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    Ich bin wie Ross, gebt mir ein aus!

    Es ist sehr erheiternd den guten Ross Anthony, die Quotenschwuppe im Dschungelcamp bei der täglichen Hysterie zu beobachten. Besonders wenn man sich vergegenwärtigt, daß man selbst genauso reagieren würde (okay weniger tanzen und mehr zynische Kommentare wahrscheinlich). Ich find Ratten nichtso schlimm, aber bei allem was mehr als vier Beine hat gerate ich auch in Panik (deswegen mag ich keine Polonäsen).

    Irgendwie erinnert mich das Dschungelcamp auch fatal an die gefühlten zwei Monate (von denen meine Mutter behauptete es seien nur drei Wochen gewesen) die ich in einem Ferienlager namens Indianer-Camp verbrachte. Eingepfercht zwischen Prekariats-Blagen, mit dürftiger Billigstverpflegung (meine Mutter schickte mir mehrfach Fresspakete, weil ich mich nicht durchringen mochte den gemeinen Fraß dort zu mir zunehmen, der von unterbezahlten Sozialarbeitern und schlechtgelaunten 10jr zubereitet wurde) verbrachte ich die Tage und Wochen dort genau wie Ross. Jeden abend hing ich heulend in der Telefonzelle und wollte nach Hause. Alles war dreckig, eklig, voller Insekten, die morschen Zelte waren undicht, alle außermir sowieso doof und es gab keine Wäsche zum wechseln und überhaupt hatte man seine Indianeruniform (die von den Eltern in liebevoller Kleinarbeit handgeschneidert worden war) am ersten Tag ganz nach unten in den Seesack gesteckt und lief in Jeans und T-Shirt umher. Was dem norddeutschen Mischwald auch angemessener war, als die stilechte Apatchenmontur und auch wenn ich ihn mir ausgesucht hatte, wollte ich im Grunde nicht wirklich mit dem Namen Tatanka Jutanka angeredet werden. Tatanka Öltanker, wie meine Prekariatsgenossen verbessert hatten. Es war grauenhaft. Von der vermeindlichen Lagerfeuerromantik ist mir auch nur das eklige Stockbrot in Erinnerung, ein pappiger Brei, der außen verbrannt und innen heiß und roh war, den uns die Lageraufseher wohl auch nur deswegen zu essen gaben, weil es die einzige Möglichkeit war die Gören mal für eine halbe Stunde dazu zu bringen die Fresse zu halten, denn sobald man einen Happen Stockbrot im Mund hatte, der dort immer mehr wurde, war an reden nicht mehr zu denken.

    In den Gemeinschaftsduschen war es kalt und wimmelte von Arachniden und als wir am letzten Tag vor der Heimfahrt eingeteilt wurden Bäume zu reparieren, die ein paar Idiotenkinder mit Äxten beschädigt hatten (die Sozialarbeiter hatten Angst vom Forstamt eins aufs Dach zu bekommen), schaffte ich es endlich den erlösenden Satz zu sagen: Ich bin ein Batz, holt mich hier raus. Trotz inständiger Bitten der Sozialarbeiter ich möge doch noch einen weiteren Tag bleiben, ließ ich mich abholen.

    Mein Bedürfnis längere Zeit mit Natur in Berührung zu kommen, ist seit jenen Tagen stets überschaubar geblieben.

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    Von Batz am 15, 1, 2008 um 17:26 in MediaBatzBits, TagesBatz | 6 Kommentare »

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    6 Kommentare zu “Ich bin wie Ross, gebt mir ein aus!”

    1. Dentaku Sagt:

      “deswegen mag ich keine Polonäsen” — Großartig.

    2. Alyss- Sagt:

      Hahaha- dieser Artikel hat mir echt meinen eigentlich versauten tag gerettet! Danke! :P

    3. r|ob Sagt:

      Ich fand diesen Artikel einfach….ich fand den einfach (Vater dieser Zeilen versucht sich zu fassen)… ich fand ihn…

      (Vater dieser Zeilen wendet sich ab und fängt an, bitterlich zu weinen) … (Rosstränen)

    4. Manniac Sagt:

      Ich kanns zum Teil nachvollziehen, zum Teil auch nicht. Ich war mit 10 mit irgendeiner gottverdammten katholischen Jugendgruppe im Kleinwutachtal oder so, und da gab es einen Bach, viele Spinnen, saudumme aeltere Kerle, eine Frau namens Clarissa, Stockbrot und ein Plumpsklo.
      Ich mochte etwa 50% der aufgezaehlten Dinge. Und Stockbrot gehoert definitiv dazu.

    5. pantoffelpunk Sagt:

      Schwuppe, Du!

    6. dauni Sagt:

      *lol* *Lachtränenwegwisch*

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