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    Letztes Lichtspiel: Dark Knight

    “See, I’m not a monster…I’m just ahead of the curve. “

    Originaltitel: Dark Knight, The
    Herstellungsland: USA 2008
    Regie: Christopher Nolan
    Darsteller: Christian Bale, Michael Caine, Heath Ledger, Aaron Eckhart, Maggie Gyllenhaal, Gary Oldman, Morgan Freeman

    Der Joker (Heath Ledger) sorgt für Unruhe in Gotham City. Während sich Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) anschickt mit dem organisierten Verbrechen aufzuräumen und Bruce Wayne (Christian Bale) über seinen Rückzug ins Privatleben nachdenkt plant der Joker Batman im Namen der Mafia aus dem Weg zu räumen. Seine Strategie: Chaos.

    Christopher Nolan liefert mit seinem zweiten Batman Film einen gelungenen Nachfolger zu “Batman Begins” ab. Man ist sichtlich bemüht eine vielschichtige und smarte Geschichte zu erzählen, in der jeder der Stars (und genau genommen sind alle Hauptrollen mit exzellenten Darstellern besetzt) seine angemessene Szene bekommt, in der er auftrumpfen kann.

    Michael Caine gibt den ironisch väterlichen Alfred, Morgan Freeman hat ein paar schicke Auftritte als Q-Verschnitt und darf ganz kurz als moralisches Gewissen auftreten. Heath Ledger gibt einen veritablen Psychopathen ab – komplett mit Ticks, Grimassieren, Zungenschnalzen und Augenrollen – nicht ganz so eindrucksvoll wie es die Trailer erhoffen ließen und garantiert nicht jene alles in den Schatten stellende Jahrhundertperformance, die man ihm nach seinen verfrühten Tod jetzt nachsagte – aber dennoch eine würdige letzte Rolle, die seinen anderen Ritterfilm ganz sicher entschuldigt.

    Handlung, Ausstattung, die Gadgets, doch – Dark Knight hat vieles, das für ihn spricht. Was ihm leider abgeht ist ein Herz und Figuren um die man sich wirklich schert. Und die Aura des geheimnisvollen, mysteriösen, das Batman immer ausgezeichnet hat.

    Dark Knight ist im wesentlichen ein kalter Film. Ein echter Post-9/11-Batman, der mal mehr, mal minder deutlich mit der Paranoia- und “War against Terror”-Symboliken spielt. Vorbei sind die Tage in denen Gotham etwas geheimnisvolles, nostalgisches ausstrahlte. War in den Burton-Filmen stets jener Neo-Goth-Look zu spüren, der die Stadt bei aller Düsternis romantisch erstrahlen ließ, gab es in “Batman Begins” noch einen Hauch von Prohibitions-Stimmung, der den Film als nicht ganz von dieser Welt erscheinen ließ, so spielt “Dark Knight” in der kalten, gewohnten und wenig faszinierenden Realität.

    Gotham könnte New York sein oder Los Angeles, Chicago oder Toronto. Dieser neue, unsentimentale Ansatz zieht sich komplett durch den Film, erfasst alle Figuren und auch die Story. Batmans Bathöhle ist eine High-Tech-Zentrale die eher an “24″ erinnert, als an den düsteren Rückzugsort des manisch-melancholischen Ritters von der mausigen Gestalt. Der Batman-Anzug ist stromlinienförmiger, realer. Denkt man sich die Maske weg, könnte er auch einem Soldaten, Extremsportler oder ängstlichen Fahrradkurier gehören.

    Bruce Wayne hat sich sichtlich von dem Batman entfernt, den Michael Keaton in “Batman Returns” spielte und der auch in der legendären Zeichentrickserie der 90er zu sehen war. Bale – vielleicht die blasseste Erscheinung des Films – spielt Batman nicht als gestörten, sexuell verklemmten Triebtäter, der nie sein Kindsheitstrauma bewältigt hat. Der Wayne in “Dark Knight” ist ein kalter Erfolgsmensch, der seine Batman-Rolle spielt, wie er seine Geschäfte führt. Bedacht, berechnend, ohne erkennbare menschliche Attribute, dafür aber mit enormen Selbstvertrauen. Ein Bat-Yuppie, der trotz ihn umgebender Mietmuschis etwa halb soviel Sex-Appeal wie eine Aldi-Tüte hat. Mehr American Psycho, als getriebener Kostümfreak.

