Vor einem Jahr…
Letztes Lichtspiel: The Simpsons Movie
“I’ll teach you to laugh at something that’s funny! “
Originaltitel: Simpsons Movie, The
Herstellungsland: USA 2007
Regie: David Silverman
Darsteller: Dan Castelanetta, Harry Shearer, Julie Cavner, Nancy Cartwright, Yeardley Smith, Hank Azaria, Tress McNeil, Pamela Hayden

Springfied steht mal wieder vor einer Krise. Weil jeder seinen Müll einfach in den See kippt, droht der totale Öko-Kollaps. Zwar einigt man sich widerwillig auf die von Lisa Simpsons initierten Schutzmaßennahmen, doch ausgerechnet ihr Vater Homer setzt sich aus Ignoranz darüber hinweg.
Die darauffolgende Katastrophe zwingt die Simpsons dem Zorn ihrer Mitbürger zu entfliehen und woanders ein neues Leben anzufangen….
Das ist er also. Der Simpsons-Film. Over an century in the making, hat er es jetzt doch noch auf die große Leinwand geschafft. Auch wenn es sich leider nicht wirklich nach großem Kino anfühlt, sondern letztlich doch das ist, was alle Macher in ihren Interviews immer wieder behaupten nicht gewollt zu haben: Eine Serienfolge in Spielfilmlänge.
Es gibt zwar einige aufwendigere Animationen und Gags, aber abgesehen vom anderen Bildformat bewegen sich die Simpsons auch im Kino genauso wie man es aus dem TV gewohnt ist.
Wenn der Film funktioniert und unterhält – und das tut über weite Phasen ganz gut – dann in kurzen Vignetten, dem was die Simpsons auszeichnet. Kleinen Miniaturen, die auch ausserhalb des Gesamtkontexts funktionieren. Der besondere Charme der Serie war immer schon ihre faszinierende Dichte. Das Höllentempo mit dem in 22Minuten mehr Story und absurde Wendungen verwurstet wurden, als woanders in ganzen Staffeln. Der häufigste Gag ist dabei, das elaborierte Setup, die Hinführung auf die eigentliche A-Story einer Episode, die oftmals so phantasievoll und durchgeknallt ist, das man alleine aus ihr in anderen Serien eine eigene Folge gemacht hätte.
Das Problem mit dem Film ist, daß sich dieses irrwitzige Tempo, dieses Handlungsdestilat der Serie nicht auf einen 90min Film übertragen lässt. Zu atemlos wäre die Erzählung, zu anstrengend, das Zuschauen. Deswegen tritt man auf die Bremse und erzählt fürs Kino geruhsamer, schmückt den nicht übermässig komplizierten Plot (der auch locker in 22min abgehandelt werden können) durch ein paar Subplots aus und lässt sich ingesamt sehr viel Zeit.
Das elaborierte Setup ist hier mal eben 20min lang statt üblicherweise nur drei.
Das ist zum Teil ganz ulkig, lässt den Film aber auch behäbiger daherkommen als die Serie. Einige Szenen wirken einfach nur gedehnt. Etwa Barts rasante Skateboardfahrt, die zwei wirklich gute Gags enthält aber auch einiges an Füllzeit und die auch nach dem besten Lacher noch zulange weitergeht.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Der Film ist wirklich witzig streckenweise. Er weiß auch um seine Schwächen und versucht der Kritik gleich zu Anfang ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn sich die Simpsons einen “Itchy & Scratchy”-Spielfilm angucken und Homer das Publikum beschimpft, wie man so blöd sein könne etwas im Kino zu gucken, was man zuhause auch umsonst bekommt.
Das Hauptproblem ist das er eben wirklich der Serie keine Dimension hinzufügt und sich grade gegen Ende doch etwas zieht. Wobei man ehrlich zugeben muß, daß es schwer wäre sich einen Film vorzustellen, der diese Schwächen nicht hat, denn wie die Serie selbst, so trägt der Film eben schwer an der Bürde der 18 Seasons, die die gelbe Familie mittlerweile auf dem Buckel hat.
Es ist einfach sehr schwer einen noch zu überraschen. Und auch wenn ich nicht zu den Fatalisten gehöre die schnell mit “Worst Season Ever” bei der Hand sind oder generell behaupten, die Simpsons wären mittlerweile unguckbar geworden, so muß man dennoch realistisch feststellen, daß die letzten Staffel eher ein durchwachsener Spaß waren, in dem sich eher schlappe Folgen mit ein paar Highlights abwechselten.
