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    Weiß Bescheid, Alda?

    Rapper sind ja bisweilen wie Politiker. Sie versuchen einen dummen Satz durch einen weit dümmeren zu entschärfen und behaupten im Zweifel von nix gewusst zu haben.

    Der intellektuell herausgeforderte Sprechsänger mit Migrationshintergrund G-Hot, der aus dem Umfeld von “Aggro-Berlin” stammt (auch wenn diese ihn inzwischen rausgekanntet haben – Wenn Sie jetzt sagen es gab “Künstlerische Differenzen” würd ich wohl wirklich lachen), jener G-Hot, versuchte sich ja jüngst mit einem Lied ins Gespräch zu bringen, das den Titel “Keine Toleranz” trägt und im wesentlichen ein relativ platt-dummer Aufruf ist doch bitteschön ein paar Schwule umzubringen oder ihnen zumindest körperliches Unwohlsein zuzufügen.

    Wozu der schlechte Trash-Rap allein auch abseits des Textes evtl ausreichen dürfte. G-Hot hetzte und kläffte und schaffte es in kurzer Zeit soviele Blödigkeiten in Klippschul-Reime zu bringen, wie man sie sonst nur bei Weihnachtsfeiern der örtlichen CDU-Landesgruppe hört.

    Wie gewünscht reagierten alle Hörer mit mehr als zwei funktionierenden Gehirnzellen und jene deren Zulassung zum Homo Sapien vom Amt durchgewunken wurde entsprechend schockiert und eine ominöse anonyme Rapperin erstattete Anzeige wegen Volksverblödung.

    Kurz darauf behauptet G-Hot sich entschuldigen zu wollen und versteckte in einem Wald von Alda, ey die Behauptung der Song sei nie zur Veröffentlichung gedacht gewesen. Obendrein wäre alles ja ganz doll satirisch gemeint und irgendein böser Wutz hätte das ganze ohne sein Wissen ins Netz gestellt. Alda. Und wir sollen gefälligst sein Album kaufen, daß bald rauskommt. Und überhaupt gingen ihm Schwule am Arsch vorbei.

    Was ich nach Betrachtung einiger G-Hot-Fotos gut nachvollziehen kann. Da würd kein Sodomit der halbwegs bei Groschen ist, auch nur eine Sekunde vor stehenbleiben und auch bei akutem Triebstau wahrscheinlich lieber eine Bisamratte notzüchtigen, als sich näher mit Gevatter Anus des grenzdementen Rappers zu befassen.

    Wie dement er ist, zeigt sich u.a. an der ungeschickten Behauptung, die er auch als Pressemitteilung rausgab, in der er wirklich behauptet nichts davon gewusst zu haben, daß der Track veröffentlicht wird.

    “[...] wurde der Song “Keine Toleranz” durch eine dritte Person in das Internet gestellt. Dies geschah ohne Wissen und ohne Einwilligung von G-Hot und Boss A (Die Kralle). Dieser Song war nicht zur Veröffentlichung bestimmt.”

    Wenn man sich etwas im Netz umguckt, z.B. hier und hier oder hier auf der Seite einer befreundeten Proletin, dann erscheint die Aussage noch blöder als vorher. Kündigt doch G-Hot-Posse “Die Kralle” dort im Gästebuch groß folgendes an:

    Keine Toleranz

    Klickt man auf den Link des Posters “Die Kralle”, landet man auch prompt auf dessen MySpace-Profil. Sollte Kralle der böse unbekannte sein, der das Lied einfach so online gestellt hat? Stimmt die Kommunikation zwischen den beiden nicht? Ist “Käptn Kralle” vielleicht mit der Gesamtsituation unzufrieden? Free-Songs gibts jedenfalls auf seiner Seite, auch wenn der kalkulierte Skandal-Song nicht zu finden ist.

    Dafür findet man im Netz vielfach die Ankündigung und Links zu einem Video, das die G-Hot-Combo “Suppe inna Puppe” auf dem CSD zeigen soll. Auch diese wurden offenbar eiligst wieder entfernt.