    Dazu passt es, dass Maggie Gyllenhall als Rachel ebenfalls eher blass bleibt. Sie hat weder in Bale noch im unterforderten Aaron Eckhard jemand mit dem sie spielen oder gar Chemie aufbauen könnte. Und diese fehlende Chemie, dieses fehlende Herz, ist dann auch einer der Knackpunkte des Films. Er funktioniert sehr berechnend, sehr präzise, vermag aber selten wirklich mitzureißen oder zu überraschen.

    *Kleine Spoiler ahead*

    Statt dem Publikum treffliche Charakterskizzen zu zeigen (wie Burton das etwa mit dem Pinguin oder noch besser mit Catwomen gelang), die es begreifen und erspüren kann, sagt Nolan einem was man zu fühlen hat. Nichts an Harvey Dent lässt ihn wirklich als jene Hoffnung und Lichtgestalt begreiflich werden, als die er behauptet wird. Statt dessen muß das Publikum Bruce Wayne glauben, der Dent als solche beschreibt. Immer wieder lobpreist Wayne Dent. Er sei der weiße Ritter, der Beste von allen, die Hoffnung der Stadt. Warum? Weil Batman es sagt. Der gesamte Plan des Jokers hängt an dieser Idee, eine gute Gestalt zu korrumpieren. Doch so eindimensional wie er erscheint, besitzt Dent einfach nicht die Fallhöhe, das es einen wirklich schockiert oder kümmert, wenn er zu Two-Face wird (der gesamte Two-Face-Subplot mit dem endlosen Gerede und dem erzwungen pathetischen Ende ist dann wohl auch das was im Film am schlechtesten funktioniert und am meisten langweilt). So wie es in Episode I-III relativ kalt lässt ob der lästige, nölige Anakin nun zur bösen Seite wechselt, bleibt auch Dent nur eine Figur ohne Tiefgang und Seele. Das mag Absicht sein, um Batman als Figur zu hinterfragen, nimmt ihm aber auch seine Größe und Wichtigkeit.

    Ebenso einfach macht es der Film mit seinen Opfern. Man soll eben zittern, weil ein kulleräugiger kleiner Junge bedroht wird. Nicht weil er als Mensch irgendeine Rolle spielt. Die Familie von Gordon hat keine andere Aufgabe im Film, als als dramaturgisches Bauernopfer herausgeholt zu werden. Ähnlich simpel verfährt der Film immer wenn er seine Haupfiguren motivieren will etwas zu tun. Das ist ein bekanntes Element in allen Thrillern, aber es würde nicht schaden, wenn die Bauernopfer Leute wären für die man sich auch interessiert. Die Stirb Langsam-Filme haben das immer kapiert.

    Und so nett die Idee ist, den Joker als Wesen ohne Vergangenheit zu zeichnen, der sich seine eigene Geschichte immer wieder neu erfindet, es beraubt ihn auch einer gewissen Tragik und Tiefe. Ledgers Joker ist der Joker in seiner reinsten Form, ein manischer Springteufel, der es genießt wenn er Chaos stiften kann (und der sich selbst extrem gerne reden hört). Chaos alleine ist aber nicht wirklich erschreckend und diese Ziellosigkeit verpasst dem Film eine gewisse Beliebligkeit. Bisweilen erinnerte er mich eher an eine TV-Serie oder eine Big-Budget-Fortsetzung von SAW, wenn der Joker in einer neuen Episode die Polizei austrickst, manipuliert oder Fallen aufbaut, in die er seine Opfer dann nach moralisch schwadronierender Einleitung laufen lässt.

