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    Letztes Lichtspiel: Indiana Jones… 4

    “I have a bad feeling about this.”

    Originaltitel: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull
    Herstellungsland: USA 2008
    Regie: Steven Spielberg
    Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Karen Allen, Shia LaBeouf, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent

    Die Zeiten haben sich geändert seit wir Indiana Jones zuletzt sahen, als er zusammen mit seinem Vater in den Sonnenuntergang ritt.

    Mittlerweile sind wir in den 50er Jahren. Rock ‘n’ Roll, Backfische, Halbstarke, Atomkriegsfaszination und die Paranoia des kalten Kriegs beherrschen den Alltag. Das bekommt auch Indy zu spüren, der immer noch als Professor unterrichtet und sich schon bald ungewollt zwischen den Fronten von FBI und KGB befindet.

    Doch keine Zeit sich damit auseinanderzusetzen, denn schon taucht ein junger Greaser namens Mutt (Shia LaBeouf) auf und zieht ihn in Abenteuer der übernatürlichen Art, bei dem es um versunkene Städte, mysteriöse Kristallschädel und die üblichen schlechtgelaunten Eingeborenen geht.

    Da isser wieder. Old Man Indy und trotz gewisser Zweifel im Vorfeld darf man sagen: Ford macht keine schlechte Figur. Er schlüpft dankbar und souverän wieder in die vertraute Montur und man zweifelt keine Sekunde daran, daß man Indiana Jones vor sich hat. Grauhaariger, älter, ein bißchen verknautschter klar, aber zweifelsfrei Indy. Das er mittlerweile Mitte 60 ist, sieht man ihm nicht an, auch wenn Shia Beouf und das Drehbuch nicht müde werden, ihn mit Gramps anzureden.

    Ford, der für seine Pressescheuheit bekannt ist, gibt sich ungewohnt zugänglich, wenn er mit Journalisten über Indy plaudert und betont, daß es auch sein ausdrücklicher Wunsch war, den Fedora- behüteten Archäologen wieder ins Abenteuer zu schicken. Das glaubt man gern, besonders, wenn man sich Fords Filme der letzten zehn Jahre anschaut, die seinem Starstatus nicht eben zuträglich waren. Sein letzter Hit liegt mit “Air Force One” über zehn Jahre zurück, dazwischen gab es viel Halbgares und Belangloses. Seine beste Rolle der letzten Zeit dürfte der kurze Auftritt in Jimmy Kimmels “I’m fucking Ben Affleck”-Video gewesen sein. Ford braucht Indy und es ist wirklich nicht seine Schuld, daß der Film nicht so richtig zünden will. Auch Karen Allen, die als Marion eine zweiten Auftritt abliefert, ist – auch wenn sie sich nicht ganz so gut gehalten hat wie Ford – kein Vorwurf zu machen. Nichtmal der im Vorfeld viel kritisierte Shia LeBeouf, macht seine Sache wirklich schlecht.

    Die Fehler des Films liegen viel eher auf Seiten der Macher. Denn alle Schwachstellen tragen deutlich, die fettigen Fingerabdrücke von George Lucas, des mittelmässigen Drehbuchautoren Koepp und der Regie von Steven Spielberg, der den Film routiniert auf Autopilot runtergekurbelt zu haben scheint.

    Kaum ein Interview, in dem Spielberg nicht betont, daß es nicht sein Herzenswunsch war den Film zu drehen, daß er sich von Lucas und Ford und den Fans überreden ließ. Das er nach wie vor “Temple of Doom” ziemlich verabscheut, daß er den neuen Film letztlich nicht für sich gedreht hat, sondern für die Fans. Na danke auch.

    Vielleicht war der vorgeschobene Grund, daß man kein passendes Drehbuch fand in der über zehnjährigen Vorbereitungszeit, eine Ausrede, um sich um Indy herumzudrücken. Vielleicht rührt Spielbergs Langeweile auch von den kreativen Differenzen hinter den Kulissen. Es ist bekannt, daß Lucas eine Drehbuchfassung von Frank Darabont, die sowohl Spielberg als auch Ford überzeugte, ablehnte, weil sie zu wenig seinen “Visionen” entsprach. Wie dem auch sei: Nachdem man überall rumerzählt, es hätte ewig gedauert ein wirklich gutes Buich zu finden, erscheint es umso erstaunlicher, welches Buch man jetzt verfilmt hat. Denn was David Koepp abgeliefert hat ist, wie die meisten seiner Sachen (die nicht auf einer Romanvorlage basieren) mittelmässig. Nicht superschlecht, aber auch weit entfern von wirklich gut.

