Vor einem Jahr…
Letztes Lichtspiel: Death Proof
“Well, Pam… Which way you going, left or right? “
Originaltitel: Death Proof
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Kurt Russell, Rosario Dawson, Vanessa Ferlito, Jordan Ladd, Rose McGowan, Sydney Tamiia Poitier, Tracie Thomas

Stuntman Mike (Kurt Russel) ist ein verschrobener Zeitgenosse. Mit raubauzigen Charme und einem welkenden Killer-Smile gesegnet, kurvt er mit seinem alten Stuntauto durch Texas und spioniert Frauen hinterher. Bisweilen schafft er es sogar sich als Mitfahrgelegenheit anzudienen, was für die Frau dann unerfreulich endet.
Denn Mike ist mehr als nur ein bißchen meschugge. Er zieht einen besonderen Kick daraus, sein gegen Crashs verstärktes Auto als Waffe einzusetzen um schöne junge Frauen umzubringen.
Eines Tages gerät er dabei allerdings an die falschen Frauen. Denn seine letzten Opfer sind selbst Stuntfahrerinnen…
Hier ist nun der extra für den ausseramerikanischen Kinoeinsatz nochmal umgeschnittene und auf volle Kinolaufzeit gebrachte Film des vormaligen Grindhouse-Projekts von Tarantino und Rodriguez.
Weil die dreistündige Integralfassung, mit extra gedrehten Trailern im Grindhouse-Style an den US-Kinokassen eine furchtbare Bauchlandung hinlegte und eher gemischte Kritiken erhielt, entschloss man sich die Filme ausserhalb der Staaten gleich einzeln zu vermarkten.
Tarantinos Roadkill(er)-Film macht den Anfang, im nächsten Monat folgt dann Rodriguez Splatter-Attacke “Planet Terror”. Machen wir es kurz. “Death Proof” ist ein toll besetzter, witziger und streckenweise sehr rasanter 70min Film, der sich gekonnt an die Sleaze-Streifen der 70er Jahre anlehnt und sie teilweise sogar wörtlich zitiert. “Gone in 60 Seconds”, “Vanishing Point” aber auch Selbstjustiz-Klassiker wie “Last House on the left” finden hier in der Story, dem ausgeblichenen Look und der Tarrantino-typisch lässigen Musik ihre Entsprechung.
Der Film hat nur einen Haken: Er geht 127 Minuten.
Das sind 40 Minuten mehr als die gekürzte Fassung, die im Grindhouse-Double-Feature zu sehen ist und von der einige Kritiker schon meinten, sie hätte gravierende Längen.
Was man natürlich alles wegwischen kann, wie jede Kritik am Film in dem man behaupten würde, daß auch die 70s Vorbilder bisweilen eine schleppende Dramaturgie hatten und unnütze Dialogszenen einbauten um auf die vorgeschriebene Mindestlänge zu kommen, die sie brauchten um als richtiger Spielfilm vermarktbar zu sein.
Kleinere Spoiler Ahead.
Aber Hommage hin oder her, es besteht keine Notwendigkeit sich an den schlechten Filmen des Genres zu orientieren oder die Langeweile damit zu entschuldigen, denn der Film krankt in einem Bereich der sonst als Tarantinos Spezialgebiet gilt: Die Dialoge. Es sind viele. Es wird gequasselt bis die Ohren bluten.
Vielleicht ist das seine Message: Frauen wollen alles bereden. Wären die Hauptrollen Männer, wäre der Streifen nichtmal eine Stunde lang. Unsere wechselnden Heldinnen (von denen die Hälfte keine Helden sondern wirklich eher Roadkill sind) reden. Und reden. Und reden.
Nein das ist falsch: Sie quasseln. Es sind nämlich zumeist keine pointierten Dialoge, wie man sie in seinen Filmen normalerweise kennt und schätzt. Kein “Madonna – Like A Virgin”-Jive, kein “You’re father gave me that watch”-Monolog, keine “If anyone brings up my asian-american-heritage”-Rant, sondern zielloses Gesabbel, das man beliebig hätte einkürzen können. Klar es gibt einige coole Wortwechsel, aber eben auch jede Menge Fluff. Jede. Menge. Fluff.
