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    Letztes Lichtspiel: Pineapple Express

    “Wow. This is the product of baby fucking…”

    Originaltitel: Pineapple Express
    Herstellungsland: USA 2008
    Regie: David Gordon Green
    Darsteller: Seth Rogen, James Franco, Bill Hader, Rosie Perez, Gary Cole

    Dale Denton (Seth Rogen) verdingt sich als Gerichtszusteller. Er bringt unwilligen Angeklagten ihre Vorladung. Mehr als für seinen Job interessiert sich Dale allerdings für seine 18jr Freundin und vor allem fürs Kiffen.

    Sein Stammdealer Saul (James Franco) hat gerade eine besonders exquisite neue Mischung reinbekommen: Pineapple Express. Natürlich muss Dale das Zeug ausprobieren. Dummerweise raucht er es just in dem Moment, als er bei einem seiner Klienten, einem Drogenboss, eine Gerichtsvorladung abliefern will und ungewollt Zeuge wird wie dieser jemanden abknallt.

    Zu allem übel lässt Dale, als panisch abhaut und sich bei Saul versteckt, seinen Joint fallen und führt den Drogenboss (Gary Cole) so auf seine Fährte. Der hat verständlicherweise wenig Interesse an Zeugen und schon bald befinden sich Dale und Saul auf der Flucht…

    Ein weiterer Film aus der Apatow-Fabrik, ein weiter Film für den Seth Rogen das Drehbuch beisteuerte und die Hauptrolle spielt. Im Gegensatz zu Superbad, den ich für einen der charmantesten und witzigsten Teenie-Filme der letzten Jahre halte, wollte diese Kifferkomödie bei mir allerdings nicht so wirklich zünden.

    Das mag daran liegen, dass ich Kifferfilmen nie so besonders viel abgewinnen konnte. Egal ob Supergrass, Cheech and Chong, Half Baked oder Lammbock – mir gehen Dauerkiffer mit ihrer verpeilten Art schon live auf die Nerven, da tun sie sich als filmische Sympathieträger bei mir doppelt schwer. Natürlich sind Rogen und Franco schon ganz knuffige Typen und der Film schafft es durchaus, sie über den Film von blöden DauerHighbees zu einigermaßen dreidimensionalen Charakteren werden zu lassen.

    Doch das ändert wenig dran, dass bis auf ein zwei nette Momente – die Szene in der Schule fällt da positiv auf -, der gesamte erste Anfang des Films ziemlich durchhängt. Abgelutschte Kifferwitze, den Traum vom perfekten Joint, das hat man alles schon tausendmal gesehen. Wie sagte Denis Leary in seinem ersten Stand-Up-Programm: “They say marijuana leads to other drugs. No it doesn’t, it leads to fucking carpentry. That’s the problem, folks. People getting high going, “Wow man, this box would make an excellent bong! *snort* This guy’s head would make an excellent bong! *snort*” Relax! That’s why I stopped doing drugs in the first place. Not because I didn’t like ‘em, but because I didn’t want to build anything, ok?”

    Es ist geradezu erschreckend, wie witzlos und lachfrei die erste Hälfte des Films ist und wie dämlich und egal einem die Figuren vorkommen. Klar, die Tagline “Pulp Fiction” meets “Cheech & Chong” erfüllt der Film zweifelsohne. Man wird nur den Eindruck nicht los, das dass ganze auf dem Papier irgendwie lustiger klang, als es dann tatsächlich umgesetzt wurde. Viele als witzig gedachte Ideen krepieren völlig, wie z.B. der ewig lang ausgespielte Gag der beiden Männer fürs Grobe, die sich wie ein altes Ehepaar benehmen und ständig über ihre Gefühle reden, ehe sie Leute abknallen.

    Tolle Idee. Vor 20 Jahren. Heute hat man einfach zuviele tarantinoeske Charaktere gesehen, als das einen diese beiden Klappspaten noch irgendwie zum Lachen reizen. Sie wirken wie der Abklatsch vom Abklatsch. Und unsere beiden Helden sind leider nicht viel besser: Ihr beständiges Schwanken zwischen bekifftem “Mirdochegal” und psychotischem “WahhhhPanik” – bei dem ich mich dauernd an eine schlechte Scooby-Doo-Folge erinnert fühlte – nerven schon relativ schnell und einige Momente sind einfach zu dick und doof aufgetragen, als das ich sie noch mitverfolgen wollte.

