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    Der Schuh des Monitor

    Gott sieht die Birgitt Schrowange heute scheiße aus, dachte ich eben beim zappen. Die neue Frisur steht ihr gar nicht und seit wann hat die so eine ätzend weinerliche Stimme? War sie dann auch gar nicht, sondern die Mutter von Klaus Bednarz, die jetzt anscheinend Monitor moderiert und ihre Moderationen gerne mit einer persönlichen Note nach dem Schema: “Als ich heute morgen vom Klo komme, fällt mir ein…” beginnt.

    Als sie gestern vom Klo kam, standen da zwei Jugendliche die das Wort GangBang benutzt haben. Das fand die Mutter von Klaus Bednarz nicht sol toll, denn zu ihrer Zeit da gab es sowas nicht. Da gab es auch kein Internet, da mußten die jungen Leute noch mit der Laterna Magica schmutzige Schattenbilder an die Höhlendecke werfen um sich erotisch zu stimulieren.

    Und wem das noch nicht abstrus und weltfremd genug klingt, der hatte sicher auch am darauf folgenden Beitrag keine Freude, der klang als hätte die Frau mit der weinerlichen Stimme ne Praktikantin vor die Tür geschickt um mal eben zwei Türkenjungs zu filmen, während sie darüber dann mit entsetzt, schockierter Stimme alte Emma-Artikel verliest, davon wie schlimm und widernatürlich das ist, daß Jungs heute soviel Porno gucken. Frauenfeindlich, Abstumpfung, degeneriert, widernatürlich, die Liebe bleibt auf der Strecke, weil Kinder ja alles für bare Münze nehmen und deswegen glauben Kids auch nachm Supermanfilm sie können fliegen, nach nem Disneyfilm Mäuse können reden und nach “Spermaschlampen Teil IV” alle Frauen seien willige Luder die nur danach dürsten, es aknegeplagten, Halbstarken mit Flaumbart mal ordentlich zu besorgen. Dazu darf ein zugelaufener Sozialpädagoge auch nochmal betroffen in die Kamera gucken und die Frau mit der weinerlichen Stimme reißt nochmal ein paar Interviewfetzen aus dem Zusammenhang, stellt ein paar durch nichts gedeckte Behauptungen auf, die wenig mehr sind als stammtischerne Bauchgefühle und man einigt sich drauf, daß früher alles viel besser war.

    Aber schade, sagt die Mutter von Klaus Bednarz am Ende, diese Zeiten kommen nie nie wieder, und auch wenns toll wäre das Internet abzuschalten, irgendwie erscheint das nicht ganz realistisch. Und dann guckt sie nochmal mit zitterndem Blick in die Kamera und sagt: “Wir müssen mit den Kindern reden, aber nicht hysterisch, sondern ganz offen unverkrampft und cool.”

    Genau so cool und unverkrampft wie dieser Beitrag war.

    Denn ich glaube ich kannte. Der lief sicher Anfang der 80er schonmal. Da waren es dann aber VHS-Recorder die das Ende der Welt bedeutet haben, weil zu meiner Schulzeit ham sich die Jungs auch schon getroffen und zusammen Pornos geguckt. Und auch wenn es Frau Bednarz schockieren wird: Pubertierende Jungs sind auch vor der Erfindung von Internet, Videohandys und GangBangParties 8x am Tag geil gewesen und haben sich einen runtergeholt. Und auch in meiner Klasse gab es kaum jemanden der mit 14 noch keinen Porno gesehen hatte. Sieht man ja wohin das geführt hat.

    Aber schon praktisch, wenn man dieselben Bauchgefühle und Scheuklappen und das gesamte jämmerliche Stellvertreter Entsetzen über 20jr immer wieder recyceln kann.

    Wie würde Maude Flanders gesagt haben: Denkt denn niemand an die Kinder?

    Und dann wurde mir klar, wie dumm es war Frau Bednarz mit Birgit Schrowange zu vergleichen. Bei der kommen die Tittenbeiträge am Ende und sind sexy aufgemacht, damit der Zuschauer bis zum Schluß dabei bleibt. In der ARD wird aus unrecherchiertem Bedenken der Aufmacher der Sendung.

    Von Batz am 13, 3, 2008 um 22:29 in TagesBatz | 7 Kommentare »

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    7 Kommentare zu “Der Schuh des Monitor”

    1. Bob Sagt:

      lol
      So sieht’s ma aus :) Nicht zu vergessen das Fernsehen und noch früher die doofen Comics, die den Untergang des Abendlandes eingeläutet haben. Mal sehn, über was wir uns in 20 Jahren mokieren dürfen.