Der Film steht obendrein noch vor der schwierigeren Aufgabe, daß man erwartet er würde die Serie toppen und etwas zeigen, was man bisher im TV nicht gesehen hat. Aber bis auf einen kurzen Blick auf Barts Puller und Homer der den Stinkefinger zeigt, fällt einem wenig auf, daß man nicht so auch schon in der Serie gesehen hätte. Dort wo man sich versucht von der Serie zu lösen, etwa in dem man statt dem erprobten Komponisten Alf Clausen die Musik vom Bombastkomponisten Hans Zimmer basteln lässt, geht das eher nach hinten los, weil die Simpsontypische Ironie, die sich sonst auch im Score wiederfindet hier einem ernstgemeinten Pathos weicht und der Story eher schadet als nützt.
Wo der “South Park”-Film bewusst weiter ging, als die Serie zum damaligen Zeitpunkt im TV durfte, da bleiben die Simpsons überraschend harmlos. Statt böser, satirischer und härter zu werden als im TV, bleiben sie eher unter den Erwartungen was Seitenhiebe angeht. Nachdem Fox in Season 18 die Halloweenfolge zensierte, die einen bösen Schlussepilog mit Anspielung auf den Irakkrieg enthielt, ist es sehr schade, daß auch der Film eher übervorsichtig daherkommt und nie wirkliche Risiken eingeht.
Man verlässt sich auf die erprobten Gags und variert die Charaktere innerhalb der gewohnten Parameter, das ist immer noch lustig, aber an keiner Stelle wirklich überraschend und letztlich für einen Kinofilm der solange in der Entwicklung war, an dem solange herumgewerkelt und überarbeitet wurde doch etwas wenig. Denn schließlich war es immer Markenzeichen der Simpsons, das sie mehr waren als “nur lustig”, das sie in ihren besten Momenten im freundlichen Gewand wirklich böse Wahrheiten vermittelt haben und respektlos nach allen Seiten austeilten.
Von dieser “Subversion zur Primetime”, wie ein sehr lesenswertes Buch mit Analysen der Serie heißt, ist im Kinofilm wenig zu spüren. Er ist lustig, er ist unterhaltsam, er ist ein wenig sentimentaler als es die Serie meistens ist, er zeigt uns alle Lieblinge so wie wir sie kennen und er ist mit 85min dann doch etwas zu lang.
Aber vielleicht muß das so sein. Denn mal ehrlich, wie hätte man es anders machen sollen?
Von Batz am 24, 7, 2007 um 0:16 in CineBatz | 2 Kommentare »___________________________________________________________________________
2 Kommentare zu “Letztes Lichtspiel: The Simpsons Movie”
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28. Juli 2007 at 14:43
Ich fand ihn gut, aber man hätte sicherlich mehr machen können aus dem Film machen. er ist jedoch besser als vieles aus den neuen Staffeln.
Aber besonders geil fand ich ja den Pro7-Einblender.:rotfl:
29. Juli 2007 at 14:15
Eine harte, aber faire Kritik. Ich habe selten im Kino so viel gelacht, was ein starkes Argument für den Film ist; andererseits liegt die Meßlatte bei den Simpsons eben auch sehr hoch und man hätte sich in der Tat gewünscht, dass er ein paar Dimensionen der Serie sprengt. Wobei “einfach nur lustig” ja auch nicht ganz stimmt; Schwarzenegger und der EPA-Typ und das ganze “Krisenmanagement”, Burns (“endlich hat der weiße, reiche Mann einmal das Sagen”) das ist ja alles durchaus Satire. Sehr fein ist auch die wahrscheinlich höchstens zwei Sekunden lange Szene, in der die Kirchgänger aus Angst vor dem Weltuntergang in Moes Kneipe stürmen und die Kneipengäste gleichzeitig in die Kirche.
Allerdings ist das alles nicht schärfer oder böser, als man es aus der Serie kennt, das stimmt nun wieder. Der South-Park-Film ist da ein gutes Beispiel, den finde ich immer noch grandios.
Vor allem habe ich mich nach dem Simpsonsfilm übrigens gefragt: Was ist aus dem Schwein geworden?