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    Zappat! – Kapitel 20

    Wie schon angekündigt wird es mit Garry Poppers noch bis Ende des Monats dauern, ehe es weitergeht. In der Zwischenzeit hier für alle Zappat!-Fans – ein weiteres Kapitel um die Erlebnisse der glücklosen Okkultisten, die im beschaulichen Hannover ein paar Dämonen beschwören wollten. Wie die Geschichte anfing, könnt ihr hier lesen im ersten Kapitel. Die Übersicht über alle Folgen findet ihr hier.

    Kommentare sind wie immer willkommen. Genau!

    Warum alles so schwierig ist

    »-noch eine Beschwörung? Haben wir noch nicht genug Trouble?« Bella saß auf ihrem Bett und sah auf uns herunter. »Was habt ihr vor? Wollt ihr euch beschweren? Der Typ sah nicht aus als wäre er offen für Vorschläge. „Entschuldigen Sie, wir haben da ein kleine Reklamation…“ « Sie schüttelte den Kopf. »Sorry, Ben, das ist verrückt.«
    »Aber das ist meine einzige Chance«, sagte Ben unglücklich.
    »Das wird doch alle nur noch schlimmer.«
    »Aber… er hat Jana zurückgebracht.« Ich mußte wieder husten und es dauerte einige Sekunden ehe ich wieder sprechen konnte. »Sie.. sie ist gestern abend mit meinen Eltern gekommen. Wie wenn sie das Wochenende mit ihnen zusammengewesen wäre.«
    »Und das findest du normal.?«
    »Sie ist wieder da, Bella, verstehst du das nicht? Mir ist es egal ob das normal ist oder nicht. Ich will nur-« Ein zweiter Hustenanfall trat mir frontal in die Lungen. Als ich wieder atmen konnte war mein Gesicht knallrot, liefen mir Tränen über die Wangen.
    »Mensch, das hört sich verdammt übel an.«
    »Ich übe noch…«, keuchte ich.
    »Was ist denn los? Gestern nachmittag warst du doch noch ganz fit.« Bella sah besorgt aus.
    Ich zuckte die Schultern. Wenn der Arzt schon nicht mehr wußte als das ich krank war und Fieber hatte; woher sollte ich dann wissen wann und wie ich mir diesen Mist eingefangen hatte. Nun, mal abgesehen von dem Platzmonsun vor zwei Tagen, der sicherlich einen gewissen Anteil an der Sache hatte.
    »Wenn du angerufen hättest, wär’ ich rübergekommen.« Sie betastete kurz meine Stirn. »Shit, du glühst ja! Du solltest im Bett liegen und nicht hier rumhocken.«
    »Du darfst mich gerne ins Bett bringen.« schlug ich matt vor.
    »Keine billige Anmache, Schätzchen. Heb dir das für später auf.«
    »Bella hat recht. Du siehst wirklich ziemlich Scheiße aus«, ergänzte Bennie der neben mir auf dem Teppich saß. »Du könntest als Zweitbesetzung für Phantom der Oper durchgehen.« Nur falls ich es noch nicht mitbekommen hatte.
    »Du siehst aus-«
    »Ich hab’s verstanden!«, krächzte ich mürrisch, »Ihr braucht’s nicht weiter auszuschmücken, gebt mir doch gleich den Gnadenschuß.«
    Mir war kalt und ein bißchen schwindelig. Sie hatten beide recht, aber in Anbetracht von Bennies Problemen, versuchte ich mich zusammenzureißen. Das ist jedoch gar nicht so einfach, wenn man alle paar Minuten kleine Lungenbläschen auf die Auslegware hustet.
    »Ich… muß jetzt los. Meine Mutter… ich will sie nicht so lange allein lassen.« Ben stand auf. Er hatte sich etwas beruhigt, sah aber immer noch aus, als wär er mit dem Bolzenschußgerät geweckt worden.
    »Schon klar«, Bella brachte ihn noch bis zur Tür, nahm ihn kurz in den Arm. »Halt dich senkrecht, man. Wir telefonieren nachher, dann besprechen wir alles. Ja?«
    Ben nickte langsam.
    »Hey…«, ich räusperte mich, »es tut mir leid. Wirklich.«
    Er lächelte gequält.
    »Gute Besserung«, sagt er und ging.

