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    Riech mal, ist das noch gut?

    Riech mal

    Wer hatte eigentlich die Wahnsinnsidee uns Margarethe von Trotta mit einem Tatort zu betrauen? Hatte Ursula von der Leyen keine Zeit oder jemand aus einem Altenheim, der das machen wollte? Oder hatte man Angst, daß die Story dann zu nervenzerfetzend und spritzig wird?

    Der Frankfurter Tatort “Unter uns” vereinte mal wieder alles was deutschen Autorenfilm so gottserbärmlich machte und zeigte obendrein wie es aussieht, wenn jemand der schon von koffeinfreiem Kaffe hibbelig wird versucht CSI-Optik zu imitieren. Warum in Frau Trottas Polizeistube sinnlos riesige Monitore drapiert wurden, weiß wohl niemand so genau. Oder warum dramatische Reißschwenks von einer Person auf die andere in der Geschwindigkeit gemacht werden, mit der man sich normalerweise einem Silvesterknaller nähert, von dem man nicht sicher ist ob er schon gezündet hat oder ein Blindgänger ist.

    Wobei Blindgänger wohl das Stichwort sein dürfte, denn selten habe ich in einem Tatort der letzten Zeit so beschissene Dialoge so hölzern aufgesagt bestaunen dürfen. Passend zu den langweiligen Bildern, der Fernsehdramaturgie der frühen 80er Pre-Schimanskie-Zeit und der pathetischen Musik wurden uninspiriert und in bleierner Zeit zwei “brisante Themen” aufgearbeitet. Verzweifelte ältere Arbeitslose und Rabeneltern die ihre Tochter vor aller Welt verstecken.

    Absolut spannungsfrei kreiste hier über 90min ein fetter dikatisch-mroalischer Zeigefinger, durften Schauspieler (und solche die statt dessen eingesetzt wurden) gruslige Platitüden von sich geben und musste Frau Sänger dauerbetroffen in die Kamera gucken wie ein Gefühlsdummy mit Darmgrippe.

    Danke liebe ARD, für einen weiteren gelungenen Fernsehabend.

    Die Ankündig der weiteren Programmwoche machte dann auch deutlich, daß man sich schon jetzt von dem Ehrgeiz verabschiedet hat, noch Zuschauer jenseits der 50 vor den Bildschirm zu locken. Und auch Frau Will, die in einem farblichen Alptraum in Gelb, Ocker und Nussbraun moderiert, dürfte mittlerweile jede Hoffnung zunichte gemacht haben, sie würde sich niveaumässig auch nur ein Jota über ihrer Vorgängerin Christiansen bewegen.

    Die komplette Besetzung ihrer Sendung zum Dauerthema Bildungsmisere war gewohnt geriatrisch besetzt, komplett mit Waldorf und Stadler auf dem Sofa und einem Zäpfchen mit Flowbee-Frisur und Fliege, die die üblichen Blurbs von sich geben duften.

    Muppets

    -Ich weiß nicht aber mir hat die Diskussion gefallen!
    -Dir hat ja auch der letzte Krieg gefallen!

    Für soviel Qualitätsfernsehen zahle ich doch gerne demnächst noch mehr.

    Von Batz am 14, 10, 2007 um 22:07 in MediaBatzBits | 9 Kommentare »

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    9 Kommentare zu “Riech mal, ist das noch gut?”

    1. Horatiorama Sagt:

      Dass Frau von Trotta den Tatort als Vehikel ihrer Sozialkritik nimmt, finde ich Klasse – ist ja ziemlich uncool. Die großen Bildschirme sind beim Frankfurter Tatort wohl gesetzt, wenn ich mich recht entsinne. Nein, Batz, du bist nicht die Zielgruppe. Liegt aber nicht am Alter. Die Kameraeinstellungen waren, im Vergleich zu den inzwischen beim Tatort üblichen Horrorfilm-Einstellungen (hinter dem Busch und immer aus der Hand etc.), eine Erholung. Wir haben uns in unserer Tatortrunde tatsächlich noch über verwahrloste Kinder unterhalten. Ziel erreicht. Chapeau, Frau Trotta!

    2. Batz Sagt:

      Wow was für Sozialkritik ;) Das ging ja so richtig tief, das war ja auch überhaupt nicht plakativ, da kam viel mehr rüber als in einem tränendrüsigen SternTV oder BILD-Bericht.