Alleine der Prolog des Films, die Einführung von Mike und seinen ersten Opfern dauert über eine halbe Stunde, die erzählerisch kaum Mehrwert haben. Warum man sich durch diese Roadkill-Paraphrase von “Und täglich grüsst das Murmeltier” plagen muß, wird nie wirklich deutlich. Die Story ist nicht komplex genug, als das man wirklich zwei volle Durchläufe brauchen würden. Sicher es gibt drollige Momente. Sicher Kurt Russel, die alte Knitterfresse ist eine coole Sau und die Lapdance-Szene wird ihm mindestens so viel Freude gemacht haben, wie den Zuschauern (auch wenn Tarantino ausgerechnet hier einen Missing-Reel-Gag einbaut).
Dennoch könnte man das gesamte Setup auf 15min einkürzen und der Film würde merklich an Fahrt gewinnen. Denn in einem Roadkiller-Film erwartet man doch vor allem eins: Fahrt. Autoszenen. Verfolgungsjagden. Thrill!
Davon hat Death Proof überraschend wenig zu bieten, was schade ist, denn wenn die Action dann mal losgeht ist sie hart, cool, witzig und ausgesprochen unterhaltsam. Wie man generell sagen muß, das die Protagonisten insgesamt sympathische oder im Falle von Stuntman Mike zumindest interessante Charaktere sind. Wenn Kurt Russel im letzten Akt vom unerbittlichen Jäger zum greinenden Schwächling, zum heulenden Jammerlappen wird, dann ist das fast die Längen wert, die man vorher ertragen musste.
Auch die Frauen sind extrem cool und könnten noch viel mehr Spaß machen, wenn sie sich das endlose Gelaber stecken würden. Rosario Dawson, die zur Zeit auch noch in Clerks II zu bewundern ist, ist so sympathisch und sexy, das man sie knuddeln möchte. Traci Thoms als Black-Stunt-Bitch from Hell kann ebenfalls völlig überzeugen und auch Real-Life Stuntfrau Zoe Bell erweist sich als Idealbesetzung, die einerseits über verblüffendes komisches Talent verfügt und obendrein die heiklen Stunts des Films selbst ausführen kann, was zu überraschend realistischen Szenen führt.
Der letzte Akt des Films ist dann auch wirklich alles, was man sich von Death Proof erhofft hat. Rasant, witzig, over-the-top und skurril mit einem abrupten Ende das perfekt in den Abspann überführt wird.
Leider strauchelt sowohl die Dramaturgie, als auch die Story zwischendrin mehr als einmal. Ja es ist Grindhouse und ja, die Filme waren kleine billige schmutzige Streifen, die sicher nicht perfekt waren. Aber sie waren eben auch echt und keine Kopie. Und sie langweilten nicht absichtlich.
Es gibt keine echte Veranlassung dafür die Einleitung derart ausführlich zu gestalten. Ein dutzend Figuren vorzustellen, die schließlich überhaupt gar keine Rolle spielen. Ob Boyfriends oder Sheriffs, Barkeeper, Tankstellenangestellte oder dumme Hillybillys (Eli Roth der aussieht wie der Killer Sylar in “Heroes” und leider nicht stirbt) – sie alle werden ausführlich eingeführt, viel Setup für null Payoff. Böswillig könnte man sagen, das gesamte Intro könnte sogar als kurze Schrifttafel vor dem Hauptfilm eingeblendet werden und hätte denselben Effekt.
Man kann eben nicht alles mit den Vorbildern entschuldigen, denen man sich sogar soweit annähert, das Retro-Vorspann und Filmsprünge eingebaut wurden.
An einigen Stellen schleicht sich der Verdacht ein, daß Tarantino der diesmal auch selbst den DOP machte, sich einfach nicht im Griff hatte und niemand da war, der ihm ein paar ernste Wort zu seiner Schnittfassung gesagt hat.