    Aber der Reihe nach. Was stört mich denn eigentlich an Indy?

    Ich bin kein fanatischer Fanboy. Selbst bei Sachen wie Indy nicht. Ich kann mich für eine Sache begeistern, auch wenn sie nicht ganz so toll ist wie die Vorgänger. Ich mochte Die Hard 4.0 und fand ihn trotz der PG13-Zugeständnisse einen unterhaltsamen und sehenswerten Beitrag der Reihe.

    Mehr hab ich von Indy eigentlich auch nicht erwartet und die Trailer und die Vorabinformationen deuteten an, daß man sich auf einem guten Weg befand. Ja, der Trailer und die Setfotos, ja sogar die Fotos fühlten sich nach Indy an. Ich hatte keine übersteigerten Erwartungen, dachte aber der Film könnte was werden. Immerhin betonten alle Beteiligten immer wieviel Spaß sie hätten, noch einmal so einen richtig altmodischen Abenteuer zu drehen. Sie betonten, wie wichtig die Stunts und die handfesten Actionszenen in den Indyfilmen wären. Sie erzählten, daß dies wahrscheinlich der letzte Film wäre, der so richtig auf die herkömmliche Art gemacht würde. Klar, ein paar Matte-Paintings stammen aus dem Computer, aber ansonsten sei der Film ganz klassisch gedreht.

    Die Tricks

    Vergesst diese Sprüche. Es ist gelogen. Nicht ein bißchen geflunkert oder untertrieben, es ist eine dicke fette Lüge. “Indiana Jones und der unmöglich ungelenke Titel” ist so analog wie Speed Racer oder Titanic. Es sind nicht einige wenige Szenen, die digital “verbessert” wurden, sondern es ist der gesamte Film.
    Jedes Bild ist Colorgraded, was sich grade in der Eröffnungssequenz störend bemerkbar macht, denn die Bilder sehen künstlicher und mehr nach Fototapete aus, als jede Studioszene der alten Trilogie.

    Apropos Eröffnungsszene: Gleich das erste Bild ist Digital, wenn sich ein digitales Backenhörnchen aus einem digitalen Sandhaufen wühlt. Auch wenn die Referenz auf die Bergüberblendungen der früheren Filme nett gemeint ist, der Film setzt ab dem ersten Bild den Akzent auf CGI-Bilder. Das Backenhörnchen hat übrigens noch mehrere Auftritte und sieht ungefähr halb so überzeugend aus wie der Biber im ersten Narnia-Film.

    Der komplette Look des Films wirkt zusammengebaut. Als habe man sich Airbrush-Motive der alten Filme zum Vorbild genommen, anstatt tatsächlich die Filme selbst. Der Teint aller Figuren wirkt unecht und retouchiert. Und es wird gerendert was das Zeug hält. Sicher mag es ein paar Sets gegeben haben, aber der Großteil von Indy und seiner Welt stammt aus dem Rechner. Selbst dort wo es nicht notwendig gewesen wäre.

    Staub wird verschüttet und fliegt in eine bestimmte Richtung: Gerendert. Metallkugeln werden verschüttet: Gerendert. Ein Kühschrank fällt einen Abhang hinunter: Gerendert. Die Tür eines Maya-Tempels öffnet sich: Gerendert. Eine Autoverfolgungsjagd entlang einer Klippe und durch den Urwald: Komplett digital. Eine Horde Riesenameisen: Digital. Und das sind nur ein paar Beispiele.

    Es ist mir ein Rätsel wie man in “Temple of Doom” mit Miniaturen und geformter Alufolie eine der geilsten Actionszenen der Filmgeschichte hinbekommen konnte und man mit dem dreifachen Aufwand hier Szenen abliefert, die einen weitgehend kalt lassen.