    Bella kehrte nach einer Weile mit zwei Tassen zurück, als ich mich gerade mühsam aufrappelte und versuchte, die Dunstwolken aus meinem Kopf zu vertreiben, die mich bei jeder hastigen Bewegung umnebelten.
    »Hier, meine Ma hat ihn extra für dich gemacht, weil ich gesagt hab das du krank bist.« Bella stellte eine Tasse mit heißem Kakao neben meine Hand auf den Tisch, die andere hielt sie selbst fest umklammert, nippte daran.
    »Was denkst du?«, fragte ich mit heiserer Stimme und hielt mich fester an ihrem Schreibtisch fest. Langsam hörte der Raum auf zu rotieren.
    »Weißnich. Ich glaub’s immer noch nicht. Fuck, verdammter.«
    »Gerd war ein Arschloch… aber… verdammt keiner wollte doch im Ernst das er stirbt. Bennie hat das doch nur so gesagt, weil er sauer war.«
    »Ich weiß nicht.« Es klang vage.
    »Was meinst du? Denkst du das Bennie sich das tatsächlich gewünscht hat?«
    »Vielleicht. Vielleicht fühlt er sich deshalb so mies, weil es das ist was er wollte.«
    »Du spinnst doch! Ben ist doch kein- kein Mörder!«
    »Das sage ich doch gar nicht. Scheiße, er ist unser Freund. Aber vielleicht hat er gewünscht das sie tot wären, wenn sie ihn mal wieder so übel angepisst haben. Du hast mir doch das mit der Uhr erzählt. Das war am Samstag. Er hatte an diesem Abend eine Scheißwut auf Gerd.«
    Ich nahm einen großen Schluck vom heißen Kakao und verbrannte mir die Zunge. Für den Rest des Tages fühlte sich mein Mund an wie mit Styropor verkleidet. Mit dem Handrücken wischte ich mir über die Oberlippe.
    »Aber das ist nicht fair«, sagte ich fast quengelnd. »Er hat es doch nie im Leben so gemeint.«
    »Vielleicht nur für eine Sekunde.«
    »Scheißdreck, es ist doch egal warum. Wir müssen irgend etwas tun um ihm zu helfen. Hast du sein Gesicht gesehen?«
    »Yep, als ihr kamt dachte ich das er gleich aus dem Fenster springen will.«
    »Meinst du er könnte-?« ich ließ beinah meine Tasse fallen.
    »Nein, bestimmt nich’! So hab ichs nicht gemeint.« Pause. »Aber du hast recht, ich hab ihn noch nie so down gesehen. Und er war in letzter Zeit schon öfter ‘n bißchen bedripst.«
    Ein Zeit lang schwiegen wir beide. Starrten die Kakaoklümpchen an, die in den Tassen kreisten und langsam versanken, wie Kontinente in Milch.
    »Wir müssen noch eine Sitzung hinbekommen.« sagte ich endlich. »Es muß rückgängig gemacht werden.«
    »Ich weiß nicht. Was ist wenn es ein ganz normaler Unfall war und Bennie redet sich jetzt nur ein das er schuld ist?«
    »Aber du hast doch gesagt-«
    »Ich hab gesagt, das er es sich vielleicht gewünscht hat, als er sauer war. Nicht das es deshalb passiert ist.«
    Zugegeben, Bellas Gedankengang war mir nicht unbekannt. Meine ersten Worte an Ben heute Morgen war fast dieselben gewesen. Dennoch-
    »…aber es ist doch komisch das es gerade gestern passiert ist. Warum nicht die Woche davor oder nächste…? Warum gerade gestern?«
    Bella zuckte die Achseln.
    »Shit happens.«
    Darüber dachte ich einige Sekunden nach. Die banalste, einfachste Erklärung von allen. Ja klar, shit happens, damit könnten wir die Sache vergessen… wenn nicht-
    »Und was ist mit Jana?«, ich unterdrückte ein Husten, »willst du- willst du auch sagen, daß das Zufall ist? Sie ist wieder da, du- du kannst mitkommen und sie dir ansehen… ha… wahrscheinlich freut sie sich sogar wenn du kommst.« Es war mit selbst nicht ganz geheuer, was ich sagte. »Nein, das war kein Unfall mit Gerd und Ulli… und wir müssen es rückgängig machen.«
    Bella hörte mir zu. Sie trank ihren Kakao in einem langen Schluck aus. Stellte die Tasse ab. In einer surrealen Sekunde überlegte ich mir, ob sie wohl nach Schokolade schmecken würde, wenn ich sie jetzt küßte. Was ich selbstredend nicht tat. Ich verdrängte den aufmüpfigen. unpassenden Gedanken und sperrte ihn in eines der schäbigeren Zimmer am unteren Ende des Stammhirnes.
    »Wenn das stimmt«, sagte sie zögernd, »dann muß Jana auch wieder verschwinden.«
    »NEIN!« Ich wäre fast aufgesprungen, meine Hand die gegen die Tasse schlug verursachte eine kleine Kakaoüberschwemmung auf der Schreibunterlage und verwandelte den von der Fernsehzeitung grinsenden Thomas Gottschalk in einen verquollenen Whitney-Huston-Klone. Unüberlegt wie ich war, patschte ich auch noch mit dem Handgelenk in die Pfütze- »Nein, nicht Jana, sie- sie- nein.«
    »Sie war auch Teil des Handels.«
    »Es gab doch überhaupt keinen Handel! Ich weiß nichtmal warum das alles überhaupt passiert ist. Wir sind doch nie bis zu einem Handel gekommen..? Bella?« Wieder wurde ich durch einen Hustenkrampf einige Zeit außer Gefecht gesetzt. Es schien entsetzlich kalt zu sein.
    »Hey…« Bella umfaßte sanft meine Schulter. »Alles okay? Mann du solltest noch mal zum Doc gehen…«
    »Hab doch schon Pillen gekriegt…«, quiekte ich fast tonlos.
    »Komm jetzt , ich frag meine Ma, ob sie dich schnell rumfährt, du gehörst wirklich ins Bett.«
    Meine Proteste nützen nichts, sie war schon aus dem Zimmer. Nicht das ich sonderlich laut protestiert hätte.
    Für den Moment wrang ich dem Zipfel meines Ärmels aus und lehnte mich zurück. Und in meinem Hinterkopf echoten hohl meine eigenen Worte: aber es gab doch überhaupt keinen Handel!
    Mittlerweile fragte ich mich ob das stimmte.
    Bellas Mutter fuhr mich dann wirklich kurz darauf nach Hause. Ich hockte in eine Autodecke gewickelt auf der Rückbank und kröchte.

    Von Batz am 19, 2, 2008 um 2:17 in Zappat | 1 Kommentar »

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    Ein Kommentar zu “Zappat! – Kapitel 20”

    1. foxi Sagt:

      Ahh, toll, daß es weitergeht mit der Zappat Geschichte :)
      Ob Jana wohl bleiben kann? Warten wir’s ab!

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