Vor einem Jahr…
Ganz gerührt
bin ich mal wieder, wie einig sich alle Diskutanten sind, das man die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung auch für das mutmaßliche Charakterschwein Ermittlungsopfer Zumwinkel zu gelten habe. Das man sich sorgt, wie belastend doch so ein Verfahren für den Betroffenen sein muß. Das man auf keinen Fall vorverurteilen dürfe oder gar einen Pranger aufbauen. Das die Medienhatz auf den armen Zumwinkel doch sehr fragwürdig sei. Das man betonen müsse, daß die meisten deutschen Manager hart arbeitende Menschen sein. Das es doch sehr fragwürdig ist, wenn durch die von den Ermittlern eingekauften Daten die Privatsphäre verletzt würde und man doch ganz kritisch fragen muß, ob man nicht auf den Weg in einen Spitzel und Überwachungsstaat sei. Das wir ja alle mal der Putzfrau mal schwarz nen Hunni rüberschieben.
Soviele rührige Demokratiepflege lässt einem alten Demokraten wie mir natürlich das Herz aufgehen.
Ich bin mir sicher, daß alle Diskussionsteilnehmer von Frau Will sich genauso engagiert zu Wort melden werden, wenn das nächste mal wieder gegen HARTZ-Empfänger und andere Gruppen gehetzt wird, die es sich nicht leisten können mit einer “Zahlung in erheblicher Höhe” eine “Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei”-Karte zu kaufen. Das sie sich genauso engagieren, wenn durch Vorratsdatenspeicherung und andere Überwachungsmaßnahmen schrittweise die Privatsphäre demontiert wird. Das sie genauso vehement Fürsprache halten für den “Sozialschmarotzer” der 200€ an der Steuer vorbeischiebt oder 50€ zuviel vom Amt kassiert hat.
Darauf freu ich mich jetzt schon. Also los Leute, enttäuscht mich nicht!
Von Batz am 17, 2, 2008 um 22:14 in MediaBatzBits | 5 Kommentare »___________________________________________________________________________
5 Kommentare zu “Ganz gerührt”
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17. Februar 2008 at 22:27
Die Diskussion um die Unschuldsvermutung scheint überholt. Herr Zumwinkel hat wohl zum Teil gestanden und schon überwiesen (Spiegel). Deshalb ließ man ihn auch erst einmal wieder laufen.
Die Politik scheint sich ja im Moment in seltener Einigkeit zu üben:
trupoli.com/de/topic...
Ob daraus auch (weitere) Taten folgen bleibt abzuwarten.
17. Februar 2008 at 22:51
Was aber wenig dran ändern dürfte, daß Leute wie die Gäste bei Frau Will sich wesentlich mehr für arme Manager in Zeug legen, als für Leute die nicht zu ihrer Peer-Group gehören
18. Februar 2008 at 8:47
Herr Zumwinkel ist ja, laut Merkel, eine Ausnahme, ein schwarzes Schaf, welches die anderen hart arbeitenden Manager in ein schlechtes Licht rückt. Yeah, right. Deswegen wird auch oft und gerne erwähnt, dass alle Gutbetuchten nun aufpassen müssten, da noch runde 1000 weitere Ermittlungen in naher Zukunft starten würden.
18. Februar 2008 at 10:50
Äh, natürlich gilt die Unschuldsvermutung bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung. Deshalb finde ich es auch wichtig, dass es zu einem ordentlichen Prozess kommt, damit man anschließend von einem “rechtskräftig verurteilten Steuerhinterzieher” sprechen kann.
Ich fürchte nur, “Bild” wird bald vor lauter Schizophrenie auseinanderfallen: Wer sind denn jetzt die Bösen? Die Hartz-IV-Empfänger, die nicht arbeiten wollen, oder die da oben, die krumme Dinger drehen? Da blickt doch niemand mehr durch.
18. Februar 2008 at 10:54
Und was wäre, wenn man dadurch jetzt nur noch mehr freie Bahn hätte bei der Post? Springer kommt der Fall doch wohl ganz recht.