    Im Bonusmaterial der alten Filme erzählt einer der Tricktechniker, wie man damals eine Brücke gesprengt habe und bewegliche Dummies konstruierte, die in den Abgrund stürzten und meint: “This was a one shot take – of course today that all would be done digitally.” Und er klingt dabei ein bißchen wehmütig, wenn er das Problem benennt. Der neue Indy fühlt sich Fake an, weil kaum ein Stunt echt ist. Die Idee eines Schwertkampfes auf zwei durch den Dschungel dahinrasenden Autos ist toll und wäre wahrscheinlich eine Sternstunde der Actiongeschichte, wenn man auch nur versucht hätte sie mit Stuntman und an realen Locations zu drehen. Von mir aus auch mit etwas Wire-Removal.

    Doch echt ist hier nichts. Hier kreiselt die schwerelose Kamera in unmöglichen Einstellungen um Shia und Cate Blanchet herum und man sieht genau: Da stehen zwei Schauspieler im Studio vor der Greenscreen und hampeln herum.

    Und Szenen wie diese gibt es ständig. 50 Vogelspinnen auf Alfred Molinas Rücken in “Raiders” waren eklig und gruselig, genau wie die Krabbeltiere in “Temple of Doom” mit denen Willi zu kämpfen hatte. In Crystal-Skull gibts keinen echten Tiere. Hier wird Shia von digitalen Affen in die Baumwipfel entführt, von einem digitalen Skorpion gestochen und Cate Blanchet lernt huntertausende Killerameisen kennen, die lustig aussehen und einen eigenen Comic-Charakter haben. Und dabei genauso ungruselig und unwirklich sind wie die muffigen Mistkäfer aus den Mumienfilmen.

    Everything is new and digitally improved.
    Selbst die paar Szenen die man on Location oder in gebauten Sets gedreht hat, wirken durch die auf glossig-weichen Look getrimmte Optik aseptische unwirklich. Im Gegensatz zu den “Lord of the Rings”-Filmen schadet die märchenhafte Verfremdung Indy, denn dessem Reiz machte bei aller altmodischen Inszenierung immer aus, daß die Filme irgendwie schmutzig aussehen. Wenn Indy heute hinfällt, ist selbst die Staubwolke die aufwirbelt gerendert. Man weiß ja wie schwierig es ist Staubwolken real zu erzeugen.
    Das das komplette Finale aus dem Rechner kommt, muß man schon fast nicht mehr erwähnen.

    Die Story (some Spoilers ahead)

    Ich weiß nicht ob man diesen Makel, die polierte Künstlichkeit des Films, alleine durch ein wirklich brillantes Drehbuch hätte auffangen können. Doch die Frage stellt sich nicht, denn was Koepp hier ablieferte und Lucas sich ausdachte ist weit entfernt von brillant. Zwar spürt man den Willen es allen Recht zu machen, aber streckenweise wirken die Zugeständnisse an die Fans nicht elegant, souverän oder charmant sondern herablassend. Schaut mal: Wir geben euch die Bundeslade. Hier ist der obligatorische Schlangengag. Hier ist die Referenz auf Sean Connery. Da tutet die Indy-Fanfare, jetzt seit halt zufrieden.
    Heavyhanded nennt man es im Englischen, wenn Anspielungen mit dem dramaturgischen Holzhammer inszeniert werden. Und diese Heavy Hand scheint in vielen Fällen George Lucas zu gehören, der auf Biegen und Brechen seine Außerirdischen in der Geschichte haben wollte. Die vielleicht größte Enttäuschung von Crystal Skull ist, daß die Story so linear abläuft und es keine Überraschungen gibt. Am Anfang wird man auf Roswell gestoßen und den bekannten Ufo-Vorfall und im Grunde ist damit auch klar, wohin die Reise geht. Erich van Däniken müßte beim Anblick des lahmen MacGuffins spontan in die Hose ejakulieren. Ja das Alien ist wirklich ein Alien. Und die Aliens haben unsere Kultur mitbegründet. Super. Aber das könnte man ja durch eindrucksvolle Figuren, Verwicklungen und Dialoge wett machen. Könnte man. Hatte ich erwähnt, daß es eigentlich keinen Showdown gibt an dem Indy wirklich teilhätte?

