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    Was von der Schule übrig blieb

    Ich hatte einen Bio-Lehrer der bass erstaunt war, als ich ihm sagte, das es Fotos von Babies im Mutterleib gibt. Sowas ging ja nicht, meinte er.

    Ich hatte einen Deutschlehrer der mir den schönen Satz: “Intelligenz ist gewusst wo” beibrachte. Und irgendwann die Schule verlassen musste. Vielleicht zu kompetent.

    Ich hatte eine Musiklehrerin mit einer Stahlplatte im Kopf, die gerne Affären mit Schülern der Oberstufe anfing. Sie neigte in ihrer rustikalen Art auch dazu, Jungs im Stimmbruch einen Schlag mit einem Trommelschlägel zu verpassen, wenn im Eifer der Hormone beim Singen die Stimme wegrutschte.

    Eine andere Lehrerin unterrichtete uns in Englisch, eine Sprache die sie dank DDR-Sozialisation nur rudimentär beherrschte. Ihre Catchphrase war “Lets do it just for fun”. Als sie während der 12. Klasse für die SPD kandidierte, fiel der Großteil ihrer Stunden aus. Nachdem sie die Wahl verloren hatte, wurde es sehr schwer noch gute Noten bei ihr zu bekommen.

    Wir durften unsere Lehrer duzen. Das war an der IGS damals so. Nur unsere eine Klassenlehrerin erbat sich, das wir sie siezen. Später als sie uns besser kannte revidierte sie diesen Wunsch. Wir blieben bis zum Ende unserer Schulzeit beim Siezen.

    Nach einer leichten Grippe und krankschreibung, blieb ich für einige Monate dem Sportunterricht fern. In meinem Zwischenzeugnis stand: “Oliver hat rege und interessiert am Sportunterricht teilgenommen”. Daraufhin ging ich auch im folgenden Halbjahr nicht hin. Als dies zum Ende hin doch auffiel, bat man mich zum Gespräch und bat mich zukünftig doch wieder hinzugehen.

    Ein anderer Biolehrer pflegte bei Schulfesten immer laut zu singen und viel zu trinken. Gerne in Kombination. Wenn er gut drauf war, unterrichtete er auch mal mit Strohhut.

    Mensaessen mochte ich nie. Fand ich eklig. Aber Rumkugelbrötchen und 10Pfennig-Eis sorgte für eine ausgewogene Ernährung. Und frisch gebackene Schokocroissants.

    Bei Video-AGs überzeugte ich durch natürlichen Charme und subtilen Perfektionismus. Meine leichtfertige Äusserung an meine Mitschüler: “Ihr wärt ja auch schon mit Bildschirmrauschen zufrieden” sorgte einige Tage für ein eher unterkühltes Arbeitsklima.

    Meine natürlichen sozialen Kompetenzen zeigten sich sehr früh. Als ein Mädchen sich für unsere Kabarett AG einschreiben wollte, das offensichtlich keine Lust und kein Talent hatte, legte ich ihr die AG Wandzeitung nahe. Dem folgte ein Gespräch im Stammunterricht nach dem ich mich bei Trixi entschuldigen musste.

    Eine Klassenfahrt verschlug uns aus nur unzureichend belegten Gründen an das Nordseekaff Dangast. Dort gab es kein Meer (ausser Betrieb), dafür engagierte Zivildienstleistende die Führungen ins Watt leiteten und uns baten still zu sein um dem Rülpsen der Wattwürmer zuzuhören. Mein Verhältnis zur Natur ist nicht erst seit damals nachhaltig gestört.

    Irgendwo dort am Strand stand ein Kunstwerk. Ein riesiger Steinpimmel.

    Sowas merkt man sich natürlich.

    Mit 14 trug ich eine Brille wie Larry King. Mit den Gläsern hätte man Frisbee spielen können. Das sah ganz schön scheisse aus.

    Meine Mutter meinte, ich hätte die toll gefunden.

    Als wenn das ein Grund ist.

    Den Großteil der 13. Klasse verbrachte ich in einem Eckcafe nahe der Schule.

    Die 25% Fehlzeiten-Regelung wurde genaustens ausgenutzt.

    Die Zuckertütchen dort waren mit Horoskopen bedruckt.

    Eine Kunstlehrerin sagte mir einmal, daß Protest ohne Risiko scheisse ist und man dazu stehen soll, wenn meint seine Meinung sagen zu müssen.

    Um ihren Punkt zu unterstreichen zerriss sie ein Anti-Golfkriegs-Flugblatt das ich mit Schulfreunden gebastelt hatte, weil dort keine Verfasser angegeben waren.

    Wir waren ganz schön sauer auf die Olle Kuh.

    Vor allem weil sie absolut Recht hatte.

    Das nennt man wohl lernen.

    Von Batz am 29, 8, 2007 um 15:52 in LiteraBatz | 2 Kommentare »

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    2 Kommentare zu “Was von der Schule übrig blieb”

    1. Sebastian Sagt:

      Aber jetzt mal ehrlich: Herrlich, oder?

    2. eadha - barfuss im sommerregen Sagt:

      unglaublich schön geschriebener post…. meine schulzeit war am 22.6. diesen jahres zu ende…. lehrer sind doch manchmal erinnerungswert….. nur hab ich davon wenige gehabt, also lehrer, derer man sich ab und an mal erinnert… viele verschwinden einfach im wust der erinnerungen…..

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