Vor einem Jahr…
Wir hatten ja nix
Die Jugendlichen heute lachen einen ja nur aus, wenn man ihnen sagt: ihr habts doch gut heute. YouTube, Little Britain, Kalkofe, Dschungelcamp und Angela Merkel.
In den 70ern und 80ern, als ich noch ein kleiner Wombat war gab es nichts. Es waren düstere Zeiten in denen man Orange und Ocker für Farben hielt und die Leute trotz beschissener Frisuren, Schnauzbärte und Rollkragenpullis flachgelegt wurden.
Wir hatten ja nix. Nix hatten wir.
Wir dachten sogar Otto wäre lustig, so dreckig ging es uns. Wir haben das alles weggelacht damals. Jahrelang, immer dieselben drei Witze. Gab ja nix anderes. Wir haben aus Verzweiflung gelacht. Weil wir es so gelernt hatten. Wie bei Pawlow die Hunde. Uns war eingehämmert worden: Otto ist lustig. Und wir waren klein und beeinflussbar und haben es geglaubt und immer gelacht, wenn eines von den drei Geräuschen kam, die Otto anstelle von Pointen verwendete. Wir haben Otto das Buch gekauft und seine Filme angesehen… Alles weggelacht. Obwohl es immer nur drei Witze waren. Gab ja nix anderes. Selbst als wir irgendwann das Gefühl bekamen, man habe uns angelogen und es sei gar nicht witzig haben wir weiter gelacht. Gelernt ist gelernt. Es waren die 80er und Humor wurde höchstens mal im Carepaket abgeworfen. Wir dachten Bill Cosby wäre cool. Wir dachten Alf wäre gewagt und anarchisch. Wir hielten Thomas Gottschalk für spontan, schlagfertig und jaaa witzig. Thomas Fucking Gottschalk… Das wurde uns eingeprügelt. Es gab Schläge und man mußte ohne Essen ins Bett, wenn man nicht gelacht hat. Wir mußten lachen. Immer wieder. Hänsel und Gretel, Frau Suhrbier, drunt im Tale sitzt der kleine Ottili.. bis es blutete.
Nur heimlich durfte man nachts im Dritten Programm Monty Python sehen. Black Adder, Denis Leary hören. Doch lustig war immer nur Otto. Und er kam immer wieder. Immer mit denselben drei Witzen.
Die Angst wirkt bis heute nach. Nur aus Angst glaubten wir RTL Samstag Nacht wäre lustig. Nur deswegen haben Olli Dietrichs, Atze Schröder und Tom Gerhard Erfolg. Mit drei Witzen. Wie gelernt damals.
Wie gelernt.
Und jetzt kommt Otto schon wieder. Und das Angstlachen klappt noch immer. Der Saal tobt.
Er sieht alt aus und müde. Und in den Nahaufnahmen sieht man ein Flackern von Panik in seinen Augen. Sie müssen es doch mal merken. Es sind drei Witze. Sie müssen es mal merken und dann schlagen sie mich tot.
Ohr an Großhirn, Ohr an Großhirn.
Der Saal tobt.
Wenn man das den Kids heute erzählt. Die glauben einem das gar nicht.
Ohr an Großhirn. JETZT HALT ENDLICH MAL DIE FRESSE!
Glauben einem kein Wort.
Wir hatten ja nix. Gar nix hatten wir.
Von Batz am 6, 6, 2008 um 22:22 in MediaBatzBits | 17 Kommentare »___________________________________________________________________________
17 Kommentare zu “Wir hatten ja nix”
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07. Juni 2008 at 9:55
man könnte meinen, du magst überhaupt keine deutsche komik. ist dem so?
07. Juni 2008 at 11:41
Nein dem ist nicht so. Ich find einiges von Hallervorden immer noch ganz gut, sowohl Nonstop Nonsense als auch seine Filme, ich mag Klimbim, Loriot ganz sicher, Kalkofe (nebst einigem vom Frühstyxradio) find ich großartig, Mathias Belz fand ich sehr gut, Stromberg, Pastewka – Die Serie, Ladykracher, Die dreisten Drei, die ersten paar Staffeln der Bully-Parade und die Anfänge der Freitag Nacht News, Switch find ich nach wie vor klasse… und wenn ich länger nachdenke fielen mir sicher noch andere Sachen ein. Nur Otto und die o.g. Sachen find ich so lustig wie ein Schuss ins Knie.