    Apropos Indy: Es überrascht was für eine untergeordnete Rolle Indiana Jones in seinem eigenen Film spielt. War er in dern vergangenen Filmen die treibend Kraft, der sich mit Einfallsreichtum und List seiner Gegner entledigte, so hilft er ihnen in Crystal-Skull fast teilnahmslos und klaglos. Alle zwanzig Minuten wird Indy von den bösen Russen gefangen und bringt sie dann auf die passende Spur, enträtselt den nächsten Hinweis, der sie einen Schritt weiterbringt auf der Suche nach der Goldenen Stadt.
    Klar man entkommt auch immer mal wieder, aber damit hat Indy wenig zu tun. Die Action und Initiative überlässt das Drehbuch dem Greaser Mutt – dessen Kämmtick man bei Mouth in den Goonies auch schon besser gesehen hat. Mutt ist es, der Indy ins Abenteuer zieht. Mutt ist es der mit Indy als Ballast eine halsbrecherische Motorradjagd hinlegt (einen der wenigen wirklich sehr gelungenen Momente bei dem sich bei mir das erste Mal echtes Indy-Gefühl einstellte – vor allem, weil das Motorrad mal nicht aus dem Rechner kommt). Mutt darf sich den toll konzipierten, aber lausig umgesetzten Fechtkampf mit Cate Blanchet liefern (und dabei – superlustig- ganz viel Gebüsch in die Nüsse kriegen, als er breitbeinig zwischen den Autos balanciert). Mutt legt eine völlig überflüssige Tarzan-Nummer hin. Mutt ergreift die Initiative aus dem Camp der Russen zu fliehen.

    Indy geht mit, aber sehr heldenhaft oder gewitzt gibt er sich dabei nicht. Und statt trockenem Witz oder cooler Oneliner, amüsiert uns das Drehbuch von Koepp damit Indy ein wenig als trotteligen Professor darzustellen, der an den unpassendsten Stellen langweiliges Fachwissen abspult. Sehr lustig. Und ehe ihr fragt: Der “Part-Time”-Spruch aus dem Trailer ist in der Tat einer der wenigen guten Sprüche, denn was Humor angeht hält sich Indy (von Slapstick abgesehen) sehr zurück, was die Dialoge oft schwerfällig und zerfasert wirken lässt.

    Die Schauspieler

    Aber wie gesagt: Es ist nicht Fords Schuld. Noch ist es Shias Schuld, das seine Rolle so nervig ist, weil er genau der übercoole und heldenhafte Sidekick ist, den uns Die Hard 4.0 erspart hat. Es ist auch nicht seine Schuld, daß man stellenweise den Eindruck hat, der Film wäre im wesentlichen eine Vorbereitung auf Spin-Offs in denen dann Mutt die Hauptrolle spielen soll.

    Es ist einzig Schuld des Drehbuchs, das es so wenig Chemie gibt zwischen den Figuren. Das es keine ernsthaften Konflikte gibt. Indy 4 ist eine Kuschelnummer. Vorbei die Zeiten, als sich Indy mit Marion wirklich gezofft hat, als er mit seinem Vater stritt und Willi am liebsten auf den Mond geschossen hätte. Indy ist Altersmilde und kann nichtmal einem Freund der ihn verrät wirklich böse sein. Selbst mit Cate Blanchet geht er eigentlich recht zivil um.
    Was vielleicht auch daran liegt, daß sie als Hauptbösewicht des Films erstaunlich blass bleibt. Wirklich böse darf sie nicht sein. Ihr fehlt die schmierige Arroganz eines Belloq, der Sadismus eines Major Toht, die dämonische Intensität des Hohepriesters Mola Ram oder die erotische Verschlagenheit von Elsa Schneider.
    Das Drehbuch gibt ihr wenig zu tun, außer anämisch und stier aus der Wäsche zu gucken. Echte Besessenheit, Getriebenheit und Verlangen: Fehlanzeige. Sie ist zu harmlos, zu nett, zu langweilig um wirklich als Bedrohung wahrgenommen zu werden. So erscheint ihr Auftauchen im “Finale” auch eher als: “Ach guck, da bist du ja wieder” denn als “Oh Scheiße, die Bösen sind da!”