      So muß Sozialkritik aussehen, die dorthin geht wo es so gar nicht wehtut. Wo sich alle einig sind. Wovon auch noch niemand was gehört hat.

      Ich bin schon gespannt, was Frau Trotta als nächstes heißes Eisen avisiert: Neger totschlagen ist irgendwie doof? Frauen sind auch Menschen? Kinderficken ist uncool?

      Mal sowas richtig kontroverses. Und dann bitte schön langsam inszenieren und nicht so laut.

      Aber schön, das man mal drüber geredet hat.

    3. XiongShui Sagt:

      Es gibt so Tage…

    4. Horatiorama Sagt:

      Der Tatort ist doch aber nicht das nachtstudio. Was will man da anderes erwarten als massenkompatibles Gebrauchsfernsehen? (Ja bessere Unterhaltung vielleicht. Ich würde sowas nicht jeden Sonntag sehen wollen, weil es schlicht zu langweilig war.) Aber wenn Themen wirkungsvoll für die Massen aufgegriffen werden sollen, sollen sie die Massen auch betroffen machen, und das geht nur platt. Ist allemal besser als der x-te Horrorpsychothrillertatortverschnitt.

    5. Batz Sagt:

      Die Massen kennen doch aber genau die Themen schon bis zum Erbrechen. Es wurd kein neuer Aspekt hinzugefügt, keine neue Sichtweise. Dieses superpädagogische “IHR HABT ALLE WEGGEGUCKT” war sowas von eklig anbiedernd. Das war Schulfernseh-Niveau. Es gab eine ganze Menge Tatorte die aktuelle Themen spannend und vielschichtig beleuchtet haben. Ich erinnere an die Münchner-Tatorte “Frau Bu lacht” von Dominic Graf oder diese Geisel-Story in der dann sehr differenziert das Thema Sterbehilfe behandelt wurde. Diese Tatorte waren packend, glaubhaft und wirklich einen zweiten Gedanken jenseits boulevariger Betroffenheitsplatitüden wert.
      Was Frau Trotta da abgeliefert hat war peinlich auf jedem Level. Keine Spannung, keine interessanten Ansätze und optisch wie schauspielerisch im unteren Bereich angesiedelt…

    6. h. aus f. Sagt:

      Wenn Du das so schreibst, schäme ich mich auf einmal, dass ich gestern so ergriffen war. Und ich gehöre weder zur Bild-Zielgruppe noch zur Generation 50+.
      Für mich hats funktioniert, vor allem im Kontext der meisten Tatorte, die mich sowas von kalt lassen.
      Nun ja, ich steh auch total auf Frau Sawatzki und Herrn Schüttauf. Denen habe ich sogar den dämlichen Frankfurt-Marathon-Tatort damals verziehen.

    7. Boris Sagt:

      Ich hab ihn ja (zum Glück offenbar) verpasst, aber welchen Farbanstrich hatte dieser Tatort denn? Blaugrau bis ganz grau wie die aus dem Norden und aus Bayern oder Gelbgrünorange wie der Kölner zuletzt?

      Ich tue mir diese schwersinnigen Trögheiten ja langsam gar nicht mehr an.

    8. stine Sagt:

      ich fühlte mich durchaus unterhalten. da kann der herr blogbewohner noch so wüst in der gegend rumnölen. ich les ja kritiken hier sowieso nicht mehr, weil ich weiß, was mich erwartet.
      aber welcher tatort wirklich scheiße war, ich meine so richtige scheiße, war der vorletzte woche mit dem dicken bär und dem unbegabten behrendt. grmpf.
      und wenn du nochmal “frau bu lacht” aus der spielkiste holst, dann hau ich dich. früher war alles besser, wie? das klingt ja wie 50++. doppelgrmpf.
      jaja, ich weiß. frau ahlfeld, sie faseln.

    9. Batz Sagt:

      @stine

      Man braucht nicht bis zu “Frau Bu” zurückzugehen, um gelungenere BR-Tatorte zu finden, der andere von mir genannte, dessen Titel ich nicht parat habe, ist von 2005 soweit ich mich entsinne und dieser schnarchigen Schulfernsehsendung von Frau Trotta in jeder Hinsicht um längen Überlegen. Selbst der schlechteste Bremer Tatort, selbst der gruslige Nazi-Tatort mit Jennifer Biedermann war genau genommen noch besser als dieser Scheiss hier. Jep.

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