    Hm. Klingt irgendwie alles fishy? Zumal man mit einer einfachen Google-Suche nach der Formulierung “Suppa inna Puppe präsentiert” noch mehrere Einträge aufgelistet bekommt, die genau denselben Inhalt haben, zum Teil aber wohl entfernt wurden. Wenn man dann noch diesen Artikel der Queer und der Morgenpost liest, setzen sich die Puzzlestücke dieses dummen Publicity-Stunts wohl endgültig zusammen.

    “Das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo sucht Zeugen eines homophoben Gewaltaufrufes im Internet. Nach Angaben eines Sprechers habe man Strafanzeige gegen die Filmemacher gestellt, die ein Hass-Video produziert und auf einer Internetvideoplattform veröffentlicht haben. Die Bilder zeigen, wie ein junger Mann während des Christopher Street Day (CSD) auf der Straße des 17. Juni steht und ein Schild mit der Aufschrift “Schwule raus” hochhält. Das Video wurde kurze Zeit später unter dem Titel: “Keine Toleranz auf dem CSD” in das Internet gestellt.”

    Dieser böse unbekannte Dritte, der weder G-Hot noch Kralle ist, übernimmt also alle ihre MySpace-Profile, bricht bei ihnen ein, entwedet ein Scheisslied, bewirbt es mit einem Haufen Ankündigungen unter Kralles-Usernamen Namen in alle möglichen MySpace-Accounts, dreht dann ein Promokations-Video auf dem CSD, das er ebenfalls überall bewirbt, stellt schließlich den Song selbst mehrfach bei Youtube ein… nur um G-Hot und Käptn Krepel eins auszuwischen?

    Ja, genau, Alda. Ganz genau.

    Wo ist eigentlich Donnie Davies, wenn man ihn braucht. Der war wenigstens musikalisch eingängig und wirklich witzig… und nicht nur lächerlich.

    +++

    [Großen Dank an Malte für den Hinweis auf die Forumseinträge!]

    Von Batz am 19, 7, 2007 um 2:06 in MediaBatzBits, QueerBatz | 17 Kommentare »

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    17 Kommentare zu “Weiß Bescheid, Alda?”

    1. korvin Sagt:

      Ich verstehe ja deine Aufregung über diesen Müll, aber vielleicht solltest du es nicht platt-dummer Aufruf nennen. Da steht mehr Talent und künstlerische Fähigkeiten dahinter als man denkt. Hör es dir mehrmals an und du merkst das es mehr ist als so ähnliche Lieder wie z.B. der Neger von der Sekte.

      G-Hot hat das erreicht was er wollte. Er ist in den Scheinwerferlicht der Medien gerückt und darauf hat er auch hart gearbeitet. Ich denke er hat nichts gegen Schwule, aber dafür hat er ein Hirn und er hat die Medien verstanden.

    2. Batz Sagt:

      Er versteht es eindeutig seine Zielgruppe zu bedienen, wobei smart und intelligent ja zwei paar Schuhe sind.

      Wer dem Schrott, unabhängig von seinem Text musikalisch etwas abgewinnen kann, macht mir fast mehr Angst, als wenn man den Text cool findet. Dieses ganze verklemmte dicke Hose rumgepose mit einfallslosem Recyclingbeat sollte sich doch spätestens erledigt haben, wenn man ein Alter erreicht, in dem man beim CD kaufen übern Tresen gucken kann und nicht mehr von Kicherattacken geschüttelt wird, wenn jemand das Wort “Loch” benutzt.

    3. korvin Sagt:

      Naja sowas ähnliches haben aber auch deine Eltern über Rock gesagt ;) .

      Über Musikgeschmack lässt sich streiten. Ich bin eigentlich gar kein HipHüpf-Freund, aber ich muss zugeben, das mich der Song Musikalisch schon anspricht.

    4. Batz Sagt:

      Ähm nein, meine Mutter hat selbst Rock gehört. Mit Poser-Hip-Hop, also allem was nicht aus der Gymnasiasten Ecke a la Fanta4, Fettes Brot etc. kam, konnte ich nie etwas anfangen.