    Cate gibt sich Mühe, aber was soll sie machen, wenn das Drehbuch sie genau wie alle anderen sträflich vernachlässigt. Der begnadete Jim Broadbent, als deutlicher Ersatz für den verstorbenen Denholm Elliot, hat im Grunde nichts zu tun, er bekommt die Andeutung eines Subplots in dem es um Schwarze Liste und Berufsverbote, wegen kommunistischer Umtriebe geht, aber der Plot wird schnell fallengelassen um am Ende einfach negiert zu werden. Verschenkt. Gleiches gilt für den wunderbaren John Hurt, der als brabbelnder Kauz ebenfalls nur als Ballast mitgeschleppt wird.

    Am deutlichsten wird wohl Ray Winestone verheizt, dessen Figur Mac nur ein schwacher Abklatsch von John-Rhys Davies Sallah und völlig überflüssig ist. Mac hat dramturgisch so gar nichts beizutragen. Da man ihn nicht kennt, und die enge Vertrautheit zu Indy nicht “fühlt” sondern nur als Behauptung serviert bekommt, ist es einem egal, wenn er Indy betrügt. Hätte Sallah Indy verraten, wäre dies ein Paukenschlag. So haben wir eine Figur die wir nicht kennen und die Indy in den ersten 15Minuten an die Russen ausliefert. So what? Mac ist ärgerlich und unwichtig, denn er ist den ganzen Film einfach nur belanglos. Er ist keine echte Bedrohung, er ist nicht wirklich böse und er wirkt stets so harmlos, daß man nie glaubt er könne Indy und Co. wirklich in Gefahr bringen. Wenn er am Ende stirbt, dann geschieht es nebenbei und genauso undramatisch wie seine ganze Rolle ist.

    Wie bei den übrigen Figuren fehlen die scharfen, geschliffenen Dialoge. Die erkennbaren Konflikte. So übermütig harmlos wie sich die Charaktere im vierten Teil herumbalgen, hat man den Eindruck, einem Paintball-Spiel zuzusehen. Ist nur Spaß, wir spielen nur. Wem “Last Crusade” schon zu fluffig und familentauglich war, der wird überrascht sein, wie harmlos der neue, gesetztere Indy daherkommt. Zwar zitiert man den Kampf mit dem Hühnen am Flugzeug aus “Raiders”, doch das absehbare Ende wird kauzig komisch serviert: Indys blutige Tage sind vorbei.

    Dazu passt es dann auch, daß Shia zwar als Marlon Brando für Kassenpatienten eingeführt wird, seine Rocker-Attitüde dann aber schneller ablegt, als man “dramaturgischer Durchhänger” sagen kann. Piep Piep Piep, wir haben uns alle lieb und deswegen dürfen sich auch Indy und Marion nur kurz angiften.

    Das wirklich Tragische ist, daß der Film seine Momente hat. Das zwischendurch immer wieder das aufblitzt, was Indy mal war und eigentlich auch wieder sein könnte. Das es schöne Momente gibt. Indy erscheint als Schattenriss und setzt seinen Hut auf. Der Peitschensprung von einem Laster zum anderen. Die Ankunft an einer Ruine und der kurze Moment wenn es so scheint, als würden lebende Tote aus den Katakomben kriechen. Indy der einen Pfeil in en ein Blasrohr zurückpustet. Die alten Karten mit roter Linie, die uns zeigen wo es hingeht (wobei sich die Reisen in diesem Film sehr in Grenzen halten). Die paar Streitereien mit Marion. Die wunderbare Motorradjagd durch enge Gassen hinein in die Bibliothek. Indy in seinem alten Klassenzimmer.