07. Juni 2008 at 11:52
Otto macht es wie Lehrer oder Star Trek-Regisseure: er wartet, bis eine neue Generation von Opfern herangewachsen ist.
07. Juni 2008 at 15:31
oh, loriot – ich bin beruhigt. wurde hiermit doch ein wichtiges kulturgut gerettet.
ansonsten will ich mich auch geschmacklich gar nicht weiter auslassen. dazu ist der mensch glücklicher weise zu verschieden.
doch eines soll noch angemerkt sein: ich denke, dass man durchaus auch zwischen dem witz und dem komiker unterscheiden sollte.
so kann auch mal der verhassteste komiker mal einen guten witz bringen. jetzt ist es ratsam, dass wohl niemand dabei ist, denn so wird sonst aus “lachen aus angst” mal eben “die angst zu lachen” …
07. Juni 2008 at 15:45
Stimmt sicher, allerdings kann auch ein guter Witz unter dem Vortragenden leiden. Für Otto haben ja in den 70er/80er Jahren auch gute Leute geschrieben wie Robert Gernhard, aber dennoch ist die bemühte Art wie Otto die Sachen bringt dem Witz nicht sehr zuträglich. Wenn Leute Hallervorden sein Grimmassieren, sein alberne Sprechweise u.ä. vorwerfen, dann frag ich mich wie sie das bei Otto ertragen können. Zumal Waalkes sich keinen Jota weiterentwickelt hat im Gegensatz zu allen anderen. Otto bringt heute noch genau dieselben Scherze mit genau dem selben “Jaaaaaaa”-Geräusch, dem blöden Keckerlachen und seinem “ich gehe ja so lustig”-Hüpfgang. Seine Gags waren schon veraltet, als er in den 80ern seine Filme drehte. Schon da war 90% Füllmaterial und Aufgewärmtes – und das nervt einfach. Es mag gute Witze geben, die Otto gebracht hat, aber seine lustig-lustig Art macht sie einfach unkomischer.
07. Juni 2008 at 16:11
was otto betrifft, bin ich sicher nicht ganz so hart wie du, aber ich muss zugeben, dass der zahn der zeit definitiv auch an ihm nagt. ich hab’s ja erst im april live erlebt.
gerade die fehlende weiterentwicklung macht es so schlimm. da gebe ich dir vollkommen recht. genau das habe ich ja auch schon während der show bemängelt.
wer heute noch otto liebt, tja … der ist wohl schon zu einem gewissen grade blind und taub.
aber fan(atiker) gibt es überall, und diese sichern ja den lebensunterhalt der betreffenden.
07. Juni 2008 at 18:05
Mensch, wie kann man beim Abtauchen in die 70er und 80er die legendäre Muppet Show vergessen. Erfolgreich in 100 Ländern und bis heute im Archiv verstaubend. Statt dessen King of Queens und Bundys in Endlosschleife…
Ne, lass mal. Ganz so übel wars damals doch nicht.
07. Juni 2008 at 22:22
achja, ich erinnere auch noch an heiz erhardt. der hatte auch was, leider war ich da noch nicht geboren …
08. Juni 2008 at 0:53
Viele Comedians, oder die die sich dafür halten kopieren sich immer nur selbst mit der Zeit und sind dann einfach durch. Was Otto betrifft würde ich Dir zustimmen, allerdings ist mir bis auf zwei oder drei Gags der Humor von Dieter Hallervorden immer fremd geblieben, lachen konnte ich darüber noch nie. Der Progress hält sich IMHO bei ihm auch in Grenzen.
08. Juni 2008 at 7:41
ah, ein leidensgenosse! schön zusammengefasst. und ja, der hallervorden hat damals schon subtileren humor bewiesen als die dummbratze ottilie!
