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Letztes Lichtspiel: Stardust

“We always knew you’re a whoopsie, Captain.”

Originaltitel: Stardust
Herstellungsland:Großbritannien / USA 2007
Regie: Matthew Vaughn
Darsteller: Charlie Cox, Claire Danes, Robert De Niro, Sienna Miller, Michelle Pfeiffer, Jason Flemyng, Peter O’Toole, Ian McKellen, Rupert Everett, Ricky Gervais

Stardust

Vor langer Zeit in England. Das kleine Kaff Wall grenzt nicht ohne Grund an eine Mauer. Denn dahinter verbirgt sich der Zugang zum Königreich Faerie.
Einmal wagte sich ein Dorfbewohner hinüber und verbrachte dort eine Liebesnacht mit einer fremden Sklavin. Neun Monate später bekam er die Quittung in Form eines Sohnes vor die Tür gestellt. Tristan.

Als dieser nun selbst zum Manne herangewachsen ist, verschlägt es ihn wie seinen Vater zuvor nach Faerie. Er will seiner Angebeteten, einer oberflächlichen reichen Pute eine Sternschnuppe bringen, die in Faerie eingeschlagen ist. Dummerweise entpuppt sich die Sternschnuppe als ganzer Stern in menschlicher Form, der aussieht wie Claire Danes.

Auf der beschwerlichen Reise zurück nach Wall freundet sich Tristan mit dem Sternchen an, die auf den Namen Yvaine hört. Schon bald müssen sie sich diverser Attacken erwehren, denn neben den intriganten Söhnen des verstorbenen Königs (Peter O’Toole), macht ihnen vor allem die garstige Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer) das Leben schwer. Sie und ihre beiden ebenso unangenehmen Schwestern, die zwecks Zukunftsvorhersage am liebsten in ausgeweideten Tieren schmöckern, haben es auf Yvanias Herz angesehen, welches ihnen neue Jugend und ein längeres Leben ermöglichen würde. Und dann ist noch der grausame Pirat Shakespeare (Robert DeNiro) der mit seinem Kahn durch die Wolken pflügt um Blitze einzufangen…

Eine Neil Gaiman-Story zu adaptieren ist kein leichtes Unterfangen. Matthew Vaughn, bisher eher durch knallige Gangsterstories aufgefallen, die er mit seinem Kumpel Guy Ritchie produziert hat, bemüht sich redlich diese stargespickte Melange aus “Braut des Prinzen”, “Time Bandits” und “Brothers Grimm” funktionieren zu lassen.

Das gelingt ihm mal mehr mal weniger gut. Grade im ersten Drittel leidet der Film an seiner sprunghaften Handlung, den zu oft unverbunden erscheinenden Episödchen und dem fehlenden emotionalen Anker. Kaum hat man sich mit Tristans Vater angefreundet, verschwindet er auch schon aus dem Film um seinem Sohn Platz zu machen, der vom Newcomer Charlie Cox gespielt wird. Dieser müht sich zwar sympathisch zu wirken, wird aber zu sehr von einem Event zum nächsten gehetzt, als das er wirklich an Kontur gewinnen kann. Sein Verliebtsein in die dumme Pute, die von Sienna Miller gegeben wird, wirkt konstruiert und dient im Endeffekt nur um ihm einen Vorwand zu liefern, endlich ins Reich der Fantasy überzuwechseln.

Im Haurucktempo bekommen wir kleine Skizzen vorgesetzt, von Figuren die spannender wären, wenn man ihnen mehr Zeit gäbe. So verkommen der sterbende König und seine debilen Söhne, genauso wie die bösen Hexen anfänglich zu krawalligen Lachnummern, die man nur bedingt ernst nehmen kann.

Auch das Sternenkind, sehr modern und weltlich gespielt von der wie immer sehr süßen Claire Danes, braucht eine Weile, bis man sie wirklich als Figur begreifen mag. Die Atemlosigkeit treibt von einem Ort zum anderen, es kracht und zischt und zaubert, Michelle Pfeiffer darf nach “Hairspray” erneut eine großartige Comic-Schurkin geben, auch wenn sie bisweilen gegen das zentimeterdicke Makeup angrimassieren muss.

Zur Ruhe und kommt der Film erst, als es unser Pärchen auf der Flucht an Bord des Luftschiffs von Captain Shakespeare verschlägt. Robert DeNiro und seine Crew bremsen den Film nicht zu seinem Nachteil aus, endlich darf auch mal geredet werden, gibt es alberne Momente und leise Emotionen in all dem Krawall. Erst hier lernen wir Tristan und Yvaine wirklich etwas besser kennen und mögen. Ricky Gervais erscheint in einem, etwas verschwendet wirkenden, Cameo-Auftritt und Captain Shakespeare darf sich, wie seine Vorbilder “der grausame Pirat Roberts” und “Captain Jack Sparrow” von einer gänzlich anderen Seite zeigen.

Ab der Mitte gewinnt der Film deutlich. Das Timing wird besser, es muß weniger erklärt werden, die Motivationen der Figuren sind durchskizziert und man kann sich endlich etwas in die Geschichte fallen lassen, die tatsächliche ganz süße Momente hat. Die Chemie zwischen Cox und Danes ist nicht überragend, reicht aber aus um ihnen die erste zarte Liebe abzunehmen. Der unausweichliche Showdown mit den Hexen bietet ebenfalls einige schöne Momente, in denen die Pfeiffer nochmal mit breiten Strichen die Bösewichtin geben darf. Angenehm fallen die vielen kleinen Bösartigkeiten auf, die man auch aus den Büchern Gaimans kennt, sowie die nötige Grausamkeit mit der hier gemordet und gekämpft wird. Hier merkt man dem Regisseur seinen Background als Erwachsenenfilmer an, der wenig Ambitionen hat die Story in Niedlichkeit und Harmlosigkeit zu ertränken.

Weniger schön sind, wenn auch nicht dramatisch ablenkend, sind leider die vielen eher billig aussehenden Special-Effects, die ihre Computerabstammung an keiner Stelle verleugnen können und die man auch von Filmen in dieser Preisklasse schon besser gesehen hat. Andererseits, sieht die Konkurrenz kaum besser aus, wenn man sich den schrundigen CGI-sbären aus dem demnächst anlaufenden “Goldenen Kompass” und die dort zelebrierten Renderbilder im Trailer anschaut. Stardust hätte bisweilen bessere Tricks verdient, handgemachtere Tricks und etwas mehr Monty-Python-Flair um die durchwachsene Story zu erden. Wobei der Showdown im Hexenpalast sowohl tricktechnisch, als auch vom Setdesign durchaus schick anzusehen ist.

Es bleibt ein mixed-bag of goods and not-so-goods, das dennoch das Ansehen lohnt. Auch wenn sich hier noch nicht alles so zusammenfügt, bleibt doch letztlich eine unterhaltsame, ironische und bisweilen sehr witzig-niedliche Fantasy-Story, die zusammen mit dem von der Henson-Company produzierten “Mirror Mask” mehr Lust macht auf weitere Gaiman-Verfilmungen.

Wie wäre es denn endlich mal mit Good Omens?

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Von Batz am 4, 11, 2007 um 23:36 in CineBatz | Kommentieren »

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