    Dem Gegenüber stehen leider viele langweilige Dialoge, die langweiligste Eröffnung eines Indy-Films bisher (Die überflüssigen American Graffiti-Referenzen sind genauso öde wie der ganze Lagerhallenplot. Die Geisterstadt-Kühlschrank-Nummer ist einfach nur ärgerlich: Warum kommt Indy nicht auf die Idee, eines der Autos die dort herumstehen zu benutzen? Wenn selbst Fernseher und Radios funktionieren, warum sollten es die Autos nicht auch?), die fehlende Chemie zwischen den Figuren und generell das treibende Moment. Indy 4 ist teilweise hektisch, vermittelt dabei aber dennoch oft das Gefühl auf der Stelle zu treten. Es fehlt der Drive und dem MacGuffin des Kristallschädels einfach der Zauber. Klar die Sankara-Steine waren auch nicht grade ein mythischer Knaller, aber in Doom ging es letztlich darum die versklavten Kinder zu retten, was eine reale und ausreichende Motivation für die Protagonisten war. Dem Kristallschädel fehlt jeder Zauber, weil er nie überrascht. Man bekommt am Anfang suggeriert, daß es der Schädel eines Aliens ist und das ist er auch.

    Keine Überraschung, keine wirklich vertrackten Rätsel. Indy ist ja eh nur dabei, weil Mutt ihn mitschleift. Mutt ist es der die Story vorantreibt, Mutt ist es der sich John Hurt emotional verbunden fühlt. Mutt ist es der um seine Mutter zittert, Mutt der die Familie-Jones wieder vereint. Und auch, wenn man mit dem Schluß suggerieren möchte, daß Ford noch immer den Hut auf und die Hosen anhat: Lucas und Spielberg haben ihn schon längst aufs Altenteil geschickt. Ford ist nicht zu alt für diesen Scheiß, aber vielleicht sind Lucas und Spielberg es.

    Und ganz ehrlich: Ich will keinen Indyfilm, in dem Indy eine Nebenrolle spielt.

    Drei Sterne dennoch, weil jeder Fan happy sein wird, wenn er Indy noch einmal im Kino sieht und ich mich wirklich nicht durchringen kann, den Film gänzlich und trotz all seiner Schwächen zu hassen.
    Indy 4 ist nicht schlecht. Er ist nur einfach nicht besonders gut.

    Ein US-Kollege meinte nicht zu unrecht: Das ist der beste Film des Mummy-Franchise der bisher gedreht wurde. Und das ist vielleicht das Depremierenste was man über Indy sagen kann.

    +++

    PS: Die deutsche Synchro ist mal wieder ziemlich flau. Fords Stimme Wolfgang Pampel klingt deutlich älter und müder als Indy aussieht und das Dialogbuch lässt jedes Sprachgefühl für die 50er Jahre vermissen. Der Tonmix ist auch eher mißlungen: Die Stimmen sind so penetrant nach vorne gemischt, daß man zu keiner Sekunde das Gefühl hat, daß die Stimmen wirklich auf den Figuren sitzen.

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    Von Batz am 21, 5, 2008 um 1:38 in CineBatz | 3 Kommentare »

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    3 Kommentare zu “Letztes Lichtspiel: Indiana Jones… 4”

    1. alanger Sagt:

      sehr schön geschrieben,
      wobei ich die eröffnung und die klippenautorangelei, trotz allem rumgerender, immer noch am besten fand.

    2. Engywuck Sagt:

      Sehr schön geschriebene Rezension, der ich mich fast vollständig anschließen kann (bzw. muss?)
      Den Anfang fand ich allerdings zur Zeit passend , zudem hätte ein Wegfahren im Auto wohl weniger gebracht als das verstecken in einem (laut Aufdruck bleigepanzerten(!) – warum auch immer) Kühlschrank.
      Was mich am meisten irritiert hat: die Tarzan-Einlage und die dauernden Anspielungen auf andere Filme (“ich raffe alles zusammen bevor der Tempel zusammenbricht” an Die Mumie, das Fahren auf dem Wasserstrahl durch den Brunnen an “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde” etc) – wobei manchmal fraglich ist, wer von wem abgekupfert hat.
      Und natürlich die Aliens… *schauder*

    3. Lego Sagt:

      “Denn alle Schwachstellen tragen deutlich, die fettigen Fingerabdrücke von George Lucas (…) und der Regie von Steven Spielberg,…”

      Gut gesagt. Kennst du die southpark Folge, in der sie die beiden beschuldigen Indiana Jones vergewaltigt zu haben? Köstlich.

      southparkstudios.com...

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