08. Juni 2008 at 18:20
@magicM
Hallervorden hatte aber immer verschiedene Ebenen auf denen er gearbeitet hat.Er war der erste der wirklich aufwendige Slapstick-Szenen inszeniert hat, der erste der in deutschen Kinofilmen mal aufwendigere ACtionszenen und Stunts brachte und gleichzeitig hatte er auch immer einen gewissen Wortwitz und kleinere satirische Untertöne. Und “Der Experte” unterscheidet sich schon sehr von Nonstop Nonsense. Außerdem kann Hallervorden durchaus schauspielern, wie man in seiner Rolle im Millionenspiel sehen konnte, wo er einer der Killer war.
09. Juni 2008 at 14:11
sagen wir es waren immer nur fünf witze, oder sechs, aber die hatten wenigstens nicht dieses muffig spießig-subversive eines hallervorden: “…Nein, Didi, dein Humor ist weder schwarz noch subversiv. Es sind zumeist billige Witze auf Kosten anderer. Und genau dies ist deutsch, und deswegen mögen dich die Deutschen wohl auch. Es bedarf hierzulande keines sonderlichen Mutes, mit bissigen Bemerkungen über die christlichen Kirchen dümmliche Lacher zu erzielen. Aber solange man sich aus Gründen des Political Correctness oder Angst vor fundamentalistischen Islamisten über Hass predigende Imams ausschweigt, sollte man den Politikern ihre Diäten, selbstbewussten Frauen ihre Doppelnamen und dem katholischen Priester seine Konkubine gönnen.”
16vor.de/index.php/2...
und otto, der etwas würde verdient hatte sah wirklich alt und müde aus. schade. tragisch.
09. Juni 2008 at 16:29
Ihr habt ja alle recht, aber darüber, dass Du Die dreisten Drei gut findest und Samstag Nacht (dessen Haisprung verorte ich ca. bei “Derrick und Harry”) nicht, komme ich einfach nicht hinweg.
20. Juni 2008 at 22:56
Artikel ist schon Tage alt, mein Kommentar liest wahrscheinlich kein Schwein, ausser Batz – musser ja.
Hallervorden wird unterschätzt, vor allem Nonstop Nonsens. Bis heute gibt es keinen in D, der diese Funny Bones hat. Das Timing bei seinen Slapstick-Nummern ist absolute Weltklasse.
youtube.com/watch?v=...
Und weils ja eh keiner mehr liest: RTL Samstag Nacht wurde immer schächer, aber aber immer wieder war ein Brüller drin. Leider find ich kein Video dazu, daher Gedächnisprotokoll:
Kreuzfahrtschiff, Nacht, Vollmond. Schweins im Satinklied, Dittrich in Kapitänsuniform, beide schauen verliebt auf nachtschwarze Meer.
Dittrich: “Die Wahrheit ist irgendow da draussen.”
Boning, von der Seit auftretend in Stewartuniform: “Tut mir leid, draussen gibt’s nur Kännchen.”
21. Juli 2008 at 15:08
[...] Artikel hier erinnert mich doch an irgendwas…. Ach ja. An das hier. Von Batz am 21, 7, 2008 um 15:07 in MediaBatzBits | [...]
23. Juli 2008 at 15:03
“Ich find einiges von Hallervorden immer noch ganz gut, sowohl Nonstop Nonsense als auch seine Filme,..”
Ist das nicht traurig? Solch niedriges Niveau … palim, palim…
Also wirklich: Hallervorden geht doch nun mal garnicht.
23. Juli 2008 at 20:03
@Kurt
zum einem ist Hallervorden mehr als Palim Palim, zum anderen muss auch Nonsense und Slapstick gekonnt sein. Und gemessen daran find ich Hallervorden wirklich okay. Er hat grauenhaft unlustigen Kram gemacht und seine durchaus anstrengenden Manirismen.. und auch über sein Kabarett kann man geteilter Meinung sein, aber es gibt genug von Hallervorden das ich mag. Wenn du das als niedriges Niveau ansiehst, ist das dein Problem, aber ich geb mir 100x lieber Hallervorden als Dittsche, Barth oder die letzten 10 Jahre Scheibenwischer…