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    Letztes Lichtspiel: 30 Days of Night

    “I did what I had to do!”

    Originaltitel: 30 Days of Night
    Herstellungsland: Neuseeland / USA 2007
    Regie: David Slade
    Darsteller: Josh Hartnett, Ben Foster, Melissa George, Danny Huston, Kate O’Rourke

    30 Boring Nights

    Darrow ist ein Kaff weit im Norden von Alaska. Einmal im Jahr verschwindet die Sonne dort für 30 Tage ganz und lässt die Bewohner die dort bleiben in ewiger Eisnacht zurück.
    Sherriff Dingsbums (Josh Hartnett) bereitet sich grade auf diese Tage vor, als plötzlich ein stammelnder Penner aufgegriffen wird, der ankündigt das “sie” kommen würden. Ehe man diese Aussage in näheren Zweifel ziehen kann, sind “sie” allerdings auch schon da. Vampire. Rumänen mit schlechten Zähnen, die Kreischen, Meucheln und mit Untertiteln reden.

    Die wenigen überlebenden der ersten Mordsnacht dürfen um ihr Leben kämpfen und hoffen auf den Sonnenaufgang.

    Ein wirklich geiler Vampirfilm. Stylish, enorm spannend und durch seine faszinierenden, nachvollziehbaren Charaktere bis zum Schluss enorm unterhaltsam. Ein echter Klassiker des modernen Blutsaugerfilms. Doch genug zu “Near Dark”, kommen wir zu “30 Boring Nights”, einer weiteren Comicverfilmung mit dem Esprit einer Packung Haferflocken.

    Es fällt schwer anzufangen, was an diesem Heuler alles nicht funktioniert. Ist es die nicht vorhandene Story, die wirkt als habe man jeden Tag einfach fröhlich drauflosgedreht, mal in diesem mal in jenem Haus, ohne Struktur oder innere Logik? Sind es die hölzernen Charaktere die es trotz ausufernder Dialogszenen nicht schaffen auch nur ein Fünkchen Persönlichkeit zu entwickeln oder irgendeine Chemie untereinander zu zeigen? Ist es die beständig flache Spannungskurve, die die Minuten zäh und öd dahinfliessen lässt?

    Es ist das alles und noch viel mehr. Was der Brite David Slade (der zuvor durch das perfide, Exploitationfilmchen Hard Candy auffiel) hier abliefert ist wirklich erstaunlich. Angefangen beim völlig missratenen Colorgrading, das dem Film einen dilletantisch künstlichen Look verpasst, welcher nie wirklich Stimmung aufkommen lässt, über die charismalosen Vampire, deren Boss aussieht wie der Filialleiter einer russischen Kreissparkasse (und der beständig flauschige, wie sinnlose Aphorismen in Vampirsprech von sich gibt, wie ein wandelnder Glückskeks), die albernen übrigen Vampire, deren Make-Up hauptsächlich in schwarzen Kontaktlisen, blutigem Kinn und schlecht sitzenden Zahnprothesen besteht oder die wie vom Schultheater ausgeliehen aussehenden Fusselbärte, die den meisten männlichen Darstellern ins Gesicht gebappt wurden. Inklusive einem Hagrid Double, das zwar eine der wenigen Actionsequenzen bestreiten darf, dann aber durch einen extrem blödsinnigen Tod nervt, bei dem er in einem Stück die Explosion einer Kiste Dynamit überlebt.

    Das Tödlichste für einen Horrorfilm ist diese bodenlose Langeweile, das absolute fehlen von Entwicklung, von Zuspitzung, von Beklemmung. Obwohl das Drehbuch ganze Wochen überspringt (die offenbar noch langweiliger waren, als das was man uns zeigt), erscheint die Story ebenso festgefahren und eingefroren wie die Stadt. Es passiert nichts, man könnte ganze Sequenzen umtauschen, ohne das es wirklich etwas ausmachen würde. Beliebige Episoden unserer apathischen Heldentruppe die mal in diesem Haus, mal auf jenem Dachboden herumwarten, mal wieder rausgehen, angegriffen werden, wieder reingehen.