      Die ganze Attitüde, das Gebattele und Gepose, das monotone Runterleiern irgendwelcher Fickgeschichten, das langweilige Schwanzvergleichen ist so unglaublich armseelig und fade. Egal ob bei US-Rappern oder den deutschen Gheddo-Räbbern. Hip Hop saugt, große Zeit.

    5. rene Sagt:

      >Die ganze Attitüde, das Gebattele und Gepose, das monotone Runterleiern irgendwelcher Fickgeschichten, das langweilige Schwanzvergleichen ist so unglaublich armseelig und fade.

      Du hast den ganzen Bling-Scheiß vergessen ;-)

      Ansonsten sehr schon recherchiert, dieses ganze Aggro-Umfeld ist dermaßen weit unten… da kann man nur Pispers zitieren: wie steigert man eigentlich Arschloch?

    6. Dangermaus Sagt:

      schäuble!

    7. Actionman Sagt:

      Klasse geschrieben und bei dem Absatz mit dem Popo des Rappers, lag ich unterm Tisch.

      Ansonsten weiter so, Kampf der Dummheit und der Intoleranz.

    8. malte Sagt:

      das hier ist mitnichten eine geschmacksdebatte. es geht um strafrechtlich relevantes. ob kralle und g-hot den straftatbestand der volksverhetzung erfüllen, richtet sich eben auch danach, ob der vorsatz bestand, das machwerk einer größeren öffentlichkeit zugänglich zu machen. deshalb windet sich g-hot dermaßen. der junge mann hat angst vor dem richter.
      und durch die screenshots ist er – tja: gefickt.

    9. dorn- Sagt:

      ein erhellender g-punkt-text,
      korvin-beschmutzt.

      k. sollte sich wirklich mal woanders musikalisch ansprechen lassen …

    10. paolo pinkel Sagt:

      Irgendwelche geschmacklosen Fick- und Disstexte im Hip Hop sind mir ehrlich gesagt egal und wenn der Beat stimmt bzw. ab und an mal n gutes Wortspiel drin vorkommt kann ich auch mal drüber lächeln aber das hier ist ne andere Liga. Wenn zum Mord an Schwulen (oder wem auch immer) aufgerufen wird, ist das mit dem “ist-doch-alles-nur-Provokation-und -so-wie-früher-Rock”-Argument nicht mehr zu rechtfertigen. Gleiches gilt für ein Lied namens “16″ auf der Seite der “befreundeten Proletin”, in dem der Sex mit (Grund-)Schulkindern abgefeiert wird.

    11. korvin Sagt:

      @dom-
      Wo und wie ich mich musikalisch ansprechen lasse, kann ich selber entscheiden.

      Deine Worte davor ergeben für mich keinen Sinn und deswegen gehe ich nicht weiter drauf ein.

    12. Sillium Sagt:

      Wie paolo pinkel schon geschrieben hat, dürfte die MySpace-Seite und die dort zu findenden Tracks der “befreundeten Proletin” den letzten Zweiflern die Augen öffnen. Unglaublich.

    13. sunny Sagt:

      Sehr guter Text, Batz! Die befreundete proletin macht mir Angst. Da kann man nur hoffen, dass sie in ein paar Jahren aufwacht und sich vor Scham nicht mehr aus dem Haus traut und sich einem vertrauenswürdigen Therapeuten zuwenden wird. Schlimm!

    14. Neri Sagt:

      Schon beeindruckend, wie lang und schlimm Pubertät in manchen Fällen doch sein kann, hm?
      Rächt sich aber meist von ganz allein… das Leben selbst erledigt sowas idR.

      Von den Jungens kennt man derartige Entgleisungen ja – aber das Mädel iss trotzdem shocking!

      LG, Neri

    15. nixloshier Sagt:

      manual trackback, da ähnliche erkenntnisse und recherche-ergebnisse von wegen myspace-werberei und co schon tage vorher:

      => nixloshier.simpleblo...

    16. Michael Sagt:

      EINZIGER KOMMENTAR: ICH BREMSE NICHT FÜR HOPPER!

    17. Nika Sagt:

      :D

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