    Wie bei vielen Filmen der letzten Jahr, hätte auch hier die eine oder andere Straffung der Story ganz gut getan. Die Story mäandert oftmals recht unkonzentriert mal hier mal dorthin. 30 Minuten weniger, dann würden vielleicht auch die logischen Holpersteine nicht so auffallen und man hätte weniger Zeit darüber nachzudenken, ob die Folgerichtigkeit der Ereignisse wirklich so zwingend ist, wie uns das Drehbuch glauben machen will. Denn sobald man anfängt Dent als Lichtgestalt zu hinterfragen, die Wirkung der Handvoll Terroranschläge die der Joker ausführt, die tatsächliche emotionale Nähe der Figuren aufzudröseln, bricht das Kartenhaus schneller zusammen, als man “Why so serious” sagen kann. Dark Knight spielt mit Versatzstücken, aber zu einem logischen Ganzen oder gar irgendeiner originellen oder nachvollziehbaren Aussage, will sich das Ganze nicht formen. Für die epochale Tragik, die grandiose Größe eines Epos, für ein Good Fellas oder Der Pate (mit dem anderen Kritiker nicht müde werden den Film zu vergleichen) fehlt hier doch noch einiges.

    Die traurigste Erkenntnis ist vielleicht die, dass “Dark Knight” genau das mit Batman macht, was “Casino Royal” mit James Bond macht: Er entmystifiziert die Figur. Er macht sie kleiner, belangloser. Zu einem Jack-Bauer Abklatsch, der stoisch seinen Job macht, für den der Zweck die Mittel heiligt, der mechanisch und emotionslos dem Terror den Garaus machen will. Das geheimnisvollste an diesem Dunklen Ritter ist wohl, wie er diese unfreiwillig komische Grunzstimme die ganze Zeit durchhalten kann, ohne dabei zu lachen.

    Gut, man hat Batman wenigstens nicht wie Bond all seiner Gadgets beraubt, aber das extreme High-Tech-Setting macht sie fast zu plausibel. Wie ein SpecOps-Agent plant Batman, analysiert und kämpft, foltert er und ignoriert dabei Freiheits- und Bürgerrechte. Die Actionszenen, lobenswerter Weise mit erstaunlich wenig CGI-Einsatz inszeniert, kommen dann leider aber auch zu realistisch, zuwenig beeindruckend daher. Alles sehr solide, gut inszeniert, aber außer dem sich überschlagenden Truck und dem breit ausgewalzten Gag mit dem Joker der vom explodierenden Krankenhaus wegrennt, bleiben wenige Bilder die sich dauerhaft im Kopf einnisten werden. Dazu ist alles irgendwie zu real, kalt und berechnend.

    Für die wahre Romantik, die Melancholie der Figur die im Herzen immer ein armes, reaktionäres, verklemmtes Schwein war, dem man doch irgendwie Erlösung wünschte, ist in der Dark Knight kein Platz. Es fällt schwer an Momente in “Dark Knight” zu denken, die nicht auch Ethan Hunt, Jack Bauer oder Jason Bourne bestehen könnten.

    Nolan entzaubert Batman. Das macht er sehr gekonnt und liefert dabei einen sehr ordentlichen und unterhaltsamen Film ab. Doch ohne Geheimnisse ist Batman nur ein weiterer Actionheld – und ohne einen cleveren Gegner wie den Joker, wäre er eigentlich ziemlich fade.

    Und je länger ich aus Dark Knight heraus bin, desto weniger bin ich mir sicher, ob ich ihn sobald nochmal schauen möchte.

    Vielleicht guck ich einfach nochmal “Iron Man“.

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    Von Batz am 21, 8, 2008 um 1:53 in CineBatz | 2 Kommentare »

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    2 Kommentare zu “Letztes Lichtspiel: Dark Knight”

    1. Maltefan Sagt:

      Ganz gute Review … so ungern ich das als Christian-Bale-Fangirl sagen muss, die meisten Figuren bis auf den Joker (den ich wirklich zum Fürchten fand) blieben leider sehr blass.

    2. Jay Sagt:

      Wahrlich treffend und traurig, dieses Review.
      Ich muss sagen, nach meiner heißersehnten Premiere war ich ganz zufrieden mit _dem_ Batman.
      Aber vielleicht habe ich auch nur aufgeatmet, weil es ihn noch gibt, Batman. Freunde hatten mich genötigt, direkt vor der Fahrt zum Kino nochmal Batman Begins zu schauen.. und ich hatte Angst, dass Meister Splinter im Latexanzug zurückkehren könnte.

