Vor einem Jahr…
Zufall? Wer’s glaubt.
Nachdem das ZDF mit Maybritts schwafelnder Liebhab-Runde vorlegte, wollten die knallharten Öffentlich Investigativen von “hart aber fair” nicht hintanstehen und hievten schnell auch eine Sendung zum Thema “Glauben” ins Programm. Selbstverständlich ohne Hintergedanken besetzt. Es muß Zufall gewesen sein, das man die als schroff und eher spröde bekannte Jutta Dithfurth für die kirchenkritische Seite einlud und als ihren Gegenpart einen Erfolgsautoren der aussah wie der Weihnachtsmann persönlich, der so gnadenlos verständnisvoll und freundlich daherkam, daß die Sympathien der Zuschauer automatisch auf seiner Seite lagen.
Es muß auch Zufall sein, daß man als Alibi-Kritiker und in Ermangelung von Kerkeling, den Maybritt schon verbraucht hatte, der erzsympathische Jürgen Becker eingeladen wurde, der aber eigentlich auch nur sagte, wie dufte er Religion findet und das er ja nichts dagegen habe worauf er folgerichtig auch kaum den Mund aufmachte und davon Abstand nahm irgendwas kritisches zu sagen.
Es muß Zufall sein, das die religionskritischen Zuschauerkommentare von Plasbergs Rauschgoldengel als “Zweifler” eingeführt wurden und man mehrfach auf “bekennende Atheisten” verwies. Es muß Zufall sein, daß Schwiegersohn-Ersatz und Berufsschmierlappen Marcus Lanz mit öligem Verständnis die Gerontenfraktion bediente und mit Versicherungsvertretervisage den Werteverlust der bösen, gottlosen, unterhaltungssüchtigen Gesellschaft anklagte. Es muß Zufall sein, das sich Moderator Plasberg selbst mehrfach auf seine Konfession berief.
Es muß Zufall sein, daß Frau Dittfurths valide Argumente über die Zweifelhaftigkeit der grade von allen Medien nachgebeteten “Glaubensumfrage der Bertelsman-Stiftung”, die behauptet 70% aller Deutschen wären grenzdebil religiös, unkommentiert unter den Teppich gebügelt wurden.
Es muß Zufall sein, das man zum Ende hin knuffige Nonnen in einem Wellness-Kloster präsentierte, denen irgendwie so gar keiner Böse sein mochte, nichtmal Bruder Lanz.
Am Ende durfte Becker noch ein Karnevals-Schunkelsong singen, nachdem in der ganzen Sendung mal wieder sehr geschickt Glaubenspropaganda vermittelt wurde.
Schön das es so “hart aber fair” zuging. Genauso wie damals, als über Killerspiele diskutiert wurde.
Von Batz am 19, 12, 2007 um 23:05 in MediaBatzBits | 7 Kommentare »___________________________________________________________________________
7 Kommentare zu “Zufall? Wer’s glaubt.”
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19. Dezember 2007 at 23:28
naja, die leute glauben dran, was sie dort gezeigt bekommen.
20. Dezember 2007 at 10:41
Wenn irgend eine Umfrage behauptet, 70% aller Deutschen wären grenzdebil, dann ist dies sicher richtig…
Und meine Eltern begreifen sich selbst auch als religiös (römisch-katholisch). Dabei waren sie zuletzt vor >30 Jahren in einer Kirche.
20. Dezember 2007 at 20:51
Mhm, Nina Hagen war bei der Runde aber nicht zufällig dabei?
vgl.:
de.youtube.com/watch...
22. Dezember 2007 at 0:24
Was waren denn Difurths Argumente über die Zweifelhaftigkeit der Bertelsmann-Studie?
22. Dezember 2007 at 23:49
Zum Beispiel das man als religiös eingestuft wird, wenn man sich Gedanken über die Welt macht oder sich mal mit der naturverbunden gefühlt hat. Alle Medien haben unterschlagen, daß die Bertelsmann ein sehr christlich und kirchenfreundlicher Konzern ist, der seine eigen Agenda fährt und deswegen ein Interesse dran hat eine möglichst hohe “Gläubigkeit” in der Bevölkerung herbeizureden.
Man hätte die Erhebung auch gleich von der Amtskriche durchführen lassen können, wäre genauso ernstzunehmen gewesen.
24. Dezember 2007 at 0:56
Batz: Letzteres ist mir bekannt … handfeste handwerkliche Mängel (wie eine überaus schwammige Definition von “Religiosität”, unter die dann praktisch jeder fällt der mehr als 2 Gehirnzellen hat) untermauern de Zweifelhaftigheit allerdings deutlicher.