Ein Satz der unbedingt hätte fallen müssen wäre: Quentin steck dir deine Fusspornos dorthin wo die Sonne nicht scheint. Okay, jeder der seine Filme kennt, weiß es mittlerweile: QT ist Fussfetischist. Das ist okay, aber dennoch kann ich gut drauf verzichten minutenlang die Mauken sämtlicher Hauptdarstellerinnen in Großaufnahme zu begaffen. Und zwar nicht einmal oder zweimal sondern ständig.
Larry Warchowski steht auch auf SM und Frauenkleider, aber dennoch wimmelt es nicht in jedem seiner Streifen von Transen. Larry Clark steht auf nackige Teenager aber dennoch- Okay doofes Beispiel… Ähm wo war ich?
Ja klar, Grindhouse heisst Sleaze und Sex und Gewalt. Aber nicht Füsse. Jenes Körperteil, daß Peter Ustinov einmal, als eines der eher mißlungenen einstufte und das sich nicht zu unrecht am Ende der Beine befindet, wo man es nicht so häufig anschauen muss. Gäbe es Titten zu sehen, Sexszenen jeder Art, dann wäre das völlig okay und würde perfekt ins Genre passen, aber was das angeht ist Tarantino relativ prüde. Wie in all seinen Streifen. Da kommt dann doch der ewig 13jr, leicht verklemmte Geek in ihm durch.
Der Lapdance dürfte schon die expliziteste Stelle des Films sein, ansonsten gibts was T&A angeht wohl in jedem Rap-Video mehr zu sehen. Und auch die Gewalt ist insgesamt moderat. Von einem spektakulär blutigen Crash in der Mitte abgesehen, gehts auch sehr gesittet zu und verwandelt sich am Ende gar in eine Slapsticknummer. Also eher Sleaze Light.
Mit sehr viel Füssen. Und Gequatsche.
Was bleibt? Ein Meilenstein ist der Streifen nicht, weder bringt er neue Ideen, noch zeigt er irgendeine Entwicklung Tarantinos auf, der sich inhaltlich in sehr gewohnten Bahnen bewegt.
Natürlich war der Film auch eher als spassige Fingerübung gedacht, als Projekt zweier ewig junger Cinemaniacs, die sich einfach dachten “Wäre es nicht cool, wenn?”.
Wäre es. Und mit mehr Disziplin hätte Tarantino aus dem vorhandenen Material einen wirklich extrem rasanten und coolen 70-Minüter machen können, der genau das richtige Maß an Exposition und Action hat. Ganz im Geiste der echten Grindhousefilme. Kurz, sleazy, hart und sexy.
Doch dafür ist er dann doch zu unkonzentriert und verspielt. Ja es ist lustig, wenn man all seine Verweise auf Kill Bill sieht. Hier ein Klingelton, da ein Billboard und auf dem Wagen der Stuntfrauen prankt groß “Pussy Wagon!” – okay verstanden und gelacht. Hui ein unmotivierter Sprung ins schwarz/weiß, hui ganz viele Filmplakate im Hintergrund. Alles so subtil wie eine Einblendung “Ich mache jetzt eine Popkultur-Referenz”. Sorry, aber hier wäre viel weniger, diesmal viel mehr gewesen.
Angucken lohnt in jedem Fall, aber wer zwischendurch mal Pinkeln will und eine Rauchen, der hat dafür auch ausreichend Zeit ohne das er etwas verpassen würde.
Ich freu mich jetzt auf “Planet Terror” und werd mir vielleicht beide Streifen doch nochmal im Doppelpack mit Trailern ansehen.