      Besser als Begins war TDK allemal. Natürlich war es ein neuer Batman, der düster sein sollte aber doch reichlich hell und steril rüberkam.
      Letztlich lief dann alles doch etwas anders, als es der Trailer versprochen hatte.

      Den Joker fand ich auch zu blass, zu zahm. Dafür, dass er in jeder Vorabkritik als so übertrieben gut, unvorstellbar chaotisch und böse dargestellt wurde… vielleicht hätten sie aber auch einfach in den Filmvorschauen vor Filmbeginn nicht den Trailer vom “Bader Meinhof Komplex” bringen sollen.

      Batmans Grenzüberschreitung, der Versuch den Joker mittels Gewalt zum Reden zu bringen, was der ein oder andere Kritiker als Folteranwendung und somit Batmans Wandel, Grenzüberschreitung auslegen möchte ist mir ebenfalls viel zu wenig gewesen.

      Auffallend: Der Batman war blutleer. Jede Gewalt blieb – von Twofaces peinlicher neuer Visage mal abgesehn – ohne nennenswerte Auswirkungen.

      Der Film [/der Joker] sollte Exzess sein und ward nur Bühnenfeuer. Schade, aber das ist halt Mainstream, nur weder Frau noch Kind noch Nichtnerd oder Familie vergraulen.

      Trotzdem war es toll, irgendwie. Vieles wurde richtig gemacht und es gelang Batman sich von dem ganzen übrigen Superheldenverfilmungseinheitsbrei abzuheben.
      Bei IMDB gäbs dafür mindestens 8 Punkte, wobei ich den Film vor der entgültigen Wertung dringend nochmal im Original schauen sollte, vielleicht hat der Joker da mehr Charisma.

      Für den nächsten Batman wünsch ich mir aber wieder das alte Gotham, auch wenn das neue angeblich zeitgemäßer ist und Hochhausschluchten die neuen dunklen Gassen sind.
      Überlasst die den X/Spider/Super/man/woman und gebt Batman den Dreck zurück, die peinlichen Jugendgangs und die HInterhöfe.
      Außerdem hätte ich gerne einen neuen Waynedarsteller, der aktuelle ist noch weniger überzeugend als die neuen Bonds.
      Zudem wäre eine Rückkehr von Robin (und endlich mal ein vernünftiges, emanzipiertes Batgirl) toll, aber dann wäre der arme, einsame Milliardär ja nicht mehr von Goth(am) und der Welt verlassen.
      Wenn Twoface der nächste Gegener werden sollte braucht er dringend noche eine glaubwürdigere Geschichte, die 180°Wendung innerhalb von einer Nacht und zweimal Selbstzweifeln war etwas peinlich.
      Wie wäre es mal mit einem Frauentrio als Gegenspieler?
      Catwoman/Poison Ivy und erstmalig Harley Quinn.. eine herrliche Ergänzung zum Joker.
      Der Riddler käme eher nicht in Frage, da er, “ernst gespielt” dem Joker wohl zu ähnlich sehen würde.
      Und bitte, bitte einmal keine Romanze. Romanzen killen gute Stories, erst recht wenn die Weibchen keinerlei Existenzberechtigung haben und zum puren Lockvogel verkommen.
      Dann doch lieber etwas mehr Daddy/Son mit Robin, das wären immerhin glaubwürdige Gefühle.

      ——————-
      Fand eigentlich noch jemand außer mir den Anfang mit William Fichtner / Alexander Mahone aus Prison Break einfach tierisch genial?
      Sah aus wie Mahone, machte genau das, was der große, gefährliche, intelligente Mahone in PB immer gemacht hat.. doch weil er für den Joker nur ‘n weiteres Opfer ist steckt der Joker mit diesem einen Schachmatt mal eben die komplette PB-Bagage in die Tasche.

      Oder wie soll man seinen Einsatz mit gleicher Rolle, gleicher Synchro und gleichen Outfit verstehen?

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