalzustand” ist und man sich zwingen muß nicht zu glauben…

    7. Jeremy Sagt:

      Vista ist kein Betriebssystem, sondern Spyware.

    8. Batz Sagt:

      @Jens

      Sicher werden einige Bugs auch bei Vista noch rausgebastelt und bisher konnte man bei jeder Fassung darauf hoffen.

      Für Vista gilt bei vielem allerdings wirklich der olle Spruch: Its not a bug, its a feature! Die ganze dikatorische Hardwareverwaltung, das generve mit den 1000 Sicherheitsabfragen (bei denen man nur die hälfte wirklich dauerhaft abschalten kann) – das alles ist integraler Bestandteil des Systems und wird wohl leider auch durch Updates nicht ausgehoben…

      Ich hoffe nun wirklich das sie Wind von vorne bekommen – bislang verkauft sich Vista ja was ich so hörte ziemlich lausig – und bei der nächsten Windowsversion die ganzen Zwangsmaßnahmen und Drangsalierungen wieder etwas entschärfen.

    9. theo Sagt:

      Einfuegen.

      Moooooooment. Da muessen wir jetzt sicher gehen. Waren das wirklich Sie der da auf Einfuegen geklickt hat, oder war das ein Virus?

      Ahem. Ja, doch das war ich. Wie die letzten 25 Male.

      Na gut dann gehen wir mal – fuer den Moment- davon aus dass Sie das tatsaechlich waren. Moechten Sie das denn auch tun?

      Ja…

      Wirklich?

      JA!

      Aber Sie ueberschreiben damit eine bereits exitsierende Datei

      Ja, das war meine Absicht…

      Duerfen sie aber nicht! Ihre aktuellen Rechte (admin) reichen nicht aus um Dateien auf diesem Datentraeger (C:) zu aendern. Aetsch

      AAAAARRRGGG

    10. Stefan Sagt:

      Sehr schöne Glosse zum Thema auch vorgestern im Deutschlandfunk, Digitales Logbuch / Computer & Kommunikation:

      dradio.de/dlf/sendun...

    11. tetrapanax Sagt:

      Ich habe mir meinen Rechner nach meinen Wünschen und Bedürfnissen ohne Betriebssystem in einem kleinen Computerladen zusammenstellen lassen. Das hat etwa 500 € gekostet, etwas mehr als Blöd- und Geizmarktrechner kosten. Garantie habe ich auf alle verbauten Einzelteile, unabhängig vom Betriebssystem.

      Auf die Kiste kam ein Suse-Linux, Ubuntu mag ich persönlich aus verschiedenen Gründen nicht, obwohl es kein schlechtes OS ist. Da ich beruflich mit Software arbeiten muß, die nur unter Windows läuft, habe ich mit VMware ein Win2000 als Gast unter Suse installiert.

      Was soll ich sagen? Ich bin glücklich! Klar, ich spiele nicht, aufwändige Videobearbeitung brauche ich auch nicht. Ach ja, ich bin ein aus der Kirche ausgetretener Christ ;-)

    12. Olli Sagt:

      Ich hatte die Freude, auf dem Rechner meines Onkels Vista einzurichten.

      Und habe beschlossen, daß ich solange wie möglich bei Windows XP bleibe, da mich Vista ziemlich angenervt hat.

      Aber mal im Ernst: Die Garantie entfällt, wenn Du was anderes als Vista draufspielst? Das ist doch nicht rechtens, oder?

    13. SpielerZwei Sagt:

      Kurzpostings sind ja eigentlich arm, aber:
      AMEN!

    14. Bithya Sagt:

      Ich bin Vista-Nutzer.

      Hab ein Laptop zum Geburtstag bekommen, mit Vista drauf. Wenn ich da etwas anderes draufpack, verfällt die Garantie. Also macht mein Vater das nicht. Außerdem ist Vista in seinen Augen eh toll.

      Also sitze ich jetzt mit diesem wunderschönen Design und rege mich tierisch über die Langsamkeit & die ständigen Nachfragen, ob ich etwas wirklich will, auf.

      Was bisher noch nicht erwähnt wurde:
      Vista sortiert komisch. Ich habe mehrmals denselben Ordner, ohne auch nur einen davon selbst angelegt zu haben. Und je nach dem, wie Vista lustig ist, speichert es entweder in Downloads\Documents oder in Dokumente oder in Download\Dokumente oder sonst wo ab – bisschen schwierig, mein Zeug dann wieder zu finden.

      Heute wurde mir ein Lied via MSN geschickt. Öffnen konnte ich es nicht. Finden konnte ich es nicht. Nach mehrmaligem Probieren fand ich das Problem: Vista sagt, das ist böse & löscht es direkt nach der Übertragung …

      Danke, Vista!

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