    Bis auf eine Luftaufnahme der berserkenden Vampire, hat der Film optisch so gar nix zu bieten. Die Kamera klebt den Akteuren im Gesicht, wie in der billigsten Telenovella. Jeder Schreckmoment, wird nicht nur als Buh-Effekt umgesetzt, sondern obendrein noch so eindeutig angekündigt, das man nichtmal mehr auf die dauerkreischenden Vampire plus “Ka-Schriiiimmm”-Toneffekt reagiert. Warum auch, zu sehen gibts in der Regel eh nichts, denn die Kamera wackelt (oftmals digital geschüttelt) herum, daß man wahrscheinlich nichtmal im Freezeframe auf DVD erkennen kann, was denn nun eigentlich passiert ist. Das spart eine gute Actionchoreographie und teure Make-Up-Effekte, von denen das Budget wohl nur 3-4 insgesamt erlaubt hat. Ein paar zersäbelte Vampire und eine Axt im Kopf sind schon das Aufwendigste, was hier geboten wird. Selbstverständlich auch das völlig spannungsfrei.

    Noch was? Achja, die Continuity hatte wohl auch Urlaub, denn egal wieviel Tage zwischen einzelnen Ereignissen liegen, es wirkt stets, als vergingen nur Minuten zwischen den Szenen. Da machts auch nichts, daß das Blut im Sherrifsbüro nach zwei Wochen noch genauso frisch rot glänzt wie am Tag des ersten Massakers, da stört es auch nicht das störrische Schneeflocken sich stundenlang an Mützen, Bart und Klamotten der Darsteller festhalten, egal wie lange diese schon wieder in Innenräumen sind. Das die digitalen Schneeflocken in einigen Szenen aussehen wie aus einem Heim-PC und konsequent an allen Gegenständen vorbeifallen, ist dann auch schon egal.

    Am ärgerlichsten ist bei der ganzen Chose, ausser der viel zu langen Laufzeit von rund 113mins, daß er sich bei allen lächerlichen Dialogen, albern umherkreischenden und fauchenden Vampirbembeln, die mehr als einmal für ungewollte Heiterkeit im Publikum sorgten, daß sich der Film so ungeheuer ernst nimmt. Die Schauspieler und das was sonst so mitmacht, spielen sich einen Wolf. Einen räudigen Wolf zwar, aber immerhin. Josh Hartnett guckt den ganzen Film, als hätte man ihm die Klöten hochgebunden und auch sein leicht langweiliges Love-Interest, daß ihm in Apathie in nichts nachsteht macht zusammen mit einem relativ überflüssigen kleinen Bruder und dem Hagrid-Lookalike den Eindruck sich einen Oscar erspielen zu wollen. Mehr Drama, ihr leidet. Ihr sitzt rum, seit 20 Tagen. Äh keine Ahnung was ihr in der Zwischenzeit gemacht habt, oder die Vampire. Aber es ist alles ganz furchtbar, also guckt gefälligst traurig. Der Sheriff musste eben was ganz unaussprechliches machen, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke, DRAMA!

    Das Ende erinnerte mich dann auch an einen weiteren miesen Film: Van Helsing. “I’ve never been to the sea!

    Ach bäh… da guck ich mir lieber nochmal freiwillig Mel Brooks Dracula an. Der war zwar auch scheisse, hat sich aber wenigstens nicht ernst genommen.

    PS: Hier die üblichen Wortspiele eines solchen Reviews. The movie sucks. Er ist blutleer und hat keinen Biss. Haha.

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    Von Batz am 9, 11, 2007 um 2:27 in CineBatz | 1 Kommentar »

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    Ein Kommentar zu “Letztes Lichtspiel: 30 Days of Night”

    1. Foxxi Sagt:

      Danke! Das lindert meine Kinofilmrückstandsdepression ganz gewaltig. Da man auf Deine Kritiken erfahrungsgemäß vertrauen kann werde ich diesen Film von meinen Kino-To-Dos auf meine DVD-To-Dos setzen!

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