    2. Martin Riemer Sagt:

      Klasse geschrieben!

      Das ständige Auftauchen der Formulierung “Parallelwelt Porno” erweckt bei mir den Eindruck, dass eine Auseinandersetzung nicht gewünscht ist.
      Hat bei “Parallel-Gesellschaften” auch funktioniert.

    3. dauni Sagt:

      Ein Wunder, dass Herr Pfeiffer nicht zu Wort gekommen ist. Zumindest war in einer der Statistiken “Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen eV.”, dessen großer Vorsitzender er ist, eingeblendet. Das besagt alles. Computer und Sex sind Teufelswerk und verderben unsere Jugend. Bäh.

    4. Kaboom Sagt:

      Eine Folge von Pornokonsum scheint mir zu sein, Menschen, die Kritik daran üben, als weinerlich, weltfremd und scheiße aussehend zu diskreditieren. Wenn diese alltägliche und allgegenwärtige Bilderflut also angeblich keine Abstumpfung und Verrohung zur Folge hat, was denn eigentlich dann? Was ist so positiv und normal daran, wenn 12- oder 14-Jährige sich das so massiv reintun? (Und da dürfte rein quantitativ schon ein gewaltiger Unterschied bestehen zwischen der pausenlosen Verfügbarkeit auf dem Handy und dem heimlichen Videokucken, wenn die Eltern gerade nicht da sind.) Alles ganz harmlos?

    5. Batz Sagt:

      Alles ganz harmlos? Die Frage beantwortest du nicht und die beantwortet Monitor nicht. An Stelle einer argumentativen Auseinandersetzung kommt “moralisches Anstoßnehmen”. Man kann und darf Pornographie kritisch sehen, aber nicht auf diesem Niveau. Wer alles was er selbst nicht kennt mit “abartig, entwürdigend, ekelhaft, frauenfeindlich” gleichsetzt und dazu einen Beitrag abliefert der journalistisch unter aller Sau ist, weil er nur Befindlichkeiten und Meinungen wiedergibt, der sollte sich nicht wundern, wenn es glossierende Kritik hagelt. Alleine das mantrahaft wiederholte “Parallelwelt Porno” machte deutlich wo die Autorin des Berichts stand. Das war kenntnisfreie Bauchargumentation, wie sie Alice Schwarer mit ihrer PorNo-Kampagne alle Jahre wieder aufleben lässt. Weit weg von jedem entspannten und positiven Umgang mit sexualität. Der Ekel vor der Geilheit der befragten Türkenjungs war der Autorin anzuhören. Aber: Nicht alles was man selbst nicht kennt ist eine Paralellwelt und abartig. Und die Abmoderation in der ein unhysterischer und offener Dialog mit Jugendlichen gefordert wurde, wurde durch den Beitrag Hohn gesprochen. Das ist als wenn der Gemeindepfarre der schon Wichsen für eine Todsünde hält sagen würde: Du kannst immer zu mir kommen, wenn du Probleme hast.

    6. Kaboom Sagt:

      Der Beitrag war eine Art kleiner Bestandsaufnahme und hat auch nicht behauptet mehr als das zu sein. Ich bin froh darüber, wenn das Thema überhaupt mal irgendwo kritisch aufgegriffen wird. Ich wünsche mir weitere und gerne sehr viel tiefgreifendere Sendungen dazu.
      Der Beitrag war aber mitnichten hysterisch oder kenntnisfrei, sondern ruhig und sachlich und ich konnte auch keinen Ekel feststellen, genauso wie nie von Widernatürlichkeit und Abartigkeit die Rede war. Wer das als Glosse verarbeiten will, sollte bei den Fakten bleiben, denn solche Behauptungen sprechen lediglich dafür, kein Problembewußtsein entwickeln zu wollen. Das ist die selbe alte Leier wie Alice Schwarzer nun wieder als unentspannt und sexfeindlich hinzustellen, weil man lieber nicht so genau hinhören will, was sie denn tatsächlich zu sagen hat.

    7. Batz Sagt:

      das letzte was mir Frau Schwarter sagen wolte war glaub ich: Kauft BILD. ;) Und auf einem ähnlichen Niveau lief auch ihre PorNO-Kampagne ab, die undifferenziert sämtliche Pornographie verdammt.

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