    Schon klar, ist unPC und Chuzpe, wenn sich unser Duo an Schüler ranmacht um ihnen Dope zu verkaufen, aber wie vieles andere, ist die Szene zu lang, zu langatmig und zusammen mit der nachfolgenden Verfolgungsjagd (inkl. Fuß durch die Windschutzscheibe) einfach zu far out. Was Rogen mit Superbad gelang, das man ihm auch die dümmsten Verwicklungen gerade noch so abnahm, weil die Charaktere einfach stark genug waren, verliert sich in “Pineapple Express” in taubem Klamauk.

    Einziger Lichtblick sind ein paar Szenen mit dem immer großartigen Gary Cole, der einen glaubwürdigen und durchaus respekteinflössenden Gangsterboss abgibt. Er besitzt die nötige Größe, dass man ihm die Entwürdigung abnimmt, wenn sich in die Verhandlung mit der Konkurrenz plötzlich der pubertierende Sohn per Telefon einmischt.

    Und Pineapple Express wäre fast ein Flop, wenn er nicht noch im letzten Akt irgendwie die Kurve kriegen würde. Denn Rogen und sein Co-Autoren Goldberg und Apatow, lieben ihre Figuren und sind in ihrem tiefsten Inneren Softies und Romantiker. Natürlich zerstreiten sich Dan und Saul und natürlich erkennen sie, wieviel sie einander bedeuten. Und irgendwie wird das bekifft sein im letzten Akt endlich zur Nebensache, als hätten die Figuren gemerkt, wie nervig sie sind.

    Das Finale, in aller seiner brachialen und beeindruckenden Actionlastigkeit, ist stimmig und lässt die Figuren endlich das Potential entfalten, dass bis dahin nur angekratzt wurde. Es ist eine Ode an die Freundschaft, die platonische Liebe zwischen Männern (und auch wenn es anders behauptet wird, spielen Frauen im Apatow-Kosmos doch eher eine Nebenrolle) und die männliche Albernheit. Das Finale parodiert und zitiert Actionklischees, es täuscht Situationen an, die man schon von woanders kennt um sie dann zu enttäuschen.

    Der Film bietet eines der längsten Setups für einen platten “Es sieht so aus als würde zwei Heterokerle miteinander ficken, obwohl sie etwas ganz anderes machen”-Witz und bleibt dann kalkuliert die dumme Pointe schuldig – und führt damit diese Witze und die Erwartungshaltung des Publikums ad absurdum. Zudem überrascht der Spektakelwert und die Brutalität mit der der Film vorgeht. Die Gewalt ist hier immer drastisch und brutal, was einen interessanten Kontrast zur naiv-fluffigen Comicdarstellung der Hauptfiguren gibt. Und die Action am Schluss entschädigt tatsächlich fast für die vielen Durchhänger die der Film bis dahin hatte.

    Leider nur fast. Denn auch wenn die Liebenswürdigkeit, der Zuckerwatte umpuffelte Schwarze Humor des Film es schwer machen ihn nicht irgendwie zu mögen, es bleibt letztlich das Gefühl, dass dieses Experiment nur teilweise gelungen ist. Zu oft bricht sich Langeweile oder schlimmer noch Gleichgültigkeit gegenüber den Beteiligten Bahn und die wenigen Highlights der ersten zwei Akte, wiegen den Leerlauf und dummen Kifferhumor nicht wirklich wieder auf.

    Der Film bleibt, so gesehen, seinem Thema treu. Denn wenn man einen geraucht hat, glaubt man ja auch meist viel witziger zu sein, als man es eigentlich ist und kann über jeden Scheißdreck lachen.

    Nur blöd wenn im Kino keine Tüten erlaubt sind.

    Was solls. Ich freu mich mal auch “Zak and Miri make a porno”, glaube weiterhin dass Seth Rogen was drauf hat und freue mich, wenn James Franco endlich nicht mehr wie das geölte Zäpfchen aus den Spider-Man Filmen rumrennt.

    Von Batz am 25, 10, 2008 um 20:16 in CineBatz | 2 Kommentare »

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    2 Kommentare zu “Letztes Lichtspiel: Pineapple Express”

    1. Siegurd Sagt:

      Leider hast du recht, ich wünschte ich hätte was zum Rauchen dabei gehabt.

    2. 50AE Sagt:

      >>Der Film bleibt, so gesehen, seinem Thema treu. Denn wenn man einen geraucht hat, glaubt man ja auch meist viel witziger zu sein, als man es eigentlich ist und kann über jeden Scheißdreck lachen.<<

      Ein weit verbreiteter Irrtum. Mario Bart, oder eine Cindy aus M. sind auch nach allem Graß Hollands nicht lustig… nicht mal ein bisschen.

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