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Von Batz am 20, 7, 2007 um 2:40 in CineBatz | 7 Kommentare »___________________________________________________________________________
7 Kommentare zu “Letztes Lichtspiel: Death Proof”
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22. Juli 2007 at 11:55
Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Bis auf das “schauspielerische Talent” von Zoe Bell, über das man sich streiten könnte, bin ich mal genau Deiner Meinung. Allerdings stellt sich mir die Frage, wieso der Film bei Dir 127 Minuten hatte. Unsere Fassung im Kino hat nur 113 Minuten. Seltsam…
22. Juli 2007 at 19:44
Den werde ich mir wohl am Freitag oder Samstag ansehen. Da die Freikarten für die Cinema-Preview schon gesichert ist, steht “Planet Terror” dann auch nichts mehr im Wege und ich denke, dass sich die RC1-DVD mit den kurzen Versionen + Faketrailer bald auch in meiner Sammlung befinden wird.
22. Juli 2007 at 22:38
Danke, sehr aufschlußreich. Vielleicht mach ich mal was ganz subersiv-verrücktes und kuck mir den gar nicht an – ich hatte bei Tarantino nämlich schon immer Probleme mit substanzarmen Dialogen und nicht recht in die Pötte kommender Handlung. Wahrscheinlich bin ich nicht Cineast genug.
Aber was ich eigentlich sagen wollte – ich hab mir bei Spon ein paar Ausschnitte angesehen, auf deutsch natürlich, und war recht irritiert, als in einem Dialog die eine Frau zu der anderen “du Kacker” sagte (oder “Kacka”? man weiß es nicht), und kurz darauf: “Ja ja, der Drops ist gelutscht.”
Kacker? Drops? Gelutscht? Also für ein Wort wie “Kacker” fühlten wir uns damals in der 2. Klasse schon zu erwachsen, und ich kenne die Redensart “der Fisch ist gegessen”, aber “gelutschte Drops” erwarte ich in einem Donald-Duck-Comic von 1960 und nicht in einem Actionfilm von 2007. Drops! Pfft. Nach dem, was du über die Dialoge geschrieben hast, scheint mir jedenfalls klar zu sein, daß man die deutsche Fassung keinestenfalles ansehen sollte.
23. Juli 2007 at 13:13
Mit “kaka” ist eher ein spitzname für neuseeländer gemeint !! Die Stuntfrau kommt aus neuseeland und das wird auch in einem der endlos drögen dialoge erwähnt! Ich fand die verfolgungsjagd als sie noch auf der motorhaube lag sowas von dämlich mehr als nur 1 mal war die möglichkeit gegeben einfach anzuhalten und sie von der haube zu lassen. Zeitweise kam ich mir vor wie bei speed vonwegen man darf nicht vom gas!
Der film ist zwar wie be ijedem tarantino film recht sinnfrei aber hier waren nichtmal die zumsammenahngslosen fetzen für sich sehr interessant!! An diesem Film wird nix sein das mann sagen kann “so wie in death proof” weil nix einzigartiges oder überragendes geschiet. beim film haben mich quasi nur 2 fragen gefesselt und zwar bekommen sie das schwein und warum in 3 teufels namen macht er den scheiß !! keine frage wurde wirklich beantwortet! weil bei nem roundhauskick ist noch keiner gestorben sonst wäre chuck norris der killer NO.1!! Also was soll das ganze ?!?! Zurzeit muss ich sagen das es kein film ist den man geshen haben muss. und diese fußgeschichte ist echt so ne sache. die mädels hatten doch soviel mehr zu bieten !!
23. Juli 2007 at 13:24
Ah, ok. Kaka als Spitzname für Neuseeländer war mir unbekannt. Mea culpa, was das betrifft.
06. August 2007 at 22:39
die hier als “dröge” betitelten dialoge haben bis auf einzelne alle sinn und sind auf andere filme usw zurückzuführen. einfach mal zuhören….qt macht selten sachen ohne grund…ich finde den film genial. lapdance von arlene *mjam*
11. Juli 2008 at 9:55
Lieber Börd,
du hättest dir den Film lieber mal ZU ENDE ansehen sollen, dann hättest du nämlich gesehen, dass stuntman mike nicht an einem “roundhousekick” von zoe gestorben ist, sondern an einem tritt ins genick von abernathy…also – was lernen wir daraus – abspann ansehen, kann ja sein, dass da noch was kommt.
lg